Ich erinnere mich noch gern an die sehr alte Großmutter meiner Frau. Die wurde 97 Jahre alt, und sie hatte immer Angst. Angst, weil sie in einer fast vollständig medial vermittelten Wirklichkeit lebte. Angst vor Unfällen auf der Autobahn, Angst vor dem Wetterumschwung usw.
Sie konnte sich zwar selbst versorgen, aber sie verließ nur noch für den Besuch bei Geschwistern/Kindern/Enkeln die Wohnung, die sie seit vielen Jahrzehnten ihr Heim nannte. Daran musste ich jetzt denken, als ich diesen Post von Dave Winer las:
Too much news makes us scared: „But more important, according to the Planet Money experts, we weren’t constantly hearing stories on cable news (it didn’t exist then) or on the Internet (ditto) about people who’s lives had been destroyed because the safety net wasn’t 100 percent. „
(Via.)
Diese Inputseite der Medienkonsumenten müsste man sich auch mal ansehen, wenn man über die Direktheit, mit der auf einmal der Volkszorn sich durch die sozialen Medien Platz macht, diskutiert wird. Gleichzeitig wurden die Publizierungsmittel für normale Menschen leichter, und sie werden immer stärker getriggert – durch Medien und soziale Medien. Das erklärt die Erregungsspirale, in der wir uns offenkundig befinden. Einfach mal ein kleiner Aufruf an alle Medienmacher, es mit den Rotlicht- und Blaulicht-Stories etwas sanfter anzugehen. Ihr erzeugt Angst. Wenn ihr euer Tun mal reflektieren wollt, lest einfach mal „News“ von Alain de Botton.
Vor einiger Zeit habe ich schon darüber geschrieben, dass ich in einer Hinsicht meiner Mutter gleiche. Das ist natürlich nicht die einzige. Auch ich trinke Kaffee, in Stresszeiten auch mal den ein oder anderen Kaffee zu viel. Und andere Eigenschaften habe ich auch geerbt/übernommen. Anlage/Umwelt ist da eigentlich egal, das Ergebnis kommt auf das gleiche heraus. Heute soll die Rede von Tassen sein. Tee, Kaffee, egal. Ich trinke beides. Meist aus großen Kaffeetassen, Haferl nennen das die Bayern, Mugs die englischen Muttersprachler.
Tassen sind ein beliebtes Mitbringsel, nicht nur allgemein für Touristen, sondern auch für mich als Reisenden im Speziellen. Aus Las Vegas habe ich meiner Mutter einen Kaffeepott mitbringen wollen, auf der das bekannte Ortsschild abgebildet ist. Das war gar nicht so leicht. Aber es hat funktioniert. Und ich bringe mir auch Tassen aus Shops mit, die mir besonders gut gefallen. Aus Museumsshops etwa.
So gibt es in unserem Küchenschrank eine Art Brotkrumenpfad durch die Orte und Städte, wo ich schon einmal war. Auch wenn der Transport meist schwierig war (viele Shops haben weder Seidenpapier noch Luftpolsterfolie zum Einpacken): Eine Tasse habe ich mir von vielen Orten mitgebracht. Irgendwann wurden es aber zu viele Tassen, und die Tassen meiner Frau zu bunt. Normalerweise nutzen wir nämlich weiße Vivo-Tassen. Meinen Kaffee trinke ich auch am liebsten aus einem Bol-artigen Gefäß. All die bunten Merchandising-Tassen mit Logos sind dann zweite Wahl.
Deshalb habe ich angefangen, meinen Tassen-Brotkrumenpfad auf meine Arbeitgeber auszuweiten. Mein alter Arbeitgeber hatte in einem frisch renovierten einen Tassenvernichtungsbefehl ausgegeben – es sollten idealerweise nur noch die weißen, vom Arbeitgeber gestellten Tassen benutzt wurden. Mit der Zeit wurde das aufgeweicht. Tassenliebhaber gibt es überall, und auch so etwas wie Monogramme auf den Tassen sind beliebte Giveaway-Tassen geworden.
Auf der letzten Konferenz, auf der ich war (dem WordCamp Europe 2016), waren die Tassen fast so beliebt wie T-Shirts. Eine Plesk-Tasse findet sich jetzt auch bei TargetVideo im Schrank, und ich habe ein paar Tassen weniger im Schrank. Daheim.
Aber bei meinem jetzigen Arbeitgeber TargetVideo hat sie ein gutes Heim gefunden! Genauso wie die ran-Tasse, die ich mitgebracht habe – perfekt für Tee. Oder den Typografie-Mug von Hoefler Fonts mit ihren unzähligen Ampersands – kaufmännischen Und-Zeichen.
Wir suchen dich!
Wenn auch du unsere Tassensammlung inspizieren willst: Wir suchen immer wieder neue Mitarbeiter, und eigentlich ständig Praktikanten, egal ob Pflichtpraktikum oder freiwilliges Praktikum. Bewirb dich!
Type war früher schon heiß, als die Type noch gegossen wurde:
Move over, Helvetica: Type is hot: „Blue-chip companies like Ford and Citibank as well as storied publications like The Atlantic are commissioning custom fonts in search of a unique look.“
(Via.)
Dass Mercedes-Benz eine eigene Schriftart, ist klar. Aber wer kann sich so etwas leisten? Auch wenn das sehr viele Kunden haben wollen.
Aber was ich sagen will: Egal ob diese Schweizer Type oder San Francisco, auf immer kleineren (und auch pixeligen) Displays ist Schrift für die Marke überlebensnotwendig. (Ist das ein Wort?)
Publishing has long had a focus on type, but the proliferation of mobile devices has raised demand for fonts that have the flexibility to adapt to different screen sizes and can create a consistent brand across different media platforms.
Ich möchte den letzten Satz noch einmal hervorheben. Wenn alle Onlinemedien das gleiche Grid verwenden, weil das wegen des Satzes an IAB-Standard-Werbeformaten (beinahe) unvermeidlich, bleiben nur noch Farbe und Schrift, um sich gegenüber des Wettbewerbs zu differenzieren. Das krasse Redesign von Bloomberg wird im Artikel auch erwähnt – auch mit der guten, alten Helvetica kann man noch richtig knallen. Das muss nicht immer so staatstragend sein wie bei BMW.
Deswegen ist mir die Auswahl der richtigen Schrift für ein Vertical bei TargetVideo auch so wichtig. Bei bettgefluester.tv haben wir uns für Function Pro entschieden, weil diese Schrift eine klassische Moderne hervorruft, einen hochwertigen Charakter – gerade im Kontrast zu den quietschigen Highlightfarben auf der Seite (Magenta/Pink/Violett).
Farbe scheidet bei dynamischen Seiten oft als Differenzierungsmerkmal aus, weil der Content selbst eine Farbe mitbringt. Nicht alle Farben funktionieren gut mit anderen. Und dann ist man schnell bei einem weißen oder schwarzen Seitenrahmen. In einem Prototypen für eine neue prosieben.de habe ich etwa mit dem strahlenden Mitternachtblau der Seite gespielt.
Online-Medien wie The Atlantic kann man jetzt schon erkennen. Und sie machen sich mit einer eigenen Schrift noch wiedererkennbarer. Es geht nicht um die Flexibilität, sondern auch um die Stabilität der Marke.
Das ist mir sogar für mein Blog wichtig. Playfair Display habe ich als Schrift für die Headlines. Aber ich empfinde die als etwas überexponiert, einfach weil die Schrift so schön ist – und über Google Fonts allen zur Verfügung steht. Daher ist eine meiner regelmäßigen Suchen „underused Google Font“.
Vielen Bloggern geht es ähnlich. Einige WordPress-Theme-Frameworks machen sogar die Auswahl eines Google-Fonts über ihre Backendfunktionen möglich. Das Ergebnis ist nicht gerade schlanker Code, aber Performance ist ja nicht alles.
Haßloch ist eine rheinland-pfälzische Gemeinde, die keiner kennt. Außer, man arbeitet im Marketing. Haßloch ist als Testmarkt in Deutschland weltbekannt.
Haßloch ist Testmarkt der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für neue Markenartikel und Konsumprodukte: Im Haßlocher Einzelhandel sind vorab Produkte erhältlich, die erst in Zukunft in Deutschland eingeführt werden sollen. In das örtliche Fernsehkabelnetz werden eigens gedrehte Werbefilme für diese Produkte eingeblendet, einzelne Zeitschriften (wie zum Beispiel die Hörzu, Bunte) werden speziell für Haßloch mit Anzeigen für die neuen Produkte herausgegeben. Einige Bürger besitzen zudem Karten mit Strichcodes, die beim Einkauf gescannt werden, so dass eine Zuordnung der Einkäufe zu einzelnen Haushalten oder Personen möglich wird.
Meine Mutter reagiert auf Promotion-Aktionen wie das der Handel erwartet: mit Neugierde. Ihre Lieblingsschokolade gibt es jetzt mit Ananas-Geschmack? Fanta Knoblauch? (Alle Beispiele erfunden.) Das ist erst mal interessant.
Und das Schlimmste ist: Ich bin genauso. Wenn ich irgendwo ein E-Book mit Informationen über meine Wissensbereiche oder meine Arbeitsdomäne sehe, greife ich erst einmal zu. Auch wenn ich dann monatelang irrelevantes Zeugs von HubSpot und anderen Services zugeschickt bekomme, ich werde das nicht los. Die Neugierde siegt.
Dabei müsste ich es besser wissen: Auch in der Mensa meiner Alma Mater wurden oft neue Produkte aus den Regalen von Unilever und Co. getestet. In besonderer Abneigung erinnere ich mich noch an eine Magnum-Stieleis-Variante mit Orangengeschmack. Die war kalt, aber das war auch das einzige Positive, was ich über sie sagen kann.
Übrigens scheint das Sammelgen sich an den Nachwuchs vererbt zu haben. Der große Sohn kann auch aus allen möglichen Pappen und Papieren noch etwas basteln.
Ich mag GIFs eigentlich gar nicht besonders, aber manchmal vermitteln sie mehr von einem Design als ein flacher Screen ohne Interaktion. Daher arbeite ich gerade an einem Workflow, den alle meiner Kollegen machen können, um etwas aufzunehmen. Der kostengünstigste Weg ist Licecap, darauf bin ich durch einen Blogpost von Gina Trapani gestoßen, der Gründungschefredakteurin von Lifehacker. So ist auch die Grafik zu diesem Post entstanden.
Screengrab mit LICEcap von einem Word-Dokument funktioniert immer. Aber: Das fühlt sich hacky an. Ein echter Designer macht das anders. Auch wenn ich keiner bin, ich mag Sketch. Und in Sketch gibt es dafür ein Plugin, das ich mir von GitHub besorgt habe.
Frame-Animationen brauche ich keine komplizierten, nur zwei Bilder, die sich mit einer halben Sekunde Laufzeit abwechseln. Voilà.
Der reichste Literaturkritiker der Welt, Bill Gates, hatte das Buch empfohlen. Viele der Sachbücher, die der Microsoft-Gründer in den letzten Jahren empfohlen hatte, hatten mir gefallen. Warum sollte ich nicht auch einem Roman eine Chance geben? Ich hatte lange Zugfahrten im Besonderen und viele Zugfahren im Allgemeinen vor mir. Die Rede ist von „Seveneves“ von Neil Stephenson.
Bei 850 Seiten im Buchladen wäre ich zurückgeschreckt. Wie soll ich das denn bei der wackligen Fahrt vor mir dauerhaft still halten? Digital ist besser: ssind auf dem Kindle ja nur viereinhalb Megabyte. Text braucht nicht so viel Speicherkapazität. Und der Kindle oder das Smartphone, auf dem ich in letzter Zeit am meisten lese, sind auch immer gleich schwer. Selbst wenn es zum Schmökerphone geworden ist.
„Seveneves“ ist radikal in seiner Absolutheit, so wie das im Science Fiction-Genre wohl oft die Gedankenexperimente sind. Der Mond wird zerstört, und er wird der Erde auf den Kopf fallen. Da wären sogar die Gallier empört. Was macht die Menschheit? Sie bereitet sich auf die Flucht in den Weltraum vor. Diese Flucht ist der wesentliche Gegenstand des Buches. Wer darf, wer nimmt sich das Recht, welches Recht gilt da oben – das sind die harten, pragmatischen Fragen, die ganz natürlich in der Handlung des Romans beantwortet werden.
Wer das Buch noch lesen möchte – es folgen SPOILER.
Also wirklich jetzt, die Lektüre lohnt sich. Tolles Buch für einen viel zu entspannten Urlaub am Pool.
Besonders einleuchtend sind die Fortschritte in der Gentechnik, die die Menschheit macht. Erschreckend zeitgemäß, wie ich jetzt in der ZEIT lesen konnte. (Diese Kreuzverbindungen, die wie Serendipität einfach so entstehen, weil sich Strömungen im Leben miteinander vermengen und Verweise ergeben, sind das Beste daran, auch mal Belletristik zu lesen.)
Wenn sich in Washington – wie im Dezember vergangenen Jahres – Biowissenschaftler aus allen relevanten Forschungsnationen versammeln, um sich über die Möglichkeiten und Grenzen von genome editing zu verständigen, gähnt die Welt und wischt schnell wieder dorthin, wo’s um Gadgets statt um Gene geht. Woher kommt diese Ignoranz?
Epigenetik nennt das Stephenson. Keine Ahnung, ob er das richtig definiert, aber es fühlt sich echt an. Und so folgt man den logisch scheinenden Volten seiner Geschichte, die einen längeren Zeitraum überbrückt, als ich zunächst gedacht hätte. 5000 Jahre erlauben erhebliche genetische Veränderungen an den Menschennachfahren, vor allem wenn man sich mit dem Überleben und nix Anderem als dem Überleben beschäftigen muss. Die gute Nachricht: Inzest ist heilbar, aber wir können immer noch nicht mit denen, die anders sind als wir, in Frieden zusammenleben. Krieg ist eine unheilbare Krankheit. Conditio humana.
Das Buch schlägt wilde Haken, legt falsche Fährten und verliert sich in seitenlangen Beschreibungen von Raumstationen. Ich sehe förmlich die establishing shots vor meinem inneren Auge, die davon vorbereitet werden. Kubrick hätte sich auch um die Filmrechte bemüht.
Der Weltraum unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer der letzten Überlebenden der Menschheit. The final frontier. Where noone has gone before.
Die wirklichen Filmrechte an „Seveneves“ hat jetzt Ron Howard erworben, ein Experte für Not-OPs an notleidenden Raumschiffen (der Regisseur von „Apollo 13“. Lustig, dass auch im Roman auf diese Weltraumgeschichte der Menschheit verwiesen wird. Das Runde muss ins Eckige ist auch in der Astronautenzunft ein geflügeltes Wort.
Ich bin kein Science-Fiction-Vielleser. Aber: „The Martian“ habe ich im Kino ja leider verpasst, aber das Buch habe ich auch ähnlich schnell weg gelesen. Pageturner wie „Seveneves“ können Amerikaner einfach schreiben. Sogar als Nicht-Muttersprachler kann man dem Sog des Buches nicht widerstehen. Die Empfehlung von Bill Gates habe ich nicht bereut.
Erster Satz der Einladung, die ich per Mail erhalten habe:
Nicht vergessen, reservieren Sie sich noch ihre Plätze für München
Letzter Satz der Einladung:
Für Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Ich freue mich Sie persönlich in Köln zu begrüßen.
Ja, bei mir sind auch 34 Grad Celsius im Büro. Aber damit der Fehler nicht mehr passiert, die beiden Kathedralen der Städte im 1:1-Vergleich. Und ich bin mir sicher, der Verfasser versinkt irgendwo eh vor Scham im Boden.
Die Überschrift liest sich hoffentlich ein bisschen wie ein Ostfriesenwitz. Oder einer der anderen, der auf Kosten von Minderheiten geht. Nicht, weil ich die gut finde, sondern weil es zu viele Fahnen auf einem Auto geben kann.
Versteht mich nicht falsch, ein bisschen Patriotismus täte Deutschland gut, gerade auf die Errungenschaften der Demokratie kann man wirklich stolz sein, mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der grässlichen Dimension deutscher Verbrechen.
Ich glaube, der Deutschlandstolz in positiver Hinsicht ist mit dem Sommermärchen 2006, von dem auch dieses Foto stammt, erwacht.
Das Maximum dessen, was ich in 2016 zählen konnte, waren 8 Fahnen: eine an der Antenne, zwei an den Außenspiegeln, vier als Klemmfahnen an der Tür und eine als Aufkleber auf der Motorhaube. Da man sicher auch noch mehr Fahnen auf das Auto kriegt, habe ich die Achse nicht bei acht aufhören lassen.
Soweit ich weiß, habe ich nicht ADHS. Das zeitgenössische Mainstream-Kino geht aber wohl davon aus, dass alle Kinobesucher daran leiden. Es gibt Statistiken, nach denen 14 Prozent der US-amerikanischen Jungen zwischen 5 und 17 daran leiden, aber nur 5,9 Prozent der Mädchen. Die Zielgruppe von Jungs zwischen 14 und 19 ist eine der wichtigsten Zielgruppe auch für deutsche Kinos. Sie machen zehn Prozent aller Kinobesuche aus. Daher werden Filme immer hektischer. Zeit zum Luftholen ist kaum. Das gilt auch für „Deadpool“.
Deadpool ist ein ADHS-Abenteuer, genau wie „Avengers Teil M“ oder „Transformers Teil N“ oder „Spider-Man vs Godzilla“. Weiterlesen
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