Fall Hinz: Warum kommen Politik und Journalismus jetzt erst der Wahrheit auf die Spur?

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Journalismus

In einer Woche, in der es eine vollkommen unbekannte Bundestagsabgeordnete schafft, auf einmal von der Hinterbank ins Rampenlicht der Berliner Politikszene katapultiert zu werden, vom System verdaut zu werden und dann wieder irgendwo neben der A40 mental ohne Berufsperspektive ausgespuckt zu werden, muss ich mal wieder etwas journalismuskritischer werden. Erste Regel im Journalismus: Ist der lange Satz notwendig? Kannst du das nicht einfacher sagen? Probieren wir es, aber dann verlasse ich den heiligen Stehsatzboden des Leadsatzes. (Warum heißt es eigentlich Leadsatz und Lede auf Englisch? Aber ich schweife ab. Das ist übrigens der inoffizielle Titel meines Blogs: Abschweifungen über alles.)

Eine Bundestagsabgeordnete hat gelogen, bei ihrem Schulabschluss, ihrem Studium und ihrem Lebenslauf. Bei einem normalen Arbeitgeber wäre das die fristlose Kündigung gewesen. Und so hat Frau Petra Hinz auch gehalten. Sie legte ihr Mandat nieder. Wer hat es herausgefunden? Ein Journalist. Und veröffentlicht hat er es in einem nicht klassischen Onlinemagazin.

Wie konnte das sein? Ich glaube, es ist sowohl ein Politik- als auch Journalismusversagen. Kein Wunder, dass Journalisten nix mehr geglaubt wird. Auch wenn auf dem Ranking des Ansehens der Berufe Journalisten noch vor Politikern liegen. Ein Blogpost bei Poynter hat mich ins Denken gebracht:

No, we’re not in a ‘post-fact’ era – Poynter: „Paul Krugman called it ‚The Post-Truth Campaign.‘ Farhad Manjoo said we lived in a ‚post-fact society.‘ Author David Sirota welcomed us to the ‚post-factual era.'“

(Via.)

Das Jammern über die Unwichtigkeit von Fakten ist uralt, weist der Autor nach. Die USA haben Trump, der das zuspitzt, und wir haben AFD und solche Ausdrücke des bislang unsichtbaren „Volkszorns“. Ein schreckliches Wort, weil alles mit Volks- als Präfix zwischen Drittem Reich und Bild-Zeitung-Marketing oszilliert.

Die USA haben aber auch Rechercheure und Factchecker, die die seriellen Lügen von Politikern aufdecken. Auf nationaler Ebene. Auf lokaler Ebene ist das etwas anders, und bei uns leider auch. Sowohl WAZ wie auch Ruhr-Nachrichten haben im lokalen Redaktionsgeschäft im Ruhrgebiet sehr viele Stellen gestrichen, und da war vorher auch nicht nur Spitzenjournalismus am Werk.

Ein lokaler Rechercheur also hat die Lebenslauflügen von Hinz aufgedeckt. (Warum zur Hölle sind die Fakten der ursprünglichen Geschichte in einem Kommentar versteckt?) Ich vermute, da war jemand in der Partei zornig auf die Abgeordnete. Und so war es:

Der Hinweis auf Auffälligkeiten im Lebenslauf von Petra Hinz – er kommt aus ihrer eigenen Partei. Und gleich von mehreren Mitgliedern, die mir namentlich bekannt sind. 

Aus den eigenen Reihen wurden gegen sie gezielt geleakt: Ihre Wiederwahl stünde an.

Es ging also doch, dass man den Lebenslauf einer Berufspolitikerin kritisiert. Es gibt also noch Krähen, die der andere Krähe nix gönnen. Warum ist das jetzt erst passiert? Warum nicht bei ihrer ursprünglichen Kandidatur?

Theorie 1: Hinz und der sprichwörtliche Besenstiel

Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, kennt das SPD-Milieu sehr genau. Bergkamen oder Dortmund oder Essen ist egal, das geflügelte Wort lautet:

In der örtlichen CDU heißt es, die SPD könnte bei Kommunalwahlen einen rot angemalten Besenstiel aufstellen, sie würde gewählt.

Das hat sich in den 2000er Jahren gewandelt, die CDU übernahm Rathäuser. Hinz hat also wohl Wahlkampf gemacht, und da kriegen Lokalredakteure den Lebenslauf doch auf den Tisch. Man kann nicht jeden im Stadtrat kennen, aber eine örtliche Kandidatin für den Bundestag schaut man sich doch genauer an?

Wohl nicht.

Warum ist das den Parteigenossen nicht eher aufgefallen? Man kannte die Petra, und das reichte?

Und warum kann man so etwas in einer Stadtredaktion nicht zur Pflicht machen, den Lebenslauf mal abzutelefonieren? Ist ein halber Tag Telefonarbeit für einen gut vernetzten Lokalredakteur. Sorgfaltspflicht hieß das mal.

Die Antwort kenne ich natürlich auch: Das ist alles nicht wirtschaftlich. Redakteure im Lokalen können sich Recherche einfach nicht mehr leisten, weil sie so stark im Produktionsstress sind. Ich kenne das Leben dort, und das ist in den letzten 15 Jahren sicher nicht besser geworden.

P.S. Warum rege ich mich über diesen Fall so auf? Ich habe gemeinsam mit einem Kommilitonen eine Diplomarbeit zum Thema Fälschung im Journalismus geschrieben. Damals haben wir journalistische Skandale wie die Hitler-Tagebücher untersucht, nicht den journalistischen Umgang mit Skandalen. Aber das Thema ist immer noch so nahe daran, dass das eine gewisse Saite zum Schwingen bringt.

Warum zur Hölle Informer?

Das Video muss jetzt sein. Der Name Informer Magazin erinnert mich einfach daran:

 

Microsoft Stream: der neue Albtraum für DAM-Anbieter

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Cloud / DAM / Microsoft

DAM-Anbieter sollten Angst bekommen. Bisher ist der klare Usecase für ein DAM-System: Wir (Unternehmensnamen oder Marketingabteilung hier einfügen) wollen andere unsere digitalen, vor allem die visuellen Assets an einer Stelle im Unternehmen zentralisieren. Das Marketingteam will zum Beispiel bei der Anschaffung eines DAMs sicher stellen, dass immer die aktuellsten Assets benutzt werden, wenn die Creatives neue Werbemittel für eine Kampagne erstellen. Die Synchronisierung eines Unternehmens passiert auf diese Art und Weise oftmals an der hauseigenen IT vorbei, mit einer standardisierten Lösung. Und jetzt gibt es die Preview von Microsoft Stream.

Der Markt für diese Systeme ist groß, er beginnt ernsthafterweise bei etwa 500 Euro monatlich für eine gehostete Version. Das hat zumindest meine Untersuchung des Marktes im Herbst/Winter 2015/2016 ergeben, die ich für TargetVideo gemacht habe.

10 Features muss jedes DAM haben, damit es von der Szene ernst genommen wird als ein echtes DAM.

  1. Unique ID codes
  2. Workflow capacity
  3. Version control
  4. The ability to create metadata fields/categories in addition to the metadata standards (IPTC, EXIF, XMP etc).
  5. A Robust and extensive taxonomy built on metadata fields/categories described above.
  6. Advanced search where metadata/keywords can be searched for.
  7. Methods by which assets can be shared and/or linked.
  8. Ability to perform actions on ‘batches’ of assets, such as upload, download, add to gallery, add metadata etc.
  9. Can handle several different file types; most commonly images, documents and audiovisual files.
  10. Administrative capabilities and the ability to have different user types.

Warum sollten sie Angst bekommen? Microsoft hat diesen Markt jetzt betreten. Und das entstandene Produkt ist derzeit in einer Beta-Version verfügbar, Microsoft nennt es selbst Preview. Microsoft ist für mich einer der ernsthaften Endgegner, die man in der Softwareentwicklung haben kann. Das Team derer, die man nicht als Konkurrent haben will, besteht für mich derzeit aus: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft. Microsoft hat sich diesen Platz in den letzten Jahren mit überraschenden, aber logischen Entscheidungen (Office für iPad und Android-Tablet FTW) zurückerobert.

Introducing Microsoft Stream: the secure destination to manage and share videos for businesses of all sizes – The Official Microsoft Blog: „Today we are announcing the free preview of Microsoft Stream, a new business video service that democratizes access to and discovery of video at work. Starting today, anyone with a business email address can sign up for the preview in seconds and begin uploading, sharing and tagging videos in their organization. „

(Via.)

Und es erfüllt gleich die Punkte 1, 6, 7, 8 und 10. Finde ich für eine Beta durchaus überzeugend. Ja, wenn man eine echte Bedarfsanalyse macht, wird man feststellen, dass das Produkt vieles von dem nicht kann, was man in einem Unternehmen braucht. Besonders das Fehlen einer Versionierung (man kann in Stream nur löschen) und des Workflow-Management sind für mich schmerzlich. Microsoft-typisch ist das Ganze derzeit nur vorstellbar, wenn man auf Exchange oder eine andere Microsoft-Account-Technologie denkt. Und das Rechtemanagement hat einen starken Binnenbezug in einen Konzern hinein. Aber wenn man jemandem die Absicherung von Inhalten gegen externe, nicht-befugte Nutzer zutraut, dann wohl dem DRM-erfahrenen Microsoft.

Aber wenn die Anforderung „firmeninternes YouTube“ lautet, ist es für mich einen Blick oder mehr wert. (Und seien wir ehrlich, manchmal ist das die konzeptionelle Idee, die man von einem C-Level zugeworfen bekommt.) Es macht das Transcoding, das Management der Videos, und auch in einem Nicht-Microsoft-Browser funktioniert es mehr als nur leidlich. Ich hatte auf meinem Mac überhaupt keine Probleme in Chrome. Das Backend ist modern, sieht aufgeräumt aus.

Editing-Video-Microsoft-Stream

Screenshot: Microsoft

Manche Ansichten sehen noch aus wie ein interaktiver Klickdummy, aber es funktioniert halt:

Screenshot: Microsoft

Screenshot: Microsoft

Ein neuer Nutzer für unsere derzeitige Lösung kostet uns etwa 40-50 Euro pro Monat. Wenn das gleich als Bundle mit Office 365 dabei ist, ist das eine spannende Lösung. Derzeit erfüllt Microsoft Stream nicht alle Anforderungen, die ich als Head of Product bei einem Videolizenzanbieter habe. Aber als normaler Marketer? Der reine Video-Fokus nimmt es noch etwas aus dem Rennen, weil die meisten DAMs viele verschiedene Dateitypen behandeln können. Man muss schon sehr sauber argumentieren können, warum Microsoft Stream derzeit und mit einem angenommen Launch-Featureset in 2016 noch eine Nummer zu klein ist. Aber sauber argumentieren ist eh eine gute Sache, nicht nur für DAM-Investitionsentscheidungen.

Zeit für die DAM-Anbieter, wirklich mal sich mit User Experience in einem Kernprodukt zu beschäftigen und der Erweiterbarkeit ihres Systems auf viele unterschiedliche Distributionswege und Ausspielkanäle zu beschäftigen. Und ja, Microsoft Stream kam wirklich überraschend. Die Domain wurde erst im Mai 2016 registriert.

Aber Großmutter, du hast so große Versionsnummern!

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App / Apple / Design

Als Dominic Grzbielok eines Morgens Sketch zum ersten Mal aufmachte, stellt er fest, dass schon wieder ein neues Update verfügbar war und sich die Versionsnummern seiner Lieblings-Design-App ganz erheblich verändert hatten.

Ich, heute

Und zwar schlägt das sogar Microsoft. Upgrade von 3.8.3 auf Version 39. Aber die tollen Entwickler bei Sketch erklären das ganz artig, in den Release Notes, und in einem eigenen Blogpost, den ich Anfang Juni überlesen hatte.

Sketch ist übrigens ganz super! Und ich werde auch weiter damit Scribbles machen und meine Blogillustrationen herstellen.

Timehop tut mir leid. Und alle andere mit den Mitbewerbern auch

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Android / App / Apple / Facebook / Google / iOS / Microsoft / Software / Startups
Timehop hat eine der besten Onboarding-Erfahrungen in einer App, die ich kenne. Findet auch Samuel Hulick, siehe sein Teardown. Was macht die App? Sie zeigt mir an jedem Tag Fotos und andere irgendwo in der Cloud gespeicherten Erinnerungen an. Das sind Fotos oder auch Check-ins von vor ein, zwei, drei, fünf, 21 Jahren. Kennt man mittlerweile auch von Facebook und Co.

Zwei Dinge unterscheiden das Produkt von dem, was die Großen anbieten:

  • Timehop ist anbieterunabhängig. Man sieht alle Fotos überall. Das ist etwas, was die Großen (Google & Co.) nicht anbieten können – und auch nicht wollen.
  • Timehop fügt historische Daten hinzu, wie für mich etwa der Tag, an dem „Clueless“ ins Kino kam und der mich auf einmal so alt machte, wie ich bin. Hier mein Tweet dazu:

Wenn man durch die Timeline bei Crunchbase surft, sieht man die ganzen Konkurrenten für Timehop. Hier die Auswahl, auf die es mir ankommt:

  1. Apple macht etwas an Photos-App in iOS
  2. Facebook fügt Funktion hinzu
  3. Wie man mit Google Photos etwas macht
Es fehlt noch Punkt 4: Microsoft bietet das mit OneDrive auch an. Und Punkt 5: Amazon Photos hat die gleiche Funktion. Offenbar können aber Firmen aus Seattle und Umgebung gar kein Marketing. Die kennt nämlich in meinem Umfeld niemand.

Dein Produkt wird das Features eines anderen Produkts

Was passiert hier also demnächst mit Timehop? Dein Produkt wird zum Feature von den Großen – die Funktion bei Facebook dürfte jeder kennen: On This Day.
Utility — It becomes a feature of other products.
(aus „The Three Phases of Consumer Products“, bei Medium)
Offenbar hat Timehop einen Trend vorhergesehen, alles in der Cloud speichern und daran erinnert werden. Aber da das Produkt kostenfrei ist, konnte man das auch nicht richtig monetarisieren. Und jetzt wird

Crunchbase sagt, dass die letzte Finanzierungsrunde zwei Jahre her ist, dabei wurden zehn Millionen Dollar eingesammelt. Bei zehn Mitarbeitern sollte das noch einige Zeit reichen. Aber so richtig große Hoffnung habe ich nicht für das Tierchen Unternehmen mit dem sympathischen Unternehmensmaskottchen.

Regel: Klicke nie mehr auf Klickbait-WordPress-Headlines

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Journalismus / Wordpress
Die Buzzfeed-Redaktion hat die Welt versaut. Oder wer auch immer die Formel „17 Dinge, die du nur weißt, wenn du ein Headlineschreiber bist“ erfunden hat. Und mit Verzögerung auch die CMS-Welt.

Buzzfeed selbst benutzt das Muster eher selten, das hat vor ein paar Monaten die Buzzfeed-Herausgeberin in einem Digiday-Interview verraten.

Aber wir Sterblichen nutzen das noch, es bringt wohl noch mehr Klicks als „Hooks für Advanced WordPress-Entwickler“. Aber das Schlimme an Klickbait ist: Sie lässt den Nutzer hungriger zurück als zuvor. Gib dir lieber etwas mehr Mühe bei deinen Blogposts. Sie halten dann länger.

X-Men, ein Treffer, dann wieder eine Fehlzündung

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Film

Keine Franchising-Filmreihe, die ich kenne, überrascht mit so wechselhafter filmischer Qualität wie die X-Men. Die ersten beiden Filme fand ich hervorragend, den dritten dann eine Mega-Enttäuschung, immer kaputter wurde da die Welt im Finale – digitaler Brösel-Exzess war die Zerstörungsorgie, die Jean Grey da über die Szenerie kommen ließ. Jetzt im Kino: X-Men Apocalypse.

Vielleicht liegt es daran, dass Jean Grey wieder eine Hauptrolle zukommt, diesmal allerdings nicht von Famke Janssen gespielt, sondern von Sansa Stark-Darstellerin Sophie Turner. Die Effekte haben sich aber deutlich weiter entwickelt. Die Brösel bekommen eine auch visuell interessante Makro-Struktur. Aber mehr ist mehr, so ist das in einem Film über halbgottgleiche Mutanten, wenn diese es mit einem Gegner zu tun bekommen, der sich für einen Gott hält: Dann muss man schon mal loslassen.

Dieser Gedanke der immer zu unterdrückenden Superkraft, den finde ich faszinierend. Im Grunde sperrt Charles X. Xavier seine Kinder in einen Zoo, bis sie dressiert sind, äh, den Umgang mit ihren Kräften gelernt haben. Aber es ist eine ganz katholische Form der Triebunterdrückung, gegen die Magneto (wieder von dem wunderbaren Michael Fassbender gespielt) nicht zu Unrecht ein paar Argumente vorbringt. In „Die Eiskönigin“/„Frozen“ erleben wir ja auch eine so gepeinigte Superheldin (Elsa), die ihre Superkräfte unterdrücken muss, bis sie eines Tages vollkommen unkontrolliert aus ihr herausbrechen und sie aus der Gesellschaft ausbrechen muss, um sich selbst zu finden. Ich weiß, das ist nicht unbedingt die bevorzugte Lesart dieses Kinderfilms, aber man kann das ganze Mutantendasein auch als eine Metapher auf hormongesteuerte Teenager (und Kinder) begreifen. Erst mit der Liebe findet Elsa die Erlösung und die Macht über ihre Triebe/Superkräfte.

Bei den X-Men ist es die Hoffnung, die als Kontrollkraft wirkt. Und irgendwie wirkt die bei dem blassen Darsteller, der den jungen Charles X. Xavier spielt, nicht mehr besonders glaubwürdig. James McAvoy bleibt blass, sodass ich mich immer dabei ertappe, wie ich für den charismatischeren Magneto bin. Warum Magneto hier mal wieder Xavier hilft, ist unergründlich – von außen macht seine zeitweise Mitwirkung an der Zerstörung der Menschheit mehr Sinn, bei all der Trauer, die er in sich trägt. Und seinem berechtigten Hass auf normale Menschen.

DAM: Die zweite Welle ist dezentral

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DAM
Die Begrifflichkeit der Welle finde ich ein bisschen schwierig, weil ich dabei immer an Terrorismus denken muss. Aber dennoch stimme ich all dem zu, was in diesem etwas nischigen Post geschrieben wird:

DAM’s Next Wave Anticipates Our Connected Future: „DAM’s first wave was comprised of the management practices and technology designed to enhance the inventory, control and distribution of digital assets (rich media such as photographs, videos, graphics, logos, marketing collateral). „

(Via.)

Erst muss man alle seine digitalen Besitztümer, weil das sind Assets nämlich, sammeln, bevor man sie verteilen kann. Viele eher regionale Verlage sind etwa derzeit in dieser Phase – sie schaffen sich Videoteams an, und die stellen ihre Inhalte in ein Mediacenter auf ihrer Website.

In der zweiten Welle, die die digital-only Player wie Buzzfeed reiten, verteilen die Medienunternehmen ihre Inhalte überall hin. Distribution schlägt Produktion, so ähnlich hat das mein Ökonomieprofessor schon zu Unizeiten formuliert. Facebook Instant Articles und Google AMP, Apple News, Snapchat, all das sind Worte und Kanäle für diese Dezentralisierung.

Ein gutes DAM muss eigentlich die Kontrolle darüber gewährleisten, wo die Inhalte sind. Die meisten Systeme lassen aber einfache Feedbackschleifen, über die ich Ausspielorte am Datenspeicher nachtragen kann, vermissen.

Erst in einem Datensee kann man das alles wieder einigermaßen einfangen. Deswegen haben ja Big Data und die Datenanalyse ja gerade solche Konjunktur. Hadoop ist niemand aus GoT, keine Angst, der tut keinem weh.

Wenn ich also heute Produktmanager für ein DAM würde, würde ich hier mit der Bedarfsanalyse anfangen – sind das Anforderungen, die auch Mittelständler haben (vermutlich ja, viele Systeme können jetzt schon YouTube)? Und dann mal einen Prototypen bauen, auf Basis der hoffentlich längst vorhandenen API. Wenn du keine API hast, bist du eh weg vom Markt. Dann solltest du, lieber DAM-Hersteller, mal schnell mit einem Rewrite anfangen.

Bluetooth-Ohrstecker, oder: die Irre aus der U-Bahn

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Bayern
Die Frau ist auf dem Weg zum Flaschensammeln. Das war mein erster Gedanke. Die U2, die mich an diesem Feierabend zum Auto brachte, fährt weiter zum Einkaufszentrum am Rande der Stadt. In Riem, wo früher Jets die Räder auf den Boden setzten, trifft sich heute nur noch das proletarische Jetset. Die Riem-Arcaden haben einen Lego-Store, das macht sie auch für mich anziehend.

Warum denke ich also, diese Frau, die da in der U-Bahn mir gegenüber sitzt, wolle Flaschen sammeln? Sie spricht mit sich. Nicht wirr, sondern mit einem offenbar roten Faden. Die innere Stimme muss gut organisiert sein, denke ich mir noch. Dann wende ich den Blick ab, schaue durch die dunklen Fenster auf die Tunnelwand, um mich nicht zu verraten – dass ich ihr Verhalten befremdlich finde.

Dann streicht die Frau, die ich auf 40-50 schätze, und die erstaunlich gut erhalten geblieben ist für eine Flaschensammlerin, sich die mittellangen Haare zurück. Und dann erspähe ich etwas an ihrem Ohr, was ein Bluetooth-Headset sein könnte.

Sie telefoniert!

Ach so.

Ich schäme mich.

Aber warum habe ich das nicht gleich erkannt? Was war so anders an ihrem Gespräch? Ab und zu nahm sie Augenkontakt mit den Passagieren in der U-Bahn auf, und da muss ich ihre Sätze darauf bezogen haben, die sie sprach. Dabei waren das nur Gleichzeitigkeiten von Dingen, die nicht zusammen gehört haben. Ich schäme mich noch einmal.

Auch dafür, dass ich sie belauscht habe, selbst beim passiven Wegsehen meinerseits.

Dies ist meine Entschuldigung. An eine Frau, deren Namen ich nicht kenne, aber die ein Telefon so benutzt hat, wie es vorgesehen war. Nicht, indem sie in das untere Hände hineinspricht, wären sie das Display sichtbar vor sich hält, wie es Mode gewesen ist. Nicht als laut plärrender Transistorradioersatz. Und auch nicht als Comic-Sans-What’s-App-Chat mit Chat-Hintergrundmuster. Und nicht mit dem Nachricht-gesendet-Ton von Samsung.

Nebenbemerkung Flaschensammlerin

Warum habe ich das mit Flaschensammlerin gedacht? Weil sie verwirrt sprach, und das Flaschensammeln ist in München die offen sichtbare Variante der Armut, die allgegenwärtig ist. Das Wohlstandsgefälle in der reichsten Stadt Deutschland ist riesig, und da das Betteln wohl hart verfolgt wird, sieht man weniger Bettler als in nahe gelegenen Großstädten (Nürnberg ist anders, und es liegt auch in Bayern – pardon, Franken). Flaschensammeln ist eine professionelle Disziplin. Sie tragen Handschuhe, sie kommen alle paar Minuten, und so gut wie sie Tüten packen, könnten sie mir auch mal beim Urlaubsgepäck helfen. Sie sind überall. Die Ameisen der Überflussgesellschaft, die die Kaffeebuden, die an allen stark frequentierten unterirdischen Bahnhöfen entstanden sind, konterkarieren. Wenn die Wegwerfbecher Pfand hätten, das wäre noch was.

Nachrichten machen Angst

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Journalismus
Ich erinnere mich noch gern an die sehr alte Großmutter meiner Frau. Die wurde 97 Jahre alt, und sie hatte immer Angst. Angst, weil sie in einer fast vollständig medial vermittelten Wirklichkeit lebte. Angst vor Unfällen auf der Autobahn, Angst vor dem Wetterumschwung usw.

Sie konnte sich zwar selbst versorgen, aber sie verließ nur noch für den Besuch bei Geschwistern/Kindern/Enkeln die Wohnung, die sie seit vielen Jahrzehnten ihr Heim nannte. Daran musste ich jetzt denken, als ich diesen Post von Dave Winer las:

Too much news makes us scared: „But more important, according to the Planet Money experts, we weren’t constantly hearing stories on cable news (it didn’t exist then) or on the Internet (ditto) about people who’s lives had been destroyed because the safety net wasn’t 100 percent. „

(Via.)

Diese Inputseite der Medienkonsumenten müsste man sich auch mal ansehen, wenn man über die Direktheit, mit der auf einmal der Volkszorn sich durch die sozialen Medien Platz macht, diskutiert wird. Gleichzeitig wurden die Publizierungsmittel für normale Menschen leichter, und sie werden immer stärker getriggert – durch Medien und soziale Medien. Das erklärt die Erregungsspirale, in der wir uns offenkundig befinden. Einfach mal ein kleiner Aufruf an alle Medienmacher, es mit den Rotlicht- und Blaulicht-Stories etwas sanfter anzugehen. Ihr erzeugt Angst. Wenn ihr euer Tun mal reflektieren wollt, lest einfach mal „News“ von Alain de Botton.