Microsoft Stream: der neue Albtraum für DAM-Anbieter

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DAM-Anbieter sollten Angst bekommen. Bisher ist der klare Usecase für ein DAM-System: Wir (Unternehmensnamen oder Marketingabteilung hier einfügen) wollen andere unsere digitalen, vor allem die visuellen Assets an einer Stelle im Unternehmen zentralisieren. Das Marketingteam will zum Beispiel bei der Anschaffung eines DAMs sicher stellen, dass immer die aktuellsten Assets benutzt werden, wenn die Creatives neue Werbemittel für eine Kampagne erstellen. Die Synchronisierung eines Unternehmens passiert auf diese Art und Weise oftmals an der hauseigenen IT vorbei, mit einer standardisierten Lösung. Und jetzt gibt es die Preview von Microsoft Stream.

Der Markt für diese Systeme ist groß, er beginnt ernsthafterweise bei etwa 500 Euro monatlich für eine gehostete Version. Das hat zumindest meine Untersuchung des Marktes im Herbst/Winter 2015/2016 ergeben, die ich für TargetVideo gemacht habe.

10 Features muss jedes DAM haben, damit es von der Szene ernst genommen wird als ein echtes DAM.

  1. Unique ID codes
  2. Workflow capacity
  3. Version control
  4. The ability to create metadata fields/categories in addition to the metadata standards (IPTC, EXIF, XMP etc).
  5. A Robust and extensive taxonomy built on metadata fields/categories described above.
  6. Advanced search where metadata/keywords can be searched for.
  7. Methods by which assets can be shared and/or linked.
  8. Ability to perform actions on ‘batches’ of assets, such as upload, download, add to gallery, add metadata etc.
  9. Can handle several different file types; most commonly images, documents and audiovisual files.
  10. Administrative capabilities and the ability to have different user types.

Warum sollten sie Angst bekommen? Microsoft hat diesen Markt jetzt betreten. Und das entstandene Produkt ist derzeit in einer Beta-Version verfügbar, Microsoft nennt es selbst Preview. Microsoft ist für mich einer der ernsthaften Endgegner, die man in der Softwareentwicklung haben kann. Das Team derer, die man nicht als Konkurrent haben will, besteht für mich derzeit aus: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft. Microsoft hat sich diesen Platz in den letzten Jahren mit überraschenden, aber logischen Entscheidungen (Office für iPad und Android-Tablet FTW) zurückerobert.

Introducing Microsoft Stream: the secure destination to manage and share videos for businesses of all sizes – The Official Microsoft Blog: „Today we are announcing the free preview of Microsoft Stream, a new business video service that democratizes access to and discovery of video at work. Starting today, anyone with a business email address can sign up for the preview in seconds and begin uploading, sharing and tagging videos in their organization. „

(Via.)

Und es erfüllt gleich die Punkte 1, 6, 7, 8 und 10. Finde ich für eine Beta durchaus überzeugend. Ja, wenn man eine echte Bedarfsanalyse macht, wird man feststellen, dass das Produkt vieles von dem nicht kann, was man in einem Unternehmen braucht. Besonders das Fehlen einer Versionierung (man kann in Stream nur löschen) und des Workflow-Management sind für mich schmerzlich. Microsoft-typisch ist das Ganze derzeit nur vorstellbar, wenn man auf Exchange oder eine andere Microsoft-Account-Technologie denkt. Und das Rechtemanagement hat einen starken Binnenbezug in einen Konzern hinein. Aber wenn man jemandem die Absicherung von Inhalten gegen externe, nicht-befugte Nutzer zutraut, dann wohl dem DRM-erfahrenen Microsoft.

Aber wenn die Anforderung „firmeninternes YouTube“ lautet, ist es für mich einen Blick oder mehr wert. (Und seien wir ehrlich, manchmal ist das die konzeptionelle Idee, die man von einem C-Level zugeworfen bekommt.) Es macht das Transcoding, das Management der Videos, und auch in einem Nicht-Microsoft-Browser funktioniert es mehr als nur leidlich. Ich hatte auf meinem Mac überhaupt keine Probleme in Chrome. Das Backend ist modern, sieht aufgeräumt aus.

Editing-Video-Microsoft-Stream

Screenshot: Microsoft

Manche Ansichten sehen noch aus wie ein interaktiver Klickdummy, aber es funktioniert halt:

Screenshot: Microsoft

Screenshot: Microsoft

Ein neuer Nutzer für unsere derzeitige Lösung kostet uns etwa 40-50 Euro pro Monat. Wenn das gleich als Bundle mit Office 365 dabei ist, ist das eine spannende Lösung. Derzeit erfüllt Microsoft Stream nicht alle Anforderungen, die ich als Head of Product bei einem Videolizenzanbieter habe. Aber als normaler Marketer? Der reine Video-Fokus nimmt es noch etwas aus dem Rennen, weil die meisten DAMs viele verschiedene Dateitypen behandeln können. Man muss schon sehr sauber argumentieren können, warum Microsoft Stream derzeit und mit einem angenommen Launch-Featureset in 2016 noch eine Nummer zu klein ist. Aber sauber argumentieren ist eh eine gute Sache, nicht nur für DAM-Investitionsentscheidungen.

Zeit für die DAM-Anbieter, wirklich mal sich mit User Experience in einem Kernprodukt zu beschäftigen und der Erweiterbarkeit ihres Systems auf viele unterschiedliche Distributionswege und Ausspielkanäle zu beschäftigen. Und ja, Microsoft Stream kam wirklich überraschend. Die Domain wurde erst im Mai 2016 registriert.

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