Buchkritik: Noch ein Google-Schlüsselroman

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Bücher / Google
Früher hieß es Sex, Drugs, Rock’n’Roll.

Jetzt, wo der Rock tot ist, nur noch Sex and Drugs.

So lässt sich der neue Schlüsselroman „The Show“ von Filip Syta zusammenfassen. Syta war mal Accountmanager bei Google, wie sein Linkedin-Profil zeigt. Ich glaube, das ist das erste Profil eines Romanautors bei Linkedin, das ich je besucht habe. Normalerweise machen solche Seiten ja die Verlage für die Autoren oder der Autor hat sein eigenes .wordpress.com-Blog. Auf alle Fälle ist das Profil Treffer Nr. 2, wenn man nach dem Autor bei Google sucht.

Syta war dafür zuständig, dass Werbekunden bei Google mehr Anzeigen buchten. Dafür spricht aus meiner Erfahrung das, was er in seinem Lebenslauf schreibt. Und zwar aus der Werbefabrik für Europa aus Dublin heraus. Die allermeisten Kunden des Adwords-Programms werden aus der europäischen Zentrale aus Dublin heraus betreut. Nur wenige Accountmanager sitzen in den Ländern der EU.

The-Show-CoverUm was geht es in „The Show“? Ein Absolvent einer Elite-Uni fängt bei dem Konzern „The Show“ an, einem Autorkunstgriff, sich mal wieder einen neuen Namen für die Giganten des werblich-industriellen Komplexes auszudenken. Es könnte Facebook sein oder Google. So wie Hooli halt bei „Silicon Valley“. (Ich bin bloß ein bisschen verschnupft, dass es nicht für ein Doppel-O gereicht hat.)

Hinter den glänzenden Fassaden ist es so, wie unsereiner sich das vorstellt: Die Mitarbeiter arbeiten hart, feiern hart, mit Alkohol, illegalen Drogen und miteinander. Sie belügen Kunden mit erfundenen Zahlen.

Doch dann trifft der Protagonist ein Mädchen.

The Bad

Was mich an dem Buch stört, ist der Fokus auf das aggressive Anzeigen-Vertriebsgeschäft. Meiner Meinung nach ist das der uninteressanteste Teil an einem der Big 4 (Apple, Amazon, Facebook, Google). Hier findet Effizienzsteigerung statt, Geld aus alten Werbeindustrien wird in ein neues Medium geleitet. Die Durchbrüche wie der Google-Such-Algorithmus oder der Newsfeed passieren in den Engineering-Abteilungen. Zu denen hatte Syta wohl keinen Zugang, oder er durfte aufgrund von Verschwiegenheitsklauseln nicht darüber schreiben.

Warum ist das so wichtig? Ich habe dazu nur anekdotisches Wissen. Aber ich habe vor einigen Jahren den Google-Campus in Mountain View besuchen dürfen und eine kurze Tour bekommen. Es gibt normale Bürogebäude mit leicht besseren Kantinen, dort arbeiten die AdSense- und AdWords-Mitarbeiter. Und dann gibt es die bekannten Cafeterien mit besserem Catering, wo der Chefkoch Millionär wurde, und die erste Physiotherapeutin/Masseurin auch.

The Good

Was hat mich trotzdem dazu gebracht, das Buch zu Ende zu lesen?

  • Es ist nur 180 Seiten lang, minus die üblichen Verlagsseiten und Hinweise auf andere Bücher also noch kürzer. Das gibt Lektüre für zwei Pendlertage.
  • Der Protagonist kommt glaubwürdig suchend rüber, so wie ein Nachfolger von Dustin Hoffman aus „Die Reifeprüfung“.
  • Ab und an blitzen Schilderungen der Szenerie hervor, die eine ausgesprochen lyrische Komponente haben, nichtsdestotrotz aber Fremdkörper in dem sehr sachlichen, sehr einfach geschriebenen Roman bleiben.
  • Bei einem Test der Lesekompetenz würde das Buch gut abschneiden, so Viertklässler-Niveau würde ich sagen. Es liest sich gut weg.
  • Dass es von keinem Muttersprachler stammt, merkt man nicht. Guter Lektor, vielleicht?
  • Mich interessieren Schilderungen aus dem Innenleben der großen Internetkonzerne. Uneingeschränkt empfehle ich immer noch das toll recherchierte Sachbuch „In the Plex“, den Essay „What Would Google Do“ und „Hatching Twitter“. Ein Roman ist eine neue Note, wenn auch keine ganz neue. „The Circle“ habe ich vor lauter Mitteilungsdrang und „Schaut her, wie schlimm das alles ist“ nicht zu Ende lesen können. Auch wenn die Figuren in the Show genauso konstruiert sind – sie haben einen Hauch von Menschlichkeit behalten.

Die Platte mit den Zombie-Coverversionen. ‚Tschuldigung, Jochen Distelmeyer

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Musik
ARRRRR!

Das ist ein guter Einstieg, aber ich habe mich einfach so aufgeregt.

Drei Schritte zurück.

Ich hatte ja gelesen, dass der Sänger von Blumfeld jetzt allein Musik macht unter seinem wunderbar eingängigen Namen Jochen Distelmeyer. Sein neues Album „Jetzt zersägt er auch noch englische Pop-Hits mit seinem dünnen Stimmchen“ ist jetzt erschienen. Ich habe es gestern bei Spotify heruntergeladen, im Skip-Modus durchgehört und bin jetzt bereit, es zu verreißen. Von meinen Downloads entfernt habe ich es schon.

Ich war gewarnt. Jan Böhmermann und Olli Schutz hatten das Album in ihrer Radiosendung „Sanft und Sorgfältig“ bereits reichlich gedisst.

Dabei – für diese Art von Musik habe ich eine Schwäche. Meine Frau kann davon ein Lied singen. (Ich habe gerade einen Witz gemacht, toll was?) Wenn wir in Rosenheim frühstücken gehen, tun wir das bei Aran, und da läuft starbuckifizierte Musik, so nenne ich das. Spotify nennt das Kaffeehausmusik und es gibt sogar eine Playliste dazu, die ich gern höre.

Was ist das? Das sind ruhige, mellow Titel oder die akustischen Coverversionen von bekannten Titeln. Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Version von XOXO von John Mayer. Das bringt an dem Queen-Bee-Titel neue Facetten hervor.

Das ist auch mein Kriterium für eine gute Bewertung. Wird dem ursprünglichen Material etwas abgerungen, was vorher verschüttet war, oder wo vor lauter Komprimierung die Ohren vorher nicht darauf stoßen konnten?

Ein anderes sehr gelungenes Beispiel ist das gesamte Oeuvre von Postmodern Jukebox, die ich auch bei Patreon schon unterstützt habe. Das ist eine Band mit einem Spiritus Rector am Piano und wechselnden Sängern, die tolle Cover produzieren. Das Umbrella-Cover habe ich vor kurzem bei Facebook geteilt.

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Es ist Sonntagmorgen, Valentinstag noch dazu. Zeit für ein paar musikalische Sonnenstrahlen. Trotz des Titels zaubert…

Posted by Dominic Grzbielok on Samstag, 13. Februar 2016

Jetzt aber zu dir, Jochen Distelmeyer. Er blumfeldifiziert die Titel. Das ist so etwas wie das Schächten der Pop-Hymnen. Aus Bittersweet Symphonies von The Verve treibt er sowohl den Schmackes als auch die Verachtung eines Richard Ashcroft heraus. Es ist, als würde ein Zombie dieses Lied singen. Das Lied selbst wirkt todesgeküsst, es hat keinen Lebenswillen mehr. Sein größter Freund ist die Pause-Taste auf dem Smartphone-Display. Meine Frau hat das Majestätsbeleidigung genannt, aber es geht noch weiter. Distelmeyer macht sich die Lieder zu eigen, damit verlieren sie aber alles, was sie ausmacht.

Es gibt eine Ausnahme, das ist Toxic, der Britney-Spears-Titel. Da gibt es noch einen irren Kontrast zwischen dem Intellektuellen, der sich mit einem Stoff schmückt, der platter und hochglänzender nicht sein könnte. Das ist gesungene Ironie. Für einen Auftritt in einer Late-Night-Show wäre das großartig. Drei Minuten mit dem Kopfhörer sind nicht der richtige Rezeptionsrahmen für die Musik. 40 Minuten am Stück sind nachgerade der Tod.

Es gibt eine Welt, in der ich mir diese Distelmeyer-Destruktionen gut anhören könnte. Das ist, wenn er bei Jimmy Fallon zu Gast wäre. Die beiden jammen hinter der Bühne mit den Roots, und auch sein komisches, deutsch gefärbtes Englisch würde zur ironischen Diskussion mit beitragen. Die beiden probieren Lieder durch, die zu ihnen passen, und Fallon bringt die Inbrunst mit, die die Lieder brauchen, wenn man sie sich zu eigen macht. Je schräger die Zusammenstellung, umso besser. Ohne Inbrunst sind sie anämisch, werden wie schon angedeutet leblos. Ein charmant dahingeleiertes Lied wie Video Games bekommt von Distelmeyer den Todeskuss. Er führt das Lied durch seine Interpretation nicht auf eine neue Ebene, sondern richtet es zugrunde.

TL;DR

Das neue Album mit akustischen Coverversionen von Jochen Distelmeyer ist schlimm. Furchterregend schlimm.

Lego macht Angry Birds und Ghostbusters. Da kann man doch mal durcheinander kommen

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Film / Lego
Dieser Post verfällt wahrscheinlich, sobald ich ihn veröffentlich habe: Lego macht 2016 mehrere neue Produktserien. Eine davon ist Angry Birds. Die wird aber auf den Detailseiten der Produkte mit dem Ghostbusters-Logo beworben.

King_Pigs_Castle-LEGO_Shop

 

(Der Link dahinter geht auf die richtige Seite, die mit allen Angry-Birds-Produkten.) Da muss jetzt also bloß ein Shopmanager in Grasbrunn das lesen, und dann ist dieser Post ist überholt.

Ethan Hunt, sollten Sie diesen Auftrag annehmen, wird sich dieser selbst zerstören.

Oder so.

Nachdem ich den Trailer zum Angry-Birds-Kinofilm gesehen habe, steht jetzt also das Comeback des Themas kurz bevor.

https://www.youtube.com/watch?v=0Zz1etWzY4Q

Megatrend Ausmalbücher

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Journalismus
Übermedien finde ich gut, aber ich finde auch fast alles von Stefan Niggemeier gut. Deswegen twittere ich oft Links dazu, heute mal ein Blogpost. Ganz toll ist etwa auch die Kategorie: Am Kiosk gefunden und und probegelesen. Heute: ein Brigitte-Spezial zum Ausmalen. Denn: Ausmalbücher haben den Sprung aus dem Kinderzimmer in die Erwachsenenabteilung geschafft.

If I Can Make It There, I’m Gonna Make It Anywhere.
(Gesungen von Frank Sinatra)

Malen nach dem Zahlen | Übermedien:

„In den Buchhandlungen wandern die Ausmalbücher von Johanna Basford – „Mein Zauberwald‘, „Mein phantastischer Ozean‘ und „Mein verzauberter Garten‘ – in Bestsellerstärke über den Tresen. Das „Mein‘ steht dabei vermutlich für die Individualität, die durch das Auspinseln entsteht.“

(Via.)

Dieses Ausmalphänomen ist irre. Aber warum immer Filzstifte? Für die Motorik wären Buntstifte besser.

Cue the Sun

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Film / Software
Einer meiner Lieblingsfilme war einmal „Die Truman Show“. Der Film mit Jim Carrey kam 1998 heraus, und er hielt der Fernsehbranche den Spiegel vor. Man könne Menschen nicht belügen, dauerhaft zumindest nicht. Heute wird überall gelogen, und Darsteller geben das Recht auf Privatheit auf, nur um bekannt zu werden. 1 Staffel Ruhm, das ist aus dem Bonmot von Andy Warhol geworden. Und was sagt der Regisseur/Produzent/Halbgott Christof, als er mehr Licht braucht:

Cue the Sun.

An tristen Tagen wie diesen, im meteorologischen Frühling AD 2016, hilft der Blick ins Fotoalbum. In diesem Fall mein virtuelles bei Google Fotos, wo aus Schnappschüssen mehr wird. Hier wurde das Bild mit einer wunderbaren Lichtstimmung ge-autoawesomed. Good job, guys.

Neue Studie zur redaktionellen Analytics-Nutzung

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Analytics / Datenvisualisierung / Journalismus / Produktmanagement
Zum ersten Mal gesehen habe ich Rasmus Kleis Nielsen in Hamburg im Verlagsgebäude des SPIEGEL-Verlages. Er trat den versammelten, wissbegierigen Journalisten mit einem detailreichen Vortrag charmant in den Hintern. Der Vocer Innovation Day 2015 war die Veranstaltung im letzten Jahr, die mich letztes Jahr wohl am meisten geprägt hat. Über den Auftritt von Melissa Bell habe ich hier, glaube ich, schon erzählt. Dass Nielsen mich irgendwie an Barney Stinson erinnert, habe ich noch nicht geschrieben.

Jetzt hat er eine neue Studie vorgestellt, in deren Vorwort er sich auch bei einer meiner ehemaligen Kommilitoninnen bedankt, die jetzt an seinem Institut forscht. (Was mich unheimlich stolz macht als Absolvent der TU Dortmund in Journalistik.) Zurück zum Thema. Der Titel der Studie: Editorial Analytics – How News Media are Developing and Using Audience Data and Metrics (PDF-Download).

Das Thema treibt mich auch gerade um: Editorial Analytics. Zahlen für die Redaktionsarbeit, wie kann man mit denen arbeiten, wie machen das andere?

News organisations all over the world have in recent years increased their use of analytics – systematic analysis of quantitative data on various aspects of audience behaviour aimed at growing audiences, increasing engagement, and improving newsroom workflows.

Viele Redaktionen haben den Gebrauch von Big Data gelernt. Das Wachstum von focus.de ist meiner Meinung nach auch Ergebnis einer stark analysegetriebenen Themenfindung: Was funktioniert bei welcher Zielgruppe? Wie kann man diese Erfolge wiederholen.

Die wichtigste Antwort des Reports vorab: Es gibt keinen EINEN Weg für alle Mediengattungen. Jede Analyse-Lösung ist maßgeschneidert worden auf lokale Bedürfnisse des Mediums. Und keine Lösung ist perfekt, daran ließen die Befragten keine Zweifel.

Wir suchen gerade für unser Startup einen Audience Development Manager. Das ist auch der Titel, der in der Branche oft für diese Zahlenmenschen verwendet wird.

At the centre of this development are people in the newsroom with new job titles like ‚audience editor’, ‘growth editor’, ‘audience development editor’, or ‘audience engagement editor’. They are developing and using analytics for editorial purposes that were in the past more narrowly tied to predominantly commercial objectives, using tools and techniques previously rarely used by journalists.

Als ich vor neun Jahren nach München kam und zum ersten Mal in einer großen Onlineredaktion war, gab es dort Business Analysts. Die untersuchten die Zahlen für Redakteure. Und für die Vermarkter-Kollegen. Offenbar geht der Trend zu eingebetteten Analysten, wenn man die so nennen darf.

Eines der Tools, das die Studie in Erinnerung ruft, ist Ophan, eine In-House-Entwicklung des Guardians auf der Basis der Elasticsearch. Davon gibt es auch ein Video bei Vimeo. Die Studie enthält auch einen beeindruckenden Chart, wie eine Contentdetailansicht für ein einzelnes Contentobjekt aussieht.

Für die Studie haben die Autoren (neben Nielsen auch Federica Cherubini) in insgesamt 30 Redaktionen Interviews geführt. Dabei haben sie herausgefunden, dass es eine Kombination von drei Faktoren braucht, damit man von wirklich datengetriebenen Redaktionen sprechen kann:

  • eine an Daten interessierte Redaktionskultur
  • die richtigen Tools
  • die richtigen Mitarbeiter, die analysieren können

Dabei stießen gerade die fortschrittlichsten Redaktionen durchaus an technische Grenzen. Die Entwicklung zum verteilten Publizieren habe die Tools durchaus an einigen Stellen technisch überholt, so Nielsen und Cherubini:

Current approaches are better at dealing with an older internet of desktop web use, homepage traffic, and referrals from search and social than with more recent trends like mobile web use, app/browser proliferation, and distributed content consumed across multiple platforms and devices.

Gerade von Buzzfeed haben wir so etwas auch schon gehört. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dieses GIF, das das Problem moderner Publisher erläutert:

Man kann also auch Data Science in GIFs packen. War klar bei Buzzfeed.

Bei der Financial Times (mit Paywall) ist Renee Kaplan Head of Audience Engagement.

In Kaplan’s view audience engagement is about building a relationship with readers: ‘Audience engagement is about getting our journalism out in front of more audiences, and more of the right audiences.’

Sie betont die „richtige“ Zielgruppe, weil sie Nutzer in zahlende Nutzer konvertieren will. Aber ich finde das auch ein wichtiges Thema für ganz normal werbefinanzierte Seiten.

UK, USA top. Und wir so?

Besonders interessant sind natürlich die Fallstudien aus dem eigenen Land. So wird auch Sebastian Horn von Ze.tt aus dem Zeit-Verlag zitiert:

Part of the reason why Ze.tt was created was to experiment so we’re also going to experiment with different data tools. We’re going to give them a try and see if they give us useful information. However, we don’t want to overwhelm ourselves with too much. We don’t want to cover our walls with monitors that show random graphs. They will have to be meaningful numbers that people look at and help them make decisions.

Den Ansatz der Studie, keine alles lösende Antwort mit dem EINEN Dashboard zu geben, finde ich gut. Welches Problem will das Medium mit den Zahlenkolonnen oder Charts lösen? Keine Dashboard-Wüste produzieren, die auf einem Monitor an der Wand blinkt (kenne ich auch, finde ich gut für Sensibilisierung, nicht aber für Handlungsempfehlungen). Sondern herausfinden – wo funktioniert welcher Content, wie gehen die Headline-Tests aus, wann peakt mein Content – eben spezielle Dinge. Was ist mein Problem, das genau definieren – dann die Lösung finden. Und nicht von der Lösung her denken. Also den Regeln folgen, die für gutes Produktmanagement immer gelten. Dann passt es.

In eigener Sache

Wer mit mir an Tools mitarbeiten will: Wir suchen noch und immer wieder Praktikanten fürs Produktmanagement. Für den Sommer und den Herbst sind noch Plätze frei.

Nach dem Essen sollst du ruh’n oder 10 Milliarden Schritte tun

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App
Derzeit trage ich meinen vierten Fitness Tracker. Ich weiß, bei mir gibt es keine Fitness zu tracken, eher Trägheit zu messen. (Ich weiß jetzt unheimlich viel über den Schlafbedarf, den ich habe.) Über die Kaltmamsell bin ich auf diesen Eintrag im Techniktagebuch gestolpert:

„Eine aktuelle Studie zu Fitness Trackern „Every Step you Fake‘ von Citizen Lab“

(Via.)

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Liebe Chrome-Nutzer, Yahoo ist auch in Firefox toll

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Software / User Experience
yahoo-news-on-firefox

Wem fällt das kleine Detail auf?

Kunstpause.

In meinem Chrome-Browser mit ständig wechselnden, aber immer viel zu vielen Erweiterungen zeigt mir Yahoo an, dass es auch ein spezielles Angebot für Yahoo News im Firefox hat.

Ich unterstelle jetzt mal einfach, dass Yahoo kein Cross-Browser-Tracking hat und nicht weiß, dass ich mit mehreren Browsern unterwegs bin. Denn da bin ich auch mit einem anderen Google-Konto angemeldet. Mein Yahoo-Passwort muss ich jedes Mal in meinem Passwort-Manager nachsehen.

Was soll das also?

Ich weiß es auch nicht.

TL;DR

#WTF, Yahoo?!

Netflix zu Gast im Responsive Web Design Podcast: der perfekte Bildausschnitt

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CMS / Design / Responsive Design / User Experience / Wordpress
Für mich ist der Podcast Responsive Web Design von Ethan Marcotte und Karen McGrane aus einigen Gründen einer von denen, die man hören MUSS, wenn man an Webprodukten arbeitet: Sie archivieren das, was in den Podcasts gesprochen wird. Der gesamte Podcast wird transkribiert, aufgeräumt und ins Netz gestellt. Etwa dieser mit Netflix-Mitarbeitern über die Sign-Up-Erfahrung auf Netflix-Properties.

Ich habe eine Menge auszusetzen. Etwa:

  • Sie führen die Interviews nur sehr mechanisch. Viel ist ein Abhaken ihres Fragebogens. Wenn eine Frage mal eine faszinierende Antwort aufwirft, die weitere Fragen nach sich ziehen würde, nehmen sie sich nicht die Zeit eines Leo Laportes oder John Grubers, auch mal zwei bis drei Stunden für einen Gast einzuplanen.
  • Die weiteren Punkte hebe ich mir für einen weiteren Post auf, sonst schreibe ich meinen ersten großen Bildzuschnittsroman.

Aber.

Das Zuhören lohnt sich allermeistens.

Heute komme ich noch weniger zur Sache als sonst, merke ich gerade.

Eine Idee kam mir bei der Folge mit Netflix-Designern.

Netflix — Responsive Web Design:

„We had this template that was prototyped, where we had a focus area that we knew would appear on any screen size, and then negative area surrounding that, so that was more imagery that wasn’t necessary to be on screen no matter what. „

(Via.)

Für relativ statische Seiten wie eine Landingpage zur Leadgenerierung, und das ist die Netflix-Anmeldestrecke nun mal, kann das funktionieren. Ein Shooting, vielleicht zwei. Die Menge an produziertem Content, den man mit dem Template abgleichen muss, ist überschaubar. Aber wie kann man das für Webprojekte mit dynamischem Content operationalisieren? Darüber zerbreche ich mir seit ein paar Stunden den Kopf. Vor allem auf Seiten, die mit einem CMS produziert werden – auch wenn es den Trend zu headless CMS gibt.

Viele CMS haben das Problem, das an den einzelnen Inhalten unterschiedliche Bildformate hängen. Weil man die für das Frontend braucht. Von der angeblichen Trennung von Form und Inhalt sind wir noch weit weg in der Medienwelt, wenn ihr mich fragt. Aber wie könnte man das automatisieren?

Bleiben wir beim Beispiel Streaming-Service: Netflix benutzt etwa in seiner Software, gerade auf der Webseite, ganz oft die Poster zu einem Film. Die haben aber immer das richtige Seitenverhältnis. Da muss man nix an den Seiten abschneiden. Die Realität des Onlinejournalismus ist aber eine andere. Da kommen viele unterschiedliche Motive, Porträts, Buchcover, Landschaften, Menschen.

Ich habe in vielen CMS schon mit dem Problem gekämpft, und die programmatischen Wege, etwa mit Image Magick einen automatisch perfekten Ausschnitt zu finden, sind alle gescheitert fehlerhaft.

  • Der einfachste: von oben links den Nullpunkt setzen, dann so viel vom Bild zeigen, wie man Pixel braucht. Den Rest einfach abschneiden. Nehmen wir an, das Ausgangsmaterial ist 1500×1000 Pixel groß, das Zielformat ist 160×90 Pixel groß. Das Ergebnis ist Quatsch.

1500x1000 links oben

  • Ein besserer Weg: Aus der Mitte heraus das größte Motiv wählen, das man mit dem Ziel-Seitenverhältnis aus dem Bild herausschneiden kann.

1500x1000 aus der Mitte

Bei einem Querformat geht das gut bis perfekt auf. Bei einem Hochformat als Zielbild oder einem quadratischen Zielmotiv wird das schwieriger. Dann hat man etwas mehr Verschnitt, wie bei einem nicht perfekt passenden Schnittmuster.

Ein paar schlaue Köpfe haben aus den Aussagen der Netflix-Designer jetzt ein Konzept für Responsive Images entwickelt. Das kommt aus dem Printbereich und hat viele Linien, aber am Ende geht es um Safe Zones und Linien.

Noch einmal die Frage: Wie macht man dieses Wissen um das Bildverhalten den Redakteuren in einem Redaktionssystem zugänglich? Meine Idee ist es, dies als Schablone bei den verschiedenen Bildformaten zur Verfügung zu stellen oder etwa in der Bilddatenbank des CMS zu hinterlegen. Bei WordPress wäre das in der Medienbibliothek, wenn man Bilder aussucht, als Custom Reiter:

Dort klinken sich Plugins, die sich um die Anbindung von Video-Software (JW Player) oder Digital Asset Management-Systeme kümmern, auch ein. Der Ort erscheint mir auch vom Workflow für Redakteure sinnvoll.

Aber letztlich greift das auch zusätzlich noch einen Schritt zu spät ein. In vielen Redaktionen wird auf Stock-Material von Bildagenturen zurückgegriffen. Wenn das schon heruntergeladen ist, ist es zu spät. Weil zu teuer – das Bild kostet schon. Nur das Comp herunterzuladen und dann in Photoshop das Template darüber zulegen, ist aufwändig.

Das ist alles zu umständlich.

Ich habe ja gesagt, ich habe noch keine reife Idee, wie man das handhaben kann, damit es den Workflow in einem dynamischen Contentprojekt nicht sprengt. Das Beste wäre auch eine mentale Maske im Kopf des Bildredakteurs oder des Onlineredakteurs, der die Bildrecherche macht. Das muss man wohl über viele Tage hin einüben, und dann hängt es immer noch von der visuellen Auffassungsgabe eines Redakteurs ab.