An die Hand nehmen ist schon mal eine gute Idee für Reisen mit Kindern. Foto: Unsplash/Guillaume de Germain

Reise-Webseiten: Reisen mit Kindern #rant

Warum ist es eigentlich so schwer, eine Unterkunft für eine Städtereise mit Kindern zu buchen? Was ich meine: Ich plane für den zweiten Teil meiner Elternzeit fürs dritte Kind eine lange Zugfahrt mit meinen Kindern. Die soll in eine große deutsche Stadt führen. Die Bahntickets nach Hamburg waren kein Problem: Die Kinder lieben Zugfahren, und ein halbes Jahr vorher (nicht mehr 92 Tage, Pro-Tipp!) kann man sehr günstig Fahrkarten kaufen. Für weniger als 40 Euro ist da die Reservierung gleich mit dabei. Kinder-Abteil, wir kommen! (Der einzige Schreck, den ich erleben kann? Umgekehrte Wagenreihung, heute gelten die Reservierungen nicht und die üblichen Bahnkatastrophen.)

Aber wenn ich ein Hotel buchen will, kann ich die Kombination „1 Erwachsener und 2 Kinder“ bei den allermeisten Webseiten gar nicht buchen. Ich muss anrufen. Wer mich kennt: Ich mache nicht viele Worte, und telefonieren und dann auch noch die Kreditkartendaten durchgeben am Telefon – das bin ich nicht. Ich würde das gern mit ein paar Klicks erledigen. Da steht ja auch kein technisches Problem im Weg. Warum ist das wichtig? In normalen Online-Buchungsstrecken von Hotels gilt die schöne Regel, dass man bis zum Anreisetag die Reise stornieren kann, wenn man bis 18 Uhr sich meldet. Bei der telefonisch vereinbarten Reise gilt dann aber oft eine 2-Wochen-vor-der-Reise-Ausschlussregel.

Warum ist das so? Ich habe dann bei einem Hostel gebucht, das ungewöhnliche Gruppengrößen schafft in seinem Buchungsverlauf.

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Wiederentdeckt: Tripit. RIP, Tripit

Tripit gibt es noch. Das war vor ein paar Monaten, als sich meine Reisen auf einmal häuften, eine nette Entdeckung. Es war ein Throw-Back-Erlebnis. Für meine erste USA-Reise seit fast 15 Jahren war das 2008 eine gute Unterstützung. Die Informationen zu meinen Flügen und Anschlussflügen konnte ich dort vereinbaren in einem Trip. So nennt Tripit die Vereinbarung aller Reiseunterlagen in einem Ordner. Mietwagen kam da noch dazu, das Hotel und auch die Wetterinfos waren nützlich. Damals war Roaming noch teurer als früher und die Smartphones waren in der gefühlt ersten Android-Generation. Ich glaube, ich habe mit Android 1.3 angefangen.

Alles, was man tun muss, ist die Reiseunterlagen aus seinem Postfach an plans@tripit.com weiterzuleiten. Jetzt ist Google gekommen, und macht aus dem Produkt Tripit ein Feature für seine Google-Welt. Es heißt Trips und aggregiert genau diese Mails in automatisiert angelegten Reisen. Das funktioniert wie ein neues Label in Inbox, das temporär vergeben wird. Super praktisch, vor allem, wenn man die meisten Buchungen wie ich über den Google Account mache. Aber natürlich leite ich mir die Buchungen jetzt auch aus dem dienstlichen Account weiter zu GMail, damit ich das Feature nutzen kann.

Tripit, es war nett die letzten acht Jahre. Aber ich brauche dich nicht mehr. Zur Sicherheit nutze ich dich noch ein paar Reisen lang – denn Google hat noch ein paar Bugs (so werden Einfachflüge zurück in die Heimat falsch als Trips nach München erkennt), aber das wird besser werden. Genauso wie Google Assistant die User Experience von Google Now so viel nützlicher machen wird. 

Ich bin ein Kopfhörer-Spießer

Warum ich mir Noise-Cancelling-Kopfhörer gekauft habe, habe ich an dieser Stelle schon erzählt. Manchmal muss ich mich gegenüber meiner Umwelt abschotten. Zu anderen Zeiten reicht meine Konzentrationsfähigkeit aus. Meistens ist es mir zu blöd, auch in der U-Bahn die Abschottung durchzuziehen. Ich fahre nur drei Haltestellen weit. Es sei denn, es ist draußen so kalt, dass der Kopfhörer auch ganz gut als Mütze taugt. Denn wenn mir mal kalt wird, friere ich Füßen und Ohren. Bei den Extremitäten kann mir Onkel Bose nicht weiterhelfen, aber bei den Ohren schon.

Nun kann sich aber nicht jeder die Bose-Kopfhörer leisten, und ein paar Arme, die es könnten, kaufen sich für das gleiche Geld lieber Beats-Kopfhörer, bei denen der Klang ja viel schlechter sein soll. Daher ist die Standardausrüstung der meisten ÖPNV-Abonnenten, die sich auch abschotten wollen oder einfach nur Musik hören wollen, das Set, das mit dem Smartphone kam. Das ist oftmals weiß, denn sowohl Samsung wie vor allem Apple legen ihren Telefonen weiße Kopfhörer bei.

Die weißen Earpods von Apple sind so ikonisch geworden in den letzten zehn Jahren, dass ich wahrscheinlich wenig darüber verraten muss. Auch wenn jetzt bei der neuesten Generation, die man als Zubehör kaufen kann, die Kabel entfallen sind: Diese Art der Ohrstöpsel gibt immer noch sehr viel Musik nach außen aus.

Nicht nur weil München eine Stadt der elektronischen Musik ist: Das ist für die Mitreisenden nicht immer erfreulich. Hiphop am Morgen macht Kummer und Sorgen. Jo, Digger. Ich brauche das nicht auf nüchternen Magen, und Lautstärke 11 gehört in den Club. Da finde ich es ganz praktisch – eigentlich , dass es sowohl in iOS wie auch Android es Warnungen gibt, wenn man zu laut Musik hört. Die werden aber natürlich ignoriert.

Am liebsten würde ich also die Musik leiser drehen bei meinen Mitfahrern. Was mich endgültig zu einem Spießer macht. Ich glaube, ich finde das erste Mal das Video eines ÖPNV-Betreibers lustig: Die MVG lassen das Münchener Kindl auch das Thema angehen.

Apple weiß, wo dein Auto steht

Eine digitale Zettelsammlung habe ich für meine künftigen Blogeinträge. Manchmal gibt es Tage, an denen ich über drei oder mehr Themen bloggen könnte. Dann kommen wieder Projektphasen, wo man die Fühler einzieht und einfach das Projekt durchzieht. Dann bin ich froh, im Stehsatz (ich habe mal Zeitung gemacht, man merkt es, oder?) noch ein paar vorbereitete Posts liegen zu haben. Wozu habe ich diese digitale Zettelhuberei?

So kann ich noch ein paar Themen haben, die ich in Runde abarbeiten, will heißen – verbloggen, kann. Heute habe ich ein langes Interview mit Tim Cook, dem Apple-CEO und Nachfolger von Steve Jobs, aus meinem Entwürfestapel gezogen. 

Darin redet er über alles und jedes, immer on-topic, gut gebrieft in Sachen Strategie. Sein Thema unter anderem – wie merkt man sich, wo man im Parkhaus am Flughafen geparkt hat?

Tim Cook, the interview: Running Apple ‚is sort of a lonely job‘ | The Washington Post: „I just take a picture of the sign on the wall.

But you don’t even have to do that anymore because Siri will know where you parked.“

(Via.)

Siri weiß, wo dein Auto steht

Natürlich wird ein prominenter Manager wie Jobs von einem Chauffeur zum Flughafen gefahren. Daher ist das Quatsch, diese Volkstümelei. Auch wenn sie sich gut liest. Seine, meine, deine, unsere Siri weiß, wo dein Auto steht. Google Now kann das auch, und ich bin sicher, Amazon würde das auch in seine Produkte einbauen, wenn das Kindle Phone ein Erfolg geworden wäre. (Die großen Konzerne von der Westküste gehen an vielen Produktfronten sehr ähnlich vor.) 

Google liegt manchmal schief

Wenn ich mit dem Zug zur Arbeit fahre, denkt Google Now, dass ich mit dem Auto gefahren bin. Ich möchte hier noch ein paar Variablen für den Algorithmus vorschlagen, die das Programm besser machen würden.

  • Wenn sich meine Standorte nur entlang einer Bahnstrecke bewegen – etwa, weil ich im Zug sitze – dann sollte dieser Hinweis wegfallen können.
  • Wenn ich keine Bluetooth-Verbindung mit dem Adapter im Auto hergestellt habe an dem Tag, kann ich dann Auto gefahren sein?
  • Kann ich wirklich im Ostbahnhof München geparkt haben? Wo es ein Parkhaus gar nicht gibt?

So geht also ein richtiger Flughafen: Heathrow

An einem Sonntag hatte ich jüngst das zweifelhafte Vergnügen, über den Londoner Heathrow-Airport reisen zu dürfen. Zweifelhaft deshalb, weil mir viele bessere Dinge einfallen, die ich an einem Sonntag lieber wachen würde. Ausschlafen, Kinder bespaßen, Familie genießen. Meine Sehnsucht trieb mich auch in einen Spielwarenladen, den gleichen, den ich schon in Moskau besuchen durfte – in der Mini-Mikro-Ausgabe, die in eine Flughafen-Mall passt. Londoner U-Bahnen sind noch etwas ikonischer als ihre Amsterdamer Kollegen.

(Weitere Zweifel entstanden, weil es der 11. September war, 9/11, und weil es nicht richtig sein kann, wenn man für ein Ticket für zwei Flüge weniger bezahlen muss als für eins für einen. Ja, ich verstehe schon das Preismodell der Fluggesellschaften – jeden Sitz füllen und so.)

Platz, aber nicht üppig. An jedem älteren Flughafen gibt es neuralgische Punkte, an denen sich die Menschenmassen regelmäßig stauen. In München sind das etwa die Rolltreppen und Aufzüge im Zentralbereich an Terminal 1. Dort ist zu wenig Platz, wenn viele Reisende gleichzeitig ankommen. Denn es ist auch die Hauptachse, um zu den Gates von Terminal 1 zu kommen. Menschen, die nach dem Weg suchen, kollidieren mit Menschen, die wissen, wo sie hinmüssen. Der Frankfurter Flughafen ist voller solcher Stellen. Tegel in Berlin ist ein Hexagon gewordenes Trauerspiel: Warteschlangen von links und Warteschlangen von rechts verstopfen sklerotisch die Wege zu den Terminals, bis die Gepäckwagen hindurchwollen. Jeden Tag erzählen blutige Fersen von den Architektur gewordenen Albträumen. In Heathrows Terminal 5, dem neuesten, ist das Fehlanzeige. Keine Angsträume durch Engpassstellen. (Höchstens Angst vor verlorenen Koffern.)

Shopping: Ja, aber nur wenn du willst

Jeder Flughafenbetreiber versucht seine Umsätze durch den margenstarken Einzelhandel zu stützen. Terminal 5 ist im Grunde auch eine Mall, mit vielen Restaurants und einem Luxusbereich. Der liegt praktischerweise und angemessenerweise direkt neben dem Lounges für Vielflieger. Es gibt Harrods und Hamley’s. Das heißt, Papas werden definitiv fündig.

WLAN überall, für immer.

Man muss sich nur kurz mit seiner Mailadresse registrieren, schon hat man mit all seinen Devices Internet. Sogar auf den Toiletten, wo in München regelmäßig das WLAN nicht mehr hinkommt. Nicht nur eine Stunde, sondern die ganze Zeit des Layovers.

Strom, Strom, Strom

In einem Bereich zwischen Gates ist in Terminal 5 eine Sitzinsel mit Barhockern integriert, wo es pro zwei Hocker mindestens zwei Steckdosen gibt. Genug für Laptop oder Notebook plus Smartphone. So muss das sein. Sogar EU-Steckdosen sind vorbei, nicht nur die Auslässe für die klobigen UK-Stecker.

Kleiner Wermutstropfen: Die Arbeitsfläche muss nicht weißes Milchglas sein, das von unten beleuchtet wird. Das ist ganz toll, wenn man Kontaktabzüge sichtet. Aber für die normale Arbeit oder den Zeitvertreib am Device der Wahl ist das eher kontraproduktiv. Es spiegelt sich in den Displays und ist für die Augen anstrengend.

Wegweiser

Die Wegweiser sind zahlreich, gut lesbar und widersprechen einander nicht. Perfekt. Muss man erwähnen, weil in München der Gatesuchverkehr erheblich ist. Terminal 1 A-E und 2 F-H machen das Leben nicht leichter. 

gate-unabhängige Sitzmöglichkeiten

Wenn du noch nicht weißt, wo dein Flug abgeht, gibt es in vielen Flughäfen kaum Sitzmöglichkeiten. In Heathrows Terminal 5 ist das anders. Dort wird erst eine Stunde vor dem Abflug das Gate bekanntgegeben. Vorher steht das wohl einfach noch nicht fest. 

zwei Starbucks Counter

Wenn der Umsteigezeitplan es zulässt, ist doch ein Kaffee eine gute Idee. Im Terminal 5 befindet sich auch das erste Starbucks-Laden, den ich kenne, der zwei Counter hat. Wahrscheinlich steht man dann immer noch wie bei Aldi in der falschen Schlange, aber man hat die Wahl.

Konferenzbesuche, erste Male: IBC, 2016

Dass ich Tulpen mitbringen werde, ist nicht so klar. Jeder Redakteur, der sein Geld wert ist, hätte mir diesen Satz gestrichen. (Wo sich Blogger und Journalisten unterscheiden. Blogger sind die ohne redigierenden Redakteur.) IBC ist für die TV-Branche und das Radiogeschäft das, was die IAA oder der Genfer Salon für die Autowelt sind: Nabel der Welt für die Zeit, in der sie stattfindet.

Prospekte werden auch aus Tulpen gemacht, oder? Dann bringe ich verwandelte und für die Ewigkeit wie Ikea-Pakete flach gefaltete Tulpen mit. Und viele gute Gespräche. Denn darum geht es bei Messebesuchen doch: eine persönliche Verbindung zu einem aktuellen oder einem künftigen Lieferanten oder Partner herstellen, dem Kontakt vom Telefon oder vom E-Mail-Verkehr mal ein Gesicht verpassen können. 

So habe ich tatsächlich dem CTO für das Produkt, das wir bei TargetVideo für die Verwaltung unserer Video-Assets mal die Hand schütteln können und dem Account Manager unsere Featurewünsche nennen können. Eine schöne, direkte Erfahrung, die hoffentlich viele Kunden mit ihren Vendoren auf der Messe haben machen können.

VR

Wer sich die Trends der Messe ansieht, wie man das auch als guter Messeberichterstatter macht, sieht, dass die meisten Prognosen etwa dieses Anbieters vom Anfang des Jahres eintreffen.

VR will take off for real. 2016 will not be the year of VR, but hype or not, VR is here to stay in one form or another.

Mir wird immer noch speiübel von dem Zeug, egal, ob es Oculus Rift oder Ozo oder sonst noch etwas ist. Ich bin der Edge Case. Außerdem war ich von der Pixeligkeit der Darstellung nicht besonders begeistert. Meine Brille beschlug in der Kombination von Transpiration, Konzentration und engem VR-Helm. Auch scheint mein Kopf (65er Umfang, nein, kein Wasserkopf) ein bisschen zu groß zu sein für die klassischen Maße der Hardwarehersteller. 

Ich will es gut finden, diese Virtual Reality, schon seit meinem Besuch in einem Fraunhofer(?)-Labor im Studium, Ende der neunziger Jahre. Aber so ganz den Durchbruch habe ich da noch nicht geschafft. Es wird aber passieren.

Drohnen

Wahrscheinlich viel praktischer, und auch für den Journalismus besser monetarisierbar: der Einsatz von Drohnen für Dreharbeiten. Ich glaube, Drohnen sind die neuen Webcams. Ohne sie wird in Zukunft kein Unternehmensvideo, keine Tourismusverband mehr auskommen. Transparenz herstellen kann man damit wunderbar – und sie kosten nicht viel. Spannende Ankündigungen wie die von DJI oder GoPro kamen erst nach der Messe, aber wer hier auf dem Laufenden bleibt, hat sicher volle Auftragsbücher.

Kino kämpft

3D kam und normalisierte sich. Jetzt ist mit Dolby Atmos, 120 Bildern pro Sekunde und Laserprojektion ein neues Technikrennen im Gang, um Kino noch großartiger zu machen, als es ist. Eine Sondervorführung von „The Revenant“ hat mir gezeigt, wie toll Kino sein kann. Leider ist das Lichtjahre und mehrere Stufen in der Projektorhelligkeit in real existierenden Multiplexkinos entfernt. 

In eigener Sache

Ich hätte damals doch zu den Pfadfindern gehen sollen. Auf ein paar Tischen im Meetingbereich wird das WLAN-Passwort verraten. Leider habe ich die aber trotz mehrerer Runden über die Messe erst eine Stunde vor der Abreise gefunden. Meine Kollegen haben daher die Mails erst abends bekommen. Und mein Smartphone hielt, anders als auf den meisten anderen Messen oder Konferenz, akkumäßig den ganzen Tag durch. Kein WLAN, kein Roaming. Hach.

Bye, kleiner Koffer. Hallo, Smart Luggage!

Als ich das erste und bisher einzige Mal in Schottland war, ging mein Rollkoffer kaputt. Also kaufte ich mir Ersatz, zu einem studentischen Budget, für 17 Pfund. Das waren damals etwa 25 Euro, wie mir der Währungsrechner bei Yahoo Finance verrät. (Ihr mögt über Yahoo lachen, aber im Kern sind die Produkte solide.) Ein kleiner blauer, beinahe kabinengepäckgeeigneter von Pierre Cardin ist es. Er begleitet mich seit zwölf Jahren.

Das ist lange, lange, für einen Gebrauchsgegenstand, der geworfen, gezogen, geschoben wird und auch mal abrupt heruntergekühlt wird im Bauch eines Flugzeugs. Daher suchte ich nach Ersatz. Rimowa war eine Idee, aber deren Polycarbonat-Köfferchen hat irgendwie jeder. Damit geht der Nutzen, den der beinahe himmelblaue Koffer auf einem Gepäckband hatte, noch zusätzlich verloren. Den konnte ich nämlich auch ohne weitere Accessoires wie Kofferriemen oder Gepäckanhänger ohne Weiteres als meinen identifizieren.

Der Markt für Reisegepäck ist offenbar im Retail von ein, zwei Herstellern dominiert. Auf der Qualitätsebene gibt es eigentlich nur Samsonite und Rimowa. Das war mir etwas zu sicher gespielt. Nobody ever got fired for buying IBM, sagte man früher in der IT. Bei Koffern scheinen mir die beiden Marken das Äquivalent zu sein.

(Und warum Rollkoffer mit dem furchtbaren Klapp-klapp? Wäre nicht ein Weekender viel cooler? Klar wäre er das, aber bei meinem Hang, die Reisegepäckstücke zu überpacken, wäre das für meinen Rücken nicht das Richtige. Als Sitzarbeiter habe ich die üblichen Schwächen im unteren Rückenbereich. Und Coolness ist mir dann nicht mehr gar so wichtig. Ich trage ja auch keine 7/8-Hosen ohne Socken, oder wie die heißen.)

Nachdem ich also bei Karstadt nix fand, wo wohl immer noch alle Welt ihre Koffer kauft, oder halt von den Meilen bei Miles & More – ging ich online. Dabei fand ich einen amerikanischen Anbieter, der mir sehr gut gefiel. (Link finde ich nicht mehr.) Leider versendet der nur nach Großbritannien und in die USA. Ich konnte ja wohl kaum meine Schwiegereltern bitten, mir einen Koffer von ihrer Amerikareise mitzubringen. Die beiden hatten schon genug Gepäck.

Aber durch Zufall stolperte ich über einen Artikel bei Gründerszene, das ich beruflich immer mal wieder im Feedreader lese. Und da erzählte ein Gründer vom Koffermarkt und bestätigte meine Befürchtungen.

Ein hier dominierendes Unternehmen wie Samsonite macht 90 Prozent des Umsatzes offline. Das Geschäft online zu machen liegt nicht im Interesse der wichtigen Retail-Partner. … Durch die komfortable Position der dominierenden Unternehmen im Markt ist das Preis-Qualitätsverhältnis nicht mehr zeitgemäß. Die Preise verachtfachen sich von der Produktion auf dem Weg bis zum Konsumenten. Ein für 75 Euro produzierter Koffer kostet im Endeffekt mindestens 600 Euro, damit jeder unterwegs seine Marge macht.

Ich gehöre jetzt zu den Vorbestellern eines königsblauen, kabinengeeigneten Koffers, der ein bisschen weiterdenkt. Ich habe zwar das Gefühl, dass ich mal wieder zu den Early Adoptern einer Brückentechnik gehöre – smart luggage stelle ich mir noch etwas smarter vor. Aber weil ich solche Projekte gern unterstütze, habe ich zugeschlagen.

Und meine Schwiegereltern kommen doch noch ins Spiel. Das wird wohl mein Weihnachtsgeschenkwunsch werden. Ich bin eh so schwierig zu beschenken, dass sich meine Familie freuen wird.

Tassen sind meine Brotkrumen, meine T-Shirts

Vor einiger Zeit habe ich schon darüber geschrieben, dass ich in einer Hinsicht meiner Mutter gleiche. Das ist natürlich nicht die einzige. Auch ich trinke Kaffee, in Stresszeiten auch mal den ein oder anderen Kaffee zu viel. Und andere Eigenschaften habe ich auch geerbt/übernommen. Anlage/Umwelt ist da eigentlich egal, das Ergebnis kommt auf das gleiche heraus. Heute soll die Rede von Tassen sein. Tee, Kaffee, egal. Ich trinke beides. Meist aus großen Kaffeetassen, Haferl nennen das die Bayern, Mugs die englischen Muttersprachler.

Tassen sind ein beliebtes Mitbringsel, nicht nur allgemein für Touristen, sondern auch für mich als Reisenden im Speziellen. Aus Las Vegas habe ich meiner Mutter einen Kaffeepott mitbringen wollen, auf der das bekannte Ortsschild abgebildet ist. Das war gar nicht so leicht. Aber es hat funktioniert. Und ich bringe mir auch Tassen aus Shops mit, die mir besonders gut gefallen. Aus Museumsshops etwa.

So gibt es in unserem Küchenschrank eine Art Brotkrumenpfad durch die Orte und Städte, wo ich schon einmal war. Auch wenn der Transport meist schwierig war (viele Shops haben weder Seidenpapier noch Luftpolsterfolie zum Einpacken): Eine Tasse habe ich mir von vielen Orten mitgebracht. Irgendwann wurden es aber zu viele Tassen, und die Tassen meiner Frau zu bunt. Normalerweise nutzen wir nämlich weiße Vivo-Tassen. Meinen Kaffee trinke ich auch am liebsten aus einem Bol-artigen Gefäß. All die bunten Merchandising-Tassen mit Logos sind dann zweite Wahl.

Deshalb habe ich angefangen, meinen Tassen-Brotkrumenpfad auf meine Arbeitgeber auszuweiten. Mein alter Arbeitgeber hatte in einem frisch renovierten einen Tassenvernichtungsbefehl ausgegeben – es sollten idealerweise nur noch die weißen, vom Arbeitgeber gestellten Tassen benutzt wurden. Mit der Zeit wurde das aufgeweicht. Tassenliebhaber gibt es überall, und auch so etwas wie Monogramme auf den Tassen sind beliebte Giveaway-Tassen geworden.

Auf der letzten Konferenz, auf der ich war (dem WordCamp Europe 2016), waren die Tassen fast so beliebt wie T-Shirts. Eine Plesk-Tasse findet sich jetzt auch bei TargetVideo im Schrank, und ich habe ein paar Tassen weniger im Schrank. Daheim.

Aber bei meinem jetzigen Arbeitgeber TargetVideo hat sie ein gutes Heim gefunden! Genauso wie die ran-Tasse, die ich mitgebracht habe – perfekt für Tee. Oder den Typografie-Mug von Hoefler Fonts mit ihren unzähligen Ampersands – kaufmännischen Und-Zeichen.

Wir suchen dich!

Wenn auch du unsere Tassensammlung inspizieren willst: Wir suchen immer wieder neue Mitarbeiter, und eigentlich ständig Praktikanten, egal ob Pflichtpraktikum oder freiwilliges Praktikum. Bewirb dich!

15 Gründe, warum der Railjet besser ist als der ICE

Vor langen Jahren (in meinen etwas wilderen Zwanzigern) habe ich Fernbeziehungen geführt. Die führten mich mal 250 Kilometer am Freitagabend quer durch die Republik, dann auch mal an die 500 Kilometer. Meistens habe ich die Freitagabende voller Vorfreude und die Sonntagnachmittage in Agonie in ICE-Großraumwaggons verbracht. Ich lebte noch auf studentischem Budget, also immer ohne Sitzplatzreservierung.

Live fast, ICE young

Wer schon am Berliner Ostbahnhof oder Berlin-Gesundbrunnen in den ICE stieg hatte bessere Chancen auf einen Sitzplatz. Die Strecke Mainz-Dortmund war auch eine schöne, vor allem wenn ich aus Kostengründen die Rheinschiene und den IC/EC gewählt hatte. Eher zäh und endlos das Gekurve durch Thüringen und Bayern nach München.

Damals habe ich mich ein wenig in den ICE verliebt. Oft waren die vier Stunden oder mehr im taubenblauen, quietschenden Sitz die produktivsten der Woche. Konzentriertes Arbeiten, hach. Auch wenn ich noch keine Noise-Cancelling-Kopfhörer hatte.

Mein Gleichgewichtssinn profitiert davon, wenn ich mit den Augen ziemlich starr fixiere bei einer Zugfahrt, es geht beinahe ins Starren, würden Beobachter sagen. Sonst wird mir speiübel, und der ICE hat immer noch keine Papiertüten an Bord. Auch wenn er auf manchen Verbindungen als LH-Codeshare (oder so ähnlich) firmiert.

Für einen Kongressin Wien habe ich jetzt aus München nach der Arbeit den RailJet genommen. Und der ist aus vielen Gründen noch einmal viel toller als der ICE.

  1. WLAN: Sobald der Zug in Österreich unterwegs ist, haben alle Reisende kostenlos Zugriff auf das zugeigene WLAN. (Und es ist mehr als ministeriales Versprechen.) Das ist schnell genug, damit man Spotify hören kann, für App-Updates auf dem Handy. Für die Mails aus dem Büro und die Slack-Messages reicht es sowieso.
  2. User Experience: Wenn ich mich mit meinem Tablet anmelde, ist dafür erst mal nur ein Klick im Browser notwendig. Und das Anmeldefenster ist auch noch super funktional: Ich sehe den nächsten und die weiteren Unterwegsbahnhöfe. Außerdem werden die Wagen angezeigt, die der Zug hat. Die Wagenreihung stimmte bei mir jetzt nicht, aber das ist mir jetzt egal. Mehr über das WLAN erfährt man hier.
  3. Die Website der ÖBB ist ein Traum, kundenzentriert bis ins Letzte. Das ist fast schon einen eigenen Post wert. Kein Seitenkonstrukt wie die vermaledeite bahn.de, sondern eine Angular JS-Single Page Web App.
  4. Es gibt LEDs als Leselampen über den Sitzen.
  5. Einer meiner ehemaligen Kollegen bei ProSieben hat eine Monatskarte für die Strecke Rosenheim-München. Sein Lieblingszug ist natürlich der Railjet.
  6. Auch kurzfristige Reservierungen werden als „Last-Minute-Reservierung“ über den Sitzen angezeigt.
  7. Mitten in den Waggons stehen noch einmal gut lesbare Zugzielanzeiger. Mit einer analogen Uhr! Nicht nur zwischen den Waggons, mit roten Matrixpunkten.
  8. Sitzlehne: Die Lehnen sind so hoch, sodass sogar ich meinen Kopf anlehnen kann. Beinahe so hoch wie die in einem Citynightliner.
  9. Klimaanlage: Die Klimaanlage im Railjet hat ihren Namen verdient. Anders als im ICE hielt die auch bei 34 Grad Celsius Außentemperatur cool. Das und meine Eisschokolade machten schon die Hinfahrt zu einem Vergnügen. Als es sich abends gewitterbedingt überzog, spielte ich sogar mit dem Gedanken, mir meine Jacke aus dem Koffer zu holen.
  10. Er macht Musik beim Anfahren. Beim ersten Mal habe ich es noch für irre gehalten, jetzt ist es Heimat. Der Railjet spielt eine Tonleiter beim Anfahren, also seine Lok tut es. Ist irre, muss man sehen. Hier ein YouTube-Video davon. Am liebsten würde ich das gleich mit dem Lego-Zug meines Sohnes nachbauen – mit Arduino oder einem Raspberry Pi wäre das ein Leichtes, wenn ich denn programmieren könnte.
  11. Die günstigsten Fahrkarten heißen Sparschiene. Könnte ein Wort treffender und lustiger sein?
  12. Railjet. Nicht RailJet oder sonstige Marketingverrenkungen. Dass der nicht so schnell wie ein Jet sein kann, ist in einem oft gebirgigen Land wie Österreich ja wohl klar.
  13. Der Zug hält selten. Meine Lieblings-Verbindung ist eine innerösterreichische, von Salzburg nach Innsbruck. Dafür braucht der Zug ungefähr zwei Stunden, etwas weniger. Deutlich mehr als die Hälfte der Strecke führt über deutsche Gleise. Aber der Zug hält nirgends in Deutschland. Ja, das liegt daran, dass Bayern sich da zwischen Tirol und Salzburg klemmt, aber ich finde so eine geografische Volte lustig.
  14. Habe ich schon gesagt, dass das WLAN kostenlos ist und dennoch gut ist?
  15. EM-Spiele werden live in der Onboard-ORF-Mediathek übertragen. Wirklich.

Museumsshops – ich kann ihnen nicht widerstehen

Foto: Hertha Humaus

Wenn ich in Museen gehe, gehe ich immer auch in den Museumsshop. Nicht nur deshalb, weil der inzwischen genauso zum Upselling und zur Museumsarchitektur gehört wie das Süßigkeiten-Regal an der Supermarktkasse. Sondern weil die etwas Besonderes haben.

Das Verhalten ist mir jetzt am Wochenende wieder an mir aufgefallen, als ich in Wien war. Im MuseumsQuartier habe ich schon vor Jahren mal eine sehr schöne Tasse gekauft, die ich danach nie bis kaum wieder benutzt habe. Diese Shops sind einfach Läden für schöne, aber nutzlose Dinge. Die Tasse war ein schräg stehender Zylinder, glaube ich.

Die Shops sind nämlich im besten Fall kuratiert, genauso wie die Ausstellungen im Museum dazu. Das ist gerade in Deutschland nicht immer der Fall. Da sind das oft Katalogberge, Monographien und ein paar blöde Kinderspielzeuge.

Aber wenn ich ins Museum of Modern Art in San Francisco in den Shop gehe, nimmt man mir am besten die Kreditkarte vorher ab. Das Gleiche habe ich jetzt im MuseumsQuartier in Wien erlebt. Der Shop ist wirklich ein Traum für unnützes Zeug, nur Millimeter von der Aufnahme ins reguläre Programm bei Manufactum entfernt. Gut, dass ich nur einen kleinen Koffer dabei habe. Da kann nicht so viel an Mitbringseln rein.