Filmkritik Trolls: Die bunte Seite der Trolle

Trolle haben im Jahr 2016 Konjunktur, wie wir nicht nur in der US-Präsidentschaftswahl gesehen haben, sondern auch in den Kinos. Mit „Trolls“ kommt ein neuer Kinofilm heraus, der das Thema von der freundlichen Seite aufbereitet.

Es gibt nämlich eine Trolle-Dichotomie: die netten, hilfsbereiten auf der einen Seite, und die wirklich fiesen, die dich beleidigen, belästigen und verfolgen. Die habe ich einmal aufzuzeichnen versucht:

Balkendiagramm Trolls

Kleine Vorbeugung vor Coolnessgraphed.com: Balkendiagramm Trolls. Eigene Illustration

Was ist „Trolls“?

Bleiben wir aber auf der sonnigen Seite der Troll-Welt. „Trolls“ erzählt von einem Volk von Trollen, das in ständigen Bedrohung durch die Bergens lebt, große Wesen, die einmal im Jahr Trolle fressen, um glücklich zu sein. Die Bergens können sonst nicht glücklich sein. Und die Trolle verstecken sich – bis eines Tages die angehende Trollkönigin ein großes Fest feiert, und die Bergens das versteckte Volk doch entdeckt. Alles ist so gekommen, wie es der Kassandrarufer namens Branch immer vorhergesagt hat. Aber wie es sich für einen guten Trollpatrioten gehört, folgt er dem Gesang und seiner Berufung – um sein Volk zu retten.

Alles ist dabei in diesem Mischmasch: eine 9/11-Welt wird für die Erwachsenen angedeutet. Post-traumatische Störungen wegen frühkindlicher Traumata, und natürlich zuckersüßer Gesang. Trolls unterhält auf vielen Ebenen, hat eine hervorragende Besetzung und ist verschwendeter Sonntagnachmittag im Kino. Da habe ich schon Schlimmeres gesehen. Das ist umso erstaunlicher, wenn man sich die Genese des Stoffes ansieht. Trolls: Der Film zum Spielzeug.

Erst waren Filme zu Büchern.

Dann kamen Bücher zu Filmen.

Dann kamen Filme zu Comics.

Dann kamen Filme zu Computerspielen.

Dann kamen Filme zu Vergnügungsparks.

Dann Vergnügungsparks  zu Filmen.

Ein Klassiker sind Spielzeuge zu Filmen.

Jetzt scheinen wir in der Phase Filme zu Spielzeugen zu sein.

Lego war das erste, jetzt ist Hasbro mit den bunten Trollen dran. Uns drohen dann wohl als nächstes die Filly-Pferdchen. Ganz so hässlich wie die echten Spielzeuge sind die im Film nicht. Und die sind wirklich hässlich. Das Beitragsbild wird ihnen nicht gerecht. Warum die sich jemand freiwillig kauft, ist mir ein Rätsel. Bei Flickr gibt es eine Menge Sammlerfotos von mir, aber leider ohne die Lizenz, die ich für die Wiederverwendung hier bräuchte.

Wissensmanagement in Unternehmen

Wissensmanagement, ein großes Wort. Was meine ich damit? Wissen ist Macht. Das gilt insbesondere für Unternehmen. Wer viel weiß, nimmt als Mitarbeiter automatisch eine privilegierte Stellung ein. Das ist oftmals keine durch Titel gekennzeichnete Position, sondern eine rein informelle. Die hat etwas mit der Nützlichkeit des Wissens zu tun, das die Person besitzt. Ich kenne mich damit aus, ich behaupte mal, ich habe das das ein oder andere Mal schon so erlebt.

Dieser Prozess ist ungesteuert. Er hat mit gemeinsamen Projekten und Erlebnissen zu tun. Er hört immer an den Kontakten und Kontakten von Kontakten auf. Er ist nicht planbar. So belastbar er in gewachsenen Organisationen auch ist, weil die Fluktuation gering ist: In schnell wachsenden Unternehmen wie Startups kommt er schnell an seine Grenzen.

Zentralisiertes Wissensmanagement

Als Führungskraft ist es mir daher wichtig, das, was wir als Organisationswissen erarbeitet haben, auch zu dokumentieren. Denn die Probleme, die man einmal gelöst hat, kommen wieder, wenn auch in anderer Form.

So habe ich schon 2008 in der Zusammenarbeit mit Partnern bei meinem ersten Startup als Mitarbeiter eine Dokumentation für immer wiederkehrende Themen angelegt. Die ist mir jetzt über den Weg gelaufen, als ich mich mit dem neuen Aufguss von Google Sites beschäftigt habe – das kann es mittlerweile bis auf die Custom Domain als kostenloses Produkt beinahe mit Squarespace aufnehmen. Damals habe ich mit dem Firmen-Google-Account da mehrere Spaces angelegt, äh, Sites: einen fürs Produktmanagement, einen für die Partner und einen später als Übergabe für meinen Nachfolger.

Gerade den letzten empfinde ich als peinlich. Eigentlich hätte der gar nicht notwendig sein müssen, weil meine Arbeit aus sich heraus gut dokumentiert war. Das war sie aber nicht.

Acht Jahre später finde ich mich natürlich schlauer. Viel zum Operations ist jetzt im Firmen-Jira und im Trello notiert. Und Handgriffe, die immer wieder gemacht werden müssen, aber selten vorkommen (etwa im Projektgeschäft alle paar Monate), schreibe ich gleich ins Intranet oder Firmen-Wiki, das ich auf der Basis von WordPress angelegt habe. Warum WordPress? Weil das unsere meist genutzte Software bei TargetVideo ist.

Dabei habe ich mich bewusst gegen andere System entschieden. Bei Microsoft wurden zum Beispiel Sharepoints für den Austausch zwischen internen und externen Stakeholdern angelegt. Das ist aber sehr mühselig, weil man immer erst ein Dokument öffnen muss, bevor man etwas lesen kann. Davon rate ich aus diesem Grund der mangelnden Einfachheit also ab. WordPress würde ich heute wohl etwas anders aufsetzen, oder gleich ein Q&A-fähiges Produkt benutzen. Aber die Suche ist eh die wichtigste Funktion in Intranets. Die muss passen. Wir setzen hier auf die Kombination ElasticPress und Elasticsearch.

Anti-Pattern: doppelter Download

Das ist mal ein interessantes Anti-Pattern aus Usersicht: Ich habe eine Demo-Software gerade per Download-Button heruntergeladen. Dann werde ich auf ein Formular geleitet, in dem ich meine Kontaktdaten angeben muss. Der Händler schickt dann eine Demo-Lizenz zu. In dem Moment, wo ich das Formular erfolgreich abschicken kann, startet erneut ein Download. Der lädt software.dmg jetzt als software (1).dmg noch einmal herunter. Wenn ich jetzt mit dem Laptop unterwegs gewesen wäre und jedes Bit zahlen muss? Keine gute Idee.

Gut, dass ich Hazel habe. Da ist es eine Standard-Regel, dass doppelte Downloads direkt in den Papierkorb geschmissen werden.

Software, die ich nutze: Origami von Facebook

Auch wenn ich unter anderem das Produktmanagement für ein Do-It-Yourself-Portal verantworte, mit Origami meine ich nicht die Falttechnik aus Japan. Origami ist eine Software von Facebook für das Design von App-Prototypen auf dem Mac. Besonders ausgelegt ist diese für das gute Zusammenspiel mit den Dateien, die aus Sketch kommen. Sketch ist eine unter jüngeren Designern sehr beliebte Vektorzeichenanwendung, die deutlich schneller und performanter ist als Illustrator oder vergleichbare Adobe-Produkte.

Origami konkurriert mit anderen Hybriden (kann Design und ist Entwicklung recht nahe) wie Framer.js um das Mindset und den Marktanteil der Designer/Developer. Es ist kein Tool wie Axure RP, das sich an den gestandenen Informationsarchitekten richtet – und wo jede Animation weh tut. Zumindest ist das meine Erfahrung aus dem letzten Projekt bei ProSiebenSat.1, wo ich viel mit Axure gemacht habe und in großen Projekten damit auch immer die Anmutung der Seite vermitteln konnte. Aber Axure hat zwei Schwächen: Responsive Prototypes sind echt schwer, und eben diese Animationen. Vom heftigen Preisschild (500 Euro aufwärts) mal ganz abgesehen. Axure befördert auch eher einen eher schlichten Look der Prototypen. Hier einer meiner ersten:

Was ist jetzt an Origami so besonders? Es kommt von den Animationen her. Von diesen neuen Workflows, die App-Designern und -Entwicklern seit 2007 so bekannt sind, die aber für Web-Menschen wie mich, die Kanzlerin würde sagen Neuland sind. Oder zumindest waren. Auch ich beschäftige mich viel mit den aktuellen Trends, aber ich werde mich nie Designer nennen. Na, vielleicht ja doch.

Wer eng mit Entwicklern zusammenarbeitet und ihre logische Denkweise kennt, kommt mit dem Programm ganz gut klar. Die größte Hürde waren für mich die neuen Begriffe der Animationswelt. Meine ersten Berührungen mit dem Thema waren beim Buch vom Val Head zum Thema. Das empfiehlt sich sicher, vorher die Animationsmuster zu überlegen und auch zu wissen, welche Animation welchen Effekt auf den Nutzer hat.

Origami ist mir zu kompliziert – was kann ich tun?

Der Einstieg ist bei Axure einfacher, aber man braucht dafür auch einen Tag, um das zu verstehen, wie das alles gedacht ist. DAs Gute ist, dass die Anbieter inzwischen die Power von Video-Tutorials entdeckt haben. Zwar ist der Sprecher meist nicht besonders inspririerend, aber ich kann das Video an der Stelle anhalten, an der ich etwas nicht verstehe und immer wieder zurückspulen. Das ist etwas, was auch der beste Erklärtext nicht kann. Mein Tipp ist Keynote für Mac-Nutzer. Auch damit habe ich schon Prototypen gemacht. Die Animationen, die Apple dem Programm spendiert hat, sind zu viel für Präsentationen. Aber für animierte Microinteraktionen sind sie perfekt.

Podcasts – die Session beim Vocer Innovation Day 2016

Wenn es um journalistische Innovation geht, sind derzeit Podcasts nicht weit. Was sind Podcasts? Für uns Oldtimer sind das RSS-Feeds mit langen Wortbeiträgen (meistens Wort, manchmal auch mit Musik versehen). Oder anders: ein kostenloses Spotify für längere Wortbeiträge.

Längere – das steht für alles über zehn Minuten. Wie die Besucher des Workshops „Podcasts“ auf dem Vocer Innovation Day 2016 in Hamburg festgestellt haben, sind Podcasts in Deutschland in großen Teilen Zweitverwertungen von langen Hörfunkproduktionen aus den Rundfunkanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Warum ist das so? Der Rundfunkstaatsvertrag steht dagegen (PDF). Vereinfacht gesagt: Sendungsbegleitende Downloads sind machbar, alles andere ist schwieriger, weil es der ausdrücklichen Genehmigung bedarf – funk fällt etwa unter diese Regeln:

„Ist ein neues Angebot oder die Veränderung eines bestehenden Angebots nach Absatz 1 geplant, hat die Rundfunkanstalt gegenüber ihrem zuständigen Gremium darzulegen, dass das geplante, neue oder veränderte, Angebot vom Auftrag umfasst ist. Es sind Aussagen darüber zu treffen,

1. inwieweit das Angebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht,
2. in welchem Umfang durch das Angebot in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beigetragen wird und
3. welcher finanzielle Aufwand für das Angebot erforderlich ist. Dabei sind Quantität und Qualität der vorhandenen frei zugänglichen Angebote, die marktlichen Auswirkungendes geplanten Angebots sowie dessen meinungsbildende Funktion angesichts bereits vorhandener
vergleichbarer Angebote, auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zu berücksichtigen. Darzulegen ist der voraussichtliche Zeitraum, innerhalb dessen das Angebot stattfinden soll.“

Es gibt aber auch eine Nähe bei den handelnden Personen im Podcast. Podcastmacher kommen oft aus dem öffentlich-rechtlichen System. Einfach deshalb, weil dort viele der Wortmacher zum Hören arbeiten. Im Privatradio wachsen eher Moderatoren heran, nicht so sehr Beitragsgestalter und Menschen, die vom Inhalt her kommen. Behaupte ich mal.

Das sah man auch bei den Podcastern, die die Vocer-Konferenzmacher für den Workshop gewinnen konnten:

  • Lilly Wagner ist Reporterin beim ZDF und bei RTL, hat ein Konzept für funk eingereicht und auch grünes Licht für die Umsetzung bekommen. Und sie hat ein Volontariat beim SWR gemacht. Und sie hat dieses wundervolle Selfie von der Session gemacht!
  • Holger Klein moderiert alle zwei Woche die Nachmittagsschiene bei Radio Eins. Früher war er eine Ewigkeit Radiomacher bei Radio Fritz. Und dieses Radio-Urgestein macht auch Podcasts. Einige als Hobby, andere als Corporate-Produktionen.

Was meint Klein damit? Was sind Corporate Produktionen? Er macht formal ähnliche Podcasts wie seine eigene, macht diese auch als lange Interviews – aber bei Resonator etwa für die Helmholtz-Forschungsgemeinschaft. Das ist PR für eine wissenschaftsinteressierte Zielgruppe. Die ist etwa 20-50.000 Downloads pro Folge groß. Das lohnt sich also nur dann, wenn eine finanzkräftige Institution dahinter steht. In den USA ist das ein Content Marketing-Trend, den etwa General Electric erkannt hat.

In Deutschland kann man mit Podcasts noch nicht richtig Geld verdienen, meint Klein. Beziehungsweise: Darauf sollte man es nicht anlegen. Ich finde das eine Frechheit, auch wenn er das charmant verpackt hat. Denn: Die Einstiegshürden sind beim Podcasting nur wenig höher als beim Bloggen, wie er auch selbst beschreibt. Mit ein paar hundert Euro kann man beinahe in den Radios sendefertiges Material erzeugen, das war früher viel teurer. Und um sein eigenes Format zu finden, reichen auch die Aufnahmemöglichkeiten des iPhones völlig aus. Und etwas anzufangen, ohne zu wissen, dass man damit irgendwann mal die Miete zahlen kann, ist irgendwie nicht besonders erwachsen.

Wie man aus der Reaktion der Teilnehmer des Workshops Podcast merkt, fehlt aber vielen Neulingen der Zugang – zum System, weniger zum Thema. Radio ist eine schwer einnehmbare Festung, wenn man nicht über ein Netzwerk in die Anstalten verfügt. Und wer nicht über diese Beziehungen Rundfunktechnik einatmet, wird ein bisschen abgeschreckt beim Einstieg in die Szene. Klein gibt auch zu, dass das Fachsimpeln bei der Aufnahmetechnik schlimme Züge annehmen kann und preislich beim Equipment eines Radiomachers /Podcasters keine Grenzen nach oben gesetzt sind.

Als Podcasthörer muss ich sagen, dass ich empfindlich bin, was die Aufnahmequalität angeht. Wenn ich im Auto einen Podcast höre und die Lautstärke auf das Maximum anheben muss, sowohl am Signal auf dem Smartphone als auch auf dem Aux-In-Signal im Autoradio, aber die Sprache eines des Sprechers dennoch dem Windgeräusch auf der Autobahn nicht gewachsen ist, ist der Griff zum Skip-Button schnell gemacht. Ein Aufruf an alle Podcastmacher in eigener Sache: Hört euch eure Produktion mal unter ungünstigen akustischen Bedingungen an. Nicht im abgehängten Studio und auch nicht im Schrank, sondern in der U-Bahn, im Bad in der Nähe der Dusche und vor allem im Auto. Ein anderes vermeidbares Artefakt aus sehr einfachen Audioproduktionen sind Ploppgeräusche des Sprechers, wenn er zu hastig in Mikrofonnähe artikuliert. Ich bin da auch gefährdet, man kann da über die richtige Mikrofonhaltung viel lernen

Und weil ich möchte, dass mehr Einsteiger in die Podcastszene kommen, hier ein paar Tipps:

Was sind denn die Geschäftsmodelle für Podcasts? Da wurde ich in der Session nicht schlauer. Darüber wurde nicht so richtig gesprochen, sieht man von Gesamtfinanzierungen für Produktionen durch die Rundfunkanstalten oder Corporate Sponsors ab. Die scheinen aber wichtig zu sein, siehe Resonator oder die General-Electric-Produktionen.

In den USA haben darüberhinaus Direktvertriebler Podcasts für sich entdeckt. Casper, das sind die mit den Matratzen, die man online kaufen und 100 Tage testen kann, wirbt viel. In This Week in Google, einem meiner Lieblings-Podcasts, kommen auch andere Onlinevertriebler als Kunden vor – Domainverkäufer Hover, Projektmanagementtoolhersteller Basecamp und Essenslieferant Blue Apron.

Wer in der US-Szene ein bisschen herumhört, wird diese und vor allem das Geschäftsmodell des Direktvertriebs über das Internet immer wieder antreffen. Über Promocodes wird die Zuweisung der Vertriebserfolge (Attribution) geregelt, und vielleicht auch ein bisschen über Spikes an Veröffentlichungstagen. Hier sind die gleichen Ungenauigkeiten in der Zählung ein Problem wie bei Fernsehwerbung – wie viel des Traffics kann man einer bestimmten Marketingmaßnahme zuschreiben und wie viel entspricht dem eigentlichen Grundrauschen auf meiner Landingpage.

In Deutschland ist Viertausendhertz der Vorzeige-Vermarkter und Publisher für Podcasts. Sponsor-Ansagen werden hier auch von den Presentern vorgelesen und sind etwa eine Minute lang. Aber es gibt auch andere Werbeformen, wie Banner-Werbung auf den Detailseiten der einzelnen Podcast-Folgen. Wie gesagt: Das muss man sich als Neu-Podcaster zusammensuchen. Wie so oft bei Konferenzen mit Inhaltemachern – die Geschäftsmodelle werden nicht immer mitgedacht.

Unwort des Monats: „Die Jugend“

Was macht die Jugend heute eigentlich so in ihrem digitalen Alltag? Sätze, die man gar nicht mehr sagen kann – und was schlimmer ist, auch nicht mehr ungeschehen machen kann, hat man in der Zeit nach der Wahl von Trump zum Präsidenten oft gelesen. Da stammten sie von Trump. Aber auch wir Journalisten machen uns zum Beförderer eines Trends zur Sprachverwahrlosung. Nein, ich werde jetzt nicht Mitglied im VDS. Ich glaube aber, dass die deutsche Sprache auch schön sein kann. Dafür muss man sie kennen, mit ihr täglich üben und auch neue Wege gehen.

(Lieber Schlussredakteur, das „man“ redigierst du mir noch raus, oder? Danke, der Autor.)

Was denkt die Jugend?

Einer der Sätze, die nicht mehr gehen, lautet:

Nein, das muss ich besser sagen. Wir können als weiße, mittelalte Männer nicht annehmen, dass wir wissen, wie die Zielgruppe oder die Menschen, die man mal Publikum genannt hat (TPFKAA – the people formerly known as audience), so tickt. Unsere Erfahrung mit digitalen Produkten trennt uns von ihnen. Außerdem ist es eine Anmaßung, sich mit werdenden Müttern oder shoppenden Anzugträgern zu vergleichen. Oder auch der Jugend. Dafür gibt es Methoden wie Befragungen von echten Mitgliedern der Zielgruppe. Allen, die ein wenig Geld für Research ausgeben wollen, empfehle ich das Buch „The One Dollar Prototype“. Und deshalb ging ich bei diesem Satz aus der Snapchat-Spectacles-Berichterstattung steil:

What it feels like to wear Snapchat Spectacles: „Put simply: The kids are gonna love ‚em.“

(Via.)

Das ist natürlich tongue-in-cheek, aber eben irgendwo auch ernst gemeint. Bei Übermedien wäre das ein Hasswort. Für mich ist es eben diese kleine Kolumne.

Rant: Meine Scribbles nenne ich ab sofort Design

Design mache ich auch ab und zu. Früher habe ich das einfach Scribbles oder Skizzen oder meinetwegen auch Prototypen genannt. Ab sofort nenne ich das Design. Warum? Jeder kann sich Designer nennen. Der Begriff Designer ist nicht geschützt. Du kannst Photoshop? Dann bist du Designer. Bisschen #oldskool, aber eben Designer.

Auf meinem treuen Pendelbegleiter, einem 13-zölligen MacBook Pro läuft zwar Sketch, der neue Liebling der Designer, weil die Power für Photoshop nicht reicht, und weil ich die meisten Designs eh als skalierbare Vektorformate brauche.

SVG for the win in web Design!

Bei einem Nebenprojekt hatte ich jetzt das zweifelhafte Vergnügen, mit einem Designer zusammenzuarbeiten, der sich auf die gleiche Art auch Designer nennt. Ich hätte die Chuzpe nicht besessen. Deswegen nehme ich mir den Rat eines früheren HIPPOs von mir an: mehr dicke Eier wagen. Bäm, bäm, bäm.

Für das erste Vertical bei TargetVideo habe ich ein Moodboard als Briefing an meinen erklären Lieblingsdesigner für solche Projekte verschickt. Was er daraus gemacht hat, hat meine Erwartungen noch übertroffen. Dafür zahle ich gern. Ich designe nicht, um andere Designer aus dem Job zu treiben. Ich designe, um nicht schlechtes Geld gutem hinterherzuwerfen. Versteht mich nicht falsch: Gute Designer, ihr seid euer Geld wert. Aber dann seid ihr Profis. Webfonts, die keine sind, sind ein Indiz dafür, dass ihr es nicht seid.

Und jetzt beruhige ich mich wieder, mache einen Entspannungstee und ein Erkältungsbad.

Woher kommt der Chatbot-Hype? Gedanken vom Vocer Innovation Day 2016

Chatbots, the new frontier.

Seit 1997 entwickle ich journalistische Produkte im Netz, erst als Journalist für den Desktop. Später als Produktmanager, seit 2011 auch Responsive Design für die mittlerweile mobile Mehrheit. All diese Dinge, die ich in dieser Zeit gelernt habe, sind bei dem Thema „Sprache als nächstes User Interface“ nur bedingt zu gebrauchen. Klar, man braucht immer noch Klarheit in der Sprache und in der Nutzerführung.

Sprache als User Interface

Das ist ein großes Thema, ich möchte mich heute um die geschriebene Sprache kümmern. Wo kommt Sprache zum Einsatz in neuen Kontexten? Ich schreibe einem Messenger-Kontakt, dass ich News zu einem bestimmten Thema erhalten möchte, etwa zum Transfermarkt in der Fußball-Bundesliga, und die unermüdliche Maschine schickt mir fortan Links zu diesem Texten. Das ist ein anderer Umgang mit Sprache als der, wenn ich Dinge in die Google-Suche tippe. Aber wir können hier wohl an der Phrasierung, die SEOs aus den umgangssprachlichen Fragen herausgezogen haben, etwas lernen. „Was ist xx yyy?“ ist ein beliebter Suchterminus.

Erst in der Session beim Vocer Innovation Day 2016 habe ich verstanden, warum die Medienhäuser so wild sind auf diese neue Möglichkeit, viel Engagement in die Beziehung mit den Nutzern zu bringen. Das versuche ich mal zu erklären:

no filter, just me

Messenger enthalten immer noch alle Nachrichten, die mir meine Kontakte senden. Es gibt keinen Filter, eine algorithmische Auswahl von Posts, die ich in meinem Feed sehe. Das ist ganz anders als im zentralen Produkt der Social Media-Riesen Facebook, Twitter, Instagram. Da wird gefiltert. Nutzer sehen kaum zehn Prozent aller Nachrichten im Newsfeed bei Facebook, als Beispiel.

Der Nutzer bekommt die volle Ladung mediale Beschallung. Messenger sind die neuen Push-Nachrichten aus Apps. Nein, sie sind sogar eine Neuauflage einer neuen Welle an Push-Nachrichten aus Apps, und zwar aus Apps, in denen wir die Push-Nachrichten nicht abbestellen.

Kein Filter. Das müssen wir einmal sacken lassen. Der volle Durchgriff. Als Medium kann ich wieder senden. Ich glaube, das ist der Appeal, den die Medienhäuser, die etwa auf den Chatbot von Spectrm setzen. Das hatte ich vor der tollen Session mit Martin Hoffmann von Resi und Bastian Pech von Spectrm noch nicht verinnerlicht. Ich habe mich bisher oberflächlich mit der Frage beschäftigt, ob die Sites, die wir bei TargetVideo betreiben, gute Lieferanten von Chatbot-Futter wären. Da war meine Antwort nein. Nach der Session sieht die Antwort anders aus. Ich habe ein paar Ideen, die ich ohne den Besuch in Hamburg nicht gehabt hätte. Dafür hat sich die Reise schon gelohnt, auch wenn ich das vor dem Businesstrip nicht wusste.

Diese Art, die Chatbots zu benutzen, als Breitseite aufs ganze Publikum, wird sich schnell totlaufen. Auch Spectrm ist schlauer als das. Die gut funktionierenden Bots richten sich an eine eng begrenzte Zielgruppe, etwa Fans von Werder Bremen, die an Transfermeldungen ihrer Mannschaft interessiert sind. So funktioniert nämlich das Onboarding bei dem ersten deutschen Bot, dem Transferticker von Bild und Spectrm. Damit ist Spectrm auch auf der Entwickler-Konferenz F8 von Facebook aufgetreten.

Auch ein Chatbot muss einen Mehrwert bieten

Die Frage an Produktmacher in journalistischen Umfeldern muss jetzt lauten: Wie kann man die Bots gestalten, dass sie dem Nutzer dauerhaft einen Mehrwert bringen? Der Churn muss ja niedrig bleiben. Nur ein dauerhaft aktiver Nutzer ist ein guter Nutzer. Ich glaube, wir werden hier genauso Dinge lernen über Personalisierung wie es die App-Betreiber schon in den letzten Jahren auf den mobilen Betriebssystemen getan haben. Die Masse aus Massenpublikum gibt es nicht. Wir sind alle individuell. Und das Adressieren dieser Individualität wird der Schlüssel sein, damit Nutzer nicht nur ein paar Messages, sondern mehrere Monate oder sogar noch länger abonniert bleiben.

Der Inhalt vertieft die Beziehung zwischen dem Medium und dem Individuum. Der Chatbot in einem Messenger wird zur Chance für die Medien, wirklich ein Individuum zu erreichen, nicht nur eine Persona. Das finde ich eine hochspannende neue Fragestellung.

Das ist der Adressierung von Newslettern im E-Commerce-Bereich nicht unähnlich, wo auch personalisierte Angebote die Conversion und den Lifetime Value steigern können.

Aber es ist für journalistisch denkende Menschen neu. Alles im Journalismus zielt darauf ab, eine möglichst große Menge an Menschen zu erreichen.

Sender – Empfänger

Die Druckmaschinen, das Radio, das Fernsehen – einer an viele. Alles das Gleiche. Das Internet hat die Kommunikation von vielen an viele ermöglicht, Facebook hat es zu einer Realität für viel mehr Beteiligte gemacht.

Messenger sind vollends entbündelt und man muss sich überlegen, wie man produktseitig Themen wieder bündeln kann, um sie von den Prozessen automatisierbar und beherrschbar zu machen. Kein Nutzer wird sich seine Interessen konfigurieren, wenn das schwierig ist. RSS-Feeds und News-Aggreatoren, die so funktionieren, sind etwas für die Power-User – keine Chance auf den Massenmarkt.

Ich bin gespannt, wie lange das Fenster der Kommunikation mit den Nutzern über Chatbots offen bleibt, bevor auch wieder Social Media-Gamer wie Upworthy das Fenster mit Müll zustopfen.

Gesprochene Sprache als User Interface

Stimme als User Interface werde ich hoffentlich noch einmal besichtigen in diesem Blog. Meine ersten Erfahrungen mit Amazon Echo waren erstaunlich gut, auch wenn auch mir schon Limitierungen aufgefallen sind.

Hot Buttons oder Reizwörter

Wir haben alle unsere Hot Buttons, auf die wir besonders empfindlich reagieren. Die Rede ist hier nicht von sexueller Stimulation, so etwas würde ich nie auf meinem familienfreundlichen Blog ausbreiten. Aber es sind diese Stellen, and enen wir besonders heftig reagieren. Bei mir ist es dieses Zurückschlagen, wenn meine Kompetenz in Frage gestellt wird. Meist implizit. Daher kann ich mit Fehlern und Rückschlägen schlecht umgehen. Um das zu lernen, habe ich beschleunigtes Lernen zu meinem Programm zur menschlichen Reife gemacht: Ich arbeite bei einem Startup. Davon war ja schon die Rede.

Aber jeder hat diese Triggerpunkte oder Hot Buttons, die nur gereizt oder gedrückt werden müssen. Ein paar Beispiele:

  • Neuer digitaler Kanal für Öffentlich-Rechtliche: Zeitungsverleger gehen die öffentlich-rechtlichen Anstalten mit ihrer Beitragsfinanzierung an.
  • Neues Outlet für Inhalte:Mitarbeiter der privaten Rundfunksender gehen die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen ihrer „Zwangsgebühren“ an.
  • Tarife: Onliner gehen die Printkollegen wegen ihrer demografischen Überalterung bei den Kunden an.
  • Sack Reis fällt um: Microsoft geht Google wegen irgendwelcher Verstöße im Wettbewerbsrecht an.

Hotbuttons sind ungesund

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. In der Rhetorik gehören diese Worte zu den Klassikern. Wer schon einmal eine politische Talkshow gesehen hat, kann ihren Gebrauch und folgenden Missbrauch gut verfolgen. Aber die Liste ist Quatsch. Wirklich erfolgreich sein wird man nämlich nur, wenn man sich nicht nur vergleicht – bin ich der schickste, oder ist der Nachbar schicker? Sondern indem man sich auf Innovationskraft verlässt. Ins Kämmerlein einschließen oder ans Whiteboard stellen. Die Zukunft ist anders als das, was wir kennen. Das ist manchmal angsteinflößend, weil auf einmal die Leitplanken und die Warnbaken wegfallen. Aber es befreit. Wer einmal so frei war, wird das nie wieder aufgeben wollen.

Flow: Microsoft macht IFTTT und Zapier Konkurrenz

Für die Automatisierung alltäglicher digitaler Aufgaben benutze ich IFTTT und Zapier, jetzt könnte Flow hinzukommen. Darauf bin ich, wie so oft, über einen Blogpost gestolpert:

IFTTT Updates and Competition: „I was a huge fan of IFTTT for many years, but the lack of a solid business model a dramatic increase in venture capital lead me to cut ties. I like their technology and the new features look great. But I think I trust Microsoft more even if they have far fewer integrations. „

(Via.)

Ja, das Geschäftsmodell von IFTTT ist mir lange nicht klar gewesen. Jetzt scheint es sich auf die Maker zu konzentrieren. Die Nutzer werden damit wohl das vermarktete Produkt. Das prangert der Pinboard-Macher an.

Mit meinem Office-365-Abo in der Arbeit wollte ich jetzt unsere Abhängigkeit von Zapier lösen. 20 Euro im Monat sparen, das ist für ein Startup auch Geld. Leider unterstützt Zapier aber Facebook-Fanseiten, Flow aber noch nicht. Den Wunsch nach dem Feature habe ich jetzt unterstützt. Mal sehen, wie viele Ressourcen Microsoft in Flow hineinsteckt. Da bin ich immer skeptisch, wenn ein Produkt ein Feature irgendwo bei einem der ganz Großen (erweitertes FANG) der Westküste wird. Erst mal werde ich Zapier bei der Arbeit behalten, und privat IFTTT. Die 20 Euro lohnen sich für mich privat einfach nicht.