Positiv und aktiv statt reaktiv. So sollte Journalismus mehr sein. Foto: Unsplash (eigene Collage)

Positiv und aktiv

Thomas Baekdal ist einer DER digitalen Vordenker. Heute hat er ein Kopfnicker-Piece abgeliefert:

There is so Much Positivity in the Digital World of Media (by @baekdal) #opinion:

The difference between the old traditional world and the new YouTuber world is incredible. The traditional world makes me sad and depressed, while the YouTuber world lifts me back up again.

We also see this difference in the way things are being talked about and reported, and it makes traditional journalists appear reactive, while digital natives appear proactive.

Ganzes Stück lesen, tut mir den Gefallen.

Rückblickend ist dieses reaktive Verhalten auch einer der Gründe dafür, warum ich dem aktiven Journalismus den Rücken gekehrt habe und eher Journalismus ermögliche (= ich sehe mich als Enabler #denglish).

Aber diese Negativität aus den Medien ist auch Gift und erklärt auch viel von der aktuellen Politikverdrossenheit (Zeit, das Wort mal abzustauben).

Photo by Kostas Katsouris on Unsplash, Photo by Edu Lauton on Unsplash; eigene Montage

Eis gehört im Winter in Virginia zum Straßenalltag. Foto: Brandon Mathis/Unsplash

Das Internet und Nord-Virginia und ich

Ich habe an der Universität Dortmund studiert, die sich mittlerweile Technische Universität nennt. Internet war Ende der Neunziger Jahre noch vor allem das, was aus piepsenden grauen Kästchen tropfte. Für mich war schon im Studium Breitband angesagt.

Mit meiner Online-Redaktion aus Studierenden, die ich 1998/99 geleitet habe, haben wir unsere Redaktionstreffen im Multimediaraum im Keller des Institutsgebäudes machen dürfen. (Danke an den netten Uni-Angestellten, der mir das ermöglicht hat!) Ich weiß nicht mehr, wie schnell das Internet war, aber mehrere Mbit/Sekunde dürften es gewesen sein.

Genauso war es im Wohnheim, in dem ich zwei Semester gewohnt habe: MP3s zu besorgen, war auf der schnellen Leitung ein Kinderspiel (keine Sorge, ich habe keine mehr davon, und ich habe das natürlich NIE gemacht).

Warum war das Internet Ende der 90er Jahre in Dortmund so schnell? Weil sich dort einer der drei größten privaten Anbieter von kommerziellen Internetzugängen befand. Später hat sich der Knoten in Frankfurt zum wichtigsten in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa entwickelt – wie man auch an den Edge-Locations etwa von Amazon Web Services sieht.

Nord-Virginia

Aber eigentlich ging es schon eher los mit mir und dem, was man später das Internet nennen würde. Meine elfte Klasse in der Schulzeit habe ich in den USA verbracht, und zwar im Dunstkreis des US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. Das hat dank der Lokalzeitung, die die Gasteltern für mich abonniert haben, zu meinem Journalistik-Studium geführt. (Denn die Lokalzeitung war die Washington Post.) Und ich behaupte, auch zu meiner Bindung zum Internet.

Als es im bitterkalten Winter 1993/94 zu kalt für den Trip zur örtlichen Bibliothek war (minus 30 Grad Celsius, Blitzeis und packeisartige Eisschichten auf den Bürgersteigen), war ich dankbar für den AOL-Anschluss, den die Gasteltern mit ihrem Mac-Notebook besorgt hatten. So ließen sich Referate deutlich schneller machen. Und das war sehr viel eher als die Zeit von Hausarbeiten.de.

Das Ganze war in Nord-Virginia, heute so etwas wie die Geburtsstation von Funktionen im Internet. Denn dort befindet sich die AWS-Region US-East. Meist ist das die Region, in der neue Funktion von AWS als erstes zur Verfügung stehen. Sie befindet sich annähernd gleich weit von den Kernmärkten Europa und Kalifornien entfernt (rein laufzeittechnisch).

Wenn man also zurückschaut, sieht alles ganz klar aus: viel Internet, viel Medien. War es natürlich nicht, sondern mitunter ein zäher Kampf um den Fuß in der Tür „bei den Großen“. Doch zu den Lektionen daraus vielleicht ein anderes Mal ein Post.

Photo by Brandon Mathis on Unsplash

Medium, Plagiate sind das größte Lob

Es war einmal eine Webseite, auf der die lesbaren und auf jeder Deviceklasse gut gestalteten Texte das Alleinstellungsmerkmal waren. Sie hieß Medium.com und hatte kein Geschäftsmodell. Dann kamen die, die das auch sahen, und die alles kopierten, was sie sahen: Looks (https://code.tutsplus.com/tutorials/wordpressium-creating-a-medium-like-experience–cms-22669) und Funktionen (https://premium.wpmudev.org/blog/select-text-and-tweet/).

Also sieht jetzt Medium wieder anders aus, und ich habe immer noch Phantom-Optik-Erlebnisse. Etwa wenn ich diese Follow-Aufrufe sehe, und mein erster Gedanke ist: „Das ist doch die falsche Schrift!“ (Ist sie nicht, das ist bloß meine Erinnerung, die da spricht.)

Babyschritte in Sachen Personalisierung der User Experience bei der New York Times

Die New York Times bietet jetzt für eng begrenzte Zielgruppen personalisierte News an, zum Beispiel auf der Homepage:

All the news that’s fit for you: The New York Times is experimenting with personalization to find new ways to expose readers to stories » Nieman Journalism Lab: „The Times has also considered ways of using geotargeting to decide which readers see specific stories. Que pointed to coverage of events like this summer’s solar eclipse, some of which was only relevant to users who were actually in the eclipse’s path. There are also some smaller, more granular tweaks in the works. Readers in the U.K., for example, could see stories with units of yards and Fahrenheit swapped out for kilometers and Celsius. The same goes for date formatting.“

(Via.)

Gibt es Berichte über andere Personalisierungen von Publishern? Seit 2005 muss sich ja etwas getan haben. Nur Power-User dürften sich selbst ihren News-Mix zusammenstellen (RIP MSNBC, hallo Feedly/Feedreader, Flipboard).

Washington Post gründet The Lily (aus)

Nebenprojekte von Medienunternehmen sind meist spannender als die Haupt-Unternehmungen. Spiegel Daily bekommt gerade etwa mehr Presse als es Spiegel Online oder das Heft tun. In den USA ist gerade wieder eine Vertical-Welle unterwegs. Was meine ich mit Vertical? Das ist ein thematisch eng fokussiertes Inhalteangebot. Klassischerweise würde man sagen, das ist ein Angebot in nur einem Ressort oder einer Rubrik. Im alten Journalismus gab es das vor allem im Bereich Wirtschaft und im Bereich Sport. Der neue Journalismus ist zum Glück bunter, und vielleicht ist er manchmal auch ein bisschen weiblicher – hoffentlich. So verstehe ich den Start von The Lily in dieser Woche.

The Washington Post’s millennial women-focused spinoff The Lily is going the distributed route – Digiday: „Launching on June 12, The Lily will feature original and repackaged journalism from the Post that will initially be distributed on Medium, Facebook, Instagram and Twitter, and via a twice-weekly email newsletter, Lily Lines.“

(Via.)

Aus mehreren Gründen ist das ein guter Schachzug, wie ich finde. Neuer Content ist wichtig, aber auch alter Content aus den Archiven der Washington Post. Und die Strategie, voll auf Distributed Content zu setzen, ermöglicht einen schnellen Reichweitenaufbau. So kann man besser eine Idee testen (diese Zielgruppe zu adressieren, das ist offenbar die Idee) – weil man schneller auf den verschiedenen Channels sieht, wie groß die Zielgruppe insgesamt ist. Auf own and operated platforms wäre das etwas schwieriger, auch wenn dort natürlich die Monetarisierung besser wäre.

Schlüsselwort, um den Verzicht auf eine eigene Destinationsseite zu verstehen: Millennials sind Zielgruppe. Egal ob männlich oder weiblich, die sind von Buzzfeed verwöhnt, dass der Inhalt sie findet, wo sie sind. Und nicht sie zum Inhalt kommen müssen.

Wo kann man sie schon sehen, die Zukunft im Journalismus?

In vielen Verlagshäusern, den Bastionen der freien Demokratie, der Öffentlichkeit, der Willensbildung, zweistelliger Rendite und gediegener Ledersofas, wird an der Zukunft im Journalismus gearbeitet. Oft in kleinen Skunkworks-Teams, mit Wissen der Chefs, aber ohne die Bereitschaft derer, auch wirklich etwas am Status Quo zu ändern. Digitale Transformation ist ein blödes Wort, aber eigentlich wäre das ein vernünftiges Ziel für diese Häuser.

Viel zu klein sind diese Teams, viel zu isoliert, viel zu jung, um wirklich etwas am schleichenden Verfall zu ändern. Schleichend? Verfall? Ja, wenn man sich die Auflage der Zeitungen ansieht. Die Auflage der Tageszeitungen in Deutschland, und mit Tageszeitungen verdienen Verlage noch Geld:

Zukunft im Journalismus? Nicht lokal und in Print

Aber es ist natürlich abzusehen, dass die Auflage irgendwann Null sein wird:

Wahrscheinlicher ist es, dass die Auflage schneller abstürzt.

Auch wenn man das mit der ständig steigenden Lebenserwartung der Leser und Abonnenten in Bezug setzt – es wird nicht gut ausgehen.
Das Problem der Verlagshäuser ist ihr Häuser-Charakter. Die Häuser sind ganz schön groß, da gibt es viele Zimmer und viele Parteien, die darin wohnen – sprich arbeiten und Geld verdienen wollen. Gehen wir sie mal der Reihe nach durch: die Vertriebsabteilung, die dafür sorgt, dass die gedruckte Zeitung zum Kunden kommt. Den Vertrieb macht das Internet billiger. Distribution ersetzt Produktion, sagen die Netzwerkökonomen schon lange.

Die Produktion: Eine Website ist billiger als eine Druckmaschine. Vier Farben kann das Internet schon lange, und brillant gemischt sind sie auch noch. RGB 1, CMYK 0. Druckmaschinen können die Verlagshäuser, Internet eben nicht.

Bleiben die Content-Produzenten. Auch die braucht man künftig, aber eben nicht mehr all ihre Aufgaben. Chronistenpflicht? Dafür gibt es (leider?) keine ökonomische Begründung. Die Zukunft im Journalismus hängt am Mehrwert, den die Praktiker kreieren. Nein, die Journalisten werden auch nicht für die Geschichten gebraucht, sondern für eine funktionierende Gemeinschaft. Seien wir ehrlich, in vielen Ein-Zeitungs-Kreisen findet das schon lange nicht mehr über die Medien statt, sondern über Super-Konnektoren in Vereinen, Parteien und auch Unternehmen. Die wissen oft besser über ihre Gemeinde Bescheid als irgendwer in den Redaktionsräumen.

Als ich Journalismus gelernt habe, war das noch anders. Da gab es in vielen Lokalredaktionen die Frauen und Männer, die wussten, was in den Hinterzimmern und an den Werkbänken gesprochen wurde – weil sie Teil ihrer Community waren.

Wenn man mich nach dem Erfolgsfaktor von hyperlokalen Journalismus-Projekten fragt, ist es nicht die Qualität des Journalismus‘, der dort betrieben wird. Sondern: Drücken diese Projekte, egal ob Prenzlauer Berg Nachrichten oder Tegernseer Stimme, das aus, was ihre Community braucht und bewegt? Sind sie im Einklang mit ihrer Community? Dann sind auch Einnahmen über eine neue Abo-Finanzierung möglich. Journalismus-Professor Jeff Jarvis hat das schon in seinem einflussreichen Buch „What Would Google Do“ geschrieben:

Look at your constitutents, customers, community, audience – even your competitors – and ask how you can bring them elegant organization, especially now, as the internet disrupts everything.

Das kostet dann vielleicht nicht mehr 30 Euro im Monat, sondern eher fünf. Die Zahlungsbereitschaft der Menschen, die wir mal Publikum oder Zielgruppe genannt haben, ist drastisch gesunken. Wenn Netflix keine zehn Euro kostet, warum soll denn die Zeitung oder das, was früher mal Lokalzeitung war, mehr kosten? Die Kostenstruktur der Häuser (Steine, Maschinen, Menschen) ist den Nutzern egal. Sie zahlen für den Mehrwert. Da, wo viele Städte inzwischen selbst Lokalnachrichten produzieren, ist die Unabhängigkeit der Berichterstattung wenig wert. Und damit sind auch die alten Apparate nicht finanzierbar. Ich träume von einer Welt, in der die alten Verlagshäuser mit ihren Resopal-Oberflächen und Büro-Auslegeware zu Begegnungsstätten einer neuen interessierten Bürgerschaft werden. So etwas wie ein immerwährender Zeit-Leser-Kongress.

Und damit wären wir bei den Beispielen, die mir Mut machen: Es gibt Häuser, auch von Verlagen, die den Weg in die Zukunft im Journalisms nicht scheuen. Weil sie wissen, dass die alte Welt irgendwann alte Welt ist und revolutionär abgeräumt wird.

Die Zeit haben wir schon erwähnt. Von meinem Mancrush auf Jochen Wegner, den Online-Chefredakteur von Zeit.de habe ich auch erzählt. Aus seinem Team kommen mit den Leser-Events, die man wohl besser Kristallisationen der Zeit.de-Community nennen sollte, tolle Ideen, wie Zukunft organisiert werden kann. Community muss man leben, sich investieren, ohne direkt daraus Profit schlagen zu wollen.

Update: Jochen Wegner hat in einem langen Beitrag für das Magazin Journalist, den er auch bei Medium online gestellt hat, mehr über diese Community-Bemühungen und das Versammeln eine Gegenöffentlichkeit(?) geschrieben. Geschätzte Lesezeit: 14 Minuten.

Print ist noch lange nicht tot, es muss auch in die Nische gehen: Aus Australien macht Kai Brach sein Indie-Internet-App-Digital-Natives-Magazin Offscreen. Und der Name ist Programm. In hochwertiger Aufmachung und minimalistischem Design stellt er Gedanken von Digital-Vordenkern vor, und auch Denker, die man noch nicht kannte. Es gibt eine locker vernetzte Internet-Boheme, die das Magazin kennt und schätzt. Trotz eines Heftpreises von 20 Dollar. Jede Ausgabe ist die Einladung zum Innehalten, zum achtsamen Hinterfragen der Hektik. Nicht alles an dem Heft ist perfekt, mich stören etwa die Fotostrecken aus den Startup-Hochglanz-Großraumbüros, die auch internationaler einander immer ähnlicher werden. (Und was man auch online bei Gründerszene oder Deutsche Startups finden könnte.) Unbearbeitetes Holz oder geöltes Holz, Kicker, Thinktanks haben Resopal abgelöst, aber es ist von der gleichen Austauschbarkeit.

Und als Drittes kommen wir zu T3N. (Eigentlich sollte dieser Post nur über dieses Unternehmen gehen, aber ich muss ja immer einbetten und Kontext herstellen. Nennt es Erklärbär oder Mansplaining.) Das war mal ein Magazin für die Softwareszene rund um das Content Management System Typo3. Das erklärt den Namen. Inzwischen ist es aber viel mehr als das, es ist für mich das neue heise.de mit einem Fokus. Es kommt auch Hannover, ich habe es gedanklich schon oft genug mit dem Heise-Verlag (der macht die Computerzeitschrift) verwechselt. Aber es kommt von Yeebase, einer Neugründung aus dem Jahr 2005. Längst ist die Zeitschrift, die vier Mal im Jahr erscheint, nur Teil der Bemühungen. Die Webseite ist täglich aktuell, 15 Redakteure arbeiten dran.

Ich weiß das, weil ich auf einer Abendveranstaltung des unglaublich rührigen Media Labs Bayern war, wo CTO Martin Brüggemann T3N vorgestellt hat. Für einen Hackathon Anfang Juni hat T3N seine interne Content API, über die alle Inhalte, die im Haus je hergestellt wurden, erreichbar sind, auch extern verfügbar gemacht. Ohne Zugangsbeschränkungen.

Nichts Besonderes, wenn man aus der Softwarewelt kommt. Aber für Verlage ist das eine Revolution. Wie viele Verlage verdienen Geld mit Klagen gegen KMUs, die Presseberichte einfach so scannen und auf ihre Homepage stellen? Wie viele Verlage wollten die Ausschüttung aus der VG Wort an die Urheber anfechten? Wie viele Verlage verdienen Geld mit Pressespiegeln? All das sind Abwehrkämpfe, die zwar kurzfristig Früchte bringen, aber langfristig zum Scheitern verurteilt sind.
Ob sich der Aufwand für T3N lohnt, mit einem Hackathon zu wirklich neuen Ideen für die Zukunft im Journalismus zu kommen, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch. Zu konventionell waren die Ideen, die wir alle in einem Design-Thinking-Workshop auf dieser Abendveranstaltung entwickelt haben. 18 Monate in die Zukunft denken – ja. Aber mehr als zehn Jahre? Puh. Ich drücke aber alle Daumen, die ich habe!

Kämpfe von gestern: Journalist

In den letzten Jahren ist mir das Journalismus-Magazin „Journalist“ sympathischer geworden, oder zumindest wieder wichtiger geworden. Warum? Weil auch aktuelle Themen den Eingang ins Heft gefunden haben. 

So wird in der aktuellen Mai-Ausgabe 2017 auch groß über die erneuten Personalrochaden und Stellenkürzungen beim Focus-Heft berichtet. Das sollte mir nicht egal sein, weil ich in München arbeite und in Bayern lebe. (Diese Unterscheidung ist wichtig, glaubt mir.) In Bayern hat der Focus in gewissen Kreisen nämlich immer noch einen gewissen Rang. Er ist sozusagen das Symbol des bürgerlichen Widerstands gegen den und Unbehagen gegenüber dem Zeigefingerjournalismus des Spiegel. Ich sage nicht, dass das gut ist, ich sage einfach, dass es verbreitet so ist.

Sicher ist es also interessant, dass man als Gewerkschaftsmitglied etwas über andere Schicksale von anderen Gewerkschaftsmitgliedern erfährt. Aber letztlich gibt es eine ganze neue Generation an Nutzern und Journalisten, nennen wir sie mal die Millennials, für die der Focus völlig irrelevant ist. Für sie ist es wichtig, von der Personalie Daniel Drepper bei Buzzfeed zu erfahren. Die wird aber in einer dürren Einspalter-Meldung abgehandelt.

Dabei ist Drepper für Buzzfeed ein Coup, und umgekehrt auch: Buzzfeed sagt damit auch für Deutschland den Kampf um investigative Themen an. So wie das Buzzfeed-Chefredakteur Ben Smith sich schon für die USA und auch für Großbritannien mit seinem Reporter-Team erarbeitet hat. Das wäre mehr Tinte wert gewesen, die Geschichte von „Buzzfeed ist mehr als Listicles“ noch einmal zu erzählen, anstatt Abwehrkämpfe wie beim Focus zu erzählen.

Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben, weil sich ja vieles zum Guten gewandt hat beim Journalist, aber wenn das, warum auch immer, die Webseite des Heftes ist, läuft etwas falsch im Jahr 2017:

https://www.djv.de/startseite/info/journalist/das-magazin.html

Ja, das hat auch mit den internen Querelen zwischen Herausgeber, Alt-Verlag und Neu-Verlag zu tun. Aber das ist mir egal. In ein paar Wochen kann man zumindest eine Not-Internetpräsenz erstellen. Und eine Seite tief im Bauch der Gewerkschaftswebseite ist für mich nicht ganz adäquat.

Wenn ich mit dem Finger auf etwas zeigen soll, was besser wäre, sind das Poynter und Nieman Lab. Diese US-amerikanischen Institutionen und Publikationen sind viel mehr auf der Höhe der Zeit, was den Journalismus angeht.

Und das Pikante in ebendieser Woche: auch beim deutschen Onlinejournalismus. Wenn ich wissen will, was Springer plant, lese ich das in aller Regel dort zu erst. Oder konkret: Zwei Geschichten über die Ambitionen von Zeit Online. Die sind zwar auch recht kommod am Rande einer wichtigen Konferenz abgefischt, aber sie bieten einen Nachrichtenwert. Den finde ich nur bei journalismusethischen Themen im Journalist. Die bereitet er wirklich gut auf (Colditz und rechte Gewalt, vergessene Themen, Kolumne für Floskelwolke). Aber mir fehlt das Aktuelle. Wie kann man das machen? Wahrscheinlich geht es mit der aktuellen Personalausstattung nicht. Aber rechnet doch mal, vielleicht findet sich ja dafür eine Blendle-Finanzierung wie für Übermedien, das ich trotz aller Übertreibung an manchen Orten (Kampf gegen die immergleichen Windmühlen) gern unterstütze.

Für solche Sätze muss man den „New Yorker“ lieben

Aus einer Biografie-Rezension über Prinz Charles, Thronfolger in Großbritannien, im New Yorker:

Where Prince Charles Went Wrong – The New Yorker: „His Royal Highness Prince Charles Philip Arthur George, Prince of Wales, K.G., K.T., G.C.B., O.M., A.K., Q.S.O., P.C., A.D.C., Earl of Chester, Duke of Cornwall, Duke of Rothesay, Earl of Carrick, Baron of Renfrew, Lord of the Isles, and Prince and Great Steward of Scotland, is a deeply unpopular man.“

(Via.)

Warum man als Medium keine Aprilscherze machen sollte

Nicht jeder Aprilscherz ist so lustig wie die selbstfahrenden Fahrräder von Google aus Holland. Aprilscherze zeigen mir immer ein wenig, was die Redaktionen, die die Aprilscherze ersonnen haben, von ihren Lesern/Zuschauern halten.

Wie ist die Vereinbarung, die hinter gedruckten Witzen steht? Bierernste Medien dürfen an dem einen Tag auf lustig machen. Ich verstehe, dass man als Medienmacher ein Ventil braucht. Aber dafür gibt es die Weihnachtsfeier und das Sommerfest. Dein Draht zu den Nutzern, diese Konversation – die ist für ernste Sachen da.

Mit Listicles geht alles besser. Das wissen wir nicht erst seit Buzzfeed, sondern schon Mose kannte die „10 Dinge, die du besser nicht tust, wenn du Gott nicht erzürnen willst“.

Welche Alarmsignale gibt es dafür, dass man nicht als Aprilscherz-Erzähler geeignet ist?