Knight Report: Der kurz gesprungene Ratschlag vom „Aufschlauen über Technologie“

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Journalismus

Die Knight-Kommission hat ihren Bericht mit den Empfehlungen für Journalismus im 21. Jahrhundert vorgestellt. Und Nieman Lab is on it. (Ok, ich trete auf die Sarkasmus-Bremse.)

Dieser Auszug aus dem Bericht hat mich als Produktmenschen in der Inhaltewelt getriggert:

Transparency, diversity, philanthropy: The Knight Commission’s final recommendations for 21st-century journalism » Nieman Journalism Lab:

Wise up about technology instead of fleeing it.

The Commission, therefore, looks to journalists and technologists, ideally working together, to address this blight on trust and democracy. Technology companies need to guard the privacy of users’ personal information. But sharing data with journalists and researchers — without disclosing personally identifying information — is critical for independent reporting and analysis on how social media are being used to manipulate users with disinformation. This requires more collaboration between technology companies and journalists…

Das Thema hat es auch in die Auszüge aus dem Bericht geschafft, die im Executive Summary zusammengefasst werden. Gemeint ist damit vor allem eine Haltung der alten, abgelösten Gatekeeper gegenüber den neuen Gatekeepern für Journalismus: Facebook und Google – und wer immer noch, je nach Land, über die Discoverability von Journalismus mit entscheidet. Die Großen (WashPo, NYTimes, Spiegel) tun das, kriegen Zugang im Hinterzimmer und auch Unterstützung durch innovative Fördertöpfe. Aber die Kleinen? Die wurschteln vor sich hin, Klickvieh macht auch Mist.

Operativ finde ich nämlich gar nicht, dass der lokale Journalismus Angst vor Technik hat. Es ist eher so, dass er aufgrund seiner Größe keine Daten über die Nutzer erheben kann, wie es die Großen tun. Wo ist die Nutzerin, mit welchem Telefon, und für wie lange? In den Login-losen Content-Silos gibt es dazu keine wirklich guten Auskünfte – und so kann man als lokaler Anbieter auch nicht wirklich maßgeschneiderte Angebote machen.

Schnell kommt es zu Blaulicht- und Rotlichtjournalismus. Blaulicht: Unfälle, Mord und Totschlag. Rotlicht: Klick dich hier zum Seite-1-Girl von landkreis24.de. Beides dreht schnell, aber letztlich braucht man dafür nur Polizei und einen Fotografen. Ist das wirklich das, was Lokaljournalismus im 21. Jahrhundert sein soll? Ich denke nicht. Und Hannah Suppa auch nicht. Die ist Chefredakteurin im Lokalen.

Das ist auch ganz stark technikgetrieben. Manche nennen das die Buzzfeedisierung im Journalismus, dabei hat das schon viel eher angefangen: Den Nutzerinnen das geben, was sie in der Masse am meisten anklicken. Qualität ist das eher nicht. Für Qualität braucht man wie bei zeit.de eine inhaltliche Entscheidung: Ist es das, was wir anbieten wollen, oder ist das nicht doch ein wenig too low-brow für uns? Und ich denke auch an Verlage, die Miss-Wahlen ausrichten. Das organisiert auch Community, aber könnte man damit nicht ein klein wenig so etwas machen wie die Zeit-Festivals für junge Leserinnen? 

Photo by Henry Be on Unsplash

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