Erste Male: nach Belgrad reisen

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Reisen
Nebeneinander von Alt, Neu und Kaputt in Belgrad. Foto: Aleksandr Zytov/Flickr
Diesmal also Belgrad. Vor zwei Jahren, also nicht jetzt zur WM, war ich in Moskau. Ich war enttäuscht. Alles so sauber, adrett, neu; gerade im Stadtzentrum kaum von einer westeuropäischen Großstadt zu unterscheiden. Leuchtreklamen, globale Marken, deutsche und andere Premium-Autos überall.

Bei Belgrad, Hauptstadt, Millionenstadt, habe ich das einfach auch angenommen. Und so ganz falsch ist das auch nicht. Viel Glitzer an der Oberfläche, wie etwa die Marmor-Einkaufspaläste, die schicken Bars und die schönen Menschen. Wenn man aber mit offenen Augen durch die Gassen schlendert, und durch die sehr typischen Passagen, die unter vielen Geschäftshäuserblocks herführen, und überhaupt sonst auch die nicht so touristischen Bereiche der Stadt aufsucht, sieht man sehr viele, typisch serbische Dinge.

Was mir in Belgrad aufgefallen ist

Zum ersten ist da die Sache mit den zwei Alphabeten. Die kyrillische Schrift hat Verfassungsrang in Serbien, mit allen 30 Buchstaben. Das hält aber die meisten Retailer nicht davon ab, die Schilder im lateinischen Alphabet zu gestalten. Privatsender im Fernsehen auch.

Also gewöhnten sich auch meine Touristenaugen an Latein. Im Bus und in der Tram (beides sehr empfohlen, vor allem als Tagesticket oder Mehrtagesticket, 1, 3, 5 oder 7 Tage) gilt Kyrillisch. Ich stelle mir das, als Papa eines Erstklässlers, sehr schwierig vor, gleich mit zwei Alphabeten umgehen zu lernen. Und gerade, wenn man ein Ticket für den Bus braucht, hat man es oft mit kaputten Computern und Serbinnen zu tun, die nur ganz schlecht Englisch sprechen. Wenn der Reiseführer sagt: gibt es an jedem Kiosk, dann kann das auch heißen, dass man erst am sechsten Kiosk Erfolg hat. Ich habe jedenfalls zwei Blasen vom vielen Laufen bekommen.

Belgrad ist eine kleine Stadt, man kann relativ gut überall hinlaufen.

Noch so ein Reiseführer-Satz. Ja, das stimmt, mit ein paar Einschränkungen. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich auf dem östlichen Ufer des Save, dem Donauzufluss. So etwa die Festung Kalemegdan, einer Zitadelle von beeindruckenden Ausmaßen.

Mich haben aber nicht die alten Steine beeindruckt, sondern mehr noch, was mittendrin sprießt. Provisorien oder permanente Installationen – wie ein Dinosaurierpark, mehrere Tennisplätze, die üblichen Cafés und ein Zoo. Für die Belgrader ist das ihr Central Park oder Englischer Garten, und bis spät in den Abend findet hier das Stadtleben statt. Hunde werden ausgeführt, neue Lieben und alte Lieben werden hier mit Händchenhalten demonstriert.

Morgens Früh werden die Touristen der Donaudampfschiffe mit dem Bus den Berg hoch gefahren und durch die Anlage getrieben. Ok, mit Dampf fahren sie nicht mehr, aber die Flusskreuzfahrten halten zu Fuße des Festungsberges, nicht im normalen Belgrader Donauhafen. Weiß, grau und beige dominieren, wenn man den Passagieren zuschaut. Knopf im Ohr, denn auch hier werden die Stadtführungen mit Headset präsentiert. Schreien in Ruinen gehört der Vergangenheit an, hier wie andernorts.

Collage belgrad kalemegdan eigene fotos

Foto: eigenes Foto, Collage mit Google Photos erstellt

An den unvermeidlichen Souvenirständen gibt es schreckliche Dinge zu kaufen, die sich nur durch den Aufdruck Belgrade / Beograd von denen in anderen Städten unterscheiden. Und natürlich die Nationalmannschaftstrikots in Kindergrößen. Hier unterscheidet sich Belgrad kaum von Moskau: geschmackvolle Mitbringsel sind schwer zu finden. Aber das ist in London und Paris auch nicht anders, wenn wir ehrlich sind.

Im Grunde ist die Millionenstadt Belgrad mehrere Städte, so unterschiedlich sind die Stadtteile. Das alte Belgrad ist eins von engen Gassen, steilen Anstiegen, immer wieder tollen Ausblicken auf die Flüsse, Glitzer, Baulücken, die kreativ bebaut werden – oder gerade dem Verfall und den herumstreunenden halbwilden Hunden überlassen werden. Und natürlich Obdachlosen, die es hier sehr sichtbar gibt, wenn auch vielleicht nicht in der Zahl von San Francisco oder anderen Städten, in denen die Technik zu Hause ist. Keine Stadt sei so oft zerstört worden wie Belgrad, das jahrhundertelang die Grenze zwischen West und Ost, Österreich und osmanischem Reich markiert hat. Selbst als Hauptstadt von Jugoslawien nahm man ja eine Zwitterrolle von Sozialismus plus ein bisschen Westen ein.

Das neue Belgrad, das sogar auf den Stadtplänen so heißt, findet man auf der linken Seite der Sava. Es ist der Stadt gewordene Traum eines sozialistischen Stadtplaners (mehr zur aktuellen Stadtplanung hier). Ausbuchstabiert wurde der im Generalbauplan von 1950.

Um dem starken Bevölkerungswachstum zu begegnen wurde unter dem Direktor des Stadtplanungsinstituts (Miloš Somborski) mit dem Bau der Neustadt am linken Ufer der Sava begonnen. Dabei wurde die auf jenem Ufer gelegene Kleinstadt Zemun in Belgrad integriert.

Dieser wurde durch zwei weitere Generalbaupläne aktualisiert.

Breite Avenuen finden sich hier, mit unfassbarem Autoverkehr und nur wenig Gedanken an Fußgänger. Wie in Moskau und anderen osteuropäischen Städten finden sich hier Unterquerungen, weil die Straßen zu breit für beherrschbare Ampelphasen sind. Die sind dampfig, dunkel, manchmal stinken sie, und manchmal finden sich hier wie in allen unterirdischen Gängen Straßenmusiker, die nicht ohne Talent „House of the Rising Sun“ interpretieren.

Belgrade street kiosk flickr vasenka photography

Foto: Vasenka Photography/Flickr

Was sich hier außerdem findet: Kioske. Alle paar hundert Meter findet man Kioske, die Prepaidkarten, Zigaretten, Zeitungen, Getränke und Fahrkarten verkaufen. Als München-Geschädigter finde ich das toll, vor allem, weil die oft fast rund um die Uhr geöffnet haben.

Die Straßen trennen die großen, hohen Wohnblöcke voneinander. Alles natürlich im sozialistischen Stil gehalten, der während der Stadterweiterung angesagt und Pflicht war. Von den Plattenbauten in Marzahn ist das meist kaum zu unterscheiden, und ehrlicherweise sehen die Satellitenstädte in Westdeutschland auch genauso aus. Türme, zwischendurch viel Grün, wo wie auf der grünen Wiese kleine Shoppingpavillons sich an die Häuser ducken.

Die Wohnblöcke sind nicht ganz so hoch wie in Moskau, aber sie sind durchaus mehrere hundert Meter lang. So etwa im Block 42, den ich beim Besuch der After-Event-Party gesehen habe. An dem Block finden sich nicht die üblichen Holzfenster, sondern kleine Bullaugen, durch die die Hitze kaum entweichen kann. Wer er sich in Belgrad leisten kann, hat für die langen Sommermonate eine Klimaanlage gekauft. Die darf auch im Sortiment der großen Elektromärkte nicht fehlen.

Wohnblock belgrad ggue belexpo centar eigenes foto

Foto: Wohnblock gegenüber Belexpo Centar, eigenes Foto

Aus der Spannung von eng, eng, eng wie in der Altstadt rund um die Einkaufs- und Flaniermeile Kneza Mi… und den sehr breiten, fast nicht für Menschen gemachten Flächen in der Neustadt ergibt sich die Faszination Belgrads. Es schillert.

Wie ist Belgrad?

Das macht die Frage, wie man sich die Stadt vorstellen muss, auch gar nicht so leicht. Wenn man eine osteuropäische Stadt kennt, kennt man fast alle – nur hat Belgrad ein wenig mehr Geschichte als die Städte vom Reißbrett. Auch das Sehnen nach dem Westen ist überall zu sehen. Die beiden großen Shoppingzentren, Rakijeca und USCE, sind von einer Premium-Mall nicht zu unterscheiden. Die immergleichen Läden sind dort zu finden: dm, H&M, Lego, Nike, Va Piano, Victoria’s Secret, Yves Rocher, Zara. Wie man sich die importierten Waren von einem serbischen Gehalt leisten kann, ist mir schleierhaft. Was es nicht gibt, sind Dinge aus dem jugoslawischen, osmanischen und sonstigen historischem Erbe. Metallspielzeug, Sachen aus Holz? Ne, Plastik bitte, und bunt soll es sein. Das Überangebot an Plastiktüten, die es überall gibt, zeigte mir auch auf unerwartete Weise: Das hier ist kein EU-Land. (Die Einreise mit Papieren zeigen war eher schmerzfrei, und schon ein paar Tag eher.)

Der Event, der mich nach Belgrad geführt hatte, war der weltgrößte WordPress-Kongress. Der fand in dem Ende der siebziger Jahre gebauten Sava Centar statt, nach eigenem Angaben dem Kongresscenter mit dem größten Auditorium auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Jugoslawien, ein Wort, das ich mir vor der Reise geschworen hatte, nicht oft zu verwenden, um nicht auf Konversationsglatteis zu geraten. Aber mein Taxifahrer sprach es selbst an – er vermisse das Gefühl von damals. Der Weg vom Flughafen in die Stadt führt auch am ehemaligen jugoslawischen Parlament vorbei, einem Betonbau mit eleganten Säulen, zwei streng symmetrischen Flügeln, der einen ganzen Stadtblock einnimmt. Überhaupt ist das ein typisches Muster in der Belgrader Neustadt: Alle drei, vier Wohnblocks folgt ein Block mit Sonderbebauung, wie etwa dem Kongresscenter und mehreren Hotels, der Belgrader Kombank Arena (Halle für 20.000 Besucher), Shoppingzentren und so weiter.

Das Sava Centar verdient einen eigenen Absatz, weil es mir so typisch erscheint. Die Typografie scheint seit dem Bau nicht verändert worden zu sein. So finden sich Disco-Schriften immer noch an der Garderobe und an den Büros, die sich dort befinden.

Collage sava centar

Auch das Lichtdesign ist gewiss noch das Original. Mehr darüber habe ich dank Adrian Roselli auch in einem Architekturblog gelesen. Die Lampen! Die Lüftung! Die Weltzeituhr! Wunderbar, echte Hingucker. Anders als er hatte ich aber keine echte Kamera dabei.

Mein persönliches Highlight kam dann aber drei Stunden vor dem Abflug. Durch Zufall hatte ich auf der Karte gesehen, dass sich direkt neben dem Flughafen ein Flugzeugmuseum befindet. (Dass der Flughafen Nikola Tesla im Namen trägt, geriet da in den Hintergrund, und mehr als eine Statue im Taxi-Anfahrtsbereich weist da auch nicht darauf hin.)

Tesla statue flughafen eigenes foto

In dem Museum finden sich die ersten serbischen Flugobjekte, Platz für eine Sonderausstellung, eine vollständige Aufarbeitung der zivilen und militärischen Fluggeschichte und auch Flugobjekte, die im Bürgerkrieg abgeschossen worden waren. Ja, das ist richtig. So hat der Escape Seat eines Jetpiloten seinen Platz gefunden, die Kuppel eines Tarnkappenbombers und auch eine vollständige Predator-Drohne. Das ist, hm, mal etwas Anderes als in westlichen Museen, finde ich. Und ja, ich musste beim Mann an der Kasse erst einmal nachfragen: Was stellt ihr hier aus? Ich hatte richtig gehört.

Collage belgrad flugzeugmuseum aussen

Eine Google-Podcast-App ist da, mal wieder

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Android / Podcast

Could Google’s new podcast app change the way we understand the Average Podcast Listener? » Nieman Journalism Lab:

Google had another standalone podcast app not too long ago, Google Listen, an experimental product launched in the summer of 2009. Google Listen was eventually shuttered in 2012 on the reasoning that there were other, better podcast apps out there, as the search giant told Android Central at the time.

In meinem Feedreader gibt es immer noch einen Ordner Podcasts, die aus Listen kommen. #manmuesstemalaufraeumen

Mehr Diversität im Team hätte auch diesen Fehler verhindert

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Design

WM-Blog: «Die Schweiz hat das Unentschieden nicht verdient», sagt Neymar | NZZ:

Der ägyptische Torhüter Mohamed Elshenawy wurde nach der Niederlage gegen Uruguay als bester Spieler der Partie ausgezeichnet. Doch der 29-Jährige lehnte es ab, die Trophäe anzunehmen. Das Problem: Die Auszeichnung wird gesponsert von der amerikanischen Biermarke «Budweiser».

Und, auf einer Skala von 1 bis 10 – wie sicher sind wir, dass es keine Muslime in der Projektgruppe gab, die Budweiser als Sponsor an Land gezogen hat.

WordCamp: Wo kommt eigentlich Kreativität her?

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CMS / Design / Wordpress
In der U-Bahn gefangen zum Höhepunkt der eigenen Kreativität? Notizen machen! Foto: Darren Coleshill / Unsplash
Design-Talks bei einer Konferenz, die sich an Entwickler richtet, haben es immer noch schwer, vor allem am Anfang des zweiten Konferenztages in einer Stadt, die viele Bars und günstiges Bier hat. Belgrad hat das alles, und noch viel mehr, und so sind die Reihen am Samstag, dem zweiten Tag des WordCamp Europe 2018 noch ein bisschen dünner besetzt als am ersten Tag.

Milky Way, also Milchstraße, heißt der Track, in dem Agenturchef Simon Cooke seine Thesen präsentiert. Und er erzählt von seinen Methoden, um nach den Sternen der Inspiration zu greifen. Und was er sagt, lässt mich lange kalt – bis es es nicht mehr tut.

Der Ort seiner Inspiration, und zwar für die Dokumentation und den Output: sein Heimweg, zwischen halb sechs und sechs etwa, am späten Nachmittag. Anders als er kann ich nicht nach Hause laufen, aber er hat Forschung dazu präsentiert, dass diese Zeit für viele Kreative wie uns der Peak der Kreativität ist. Er selbst schreibt sich seine Ideen und Einfälle auf seinem Fußweg heim auf, und zwar natürlich ins Smartphone. So ähnlich halte ich es auch. Und ich fühle mich verstanden. Die Community ist wie ich. Alle meine Versuche, mich davon abschrecken zu lassen, sind gescheitert.

Sobald ich die Folien online finde, ergänze ich sie hier.

Photo by Darren Coleshill on Unsplash

Ein ganz persönlicher Review: WordCamp Europe 2018

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CMS / Design / Softwareentwicklung / Wordpress
Hashtag #WCEU auf der Bühne im Raum Milkyway. Foto: eigenes Foto
Als erstes ist mir sein Koffer aufgefallen. Riesige rote Räder hat er. Irgendwie erinnerte mich das an was. Den kenne ich doch von irgendwoher. Aber woher? Es fällt mir nicht ein.

Den Rucksack, den er trug, fand ich auch auf den ersten Blick gut. Der Rucksack- und Kofferbesitzer selbst war tief in sein Smartphone versenkt, da erkannte ich Matt Mullenweg an seinem Bart. Ich hatte also das Glück, mit dem Miterfinder und BDFL von WordPress zum europäischen WordCamp zu fliegen. Ich wollte ihm so viel sagen, mindestens aber Danke. Aber auch er hat mal Ruhe verdient. Daher dieser kryptische Instagram-Post von mir.

Insofern begann mein WordCamp in style, wie ich finde. Mein erstes Mal in Belgrad, mein erstes Mal überhaupt auf dem Balkan. Und natürlich ist der Krieg auch ein Thema im Taxi auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt. (Mehr über meine Eindrücke aus der Stadt verrate ich in einem eigenen Blogpost, weil die Stadt viel in mir zum Klingen gebracht hat.)

Was bleibt also vom WordCamp Europe 2018 an Erkenntnissen? Matt Mullenweg hat in seiner Rede zur Lage der Nation (erstes Mal in Europa, sonst macht er einen Fireside-Chat) so etwas wie eine Roadmap für den nächsten Feature-Sprung in der Entwicklung von WordPress vorgestellt, Gutenberg. Schon im August, vielleicht aber auch ein, zwei Monate später, wird Gutenberg Teil des Core-Produktes von WordPress.

Was kommt danach? Das war die erste Frage, die ich mir aufgeschrieben hatte. Und Matt hat sie beantwortet: Über kurz oder lang werden auch Funktionen wie Widgets und Menüs durch die Blocks-Logik ersetzt. Für Millionen von WordPress-Nutzern wird sich dadurch viel ändern. Gut, dass es den Shortcode-Wrapper-Gutenberg-Block gibt.

Wer Angst vor Gutenberg hat, sollte JETZT das Plugin Classic Editor installieren. Ich warte auch, der Blogpost ist gleich noch da.

Noch da?

Das neue Gutenberg-T-Shirt ist schon schön, oder? Leider gab es das nicht auf dem WCEU zu kaufen. Aber eins für 15 Jahre WordPress. Ring. (Das war das Geräusch der Kasse, das die natürlich nicht gemacht hat.)

Beherrschendes Thema auf dem WordCamp Europe 2018: Gutenberg

Für den Gutenberg-Workshop für Entwickler hatte ich mich nicht angemeldet, schon um Menschen, die React können, keinen Platz wegzunehmen. Aber Gutenberg war nicht nur mein großes Thema in Belgrad. GutenBElGRad, sozusagen.

(Und ja, ich zahle meine 2 Cent in die Wortspielsozialkasse.)

Tammie Lister war und ist der Design-Lead für Gutenberg in der ersten Phase (Blocks im Editor-Interface), und in ihrem Vortrag verrät sie, welche Muster und Denkweisen Designer und Entwickler haben sollten, wenn sie einen neuen Vortrag für das neue Block-System haben sollten.

Matías Ventura habe ich danach zugehört, und er verriet noch mehr über Gutenberg, was man schon hätte wissen können. Aber manchmal muss man sich die Produktvision erläutern lassen, das sorgt für ein tieferes Verstehen. Die Prinzipien sind einfach. Unter anderem soll verhindert werden, dass Gutenberg für einen solchen Lock-in-Effekt sorgt wie manche „Premium“-Themes, die ohne vier Plugins, die zusätzlich installiert werden, gar nicht erst funktionieren bzw. eine kaputte Frontendansicht hinterlassen. Bei Krautpress gibt es noch mehr Argumente:

Kritisiert wird, dass hier Inhalte an ein vorhandenes Theme angepasst werden. Tammie Lister, Leiterin des WordPress-Theme-Review-Teams, hat zu Multipurpose-Themes eine schöne Analogie formuliert: Ein Parka mag ein nützliches Kleidungsstück sein, das von jedem zu jeder Jahreszeit getragen werden kann, auf Opern-Bällen aber zu Irritationen führen könnte. Mit einem Theme (oder Kleidungsstück) ist es eben doch nicht getan.

Diesen Text sollten alle Theme-Autoren kennen, und alles von Morten Rand-Henriksen.

Spoiler: Ab jetzt wird es persönlich

Seit zwei Jahren gehe ich zu WordCamps (Wien, Köln, Paris, jetzt Belgrad), und ich frage mich, warum. Aus Interesse klar, aber manchmal fühle ich mich auf den Events verloren, zwischen all den Menschen.

Ich fühle mich nicht als Teil der Community, aber das liegt an mir. Die Community selbst hat offene Arme. Ich habe in vielen Umfeldern, in die ich gehöre, oft das Gefühl, nicht dazuzugehören. Ich bin kein Designer, und ich bin doch einer. Ich bin kein aktiver Journalist mehr, sondern Blogger. Und doch liegt mir Journalismus am Herzen.

Produktentwickler für WordPress

Kleine Fingerübung: Was mache ich da? Leider kann ich meiner Statistik in Rescue Time nicht sehen, wie viel Zeit ich in wp-admin, also dem Admin-Backend der vielen WordPress-Instanzen, die ich besitze oder pflege, verbringe. Auf der Pfadebene wird das in Rescue Time nicht ausgewiesen (übrigens, über Rescue Time muss ich mal etwas schreiben). Aber es dürften pro Jahr mehrere Tage sein. Ich bin also Power-User von WordPress und Produktentwickler einer Plattform, die darauf basiert. Damit gehöre ich vielleicht nicht in den Entwicklerzirkel, aber schon in den der fortgeschrittenen Anwender. Aber die Gelegenheiten, um Teil der Community zu werden, habe ich verstreichen lassen: den WordPress-Slack, den deutschen Slack-Workspace für WordPress und auch die Fotogelegenheit der deutschen Blase auf dem WordCamp. Für die nächsten zwölf Monate habe ich mir vorgenommen, mich mehr einzubringen. So soll es nicht bleiben.

Mit dem letzten Vortrag, den ich auf dem WCEU gesehen habe, kam dann der lang erwartete Kopfnicker: Aaron Campbell erzählt von seiner Reise der Selbstentdeckung, an deren Ende die Einsicht stand – auch Introvertierte wie er können Erfolg haben, wenn sie auf ihre eigenen Bedürfnisse hören. Aaron ist der mit dem kleinen Hut auf WordCamps.

Also, ich gehe weiter zu WordCamps, und umarmt mich, damit ich nicht weiter so fremdle.

Mit den Mullenwegs schließt sich der Kreis. Wen habe ich im überschaubaren Terminal 2 des Nikola-Tesla-Flughafens wieder gesehen? Charleen Mullenweg. Sie ist die Schwester von Matt und natürlich hat sie mir das im Gespräch nicht gesagt und ich habe es nicht geahnt, bloß, dass sie nicht für WordPress arbeitet, und ich habe mit ihr am Swag-Stand von WordPress.com Small Talk gehalten. Auch sie reiste wieder nach Hause.

Mobile is eating the Sommerloch

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Analytics / Web
Strandkörbe. Foto: Michael Kleinjohann/Unsplash
Meine Frau achtet darauf, ob dort Internet vorhanden ist, wo wir im Urlaub hinfahren. Das Familienhotel, das wir seit Jahren ansteuern, hat eine 7-GB-Flatrate für 14 Tage. Da man aber beliebig viele Codes sich an der Rezeption abholen kann, für jedes Smartphone eins, fürs Tablet und auch fürs Notebook, und auch dann, wenn man das Volumen aufgebraucht hat, wieder ein neues, spielt das keine Rolle. WLAN #FTW. Das macht sie seit unseren Flitterwochen so. (Die sind auch fast zehn Jahre her…) Sie kennt mich. Und Netflix schaut sie halt auch ganz gern.

Soweit das anekdotische Wissen um die Bedeutung von Konnektivität im Urlaub.

Als Product Owner für Webseiten habe ich seit vielen Jahren immer wieder Zugriff auf die Zahlen der Webseitennutzung. Dabei war für mich 2015 das Jahr der mobilen Wende, und nicht erst 2017, wie ich in vielen Business-Blogs gelesen habe. („Jetzt aber auch wirklich ihre B2B-Webseite auf mobile Nutzung vorbereiten!“

Noch einmal: 2015 war das erste Jahr, in dem der Juli keine sichtbare Delle im Traffic gebracht hat. Und mit dem mobile-First Index von Google, der 2018 ganz sicher kommt, muss man sich um den Desktop kaum noch kümmern. Der hat eigentlich nur noch für Präsentationen eine Funktion.

Leider müssen die Zahlen ein Betriebsgeheimnis bleiben, aber sie sind eindeutig überwiegend mobile. Mittlerweile sage ich:

„Desktop ist ein Edge Case.“

Photo by Michael Kleinjohann on Unsplash

Erinnert ihr euch an „EC2 for Poets“?

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CMS / Web
Frau blättert in Gedichteband. Foto: Unsplash
EC2 for Poets war der Titel eines für mich sehr einflussreichen Blogposts von Dave Winer, dem Entwickler/Journalisten/enfant terrible. Er erklärte auf dem damaligen Stand, wie man bei Amazon Web Services ein Blog zum Laufen bekommt. Inzwischen ist das viel einfacher, auch bei AWS – ich sage nur Lightsail.

Aber er lässt nicht locker, mein Gefühl ist es, dass er sein Lebensziel gefunden hat: own your platform. Weiterlesen

Amazon hat Marke Echo angemeldet – wie geht es mit Einspruch weiter?

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Amazon / Musik
Amazon Brand Monitor: Amazon meldete bereits 33 Marken in 2018 an. – Wortfilter.de Der Marktplatz Blog:

Die Amazon Technologies meldete in 2018 bereits 24 Marken neu an. Die Amazon Europe Core S.à r.l. schaffte es auf 9 Marken. Aber nicht alle Anmeldungen laufen glatt. Der Bundesverband Musikindustrie e.V. hat z.B. Einspruch gegen die Anmeldung der Wortmarke ‚Echo‘ eingelegt.

Bei Marken muss man ja nachweisen, dass man die aktiv nutzt. Die Einstellung des Echos als Musikpreis sollte dem Bundesverband Musikindustrie bei dem Einspruch nicht unbedingt helfen.

Photo by Simon Migaj on Unsplash

Wie Seth Godin GDPR sieht

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User Experience / Web
Frau spricht in Megafon. Im übertragenen Sinne sollten wir das nicht tun - marktschreien, wenn wir kein Marktschreier sind. Foto: Clem Onojeghuo / Unsplash
GDPR and the marketer’s dilemma:

Talk to people who want to be talked to.

Market to people who want to be marketed to.

Because anticipated, personal and relevant messages will always outperform spam.

And spam is in the eye of the recipient.

In two simple words: Ask First.

(Via Seth’s Blog)

Dass ich mal Datenschutz und das Cluetrain-Manifest in einem Satz erwähnen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Aber letztlich praktiziert die EU mit GDPR/DSGVO Konsumentenschutz. (Weil sie weiter von nationalen Lobbies weg ist? These. Bitte recherchieren, liebe Journalistenkollegen!)

Und die Autoren des Cluetrain-Manifests gingen ja auch vom Menschen als kleinster ökonomischer Einheit aus, als sie sagten:

Schon jetzt erreichen Unternehmen, die mit der Stimme des Marktschreiers reden, niemanden mehr.

Und jetzt alle so: Halte ich mich gerade daran?

Photo by Clem Onojeghuo on Unsplash