Businesstrips sind nicht das höchste Gut im Leben

Der Wechsel der Perspektive wird oft erzwungen. Die Welt der Blogs ermöglicht es mir besser, in die Schuhe von anderen hineinzuschlüpfen. Ein reifer Mann gibt seinem jüngeren Ich und anderen Jungspunden Ratschläge. Die könnten von mir sein:

My Switch From Seat 3A to Seat 27E | Joe Staples | Pulse | LinkedIn: „While travel might be enjoyable — at least for awhile, there are things that I missed out on. As I mentioned earlier, I was a master scheduler. I rarely missed anything important — or so I thought. What I did miss was dinner at home every night. Casual conversations. Helping kids with home work. „

(Via.)

Das ist einer der Gründe, warum Berater irgendwann den Beratungsunternehmen entfliehen und in DAX-Konzernen mit Aussicht auf 40-Stunden-Woche anheuern. Nicht, dass ich mal Berater gewesen wäre, aber auch ich hatte einen Kinderwunsch. Und ProSiebenSat.1 hat sich für mich als sehr familienfreundlich erwiesen. Zwei Jungs habe ich dort bekommen, also meine Frau, als ich dort beschäftigt war. Mit der Zeit habe ich es einrichten können, dass ich beinahe jeden Abend zum Abendessen daheim war und erfuhr, was in der Krippe und im Kindergarten passiert war. Und die Kinder ins Bett bringen konnte. Das war und ist unbezahlbar.

Ab und zu mache ich Businesstrips. Aber keine 20 im Jahr. Und weit entfernt vom Senator-Status oder noch höherem, was für manche Karrieremenschen erstrebenswert ist. Ich fühle mich gut dabei.

Wiederentdeckt: Tripit. RIP, Tripit

Tripit gibt es noch. Das war vor ein paar Monaten, als sich meine Reisen auf einmal häuften, eine nette Entdeckung. Es war ein Throw-Back-Erlebnis. Für meine erste USA-Reise seit fast 15 Jahren war das 2008 eine gute Unterstützung. Die Informationen zu meinen Flügen und Anschlussflügen konnte ich dort vereinbaren in einem Trip. So nennt Tripit die Vereinbarung aller Reiseunterlagen in einem Ordner. Mietwagen kam da noch dazu, das Hotel und auch die Wetterinfos waren nützlich. Damals war Roaming noch teurer als früher und die Smartphones waren in der gefühlt ersten Android-Generation. Ich glaube, ich habe mit Android 1.3 angefangen.

Alles, was man tun muss, ist die Reiseunterlagen aus seinem Postfach an plans@tripit.com weiterzuleiten. Jetzt ist Google gekommen, und macht aus dem Produkt Tripit ein Feature für seine Google-Welt. Es heißt Trips und aggregiert genau diese Mails in automatisiert angelegten Reisen. Das funktioniert wie ein neues Label in Inbox, das temporär vergeben wird. Super praktisch, vor allem, wenn man die meisten Buchungen wie ich über den Google Account mache. Aber natürlich leite ich mir die Buchungen jetzt auch aus dem dienstlichen Account weiter zu GMail, damit ich das Feature nutzen kann.

Tripit, es war nett die letzten acht Jahre. Aber ich brauche dich nicht mehr. Zur Sicherheit nutze ich dich noch ein paar Reisen lang – denn Google hat noch ein paar Bugs (so werden Einfachflüge zurück in die Heimat falsch als Trips nach München erkennt), aber das wird besser werden. Genauso wie Google Assistant die User Experience von Google Now so viel nützlicher machen wird. 

Apple weiß, wo dein Auto steht

Eine digitale Zettelsammlung habe ich für meine künftigen Blogeinträge. Manchmal gibt es Tage, an denen ich über drei oder mehr Themen bloggen könnte. Dann kommen wieder Projektphasen, wo man die Fühler einzieht und einfach das Projekt durchzieht. Dann bin ich froh, im Stehsatz (ich habe mal Zeitung gemacht, man merkt es, oder?) noch ein paar vorbereitete Posts liegen zu haben. Wozu habe ich diese digitale Zettelhuberei?

So kann ich noch ein paar Themen haben, die ich in Runde abarbeiten, will heißen – verbloggen, kann. Heute habe ich ein langes Interview mit Tim Cook, dem Apple-CEO und Nachfolger von Steve Jobs, aus meinem Entwürfestapel gezogen. 

Darin redet er über alles und jedes, immer on-topic, gut gebrieft in Sachen Strategie. Sein Thema unter anderem – wie merkt man sich, wo man im Parkhaus am Flughafen geparkt hat?

Tim Cook, the interview: Running Apple ‚is sort of a lonely job‘ | The Washington Post: „I just take a picture of the sign on the wall.

But you don’t even have to do that anymore because Siri will know where you parked.“

(Via.)

Siri weiß, wo dein Auto steht

Natürlich wird ein prominenter Manager wie Jobs von einem Chauffeur zum Flughafen gefahren. Daher ist das Quatsch, diese Volkstümelei. Auch wenn sie sich gut liest. Seine, meine, deine, unsere Siri weiß, wo dein Auto steht. Google Now kann das auch, und ich bin sicher, Amazon würde das auch in seine Produkte einbauen, wenn das Kindle Phone ein Erfolg geworden wäre. (Die großen Konzerne von der Westküste gehen an vielen Produktfronten sehr ähnlich vor.) 

Google liegt manchmal schief

Wenn ich mit dem Zug zur Arbeit fahre, denkt Google Now, dass ich mit dem Auto gefahren bin. Ich möchte hier noch ein paar Variablen für den Algorithmus vorschlagen, die das Programm besser machen würden.

  • Wenn sich meine Standorte nur entlang einer Bahnstrecke bewegen – etwa, weil ich im Zug sitze – dann sollte dieser Hinweis wegfallen können.
  • Wenn ich keine Bluetooth-Verbindung mit dem Adapter im Auto hergestellt habe an dem Tag, kann ich dann Auto gefahren sein?
  • Kann ich wirklich im Ostbahnhof München geparkt haben? Wo es ein Parkhaus gar nicht gibt?

So geht also ein richtiger Flughafen: Heathrow

An einem Sonntag hatte ich jüngst das zweifelhafte Vergnügen, über den Londoner Heathrow-Airport reisen zu dürfen. Zweifelhaft deshalb, weil mir viele bessere Dinge einfallen, die ich an einem Sonntag lieber wachen würde. Ausschlafen, Kinder bespaßen, Familie genießen. Meine Sehnsucht trieb mich auch in einen Spielwarenladen, den gleichen, den ich schon in Moskau besuchen durfte – in der Mini-Mikro-Ausgabe, die in eine Flughafen-Mall passt. Londoner U-Bahnen sind noch etwas ikonischer als ihre Amsterdamer Kollegen.

(Weitere Zweifel entstanden, weil es der 11. September war, 9/11, und weil es nicht richtig sein kann, wenn man für ein Ticket für zwei Flüge weniger bezahlen muss als für eins für einen. Ja, ich verstehe schon das Preismodell der Fluggesellschaften – jeden Sitz füllen und so.)

Platz, aber nicht üppig. An jedem älteren Flughafen gibt es neuralgische Punkte, an denen sich die Menschenmassen regelmäßig stauen. In München sind das etwa die Rolltreppen und Aufzüge im Zentralbereich an Terminal 1. Dort ist zu wenig Platz, wenn viele Reisende gleichzeitig ankommen. Denn es ist auch die Hauptachse, um zu den Gates von Terminal 1 zu kommen. Menschen, die nach dem Weg suchen, kollidieren mit Menschen, die wissen, wo sie hinmüssen. Der Frankfurter Flughafen ist voller solcher Stellen. Tegel in Berlin ist ein Hexagon gewordenes Trauerspiel: Warteschlangen von links und Warteschlangen von rechts verstopfen sklerotisch die Wege zu den Terminals, bis die Gepäckwagen hindurchwollen. Jeden Tag erzählen blutige Fersen von den Architektur gewordenen Albträumen. In Heathrows Terminal 5, dem neuesten, ist das Fehlanzeige. Keine Angsträume durch Engpassstellen. (Höchstens Angst vor verlorenen Koffern.)

Shopping: Ja, aber nur wenn du willst

Jeder Flughafenbetreiber versucht seine Umsätze durch den margenstarken Einzelhandel zu stützen. Terminal 5 ist im Grunde auch eine Mall, mit vielen Restaurants und einem Luxusbereich. Der liegt praktischerweise und angemessenerweise direkt neben dem Lounges für Vielflieger. Es gibt Harrods und Hamley’s. Das heißt, Papas werden definitiv fündig.

WLAN überall, für immer.

Man muss sich nur kurz mit seiner Mailadresse registrieren, schon hat man mit all seinen Devices Internet. Sogar auf den Toiletten, wo in München regelmäßig das WLAN nicht mehr hinkommt. Nicht nur eine Stunde, sondern die ganze Zeit des Layovers.

Strom, Strom, Strom

In einem Bereich zwischen Gates ist in Terminal 5 eine Sitzinsel mit Barhockern integriert, wo es pro zwei Hocker mindestens zwei Steckdosen gibt. Genug für Laptop oder Notebook plus Smartphone. So muss das sein. Sogar EU-Steckdosen sind vorbei, nicht nur die Auslässe für die klobigen UK-Stecker.

Kleiner Wermutstropfen: Die Arbeitsfläche muss nicht weißes Milchglas sein, das von unten beleuchtet wird. Das ist ganz toll, wenn man Kontaktabzüge sichtet. Aber für die normale Arbeit oder den Zeitvertreib am Device der Wahl ist das eher kontraproduktiv. Es spiegelt sich in den Displays und ist für die Augen anstrengend.

Wegweiser

Die Wegweiser sind zahlreich, gut lesbar und widersprechen einander nicht. Perfekt. Muss man erwähnen, weil in München der Gatesuchverkehr erheblich ist. Terminal 1 A-E und 2 F-H machen das Leben nicht leichter. 

gate-unabhängige Sitzmöglichkeiten

Wenn du noch nicht weißt, wo dein Flug abgeht, gibt es in vielen Flughäfen kaum Sitzmöglichkeiten. In Heathrows Terminal 5 ist das anders. Dort wird erst eine Stunde vor dem Abflug das Gate bekanntgegeben. Vorher steht das wohl einfach noch nicht fest. 

zwei Starbucks Counter

Wenn der Umsteigezeitplan es zulässt, ist doch ein Kaffee eine gute Idee. Im Terminal 5 befindet sich auch das erste Starbucks-Laden, den ich kenne, der zwei Counter hat. Wahrscheinlich steht man dann immer noch wie bei Aldi in der falschen Schlange, aber man hat die Wahl.

Bye, kleiner Koffer. Hallo, Smart Luggage!

Als ich das erste und bisher einzige Mal in Schottland war, ging mein Rollkoffer kaputt. Also kaufte ich mir Ersatz, zu einem studentischen Budget, für 17 Pfund. Das waren damals etwa 25 Euro, wie mir der Währungsrechner bei Yahoo Finance verrät. (Ihr mögt über Yahoo lachen, aber im Kern sind die Produkte solide.) Ein kleiner blauer, beinahe kabinengepäckgeeigneter von Pierre Cardin ist es. Er begleitet mich seit zwölf Jahren.

Das ist lange, lange, für einen Gebrauchsgegenstand, der geworfen, gezogen, geschoben wird und auch mal abrupt heruntergekühlt wird im Bauch eines Flugzeugs. Daher suchte ich nach Ersatz. Rimowa war eine Idee, aber deren Polycarbonat-Köfferchen hat irgendwie jeder. Damit geht der Nutzen, den der beinahe himmelblaue Koffer auf einem Gepäckband hatte, noch zusätzlich verloren. Den konnte ich nämlich auch ohne weitere Accessoires wie Kofferriemen oder Gepäckanhänger ohne Weiteres als meinen identifizieren.

Der Markt für Reisegepäck ist offenbar im Retail von ein, zwei Herstellern dominiert. Auf der Qualitätsebene gibt es eigentlich nur Samsonite und Rimowa. Das war mir etwas zu sicher gespielt. Nobody ever got fired for buying IBM, sagte man früher in der IT. Bei Koffern scheinen mir die beiden Marken das Äquivalent zu sein.

(Und warum Rollkoffer mit dem furchtbaren Klapp-klapp? Wäre nicht ein Weekender viel cooler? Klar wäre er das, aber bei meinem Hang, die Reisegepäckstücke zu überpacken, wäre das für meinen Rücken nicht das Richtige. Als Sitzarbeiter habe ich die üblichen Schwächen im unteren Rückenbereich. Und Coolness ist mir dann nicht mehr gar so wichtig. Ich trage ja auch keine 7/8-Hosen ohne Socken, oder wie die heißen.)

Nachdem ich also bei Karstadt nix fand, wo wohl immer noch alle Welt ihre Koffer kauft, oder halt von den Meilen bei Miles & More – ging ich online. Dabei fand ich einen amerikanischen Anbieter, der mir sehr gut gefiel. (Link finde ich nicht mehr.) Leider versendet der nur nach Großbritannien und in die USA. Ich konnte ja wohl kaum meine Schwiegereltern bitten, mir einen Koffer von ihrer Amerikareise mitzubringen. Die beiden hatten schon genug Gepäck.

Aber durch Zufall stolperte ich über einen Artikel bei Gründerszene, das ich beruflich immer mal wieder im Feedreader lese. Und da erzählte ein Gründer vom Koffermarkt und bestätigte meine Befürchtungen.

Ein hier dominierendes Unternehmen wie Samsonite macht 90 Prozent des Umsatzes offline. Das Geschäft online zu machen liegt nicht im Interesse der wichtigen Retail-Partner. … Durch die komfortable Position der dominierenden Unternehmen im Markt ist das Preis-Qualitätsverhältnis nicht mehr zeitgemäß. Die Preise verachtfachen sich von der Produktion auf dem Weg bis zum Konsumenten. Ein für 75 Euro produzierter Koffer kostet im Endeffekt mindestens 600 Euro, damit jeder unterwegs seine Marge macht.

Ich gehöre jetzt zu den Vorbestellern eines königsblauen, kabinengeeigneten Koffers, der ein bisschen weiterdenkt. Ich habe zwar das Gefühl, dass ich mal wieder zu den Early Adoptern einer Brückentechnik gehöre – smart luggage stelle ich mir noch etwas smarter vor. Aber weil ich solche Projekte gern unterstütze, habe ich zugeschlagen.

Und meine Schwiegereltern kommen doch noch ins Spiel. Das wird wohl mein Weihnachtsgeschenkwunsch werden. Ich bin eh so schwierig zu beschenken, dass sich meine Familie freuen wird.

Dienstreisen und die Kosten-Nutzen-Kalkulation

Manchmal bin ich auf Dienstreise. Das heißt, irgendwo in Deutschland – meistens ist es nur in Deutschland, seltener europäisches Ausland – gibt es einen Event, von dem ich mir eine Erweiterung meines Wissens oder auch nur meines Horizonts verspreche. Und diese Erweiterung schätze ich als so groß ein, dass sie den Abschied von der Familie für ein, zwei, drei Tage rechtfertigt. Denn so eine Reise, die früher aufregend war, ist mittlerweile, für einen Familienmenschen wie mich von fast 40 Jahren, anstrengend. Eine Stunde zum Flughafen, Stunde vorher da sein, Stunde Flug, Stunde Anreise (in Berlin oder im Ruhrgebiet) – da ist schon ein halber Arbeitstag weg. Das lohnt sich für Tagestrips kaum noch. Da muss das Versprechen des Events schon groß sein. Bekannte Events wie die IA Konferenz haben es da leichter, neue überlege ich mir ganz genau. 

Das Schlimmste ist es, abends nicht bei den Kindern und der Ehefrau sein zu können. Das gemeinsame Abendessen beschließt den Tag, und das Ins-Bett-Bringen gehört dazu. #hach

Meine Trips werde ich in Kürze auch auf dem Blog sichtbar machen, damit wir uns vorher verabreden können – die kleinen sozialen Events rund um Konferenzen sind das Allerwichtigste geworden, das hätte ich als Introvertierter auch nie gedacht, dass das mal so kommt.