Tonio: Shazam für Kino-Werbung – eine Kritik

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Android / App / Apple / Film / iOS / Konzeption / User Experience
Neue App-Ideen sind schwer. Bei anderthalb Millionen Apps in den jeweiligen Mobile-OS-Stores ist alles schon da. Pitches für neue Apps klingen so wie Pitches für Hollywoodfilme früher klangen: So wie Casablanca, nur mit Tieren. Äh, so wie Shazam, bloß für Kinowerbung.

So stelle ich mir zumindest den ursprünglichen Pitch für Tonio – Ton mit Information – vor, eine App, die es für iOS und Android gibt, und die ich jetzt in einer Kinowerbung gesehen habe.

Während ein bestimmter Werbespot im Kino läuft, soll der Nutzer die App öffnen, damit man eine Frage beantworten kann. Im Grunde ist es ein tongesteuerter Quiz-Player auf dem Smartphone.

Shazam für Kino-Werbung

Hm, und warum halte ich das für eine bescheuerte Idee?

  1. Im Kino ist schlechter Empfang. Die Datenverbindung wird leiden. Viele Kinos haben Signalunterbrecher installiert, die den Empfang gar ganz unmöglich machen. Aber selbst wenn du Netz hast, du musst die mehrere Megabyte große App herunterladen, installieren, und spätestens dann ist der Quizaufruf auf der Leinwand schon wieder vorbei.
  2. Zwei oder drei Spots zuvor hat das Kino mich aufgerufen, das Smartphone auf lautlos oder gar Ruhemodus zu stellen. Den Nutzer dann zu incentivieren, wieder das Smartphone auf aktiv zu stellen, ist nicht im Sinne des Kinobetreibers. Indem das Kino diesen Spot zeigt, schadet es der eigenen User Experience auf drastische Art und Weise.
  3. Ich kann eine Frage beantworten. Allein. Im Kino, wo ich meist mit anderen bin. Ist das wirklich Anreiz genug, mir die App herunterzuladen? Mir scheint hier die Akquise von Nutzern nicht besonders durchdacht worden zu sein.

Ja, Tonio kann wohl auch während des Radiohörens eingesetzt werden. Aber warum sollte ich Radio hören, wenn ich ein Smartphone dabei habe? Ü40, ick hör dir trapsen.

Offenbar finden das auch andere. Die App hat laut offen sichtbarer Play-Store-Statistik etwa tausend Downloads.

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