Filmkritik „The Jungle Book“

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Film

Manchmal braucht man einen Schubser, um einen Film wie „The Jungle Book“ dann doch einmal anzusehen. Als ich im Frühjahr auf dem Indie Web Camp 2016 in Nürnberg war (das im Nachhinein immer wichtiger für meine Gedanken wurde), hatte ich am Abend Zeit für einen Kinobesuch. Ich hatte die Wahl zwischen „The Jungle Book“ und „Deadpool„. Damals hielt ich das für einen Fehler, so sehr habe ich mich über die Moral in dem Überraschungserfolg über den roten Rächer aufgeregt. Darüber und über die Erfahrung in einem Premium-Kino habe ich bereits geschrieben.

Offene Fäden fasse ich gern wieder an, um sie zu einem Ende zu bringen. An einem Abend, an dem ich dem Babyfon lauschte, war ich auf der Suche nach einem Film, der kürzer als zwei Stunden ist. Damit fallen viele unheimlich interessante Filme flach. So etwa der neueste von Quentin Tarantino, „The Hateful 8“, der mich mehr interessiert hatte. Mein Workflow beim Entspannen durch Filmkonsum ist mittlerweile:

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Im Google Play-Store, Bereich Filme, habe ich gesehen, dass es bis Ende des Jahres oder so noch eine Gutscheinaktion für einen stark rabattierten Leihfilm gibt. Und da war „The Jungle Book“ auch dabei. Mit dem Chromecast-Stick konnte ich den nach dem Kauf auch schnell auf den Fernseher schicken. Nach ein paar Sekunden in schlechter Qualität, bei der ich jeden Pixel einzeln auf dem Fernseher begrüßen konnte, stabilisierte sich die Darstellungsqualität auf HD-Level. Dafür zahle ich gern 1,25 Euro.

Ich habe noch nicht verraten, wie ich den Film fand, oder? Er ist total ernstgemeint, und das ist das Problem: „The Jungle Book“ ist eine bierernste Neuauflage des Disney-Klassikers, bei dem der Witz, die Musik und die Menschlichkeit der Tiere zu kurz kommen. Mit anderen Worten: Wer das Original mag und in seinem Herzen behalten hat, kann mit dem unnötigen Remake nichts anfangen.

Wer aber die Geschichte von Mogli nicht kennt, wird vielleicht in den Sog des unglaublich guten visuellen Stils des Films gezogen. Noch nie habe ich digitale Tiere gesehen in einem Film, die so echt waren. Ok, bis auf den Bären in „The Revenant„. Mit Balu ist ja wieder ein Bär dabei, offenbar kommt der von einer gleichermaßen talentierten Bären-Pixel-Werkbank. Und King Louie darf nicht fehlen. Der ist in der Neuauflage mehr absolutistischer Herrscher als lustiger Tanzgesell – das war er im Zeichentrickklassiker nicht nur, aber eben auch. Dieser Subtext wurde förmlich ausradiert. Es sind ganz, ganz tolle Effekte in dem Palast, in dem Louie mit seinem Volk lebt, wie da die Steine kullern und so. Aber es ist 99% Actionhelden-Superhelden-Kino von 2016 und 1% der Charme von früher.

Mit dazu kommen Ungereimtheiten: Alle Tiere sprechen oder singen, nur die Elefanten sagen nix. Colonel Hatty und seine Bande kommen nur so vor wie die Rolling Stones in einer Wetten dass-Parodie. Man sieht sie von fernem, nur ein Baby-Elefant spielt eine etwas größere Rolle.

Mogli bleibt ein bezaubernder Junge mit dem Herz am rechten Fleck. Der Kinderschauspieler ist der einzige ernst zu nehmende Mensch vor der Kamera. Die anderen Menschen, im Menschendorf, sind nur Folie für die Geschichte. Die Tiere sind die echten Menschen, was natürlich auch ein klassischer Disney-Topos ist. Aber dass sie so grausam sein müssen? Für mich schiebt es den Film aus dem Kinderkino heraus. Bin ich froh, dass ich mir „The Jungle Book“ nicht mit Kindern angesehen habe. Wir hätten vielleicht einen Euro für jede Minute bezahlt, die sie es im dunklen Saal mit der dunklen Story ausgehalten hätten.

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