Jawbone und das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein

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App / Datenvisualisierung

Heute möchte ich über Jawbone schimpfen. (Ja, es gibt schon hunderte Litaneien da draußen im Netz über eben dieses Thema.) Aber Hunde markieren auch eine Stelle noch einmal, die ein Artgenosse schon einmal markiert hat. Betrachtet es einfach als meine zwei Cent im Trevi-Brunnen.

Wenn man sich für eine neue Software entscheidet und in diese viel Zeit investiert, fühlt man sich an diese gebunden. Das ist ein psychologischer Effekt, den man Lock-in-Effekt nennt. Marketing-Experten können die nächsten Zeilen getrost überlesen. Wenn man alle seine Pivot-Tabellen mit Excel erstellt hat und weiß, wie das geht, wird man so schnell nicht auf Google Sheets wechseln. Wenn man wie ich Twitter mag und dort seine Communities gefunden hat, hofft man darauf, dass es Twitter noch lange geben möge. Twitter = Beruf, Facebook = Privatmensch. Ich sehe aber den Zeitpunkt kommen, wo ich umstellen werden muss.

Jeden Abend, wenn ich die Kinder ins Bett bringe, gehört der Druck auf das kleine, geriffelte Knöpfchen auf meinem Jawbone-Up-Armband dazu. „Papa, wie weit bist du gelaufen?“ Ein Umlauf der kleinen weißen LEDs bedeutet einmal das eingestellte Tagesziel an Schritten. Bei mir sind das 5000, was natürlich an sich viel zu wenig ist. (Erinnert sich noch jemand an die Kampagne von der Bundes-Ullala?)

Wenn Urlaub ist, geht das auch mal auf 10, 15.000 Schritte hoch. Warum ich das messe? Weil ich meiner schlechten Laune auf der Spur bin. Wenn ich mich zu wenig bewege, bekomme ich schlechte Laune. Meine Familie kann an klirrend-kalten Wintertagen oder verregneten Herbsttagen ein Lied davon singen. Dem bin ich mit meinen Jawbone-Produkten auf die Spur gekommen. Auch wenn mir ein guter Hausarzt das wahrscheinlich auch so hätte sagen können.

Das Gleiche gilt für die Schlafmenge, die ich so bekomme. Wenn ich dauerhaft, das heißt über ein paar Tage, weniger als sieben Stunden pro Nacht bekomme, bewege ich mich in einen tranceartigen Zustand hinein, indem mir alles egal ist. Aber ich kann mich kaum noch konzentrieren. Und ach, die schlechte Laune ist auch wieder da. Im Urlaub schlafe ich schon mal mit den Kindern ein, und das sind wichtige Einzahlungen auf mein Schlafkonto. Auch diese Erkenntnis verdanke ich Jawbone.

Mein Jawbone Up Move, den ich derzeit benutze, ist mein viertes Produkt von Jawbone und mein dritter Up Move. Als die mal bei Gravis ausverkauft wurden, habe ich mich eingedeckt. Damals wusste ich nicht, dass die nicht lange halten. Die 60 Tage, die einer der Jawbone-Kritiker als Lebenszeit für das Up-Move-Armband berichtet, scheinen mir ganz zutreffend zu sein.

Aber das Lock-in! Meine Daten sind jetzt bei Jawbone und in meiner Google-Tabelle im Jawbone-Format gespeichert.

Wahrscheinlich muss ich mir beim Weihnachtsmann eine neue Android-Wear-Smartwatch wünschen. Dann sind meine Daten bei Google sicher und ich muss nach einem Migrationsskript suchen. Oder ein Abo für Gyrosco.pe zahlen. Da habe ich meine Jawbone-Daten auch angebunden.

Spurensuche bei Jawbone

Bei der Recherche für diesen Post bin ich für die Bildauswahl auch auf die Presseseite von Jawbone gegangen. Da ist seit September 2015 nichts Neues mehr gepostet worden. Alarm, Alarm, da ist trotz fast 600 Millionen Dollar Funding der Insolvenzverwalter nicht mehr weit.

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