Filmkritik „Drive“

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Film
Den Film „Drive“ umgibt ein gewisser Mythos. Ich lese nicht mehr so viele Filmkritiken wie früher, und ich gehe ganz gewiss viel seltener als früher ins Kino (5-6 x im Jahr vs. 200-300 x im Jahr). Aber dennoch ist mir dieses Programmkino-Werk mit Ryan Gosling in der Hauptrolle in den letzten Jahren öfter begegnet. Lange habe ich gewartet, ihn mir anzusehen. Jetzt ist er bei Netflix mir begegnet. Die Kinder waren im Bett, da sind 90-Minuten-Filme willkommen. Alle anderen Filmen sind gerne 2 Stunden plus lang. So lange kann doch kein Papa wach bleiben.

Gosling ist die namenlose Hauptfigur von „Drive“. Und alles, was er wirklich kann, hat mit Autos zu tun. Er hat in Wirklichkeit drei Jobs, auch wenn er das nie so sagt. Er sagt einfach nicht viel.

  • In einer Werkstatt repariert er Autos. Er ist gut darin.
  • Als Stuntfahrer fürs Kino zerschrottet er kunstvoll Autos. Er ist gut darin.
  • Als Fluchtfahrer für Gangster sorgt er für das sichere Entfernen vom Tatort. Darin ist er wohl am besten.

Am besten ist diese Figur, wenn sie fährt. Steht sie still, wird sie angreifbar. Das passiert, als er sich in seine alleinerziehende Nachbarin verliebt. Die ist nämlich nur temporär alleinerziehend. Ihr Mann und der Vater ihres Kindes kommt bald aus dem Gefängnis heraus und zieht Gosling mit in seine Geschäfte hinein.

Drive dreht zum Ende hin auf

„Drive“ ist „Ein einfacher Plan“ für eine neue Generation: Tolle Pläne einfacher Leute, die an Geld kommen, sind zum Scheitern verurteilt. Und sie scheitern auf eine FSK18-Art. Das muss nicht sein, mein Ekel war ungefähr auf dem Niveau von „Deadpool“. Aber es ist meistens kunstvollerer Ekel. Nicht so auf die lustige Art, sondern wirklich lebensverändernd. Und dieses Grauen liegt seit Beginn des Films in der Luft. Die Musik, die Bilder. Sie heben den Film weit über Mittelmaß wie die einsamer weißer Mann als Rächer-Ebene eines „John Wick“ hinaus.

Regisseur Nicolas Winding Refn macht klassisches Autorenkino, nur hat er die erste Liga der Schauspieler dafür zur Verfügung. Brian Cranston hat eine Rolle als Werkstattleiter und Vaterersatz für den Fahrer; Albert Brooks spielt einen Mafia-Finanzier und auch Hellboy-Darsteller Ron Perlman ist dabei. Sogar Mad-Men-Ensemble-Mitglied Christina Hendricks taucht in dem großen Cast auf. Oscar Isaac bringt einen verletzlichen Macho in den Film. Alle sind wundervoll echt. Nur Gosling bleibt eine Scheibe, auf der sich alles spiegelt. Wer er ist, wird erst ganz zum Schluss klarer.

Das Finale ist unausweichlich, und als Zuschauer vermutet man, dass es hart auf hart kommen wird. Musik und Kamerafahrten erzeugen einen unwiderstehlichen Sog, der mich an die Hilflosigkeit der Welt in „Blade Runner“ erinnert hat – auch vom Synthiesound des Films her. „Drive“ ist ein Meisterwerk, ein böses. Aber eins das der Welt des Zuschauers den Spiegel vorhält.

TL;DR

4,5 von 5 durchdrehenden Reifen.

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