WordPress bildet eine große Blase. Aber auch sie sollte anderen begegnen. Foto: Clem Onojeghuo / Unsplash
Dominic Grzbielok

Tag 1 beim WordCamp Europe 2017 in Paris: Thema Diversität

Design-Guru John Maeda (jetzt ein Manager bei Automattic) hat das Bild in meinen Kopf gepflanzt, das mein Verständnis von WordPress gut zusammenfasst: Die WordPress-Welt ist eine Blase, und damit diese wachsen kann (CMS-Marktanteil an Webseiten, Teilnehmer*innen in der Community), muss sie sich auch mit anderen Blasen reiben. Er hat diese nicht mit Namen genannt, aber in seinem Talk beim WordCamp Europe 2017 in Paris forderte er mehr Diversität in der Designarbeit. Wer für China designen will, muss Chinesen*innen im Team haben und am besten auch in China sein. Einfacher geht es nicht mehr. Und Maeda wies zurecht darauf hin, dass Design nicht nur das Anmalen einer Anwendung ist, sondern viel integrativer gedacht werden muss, wenn man eine gute, erfolgreiche Anwendung bauen will.

Maeda ist ein Suchender, einer, der Brücken bauen will. Sein Titel bei Automattic, der Firma hinter WordPress.com, Jetpack und WooCommerce: Global Head of Computational Design and Inclusion. Maeda ist in der Design-Welt und bei Startups ein Weltstar, anders kann man das nicht sagen. Von ihm stammt der Design-in-Tech-Report, den er seit ein paar Jahren veröffentlicht.

Caspar Hübinger (Twitter-Handle @glueckpress) sprach vor ihm, und auch ihm war mehr Inklusion wichtig: Sein Fokus liegt dabei auf mehr Rücksicht in der Sprache. Die generisch maskulinen Begriffe sind ihm dabei vor allem ein Dorn im Auge. So hat er schon vor einem Jahr Versuche gestartet, aus der Differenz von europäischen Sprachen, vor allem seiner Muttersprache Deutsch, Änderungen am Core von WordPress anzustoßen. Er selbst gab offen zu, dass er dabei ein bisschen kurzsichtig unterwegs war: Die Spracherfahrung von anderen Kulturen fehlte ihm einfach, und er hätte eine größere Diskussion gebraucht, um auf alle Anforderungen zu kommen. Das ist wohl im Gange.

Die Community lebt diese Ansprüche für mehr Teilhabe, das ist auf dem Kongress zu spüren. Anders als auf anderen Auch-Entwickler-Konferenzen ist der Frauenanteil relativ hoch, und der Code of Conduct, der für WordCamps entwickelt wurde, gilt auch hier, und er zielt auf eine angstfreie und respektvolle Umgebung ab. In den Begrüßungen wurde darauf ausdrücklich mehrfach hingewiesen.

Alle Freiwilligen, die einen so großen Event wie das WordCamp Europe 2017 in Paris erst möglich machen, können Teilnehmer*innen ansprechen, wenn sie sich schlecht behandelt fühlen. Auch Kinderbetreuung wird angeboten, für die Teilnehmer*innen, die mit Kindern anreisen. Die WordPress-Community mag einander, und man tut viel dafür, dass es so bleibt – ein Giveaway nach dem anderen.

Für mich sind das Besondere die Gespräche mit anderen Teilnehmern – was ist ihre Perspektive auf WordPress? Die ist oft ganz anders als die eigene. Im letzten Jahr habe ich auf einem WordCamp dazu den Vortrag „Die WordPress 1%“ gehalten. Wir sind alle die ein Prozent, weil wir alle unterschiedliche Wege gehen. Wir schillern. Wie Seifenblasen. 

Also on:
Foto: Cristian Ungureanu, WordCamp Europe 2016 Wien, eigene Montage

Satire: Diese Konferenzteilnehmer hasse ich, #WordCamp-Edition #wceu

Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind natürlich nicht beabsichtigt. Eine kleine Satire. Oder Rant, wie du magst.

Mehr als Copy & Paste ist schwer. Ich fange auch oft so an, ich nenne mich aber auch nicht Entwickler. Erste Schritte beginnen jenseits von Copy and Paste, etwa so.

Videos der relaunch Konferenz 2016 in Hamburg sind jetzt online

Der Veranstalter, Agentur und CMS-Hersteller Infopark hat jetzt die Videos verfügbar gemacht. relaunch2016Hamburg-Videos: Da stehen alle Vorträge. Großes Lob: Die Videos sind bei YouTube veröffentlicht worden, viel aufmerksamkeitsstärker geht es nicht. 

Über die Veranstaltung habe ich ja schon gebloggt. Für Entscheider in KMUs sehr hilfreich, eher weniger für Digitalprofis aus Agenturen. 

(Via.)

Usability Audit, auf eine Konferenz angewendet

Ein paar Gedanken, wie man die nach eigenen Angaben größte Konferenz für Mensch-Computer-Interaktionjede Konferenz noch besser machen kann.

Morgen beginnt das WordCamp Europe 2016 in Wien. Die Veranstalter haben im Vorfeld schon sehr viele Infos rumgeschickt, dann kann ich diesen Post sicher updaten.

Die Relaunch-Konferenz: Da musste ich hin #relaunchkonf

Wenn es um Relaunches geht, kenne ich mich ganz gut aus. Auf Anhieb kann ich die Zahl meiner Launches und Relaunches nicht angeben. Ich schätze, sie liegt so zwischen zehn und 20. Am Ende dieses Beitrages versuche ich mich an einer Liste. Nur Business. Meine privaten Nebenprojekte lasse ich raus. Sie enthält nur die Projekte, für die ich bezahlt wurde oder Creditpoints erhielt und die für einen Auftraggeber waren. Die Veranstalter hatten aufgerufen, sich mit einem Tweet um eine Freikarte für die Konferenz zu bewerben. Das habe ich mit diesem Tweet gemacht – und damit auch gewonnen:

Ich habe auch früher schon zum Thema oft getwittert.

Also bin ich früh aufgestanden, früh mit den Würmern geflogen und nach Hamburg. (Kam mir wirklich vor wie in einer Dose mit beanzugten und berockten Würmern. Der Sitzabstand zwischen den einzelnen Reihen ist in den Air-Berlin-Airbussen wohl noch ein wenig enger als in der Lufthansa. Gut, dass ich als Fenstersitzer versuche, während des Fluges nicht aufzustehen. Schlimmer war bisher nur Air France auf einem Flug nach Paris vor etwa zehn Jahren.)

Warum interessieren mich Relaunches eigentlich so sehr, dass ich mir eine Konferenz wie die von Infopark veranstaltete antue? Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zum Thema zu schreiben. Die Relaunch-Zukunft ist schon lange da, nur ist sie ungleich verteilt, um ein Bonmot der Szene anzupassen. Es gibt die, die keine Relaunches mehr machen, weil sie ihre Produktentwicklung in iterative Formen (Kanban, Scrum, Agil – alles valide, wenn man mich fragt) übersetzt haben. Mit stehenden Teams, die ständig am Produkt oder zumindest immer wieder daran arbeiten. So ist das etwa in den großem Medienunternehmen, mit ProSieben kenne ich da ja eins ganz gut von innen.

Ich bin nicht die Zielgruppe für das Buch. Aber die Zielgruppe war da. Etwa der Geschäftsführer einer Content-Agentur, die zunehmend nicht nur digitalen Content liefert, sondern das Content Management System und den Webauftritt gleich mit – und sich da weiterentwickeln will/muss, um es freundlich zu sagen. Oder der Fachinformatiker, der über eine Standard-Umsetzung eines CMS hinausgehen will mit seinem ersten Projekt als Projektmanager/Webmaster bei seinem neuen Arbeitgeber.

Für mich gibt es zwei Schlüssel zu einem erfolgreichen Relaunch:

  1. Holen Sie sich jemanden als Projektmanager, der das schon mal nachweisbar erfolgreich gemacht hat. Dieser sollte auch das Produkt können, wenn sie nur einen Mitarbeiter sich für so etwas leisten können.
  2. Vertrauen Sie ihm. Geben Sie ihm/ihr Freiheiten.
Das ist nicht alles, aber ohne ein straffes Projektmanagement schaffen sie es nie.

Jens Fauldrath, seit seiner Zeit bei T-Online eine deutsche SEO-Legende, macht erst einmal ein wenig Begriffsklärung:

  1. Redesign: bestehendes System wird „angemalt“
  2. Relaunch: neues System, neue Struktur
  3. beides

Beides zu kombinieren, macht das Projekt reizvoller, aber eben auch schwieriger – für Ungeübte wie für Profis. Sehr, sehr viele bewegliche Teile kommen ins Spiel, und die können einander noch viel besser blockieren als ein einfaches Austauschen der Frontend-Gestaltung etwa.

Die Auswahl der Referenten hat mich letztlich überzeugt, nach Hamburg zu kommen. Bis auf den mir unbekannten Infopark-Teil war da wirklich die Champions League der deutschen Speaker vertreten:

Dr. Kerstin Hoffmann, auch als pr_doktor bei Twitter bekannt, wusch den Teilnehmern den Kopf. Auch wenn Content Marketing in aller Munde sei und viele Unternehmen es bereits praktizierten: Es käme allein auf den Nutzen für den Kunden an. Das Foto vom Blumenstrauß zum Firmenjubiläum, wie sie es auf vielen Firmenblogs fände, interessiere Kunden einfach nicht.

„Wenn es kein Gesicht hat, kann es weg“

pr-doktor-wenn-es-kein-gesicht-hat-kann-es-weg

Ich hatte Dr. Hoffmann noch nie live erlebt, nur ihre direkte Art schon bei Twitter gut gefunden. Sie kann auch reden – für mich eine kompetente wie auch witzige Rednerin. Ihre Slides sind frei verfügbar, hier bei Slideshare.

Das Framing der beiden SEOs, Jens Fauldrath und Markus Hövener, hat mir besonders gut gefallen: Aus einem Relaunch kann man auch einen durchschlagenden Erfolg machen, wenn man weiß, was man tut. Da fielen so Begriffe wie Informationsarchitektur, und so wurde ganz einfach der Bogen zur IA Konferenz geschlagen, auf der ich wie einige andere Teilnehmer aus dem Agenturumfeld noch zwei Tage zuvor gewesen war.

Das Paket an Materialien, das es auf der kleinen Ausstellung im tollen Riverside Hotel gab, war auch gut – und jetzt können sich die Besucher auch die Vorträge herunterladen, auf einem passwortgeschützten Bereich. Also: für die richtigen Besucher, etwa Entscheider aus KMUs, eine wertvolle Konferenz. Die Konferenz findet immer an anderen Orten statt. Wer Reisekosten sparen will, sollte also Augen offen halten. Klar war das die Konferenz eines CMS-Anbieters, aber die CMS-spezifischen Vorträge hielten sich im Rahmen – ein paar Folien des CTOs von Infopark, das war es.

Die Zahl ist übrigens 14 – und liegt damit wie erwartet zwischen zehn und 20. Hier sind meine Relaunch-Referenzen:

  1. eldoradio.de: Relaunch der Website eines nicht-kommerziellen Campusradios
  2. Wallstreet-online.de: Launch einer eigenständigen Fonds-Sektion. Ich habe mich um die Contentstruktur und die Contenterstellung gemeinsam mit einer Kollegin gekümmert. Ich war noch jung.
  3. MSN.de-Launch als eigenständige Seite, die von Microsoft betrieben wurde. Der Launch passierte in meiner ersten Woche im neuen Job. Meine Aufgabe war es, die neue Seite mit Content zu befüllen und dem Channel Money eine inhaltliche Ausrichtung zu geben.
  4. fem.com-Redesign auf neuer Version von Typo3 (technisch Rewrite)
  5. sixx.de-Relaunch auf Typo3
  6. Sat1.de-Relaunch auf eZ Publish
  7. Responsive Relaunch von sixx.de auf eZ Publish
  8. Sat1Gold.de-Launch zum Senderstart
  9. ProSieben.de-Relaunch
  10. ProSiebenMaxx.de-Launch
  11. Konsolidierung: Umzug aller Free-TV-Sender-Webseiten auf eine technische Basis
    1. TheVoiceOfGermany.de
    2. ProSiebenMaxx.de#
    3. Prosieben.de
    4. Sixx.de
    5. Kabeleins.de
    6. Sat1.de
    7. Ran.de
  12. Launch Bettgefluester.tv auf einfachem Hosting-Paket
  13. Umzug bettgefluester.tv auf AWS-Infrastruktur
  14. coming soon: Online-Video-Magazin Nr.2 von Target Video
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Vocer Innovation Day 2015: Der Journalismus wird sterben. Es lebe der Journalismus!

Vorbemerkung: Über jede Konferenz, die ich besuche, versuche ich etwas zu schreiben. So auch über den Vocer Innovation Day 2015, den ich recht kurzfristig in meine Pläne aufgenommen hatte. Es kann sein, dass ich mit einer Zusammenfassung scheitere.

Aber für mich ist solche Konferenzberichterstattung auch immer das Nachdenken über die Konferenz. Diese Gedanken sind ganz persönlich und auch von meinem Highlight geprägt – den Ausführungen von Melissa Bell, Gründerin und Chefredakteurin von Vox, zur Zukunft des Geschäftsmodells Journalismus an der Schnittstelle von Technik, Business und Journalismus.

„Ich denke über unser Unternehmen wie über einen Tisch mit drei Beinen nach. Business, Technik und Journalismus sind gleich wichtig. Wenn eins davon wacklig hat, hat man ein Problem.“

Meine krude Zeichnung soll das ansatzweise bebildern.

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UX Munich: Impressionen und Fazit

Mich kann man leicht beeinflussen. Äußere Eindrücke verändern mein Denken. Das ist wohl bei vielen Kreativen so, wenn sie Inspirationen suchen. Früher waren das Filme. „Matrix“ war einer davon. Zwei Tage lang danach sah die Welt nicht mehr so aus, wie ich sie gewöhnt war. Gute Konferenzen sind genauso. Für mich sind die gewissermaßen die Bewusstseinsveränderung des denkenden Menschen.

In der Mittagspause des zweiten Tages von UX Munich 2015 setzte bei mir dieser Effekt zum ersten Mal ein. Ich sah die Welt durch die Brille von Analytics, User Research, User Stories und anderen Dingen, von denen Redner wie @ohrworm vorher erzählt hatten. 

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IA Konferenz 2014: ein kleines Fazit

Angefeaturerter Einstieg

Berlin hat sich von der schönsten Seite gezeigt. Frühsommer, Dachterrasse, Blick auf den Sonnenuntergang. Und das vor pittoresker Kulisse, wenn man das zum Fernsehturm am Alex, der Kunstwelt des Potsdamer-Platz-Ensembles und vielen Baukränen sagen darf. Gendarmenmarkt war auch dabei, der zählt für drei als echt historisch, oder?

 

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