Revisited: „Gladiator“

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Film

These: Die ersten zehn Minuten von „Gladiator“ haben viel von dem vorweggenommen, was inzwischen Standards im Actionkino sind.

  • Die Flashbacks sollen den Helden, Maximus, vermenschlichen – sie geben ihm Kontext. Sie zeigen seine Hand, wie sie durch ein beinahe reifes Getreidefeld streift. Er ist nämlich Bauer/Latifundienbesitzer, und das ist seine Bestimmung. Nicht dieses Kämpfen. Stimmt natürlich nicht, aber es schafft gleich die Fallhöhe für den famosen Kämpfer – dieser Mann wird alles verlieren, nehmt euch in acht, wenn ihr ihn um seinen gerechten Lohn bringt.
  • Große Schauspielkunst beim Bösewicht: Wahrscheinlich ist der bessere Schauspieler besser als Bösewicht aufgehoben. Der Commodus von Joaquin Phoenix channelt den Ustinov’schen Nero, und er lässt einen Vorgeschmack auf den Joker von Heath Ledger zu.
  • Dramatische Musik: Die ist nix Neues diesseits des Original-Ben-Hur, aber die ist auch elektronisch und stimmlich perfekt.
  • Spritzender Dreck: Wenn gekämpft wird, ist das nicht clean, wie so oft bei Avengers und Co. Sondern den Darstellern fliegen die Brocken nur so um die Ohren. Ridley Scott fängt das ein, auch wenn das für heutige Maßstäbe etwas manieriert und nicht naturalistisch wirkt. „The Revenant“ ist da etwa gefühlt echter, obwohl der es nachweislich auch nicht ist. Man sieht aber deutlich, wo sich Guy Ritchie für die Kanonenschüsse auf Bäume-Szene in seinen „Sherlock“-Filmen hat inspirieren lassen.
  • Kohärenz des filmischen Raumes: Gute Actionszenen erkennt man meiner Meinung nach auch daran, dass man als Zuschauer immer genau in der Action befindet. Dafür müssen die Aufnahmen und die Schnitte gut geplant werden, damit keine Achsensprünge gemacht werden. Die „Matrix“-Fortsetzungen waren furchtbar, aber das Actiongewitter gut nachvollziehbar. So ist auch „Gladiator“. Wenn Maximus mit seinen Reitern an die Flanke reitet und ins Geschehen eingreift, ist das örtlich korrekt.

Ich habe den Film schon besprochen, als er damals ins Kino kam. Ich war gespannt, ob ich ihn zu positiv besprochen habe. Deshalb bin ich daheim ins Archiv gestiegen. Die Kritik ist mittlerweile so alt, dass sie diverse Relaunches beim Solinger Tageblatt nicht überlebt hat. Leider habe ich sie auch nicht auf Anhieb gefunden. Aber diese Gedanken zu Crowes Star-Making-Turn mussten raus.

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