Podcasts, die ich höre (1): Zur Lage der Medien

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Wenn Sascha Lobo sagt, es sei erst sein vierter Podcast, dann sagt er das (glaube ich) ernst gemeint. Er ist dann aber nicht unsicher, und schon lange nicht nicht gut, wenn er etwas Neues macht, sondern wie immer brillant und nachdenklich an Stellen, wo andere ihre Selbstgewissheit bis in die Haarspitzen festgetackert haben. Und selbst wo er sich sehr sicher ist, will er die Kritik, die Skepsis offen halten – für den Diskurs. Wenn ich mal groß bin, möchte ich auch so schlau sein wie Sascha Lobo. Ja gut, ich habe gerade einen irren mancrush. (Ich habe Lobo vor vier Jahren oder so das letzte Mal live gesehen (bei einer internen ProSiebenSat.1-Veranstaltung), und meine letzte re:publica, wo er so etwas wie der König ist, war die in letzte in Kalkscheune und Friedrichstadtpalast.)

Podcast „Zur Lage der Medien“

Lobo hat jetzt also auch einen Podcast „Zur Lage der Medien“, gemeinsam mit Stefan Niggemeier, einem der Gründer von Übermedien, und meiner Meinung nach Deutschlands bester Medienjournalist. (Der gesteht, dass er Podcasts nicht hört, womit ihm Digiday für den Blick über den großen Teich entgeht, und das ist sträflich.)

Erst mal der Podcast selbst: Es gibt erst zwei Folgen, die zweite ist in dieser Woche (1.5.) erschienen, und sie war erst einmal nicht verfügbar. Offenbar kämpfen die Macher noch mit technischen Problemchen. In der ersten Folge gab es akustisch-technische Probleme: Offenbar haben die beiden mit ihren Laptops das Gespräch aufgezeichnet, und allzu deutlich waren Gestikulieren oder Klappern im Hintergrund zu hören. Das ist bei Podcasts nicht unüblich, viele sind so schlecht aufgenommen worden, dass ich sie beim Autofahren nicht hören kann. In meinem Kompaktwagen überlagern die Wind- und Abrollgeräusche und das Motorbrummen die tiefen Männerstimmen von Sprechern oft.

Die zweite Folge haben sie im Studio von Viertausendhertz aufgenommen, und das professionelle Studio kann man hören. Für mich, ich habe mal Radio gemacht, ist das reine akustische Entspannung. Ich höre nicht mehr, wo man einen neuen Take machen müsste, und möchte nicht mit Audacity die Tonspuren selbst aufräumen. In einem anderen Leben möchte ich Toningenieur werden, glaube ich.

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Sascha Lobo auf der re:publica 2010 im Friedrichstadtpalast. (Foto: Flickr/re:publica)

Der Anspruch des Podcasts ist hoch, er drückt sich im Namen aus. „Zur Lage der Medien“. Wenn Lobo spricht, hat das immer etwas Pastorales, darauf hat mich jetzt erst wieder ein Post von Felix Schwenzel im wohl für mich lesenswertesten Blog auf Deutsch hingewiesen – abgesehen davon, dass da Webmentions implementiert sind und ich die Typografie sehr mag.

andererseits funktionieren die meisten seiner gags eben nur mit einer klaren trennung des lobo-ichs und des publikum-ihrs, weshalb der vorsatz der selbstbeschimpfung im laufe der vierstündigen predigt der andertalbstündigen grundsatzrede (natürlich) versandete. rhetorisch war das alles ziemlich brilliant und geschliffen und ich mag den leicht pastoralen ton, den sacha lobo auf seinen republica-reden anschlägt.

Offenbar gibt es da noch jemanden, der Lobo wertschätzt und das besser in Worte zu kleiden vermag, als ich das tue. Ich glaube, Lobo ist einer der Gründe, warum ich in dieser Woche dann doch ein bisschen daran zu knabbern zu habe, dass ich mich gegen einen Besuch der re:publica entschieden habe. Das war eine ganz bewusste Entscheidung — die Messe klaut in einer Brückentagswoche alle verfügbaren Arbeitstage, und das ist in einem kleinen Startup einfach nicht machbar. 2 Tage, das wär’s. Aber das Vorglühen gehört bei der Klassenfahrt der Digitalszene dazu.

Inhaltlich den Podcast nachzuerzählen ist nicht so sinnvoll, aber Lobo äußert sich wie immer so druckreif, dass es wahrscheinlich für einen Sponsor eine schöne Idee wäre, die Transkription des Podcasts zu bezahlen. Einer meiner anderen Lieblingspodcast, Responsive Webdesign, tut das – und wird damit zu einer Ressource und sorgt für mehr Auffindbarkeit. Das kann nicht mehr als 100 Euro pro Ausgabe kosten, also – Übermedien ran an den Vertrieb dieses Sponsoringpakets. Win-Win für alle. Und eine kleine Sponsornennung schadet nicht. (Da ist natürlich das Ding, dass Übermedien bisher nur von Nutzern über Blendle finanziert wird, wozu ich zähle. Gründer Niggemeier schätze ich ebenfalls sehr, sodass ich die 3,99 Euro pro Monat gern zahle. Dafür spare ich mir ja die FAS und wenn ich mal was von ihm lesen möchte, gibt es auch hier Blendle.)

Es ist wichtig, dass sich Medienkritik verbreitet. Dass sie Teil der Debatte wird, welche Art von Journalismus wir wollen. Und brauchen. Deshalb werden einige Beiträge kostenlos sein; sie können geteilt und weitergeleitet werden. Um unserem Publikum aber einen weiteren Anreiz zu geben, uns zu unterstützen, können Abonnenten exklusive Beiträge vor allen anderen lesen.

Warum ist der Podcast also toll? Weil er mich zum Nachdenken über meine bisherigen Gewissheiten angeregt habe. Das empfinde ich als den höchsten Reiz eines Medienproduktes. Daher stürze ich mich auf Essays bei The Atlantic oder sammle Stücke aus dem New Yorker bei Pocket, die ich unbedingt lesen möchte. Leider kommt das Lesen im Moment zu kurz – die Augen eines fast Vierzigjährigen brauchen abends eine Pause vom Bildschirm. Auch der Kindle Fire HD ist eben ein Screen, und es gibt keine Apps zum Lesen auf dem Kindle Paperwhite. Soweit ich weiß. (Dieser Weg ist NICHT akzeptabel.)

Man müsse sich verhalten, das ist Eindruck, den die beiden haben. Die sozialen und redaktionellen Medien schaukelten sich auf. Jeder, der an den Empörungsstürmen mit teilnehme, sei drin – neben dem Sturm stehen gäbe es nicht. Shit-Partikelchen ist auch gefallen, ein allerliebster Ausdruck. Aber man kann auch einfach schweigen, situative Äußerungen täten ihm nicht gut, hat Lobo an sich selbst festgestellt. Alles sehr dicht und wahr. Das Reflexgewitter in sich selbst zum Schweigen bringen, das war seine Entscheidung. Absolute Hörempfehlung für alle, die Geschütze der Demokratie oder sogar ihr Sturmgeschütz beladen. Auch den beiden Neu-Podcastern beim Verfertigen ihrer Gedanken beim Reden zuzuhören, ist unfassbar belebend. Ich für meinen Teil benutze etwa in diesem Post Worte, die ich schon lange nicht mehr benutzt habe. (Da ist wieder meine Sprachempathie.)

4,5 von 5 Ohren. (Sowas muss doch sein bei einer Medienkritik, oder?)

Das neue Format Podcasts, die ich höre

Ich möchte auf dem Blog das mit der Welt teilen, was ich denke und was ich gut finde. Du bist, was du likest, hat Shakespeare 2.0 schon gesagt. Oder so. Deswegen wurde es Zeit für dieses neue Format. Podcasts sind für mich ein wichtiger Weg, um mir die langen Autofahrten zur und von der Arbeit heim zu vertreiben. Außerdem regen sie meine Gedanken an. Manchmal habe ich dabei die klügsten Gedanken. Google sei dank für die Sprachfunktionen bei Android. Schon viele Aufgaben habe ich in Wunderlist festgehalten, oder auch Ideen für kommende Blogposts. Die ich dann wieder verwerfe, weil ich sie nicht so brillant formulieren kann wie Sascha Lobo oder einer der anderen Podcast-Macher und -Gäste.

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