Filmkritik „Pitch Perfect“

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Film

Glee, der Film – wenn man böse ist und auch ein bisschen ungenau, kann man „Pitch Perfect“ so zusammenfassen. „Pitch Perfect“ ist die Geschichte über eine Underdog-A-cappella-Gesangsgruppe, die erst verliert und am Ende triumphiert. Bei diesem Film ist die Story nicht interessant. Denn die ist so vorhersehbar wie ein Weg in Ostfriesland – immer geradeaus, dann die kleinen Probleme wie an einem Deich bergauf, dann die Düne runter und ins Wasser springen.

Die Figuren sind es, die „Pitch Perfect“ hervorheben und zu einem modernen Klassiker gemacht haben. Dazu später mehr. Der zweite Teil war ein Erfolg, der dritte Teil ist unvermeidlich. Anna Kendrick hat es in die Superstar-Liga katapultiert. Sie durfte bei den Oscars singen und tanzen. Das tut sie seitdem sie ein Teenager war, hat Sondheim-Musicals auch schon in New York gesungen. Sogar für den Tony war sie nominiert. Da war sie ein Teenager.

Mir ist Kendrick zum ersten Mal mit ihrer taffen, aber auch verletzlichen Performance in „Up in the Air“ aufgefallen. Gegen einen George Clooney als White-Collar-Arbeiter mit Blue-Collar-Anspruch hielt sie mehr als nur dagegen. Da hatte Regisseur Jason Reitman einen guten Riecher. Kendrick kann anders als viele Musicaldarstellerinnen auch das Normale. Ihre Beca in „Pitch Perfect“ ist eine Heldin wider Willen. Nur ihr Papa, selbst Universitätsprofessor, will, dass sie sich integriert. Wenn es nach ihr ginge, würde sie auf die Hochschule pfeifen und direkt ins Musik-Business gehen. Daher ist der Job beim Campusradio auch das Wichtigste für sie. Wir sehen sie nie in Kursen, sondern immer nur mit ihrer Musik. In einem weniger geschmackvollen Film hätte es noch eine Affäre mit dem Manager des Radiosenders gegeben, an diesem Hubbel im Storybogen, den ich mit dem Deich vom Anfang meinte. So läuft hier die Story auf Autopilot:

Mädchen singt. Junge singt. Mädchen und Junge sind in unterschiedlichen Gangs (Chören). Die dürfen nicht miteinander. Love conquers all. Kuss. Vorhang.

Die Figuren ziehen in „Pitch Perfect“ hinein

Aber die Frauenfiguren sind so echt wie sonst nur in Dramen, mich erinnern sie an die Besetzung von „Orange is the New Black“. Anders als das blonde Dummchen und die Nymphomane, mit denen wir in Glee vorliebnehmen musste, sind das hier echte Schicksale. Etwa „Fat Amy“, die nicht mal so heißt – ein australisches Mädchen in einem großen Körper mit viel Seele und Drive. Beca ist auch etwas zu reif für ihre Jahre, sehr fokussiert und konzentriert. Und die asiatische Zimmergenossin von Beca wird als richtig berechnende, nervende Kuh dargestellt. Klar, das kann man auch zu Recht rassistisch nennen. In diesem Umfeld, sie wird auch noch durch die freundlichen Beziehungen, die diese Figur zu anderen ihrer Art hat, abgeschwächt, ist sie so etwas wie das personifizierte Böse.

Sie und der Vorsänger der konkurrierenden Gesangsformation, der irgendwann seine Mitstreiter im Stich lässt, weil endlich ein Singer-Songwriter angerufen hat und ihn für seinen Backgroundchor braucht. Das ist vor allem auch eine Folie, um zu zeigen, dass viele Musikstars von der Uni im echten Leben ganz kleine Brötchen backen müssen.

Wertung: 3 von 5 Mikrofonen.

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