Wie ich an Weihnachten merkte, dass ich seit langem erwachsen bin

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Familie

Dass ich jetzt wirklich erwachsen bin, merkte ich im Büro. Im Büro merkt man ja wirklich viel, auch, was man nicht ist. Bei ProSieben, entschuldigt, liebe Ex-Kollegen, waren es die Berufsjugendlichen, mit denen ich nix anfangen konnte. Immer gut gelaunt, Sneaker, so grau oder karg die Haare auch wurden. Was machen eigentlich alte Menschen bei einem Privatsender? Das scheint ja auch der CEO des DAX-Konzerns zu denken, so hat er ja seinen Abschied angekündigt.

Mit einem Alter von dann 60 Jahren, glaube er, sollte man kein Medienunternehmen mehr leiten, so der Manager zur Begründung.

Jetzt, im Startup, habe ich noch jüngere Kollegen. Zeit für ein bisschen Introspektion – und weil Weihnachten ist: Ein Kind zu bekommen, hat mich erwachsen werden lassen. Da gibt es auch ganz tolle Essays von werdenden und gewordenen Vätern dazu.

Rückblickend glaube ich, ging das aber eher los. Ich mache mehrere Punkte des Erwachsenwerdens aus. Der letzte Punkt ist: dass man an Weihnachten nicht mehr nach Hause fährt, sondern zu Hause bleibt. Aber der Reihe nach.

Flügge werden

Von zu Hause ausziehen ist ein großer Schritt. Nicht nur ist die Formulierung grammatikalisch interessant, „leaving home“ ist irgendwie knapper auf Englisch. Auch der Umzug selbst. Ich habe dabei alle Fehler gemacht, die man so machen konnte. Einer war, die Kisten erst am Umzugstag zu packen. Traut man mir heute gar nicht mehr zu, war aber so. Damals fühlte ich mich sehr erwachsen. War ich aber nicht. Mein Chaos fand jetzt nur woanders statt.

Die Wäsche selbst machen

Man sollte meinen, dass dieser Schritt zum ersten dazu gehört. Aber so ist es nicht überall. Gründe gibt es viele. Man stellt sich dumm an. Mutti traut einem das noch nicht zu. Mutti will nicht loslassen. Vor allem bei Männern, so hört man. Ausreden gibt es übrigens noch mehr: die Waschmaschine im Wohnheim, die Diebstähle aus dem Waschraum.

Ein Kind bekommen

Hier ist also der Auslöser für den Post. Das ist jetzt so lange her, dass ich zum ersten Mal Vater wurde, dass ich mich beinahe kaum erinnere. Aber dieses Gefühl, dass dieser Mensch mit so kleinen Händen und so kleinem Alles das Größte ist, für was du je sorgen musst – es war sofort da. Es geht auch nicht mehr weg. Es wird bloß überlagert von all den kleinen Dingen, die den Blick auf das Wesentliche verstellen. Elternliebe überdauert alles und ist größer als fast alles auf dieser Welt.

Weihnachten daheim bleiben: Erwachsen

Die Tickets werden 92 Tage vorher gebucht. Mit dem Zug geht es heim. Businesskasper fliegen Air Berlin nach Posemuckel, hier kann man noch eher die e-Tickets zum Schnäppchenpreis buchen. Die Schwaben verlassen den Prenzlberg, weil bei Muttern futtern den Kerosingestank wett macht. Erst flogen die Gänse in den Topf, dann die Wamse den Gänsen hinterher,  um sie in den Wams zu stopfen. Wo ich bin, ist jetzt meine Familie. Also müssen wir der Familie nicht mehr hinterher reisen.

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