Das Surface fürs Blogging (Blogparade)

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Journalismus / Software

Das Microsoft Surface ist ein missverstandenes Gerät. George W. Bush fällt mir da ein.

„Ich wurde missunterschätzt.“

Der wollte auch nur Rache für den 11. September nehmen und schoss auf das falsche Ziel. Microsoft ist etwas Ähnliches passiert – sorry für das überstrapazierte Bild. Der Surface-Tabletcomputer ist kein iPad-Killer geworden. Ich glaube, so war er auch nie konzipiert: Er ist zumindest in Teilen die perfekte Verlängerung des Office-Ökosystems auf einen neuen Formfaktor. Das könnte auch fürs Bloggen sein. Das will ich mal erklären.

Annahme: Du findest Word gut.

Für Blogger ist das vielleicht eine etwas gewagte Annahme. Aber Word ist nun mal so etwas wie der Standard-Word-Processor da draußen. Da kennt sich jeder aus. Die Ansicht ist so bekannt wie ein leeres Browser-Fenster. Da werden falsch geschriebene Begriffe unterschlängelt, da kann man mit einem Mausklick ein bisschen Schrift markieren und fetten. Die Software kann alles, von einem Brief bis zur Diplomarbeit. Und inzwischen gibt es auch „Blogeintrag“ als Word-Vorlage gleich miteingebaut.

Wenn du dann zu Word in Surface kommst, fühlst du dich gleich daheim. Es ist Word mit kleinen Anpassungen für den kleinen Touchscreen. (Wie bei so vielen Updates, ist Word immer  und überall ein bisschen anders.) So kann man zum Beispiel die Menüleiste verkleinern, damit sie nicht so viel Platz einnimmt. Damit ist fast so etwas möglich wie der Fokus-Modus bei iA Writer. Und das Schöne an Microsoft – die haben auch mittlerweile eine ausgereifte Cloud-Lösung. Word ist erwachsen. Die meisten Blog-Editoren, die ich für das iPad kenne, sehen aus wie zusammengeklaubte Outlines, Ein-Mann-Hobbyprojekte; unfertige Produkte ganz kurz gesagt. Word ist ein Dinosaurier, der noch lebt.

Word erlaubt das Hinterlegen der eigenen Blogs über die Remote-Writing-Schnittstelle von WordPress. Sogar eingebettete Bilder werden dann hochgeladen. Und man kann die Word-Ansicht so konfigurieren, wie man das gern hätte. Das geht in WordPress selbst nicht, so gut der WYSIWYG-Editor auch ist.

So kann man zum Beispiel auf dem Surface einen Blogartikel anfangen und auf dem Rechner daheim weiterschreiben, etwa weil man den besseren Blick auf einem größeren Rechner hat. Wie geht das mit dem Surface? Zum Einloggen in das Gerät braucht man eh schon einen Microsoft-Account (Ex-Windows-Live, Ex-Passport, Ex-Wallet). Mit dem kann man dann seine Daten zu Ex-Skydrive OneDrive hochladen und synchronisieren. Das funktioniert sogar mit dem Mac. Da heißt die Software zwar Microsoft Document Connection. Aber sogar auf mein Macbook kann ich die Dokumente herunterladen.

Das Surface als mobile Lösung

Der Browser ist das Ärgernis. Der Internet Explorer ist bei manchen Webseiten einfach überfordert. Da muss man knallhart mal ein paar Tabs schließen, das neue Laden dauert ewig. Die mobile Fassung auf dem Windows Phone ist noch schlechter, aber das ist auch kein echter Trost. Aber wenn man nur ein paar Artikel noch mal recherchieren muss und dann im Blogpost verlinken, dann geht das damit auch schon. Mit Safari im iPad geht das besser, aber auch da ist das Wechseln zwischen Programmen nervig.
Das Gewicht des Gerätes schlägt definitiv jedes Ultrabook – 680g. Es wirkt deutlich hochwertiger als ein normales Android-Tablet, weil es aus unverwüstbar wirkendem Magnesium besteht. Aber der erste Eindruck ist: erstaunlich schwer. Im letzten Urlaub war es dabei, weil ich noch eine Präsentation fertig machen musste. Hat prima geklappt, eine weitere Office-Anwendung, die sehr gut übersetzt wurde.

Bilder

Fotos mache ich mit meinem iPad auch nicht, daher fehlt mir das auch nicht am Surface. Das wäre mit den mickrigen 1,2 Megapixel auch nicht unbedingt ideal. Beim Bloggen bearbeite ich sehr selten Fotos, spätestens seit dem Getty Images-Deal benutze ich vor allem die eingebetteten iFrames der Agentur.

Tastatur

Klar sieht es toll aus, wenn man mit einer Klapp-Tastatur das Tablet bedecken kann. Da ich physische Tasten wollte, habe ich mir das Type Cover gekauft. Das ist sogar noch teurer als das Logitech-Keyboard fürs iPad. Aber ganz ehrlich: Es taugt nix. Die beste Tastatur mit echten Federwegen wäre das iPad-Bluetooth-Keyboard. Aber weil das mit den Sonderzeichen natürlich nicht so richtig funktioniert und man nicht Surface und Apple-Zubehör haben kann, ist die Kaufempfehlung doch das Type Cover. Touch Cover fühlt sich sehr seltsam an.

Kosten

Für um die 300 Euro bekommt man ein Surface. Wenn man das drei Jahre benutzt, ist das gar nicht mehr so viel teurer als ein Abo, um drei Jahre lang auf dem iPad Office nutzen zu können.

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