Buchkritik: Cumulus

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Wenn man nur ein paar Jahre in die Zukunft geht mit einem Science-Fiction-Roman, also thematisch jetzt, dann kann man sich als Autor auf ein paar Extrapolationen unserer Gegenwart einlassen, die nur allzu plausibel sind. Das Setting bei „Cumulus“ (Affiliate-Link) von Eliot Peper ist folgendes: Wir leben in einem Kalifornien, das noch ein bisschen ungleicher geworden ist, auch durch den Reichtum, den Cumulus, eine Art Google-Facebook-Klon wie Hooli, über einen Teil der Bucht von San Francisco gebracht hat und durch das Ende der (industriellen) Beschäftigungsgelegenheiten für die Leute formerly knows as Mittelschicht. Und die Alternative Trump als Sprachrohr und Ventil der Emotionen wäre ja nun wirklich viel zu unglaubwürdig gewesen. Cumulus ist DER Cloud-Konzern der Zukunft. Auf seinen Server speichert alle Welt seine Fotos, die Regierungen der Welt ihre Videoaufzeichnungen, Cumulus betreibt Fleet (=Uber) – Allmacht.com wäre auch ein passender Namen.

Was passiert also, wenn in einem solch mächtigen Konzern jemand Unfug macht? Rogue gehen, das kennen wir aus Mission Impossible. Ein einzelner kann auch in einem börsennotierten Konzern Schlimmes anrichten, wenn er es ins Topmanagement geschafft hat. Und einen Hintergrund in der Spionage hat. Dagegen ist der VW-Diesel-Skandal nur ein laues Lüftchen.

Cumulus ist an Stellen sehr plotgetrieben, ein sehr knapper Roman mit etwas mehr als 200 Seiten. (Wenn solch eine Seitenangabe bei Büchern, die ich auf dem Kindle gelesen habe, überhaupt noch sinnvoll ist. Vielleicht sind Lesestunden die neuen Seiten.)

Sind Lesestunden die neuen Seiten?

Unfassbar viel passiert in dem Buch, die Ereignisse werden auf mehreren Strängen vorangetrieben, und am Ende mündet das kunstvoll, aber auch vorhersehbar in ein gewalttätiges Finale. Ungleiche Menschen schließen Allianzen, die Technik bringt die Technik zur Strecke. Sprachlich ist das wie so viel englische Belletristik gut konsumierbar – als die nicht so heitere Tech-Literatur für den Sommerurlaub des Apokalyptikers.

Das Buch regt zum Nachdenken an. Was ist denn wirklich, wenn die gutmütigen Diktatoren an der Spitze der großen Internetkonzerne oder Open-Source-Projekte wirklich mal durchdrehen? Was liegt dann zwischen uns und Willkür? Das ist auch die große Stärke des Buchs, als eine Art Gedankenkatalysator zu wirken. Was hält die Konzernlenker auf demokratischem, ethisch akzeptablem Kurs? Welche Kontrollmechanismen sind das?

  • Shareholder Value ist das eine – so ein Projekt der Datensammlung ob mehr Macht verschlingt Ressourcen. Das wird irgendwann sichtbar für den Unternehmensbericht.
  • Die Mitarbeiter: Google hat etwa eine sehr lange Tradition (in Internetjahren) von mündigen Mitarbeitern, die alles Böse ablehnen. Dazu hatte der Konzern ja auch mal eine Leitlinie, „Don’t be evil“. Der nächste Whistleblower mit riesigem Medienecho könnte aus einem Internetunternehmen kommen.
  • Naivität: Die Entwickler wollen mit Technik die Welt aus den Angeln heben, und zwar für privaten oder unternehmerischen Gewinn. Die Technik ist nicht das Mittel, um Machtintrigen zu spinnen, sondern das Ziel. Die Beschreibung der Unternehmensgründerin als Erbauerin, nicht als Herrscherin – das klingt in meinen Ohren sehr zutreffend. Eric Schmidt wurde zu Google als eine Art erwachsener Aufpasser geholt – das war das wörtliche Zitat. („Adult Supervision“)
  • Wettbewerb: Du hast gerade als Startup noch die Welt disrupted, also auf den Kopf gestellt. Die größte Gefahr für dich lauert dann in irgendeiner Garage oder einem Inkubator.
  • Nutzer: Wenn du das Vertrauen der Nutzer verspielst, und die Gefahr ist groß, wenn man wie in „Cumulus“ mit den Daten der Nutzer spielt – auch das Feuer genannt – ist dein Unternehmen in ernster Gefahr.

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