In der Oper gewesen. Geweint.

Kommentare 2
Kinder / Musik
Ein Mann weint. Symbolbild. Das bin nicht ich, und so attraktiv war ich auch nie. Foto: Tom Pumford/Unsplash

„Papa, warum hast du Tränen im Gesicht?”

Mit meinen Jungs war ich diesmal wieder in einem kühlen, dunklen Saal im Hochsommer. Diesmal war es aber kein Kino, sondern ein Theatersaal. Genauer, ein Musiktheatersaal. Ich finde es toll, dass Opernhäuser inzwischen Oper für Kinder inszenieren. Ich habe schon mal über einen der Besuche bei den Salzburger Festspielen geschrieben.

Und die Musik hat mich wieder gepackt. Wenn die Königin der Nacht singt, weine ich. Und wenn Papageno und Papagena sich finden. Auch wenn ich das Motiv 1000 Mal gehört habe, auch in allen denkbaren Verballhornungen. Gottschalk und so. Ich weine nicht, weil ich etwas im Auge habe, oder um den Augapfel feucht zu halten. Und dass Männer nicht weinen dürfen, finde ich auch nicht.

Sondern weil mich die Gefühle packen. Überwältigung ist der Auslöser. Das erste Mal hatte ich das bei Wagner, einer konzertanten Aufführung, glaube ich. Und bei Mozart habe ich das auch gehabt. Ist das normal, Mozart und Wagner mögen?

Zum ersten Mal waren wir diesmal nicht alleine, mein großer, sehr geduldiger Sohn und ich – sondern wir hatten den gar nicht mehr so kleinen Bruder mit. Das Tolle an den Inszenierungen: Sie dauern nur etwa eine Stunde, ohne Pause. Das halten sogar die größten Wirbelwinde aus, habe ich festgestellt. Aber sie machen auch alles richtig, um kleine und große Opernfans bei der Stange zu halten:

  • Die Sänger singen auch mitten im Saal
  • Sie treten durch den Zuschauersaal auf, zu Beginn des Stücks
  • Es gibt keinen Vorhang
  • Die Mechanik der Bühne, mit Licht und so, kann man komplett einsehen
  • Im Programm-Flyer sind die Figuren mit ihren echten Kostümen skizziert, sodass man sie gut wieder erkennen kann.

Tränen machen uns menschlich, sagt ein Tränenforscher. Nur wir können das. Tiere können es nicht, auch wenn beobachtet wurde, dass Tiere, die Schmerzen leiden, auch weinen können. Und der Forscher kam auch über die Oper zum Thema:

Cook: How did you first become interested in crying?
Trimble: Of course, because I cry, and some things bring tears quite easily, notably music, and opera with the power of the human voice.

Wenn jetzt aber Oper so wirkt, warum finde ich dann Opernübertragungen im Fernsehen oder sogar die besten Opernaufzeichnungen auf CD langweilig? Ich glaube, es ist das Element der Teilhabe, der Unwiederbringlichkeit des Gesehenen und Gehörten. Ich bin dort, und ich fühle, die Sänger singen nur für mich und uns. Und das berührt mich so, dass ich weinen kann. Kino ist auch nur eine Darreichungsform von Oper auf Konserve. Ich glaube nicht, dass mich das packen. Probieren müsste ich es mal. Aber Zeit fürs Kino habe ich eh viel zu wenig.

Photo by Tom Pumford on Unsplash

2 Kommentare

  1. Bei mir flossen am Mittwochabend die Tränen als wir das Musical Titanic auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper gesehen haben. Die Geschichte an sich ist eh mehr Oper als Musical und die Musik ist zum Teil herzzerreissend.
    Ende Juli haben wir das Musical Les Miserables in Tecklenburg gesehen, auch ein Musical zum weinen und ich habe keine Hemmungen, meinen Tränen freien Lauf zu lassen.

    • Dominic Grzbielok sagt

      Ja, das kann auch andere Musik. Aber immer geht es um Menschen, ihre Geschichte – und das in Liedern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.