Passwortvergabe bei Paydirekt

Meine Sparkasse hat mich um die Einrichtung eines Paydirekt-Kontos gebeten. Mache ich doch gern, wenn es nix kostet. Ein paar Onlineshops haben ja bereits Paydirekt als Zahlmethode integriert. Ich habe aber vier Anläufe gebraucht, um mir ein Passwort festzulegen. Das liegt an den seltsamen Regeln für Passwortinhalte.

Ihr gewünschtes Passwort entspricht nicht dem vorgegebenen Format.Ihr Passwort muss mindestens 8, maximal 20 Zeichen haben. Es müssen Zeichen aus allen folgenden Gruppen enthalten sein:

Großbuchstaben A-Z – ohne Umlaute, keine Akzente

Kleinbuchstaben a-z – ohne Umlaute, ohne „ß“, keine Akzente

Ziffern 0-9

Sonderzeichen: @#$%&-._!?
Bitte geben Sie Ihr Passwort erneut ein.

Ich habe es dann geschafft. Aber die Freude, das einzusetzen, hält sich in sehr, sehr engen Grenzen.

Was ich im ersten Jahr im Startup gelernt habe

Startups sorgen dafür, dass man als Mitarbeiter dort schneller lernt. Weil das Startup lernen muss, sich auf dem Markt zu behaupten. Überhaupt erst einmal den Markt zu finden.

Why is this learning so important for startups? Simply because competitive pace and an intense focus on rapid learning are the two keys weapons of your startups’ nimbleness and unfair advantage

Quelle: How to Accelerate Learning in An Early-Stage Startup

Das ist letztlich der Grund, warum ich 2015 dem Arbeiten im Konzern Tschüss gesagt habe. (Ober besser Servus! Wir sind ja in Bayern, in diesem München.) Ich wollte mich wiedre fordern. Das meiste meines Lernens geschieht beim Selbststudium online. Das Wissen, das ich brauche, findet sich in Blogs und immer stärker im Content Marketing von Softwareanbietern – und Hardwareanbietern.

Viele Anbieter stellen ihre Dokumentation gleich ganz offen ins Netz und verlangen dafür keinen Login mehr. So kann man bei der Evaluierung von Software gleich die Fragen an die Doku stellen, die man bei einer späteren eventuellen Implementierung eh hätte. REST-API oder restful? Gibt es SDKs?

Was hätte ich sonst nie angesehen, wenn ich nicht bei Target Video begonnen hätte zu arbeiten? Nur eine Auswahl, die mir gerade einfällt:

  1. Newsletter: Wo versendet man die am besten? Was ist für Redakteure gut zu handhaben?
  2. Mailinglisten und Newsletter-Template für mobile Geräte bearbeiten
  3. Video-Terminologie und -Workflows studiert
  4. Dutzende von Demo-Accounts in verschiedenen Software-Kategorien eingerichtet
  5. Passwort-Manager für die Vielzahl der Accounts besorgt
  6. AWS-Dinge
    1. Windows Server bei Amazon AWS konfiguriert
    2. Route 53 für einen Proof of Concept eingerichtet
    3. WordPress-Instanz mit Hilfe von Bitnami-Installer aufgesetzt
Man sieht schon: Als Startup machen wir natürlich viel bei Amazon AWS.

Video killed the FAQ star

Amazon Web Services stellt eine Menge Videos ins Netz, die erklären, wie ihre Produkte funktionieren. Das hier habe ich mir die Tage angesehen. Dabei geht AWS auch einen Schritt weiter und ist eine Partnerschaft mit einem Pay-Anbieter von Trainings eingegangen, wie man gleich auf der Übersichtsseite aller Trainings sehen kann. So wie AWS das macht, sieht das sehr unaufgeregt ist, aber es dürfte eins der besten Lernangebote sein, dass es für SaaS-Anbieter gibt.

Viele Menschen sind visuelle Lerner. Ich erinnere mich noch gut an einen Kollegen, der alles gescribbelt hat, was er verstehen wollte. Die Zeilen in einem Buch rauschten ansonsten nur an ihm vorbei.

Exkurs Lernen und Startups

Woher kommt das eigentlich mit dem Lernen? Das kommt aus dem Buch Lean Startup von Eric Ries:

3. Validated learning. Startups exist not just to make stuff, make money, or even serve customers. They exist to learn how to build a sustainable business. This learning can be validated scientifically by running frequent experiments that allow entrepreneurs to test each element of their vision.

4. Build-Measure-Learn. The fundamental activity of a startup is to turn ideas into products, measure how customers respond, and then learn whether to pivot or persevere. All successful startup processes should be geared to accelerate that feedback loop.

Die Zitate aus diesem Buch dürften sich in endlosen Pitchdecks und Investor-Präsentationen finden.

Software, die ich nutze: Origami von Facebook

Auch wenn ich unter anderem das Produktmanagement für ein Do-It-Yourself-Portal verantworte, mit Origami meine ich nicht die Falttechnik aus Japan. Origami ist eine Software von Facebook für das Design von App-Prototypen auf dem Mac. Besonders ausgelegt ist diese für das gute Zusammenspiel mit den Dateien, die aus Sketch kommen. Sketch ist eine unter jüngeren Designern sehr beliebte Vektorzeichenanwendung, die deutlich schneller und performanter ist als Illustrator oder vergleichbare Adobe-Produkte.

Origami konkurriert mit anderen Hybriden (kann Design und ist Entwicklung recht nahe) wie Framer.js um das Mindset und den Marktanteil der Designer/Developer. Es ist kein Tool wie Axure RP, das sich an den gestandenen Informationsarchitekten richtet – und wo jede Animation weh tut. Zumindest ist das meine Erfahrung aus dem letzten Projekt bei ProSiebenSat.1, wo ich viel mit Axure gemacht habe und in großen Projekten damit auch immer die Anmutung der Seite vermitteln konnte. Aber Axure hat zwei Schwächen: Responsive Prototypes sind echt schwer, und eben diese Animationen. Vom heftigen Preisschild (500 Euro aufwärts) mal ganz abgesehen. Axure befördert auch eher einen eher schlichten Look der Prototypen. Hier einer meiner ersten:

Was ist jetzt an Origami so besonders? Es kommt von den Animationen her. Von diesen neuen Workflows, die App-Designern und -Entwicklern seit 2007 so bekannt sind, die aber für Web-Menschen wie mich, die Kanzlerin würde sagen Neuland sind. Oder zumindest waren. Auch ich beschäftige mich viel mit den aktuellen Trends, aber ich werde mich nie Designer nennen. Na, vielleicht ja doch.

Wer eng mit Entwicklern zusammenarbeitet und ihre logische Denkweise kennt, kommt mit dem Programm ganz gut klar. Die größte Hürde waren für mich die neuen Begriffe der Animationswelt. Meine ersten Berührungen mit dem Thema waren beim Buch vom Val Head zum Thema. Das empfiehlt sich sicher, vorher die Animationsmuster zu überlegen und auch zu wissen, welche Animation welchen Effekt auf den Nutzer hat.

Origami ist mir zu kompliziert – was kann ich tun?

Der Einstieg ist bei Axure einfacher, aber man braucht dafür auch einen Tag, um das zu verstehen, wie das alles gedacht ist. DAs Gute ist, dass die Anbieter inzwischen die Power von Video-Tutorials entdeckt haben. Zwar ist der Sprecher meist nicht besonders inspririerend, aber ich kann das Video an der Stelle anhalten, an der ich etwas nicht verstehe und immer wieder zurückspulen. Das ist etwas, was auch der beste Erklärtext nicht kann. Mein Tipp ist Keynote für Mac-Nutzer. Auch damit habe ich schon Prototypen gemacht. Die Animationen, die Apple dem Programm spendiert hat, sind zu viel für Präsentationen. Aber für animierte Microinteraktionen sind sie perfekt.

Unwort des Monats: „Die Jugend“

Was macht die Jugend heute eigentlich so in ihrem digitalen Alltag? Sätze, die man gar nicht mehr sagen kann – und was schlimmer ist, auch nicht mehr ungeschehen machen kann, hat man in der Zeit nach der Wahl von Trump zum Präsidenten oft gelesen. Da stammten sie von Trump. Aber auch wir Journalisten machen uns zum Beförderer eines Trends zur Sprachverwahrlosung. Nein, ich werde jetzt nicht Mitglied im VDS. Ich glaube aber, dass die deutsche Sprache auch schön sein kann. Dafür muss man sie kennen, mit ihr täglich üben und auch neue Wege gehen.

(Lieber Schlussredakteur, das „man“ redigierst du mir noch raus, oder? Danke, der Autor.)

Was denkt die Jugend?

Einer der Sätze, die nicht mehr gehen, lautet:

Nein, das muss ich besser sagen. Wir können als weiße, mittelalte Männer nicht annehmen, dass wir wissen, wie die Zielgruppe oder die Menschen, die man mal Publikum genannt hat (TPFKAA – the people formerly known as audience), so tickt. Unsere Erfahrung mit digitalen Produkten trennt uns von ihnen. Außerdem ist es eine Anmaßung, sich mit werdenden Müttern oder shoppenden Anzugträgern zu vergleichen. Oder auch der Jugend. Dafür gibt es Methoden wie Befragungen von echten Mitgliedern der Zielgruppe. Allen, die ein wenig Geld für Research ausgeben wollen, empfehle ich das Buch „The One Dollar Prototype“. Und deshalb ging ich bei diesem Satz aus der Snapchat-Spectacles-Berichterstattung steil:

What it feels like to wear Snapchat Spectacles: „Put simply: The kids are gonna love ‚em.“

(Via.)

Das ist natürlich tongue-in-cheek, aber eben irgendwo auch ernst gemeint. Bei Übermedien wäre das ein Hasswort. Für mich ist es eben diese kleine Kolumne.

Welche WordPress-Persona bin ich, und wenn ja, wie viele?

90 Prozent von dem, was ich in meinem RSS-Reader zum Thema WordPress lese, interessiert mich nicht. Bis auf zwei Menschen, die ich auf dem WordCamp Europe 2016 in Wien kennengelernt habe, hat mich keiner inhaltlich interessiert. Was stimmt mit mir nicht? (Im eigenen Blog sollte es doch um den Bloggenden gehen, oder?) Der Antwort näher gekommen bin ich durch einen Blogpost, der etwas in mir angeregt hat. Aaron Jorbin hat ihn geschrieben. Er ist Core Contributor, und er hat dem zweitgrößten WordCamp, dem WordCamp US, seine zehn WordPress-Personas zur Verfügung gestellt. Diese sind:

  • Clara – Owns Clara Teacher Supplies in Philadelphia which recently added an e-commerce store that she had her sister’s nephew build.
  • Amy – Support Engineer for a WordPress company. 
  • Wilfred – Systems Administrator.
  • River – Front End Developer.
  • Rory – Blogger. 
  • Rose – Journalist
  • Jack – Consultant
  • Martha – Back End Developer
  • Donna – Designer
  • The Doctor – Experienced Core Contributor.

Derzeit bin ich keiner von denen, glaube ich.

  • Warum bin ich nicht Clara? Ich habe mir bisher noch nix von einem Verwandten bauen lassen. In meinem Job als Produktverantwortlicher oder Product Owner beauftrage ich Entwickler damit, für mich die Dinge in WordPress umzusetzen, die über eine Konfiguration hinausgehen. Die richtigen Parameter für einen Google Analytics-Account kann ich natürlich selbst eintragen. Aber wenn wir wie zuletzt für TargetVideo ein Ereignis-Tracking brauchen, brauche ich dafür einen Frontend-Entwickler.
  • Warum bin ich nicht Amy? Mir ist es bisher erspart geblieben, auf Agenturseite zu arbeiten. Und damit bin ich auch nie bei einer WordPress-Firma angestellt gewesen. Und Engineer bin ich nun wirklich nicht.
  • System Administrator bin ich zwar qua meiner Root-Rolle in unseren Projekten schon, aber nur, weil einer den Account anlegen musste. Und damals hatten wir noch keine Entwickler.
  • Frontend-Entwickler bin ich nicht, so wie ich nicht Full Stack Entwickler bin.
  • Blogger: Ja, das bin ich. Aber in der Rolle war ich nicht auf dem WordCamp. Zählt das auch? 1/10.
  • Journalist: Ja, bin ich auch. Seit beinahe 20 Jahren. In der Rolle war ich nicht… 2/10.
  • Consultant: Gefühlt war das die Rolle, die mir auf dem WordCamp am häufigsten begegnet ist. Der Quacksalber, der alles mit ein paar Plugins behandelt. Ich nenne ihn auch gern den Pluginsalber. Bin ich auch nicht, auch wenn ich schon das ein oder andere Plugin auf Lager hätte. 2,5/10
  • Backend-Entwickler: Ne, auch nicht.
  • Designer: Ja, damit habe ich die größten Probleme. Halber Punkt, darüber habe ich schon geschrieben. 3/10
  • Core Contributor: bin ich nicht, werde ich auch nicht werden.

Als ich diesen Post angefangen habe, habe ich gesagt, ich bin das alles nicht. Aber ich bin doch sehr viele Personas. Seid umarmt!

Und genau deshalb fahre ich auch in diesem Jahr noch mal nach Köln zu einem WordCamp! Man muss ja zu seiner Community stehen. Alle drei von mir.

Neues Framing: Warum die Kicktipp-Macher mal einen kleinen Tritt brauchen

Du hast eine Web App, die ihren Wert am Markt bewiesen hat. Du stellst fest, dass zu besonderen Events dein Produkt noch mal einen zusätzlichen Traffic-Boost erhält. Und dann kriegst du es nicht hin, dass deine Server den Ansturm aushalten. Die Rede ist von Kicktipp.de, dem Sommerliebling unter den IVW-kontrollierten Websites.

In geraden Jahren wird nämlich von UEFA oder FIFA noch mal ein Monat kostenloser Hochlast-Traffic verschenkt. Das nennt sich im Sprachgebrauch der Nicht-Techies Fußball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft und ist so berechenbar wie das Amen in der Kirche. Und dann stellt sich der Unternehmensgründer dann da hin und jammert, dass er die Server am Laufen halten muss:

Wettfieber: Die Kicktipp-Macher verführen die ganze Nation – DIE WELT: „“

(Via.)

Zum Beispiel wegen der vielen Nutzeranfragen, die alle zeitnah beantwortet werden. Oder wegen der ständigen Sorgen um die Technik. „Die Server müssen immer wieder kurzzeitig extreme Lasten abfedern. Denn alle sitzen vor dem Fernseher und haben zur gleichen Zeit den gleichen Impuls: Tor, Jubel – und dann wird schon auf dem Smartphone nachgeguckt, welche Auswirkungen sich daraus für das Tippspiel ergeben.“ Beim ersten Deutschland-Spiel war die Homepage dadurch nach dem Schlusspfiff gleich mal für wenige Minuten nicht erreichbar. „Da bereitet man sich ein Jahr vor – und dann das“, ärgert sich Vygen, der nun über eine Aufstockung der Serverkapazitäten nachdenkt.

Hm. EM ist immer so plötzlich. Wäre Aufstockung der Serverkapazitäten nicht die erste Idee gewesen? Das Wachstum geht ja offenbar seit Jahren schon so.

Von Mal zu Mal bleiben mehr Spieler „hängen“ und werden zu Stammkunden. 

Er sagt auch, dass er immer noch im Startup-Modus unterwegs sei. Aber das scheint mir nicht zu sein. Seine Peaks liegen vorhersehbar in der Zeit Spielbeginn plus zwei Stunden. In der Zeit kann er schon ein paar mehr Server starten, AWS macht das einfach. Wahrscheinlich hat er seine Infrastruktur, die nicht so leicht skalierbar ist. Aber ich finde, in der spielfreien Zeit wird es Zeit, für einen Kurs in Sachen Cloud Architektur. Ich kann da was bei Cloud Guru empfehlen. Und hier einen ersten Einstieg in Sachen Microservices-Strategie.

„Wörter wie ,Strategie‘ und ,Businessplan‘ fallen bei uns nicht“, sagt der Jurist aus Duisburg, der später zum Programmierer wurde. Er habe einfach Spaß an der Arbeit und der Seite.

Es ist ja nicht so, dass Kicktipp.de nur zu solchen internationalen Events ein Problem hätte. Wer an einem Bundesligaspieltag samstags um 17.20 Uhr auf die Seite geht, kennt genau das gleiche Phänomen. In einer App könnte man das sogar noch leichter skalieren – lokale Kopie der Daten halten, nur das Ergebnis-JSON anfordern, dass man in einem CDN hält. Dann muss kein Nutzer den ganzen Seitenaufbau laden. Aber die App ist zum Beispiel auch nur ein Wrapper für die Website, in der Architektur geht das natürlich auch nicht.

Usability Audit, auf eine Konferenz angewendet

Ein paar Gedanken, wie man die nach eigenen Angaben größte Konferenz für Mensch-Computer-Interaktionjede Konferenz noch besser machen kann.

  • Die Location. Prestigeträchtig, aber nicht auf der Höhe der Zeit. Außer WLAN eigentlich für nix gut. Nicht mal so gelegen, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Spesen-Richtlinien!) gut dahinkommt. Zum Beispiel an einer Hochschule, gerade bei günstigen Konferenzen kommt das oft vor: Die Hörsäle sind nach einer halben Stunde Vortrag vollkommen sauerstofffrei. Ich weiß nicht, wie das Studenten machen. Konzentrieren kann man sich da nicht. Was kann man als Veranstalter tun? Vorher die Location besichtigen, nicht nur mit dem Hausmeister oder Facility-Verantwortlichen, sondern wenn sie in Betrieb ist. Ich habe mal eine Wohnung neben einer Brauerei angemietet, ich weiß, wie wichtig Besichtigungen zur richtigen Zeit sind.
  • Catering: Das stellt man nicht an die engste Stelle im Flur. Das ist zwar sympathisch schusselig, aber nix für Professionals, die man anspricht. Auch schon bei teuren Konferenzen erlebt. Und keine Spaghetti und nicht nur Gemüsebrühe. Damit sind die Flecken programmiert. Vegetarisch sollte auch etwas Anderes als Salat sein.
  • Schreib WLAN Zugänge auch an Türen und Stuhlreihen. Nicht nur im Programmheft und auf ausgelegte DIN-A-4-Blätter. Die Idee mit dem Passwort auf der Hörsaaltafel war gut für eine Hochschule. Vielleicht kann man das gleich auf die Badges drucken?
  • Mach eine bedienbare App für Smartphones. Wenn ich anreise, werde ich auf sie oder eine Website zurückgreifen. Es gibt nur ein Suchergebnis, wenn man was eingibt. Ich brauche auch eine Liste zum Browsen. Immerhin ist ein Großteil der Besucher zum ersten Mal da. Gern auch Liste der Teilnehmer, um Networking vorzubereiten. Statt einer App reicht mir auch eine responsive bedienbare Website. Gern mit Offline-Funktion im überlasteten Netz. Serviceworker FTW!
  • Zwing deine Besucher ins Gespräch. Mach in den Konferenzpausen (die eine gute Länge haben, mindestes 20 Minuten!) Spiele für Leute, die ins Gespräch kommen wollen. Mach Tische auf, an denen man alleine kommt und neue Leute kennenlernt. Vielleicht die Tische versponsern?
  • Wenn man weiß, wie kalt es in den Konferenzräumen in der Regel ist, macht es das Packen daheim leichter. Das hat bisher noch keine Konferenz geschafft. So habe ich immer eine Strickjacke im Gepäck, die ich dann doch nicht brauche.

Morgen beginnt das WordCamp Europe 2016 in Wien. Die Veranstalter haben im Vorfeld schon sehr viele Infos rumgeschickt, dann kann ich diesen Post sicher updaten.

  • Code of Conduct: Die riesige WordPress-Community hat natürlich einen Verhaltenskodex für Veranstaltungen wie den größten europäischen WordPress-Kongress. Da werden Dinge geregelt, die den gegenseitigen Respekt der Besucher betreffen. Sehr, sehr löblich. Und in der Eröffnungsansprache einer der Organisatorinnen wird auch noch darauf hingewiesen. So kann man das gut bei den Teilnehmern verankern.
  • Kinderbetreuung: Zum ersten Mal gab es bei einem WordCamp Europe eine Kinderbetreuung. Kurzzeitig hatte ich sogar überlegt, meinen großen Sohn mitzunehmen. Aber er hätte sehr wenig Zeit mit dem Papa gehabt, daher ist das wohl nicht so sinnvoll.
  • Musik: Die meisten Konferenzen sind sehr nüchterne Veranstaltungen, von der abendlichen Veranstaltung mit Musik und Freibier abgesehen. Die Beyond Tellerrand-Konferenz macht aus diesem Defizit etwas Einzigartiges: Ein DJ sampelt aus dem vorhergegangenen Vortrag die besten Passage heraus und mischt einen elektronischen Track für die Pausen zwischen den Sessions zusammen. Wirklich einzigartig, gibt es sehr selten! Plagiat dringend empfohlen, wenn du das richtige Publikum dafür hast. 
  • Dress Code: Jede Konferenz ist anders. Bei einigen Veranstaltungen sieht man Anzüge und Kostüme, bei anderen eher Motto-T-Shirts. 
  • Essen: Manche Veranstaltungen kosten viel Geld, dann erwarte ich auch als Besucher, das ich verköstigt werde. Ab 300 Euro sollte das drin sein. Bei einem BarCamp erwarte ich das nicht unbedingt, aber es ist eine tolle Gelegenheit für Sponsoren.
  • Badges: Darauf steht nicht nur der Name des Teilnehmers, sondern auch sein Twitter-Handle, das ganze Programm und seine Mittagsmenü-Wahl.

Drei Indie Web Camp-Mitstreiter im Weggla – Nürnberg 2016

Die drei Brillenträger, die die Attraktion auf dem Indie Web Camp Nürnberg 2016 waren, heißen Jeremy Keith, Aaron Parecki und Tantek Celik. Tantek hat ein 1-Buchstaben-Twitter-Handle: twitter.com/t. Sie leben und atmen Web, das offene Web.

Sie kämpfen gegen Silos. Und wie auf jedem Barcamp sind ein paar Unerschrockene, zu denen ich mich auch zähle auch dabei. Diese stellen jenen Fragen aus ihrem Horizont. „Was sind Silos?“ Die Frage ist berechtigt, und sie muss auch beantwortet werden.

Was sind also Silos, gegen die Indie Web Camp-Mitstreiter sind?

Dann mache ich mal den Erklärbär: In Silos wird Zeug reingepumpt, und es kommt nur auf eine bestimmte Art und Weise wieder heraus. Ein Eingang, ein Ausgang, der Silobesitzer bestimmt die Regeln.

In der digitalen Welt sind damit die großen Social Media-Plattformen gemeint, Facebook, Snapchat und Twitter, aber auch Medium.com gehört dazu. Alle Plattformen dieser Art sollte man als kritischer Webnutzer unter einen Silo-Verdacht stellen. Dazu gibt es die Prinzipien POSSE und PESOS. POSSE ist das Wunschbild, PESOS akzeptabel für Dienste wie Instagram, zur Not.

POSSE

PESOS

Die Mitglieder der Indie Web Camp-Bewegung glauben an das Recht und das Bedürfnis einzelner Teilnehmer im Web, ihre Stimme auf ihrer eigenen Seite zu Gehör zu bringen. Warum? Die großen Unternehmen nehmen sich Rechte heraus, die sie nicht abtreten wollen. Sie stellen die Plattform, sie legen in ihren Nutzungsbestimmungen die Regeln fest. Dazu gehört die (inzwischen beigelegte) Debatte ums Stillen und Bilder vom Stillen, aber auch die Haltung in der Waffenkauffrage. Eine Facebook-Fanpage gehört immer Facebook, man besitzt die nicht (zu leicht ist sie verloren).

Und die Großen von heute können die Toten von morgen sein. Wer ist schon von den Einstellungen von Produkten erwischt worden? Jeder, bei mir war es Google Reader. Bei anderen MySpace, oder Geocities. Dabei ist der Fokus auf die „personal site“, wie das im Laufe des ersten Tages immer wieder genant wurde, wichtig. Diese Begriffsschärfe vermisste ich dann auch in Diskussionen mit anderen Camp-Teilnehmern.

Natürlich gibt es ein Bedürfnis, seine Daten nicht öffentlich zu machen, schon gar nicht als Unternehmen. Da gibt es ein Recht auf Unternehmensgeheimnis. Ich will auch meine Firmenkonzepte nicht überall im digitalen Untergrund finden. Apple und Google kämpfen ja auch immer gegen Leaks – bevor sie mit ihren Produktenthüllungen um Aufmerksamkeit kämpfen.

Aber darum geht es dem Indie Web Camp gar nicht. Es geht um die eigene publizistische Stimme. Diese Kombination von „Ich habe die Technik im Griff und kann mir eine Webseite machen“ und „Ich habe eine Stimme, die ich im Netz benutzen will“ scheint schon sehr amerikanisch zu sein. Ich wünschte mir die von viel mehr deutschen Internetbewohnern. Fakt ist: Einige der Anwesenden haben gar keine eigene Internetpräsenz. Ja, das gibt es 2016 noch bei den Teilnehmern eines digital zwar nischenhaften, aber eben doch sehr digitalen Events.

Publizistischer Impetus kann auch mit Uneitelkeit und Nahbarkeit einhergehen. Liegt nicht nahe, ist aber so. Ich habe zwei Sessions mit Jeremy Keith gemacht, daher will ich das mal an dem Iren, der in Brighton arbeitet und Clearleft mit gegründet hat, festmachen. Er sagt auch mal: „Das weiß ich nicht.“ Als Session-Lead bei einer Sitzung, die er morgens mit einem Klebezettel erst gepitcht hat. Er stellt immer wieder den Bezug zur Erfahrungswelt der Teilnehmer her. Er fragt, ist ernsthaft interessiert. Wahrscheinlich ist das auch seine Workshop-Erfahrung aus einer kundenorientierten Agentur. (Ich muss zugeben, ich habe bei erfahrenen Menschen immer ein gutes Gefühl, wenn diese auch mal sagen, dass sie etwas nicht wissen. Auch wenn das eine Selbstverständlichkeit sein sollte.)

Die deutschen Teilnehmer waren teils sehr zurückhaltend. Ein Drittel hat gefühlt kein Wort gesagt, sondern lieber ein paar Zeilen im Atom Editor oder einem anderen geschrieben. Ist das normal? War mein zweites Barcamp, daher habe ich noch keine Erfahrungswerte.

Danke ans Indie Web Camp Nürnberg

Der Event war das Beste, was ich seit langem besucht habe. Keine Powerpoint-Pointenschlachten von den üblichen Konferenzen, sondern echte Hilfestellung. Das Indie Web Camp wurde zeitweise auch zu einem  Homebrew Website Club. In einer Session mit Aaron Parecki, einem der vier Gründer des Indie Web Camps, haben etwa zehn Leute versucht, ihren Sites Webmentions abzuringen. Mir ist es nicht gelungen, wie ich das auch hier im Blog dokumentiert habe. Und weil ich angesichts meiner kaum vorhandenen Coding-Skills am Sonntag auch nix hätte zustande bringen können, habe ich mir den Hackathon-artigen Tag gespart. Das hätte mir nix gebracht, und euch auch nicht, liebe Mit-Anwesenden. Außerdem muss ich erst mal überlegen, welche meiner Domains meine neue zentralen Ich-Präsenz im Web bleiben soll. Mein WordPress-Blog (das du netterweise gerade liest) ist es wohl eher nicht, dazu ist es zu wenig umfassend. Es bedient nur meine publizistische Ader, nicht aber meine Arbeit als Manager oder Produktmacher. Die Ideen zur Gestaltung einer persönlichen Site waren wirklich sehr gut, aber erst bei der Ausführung zeigt sich, ob sich mir die Veranstaltung wirklich eingebrannt hat.

Ich habe selten eine so egofreie Veranstaltung in der Digitalszene erlebt. Hands on, mit direkter Ansprache von Vordenkern, die ich sonst nur von Twitter und aus dem Feedreader kenne. Toll. Das wäre sicher auch eine Organisationsgebühr wert. Dieses Barcamp war kostenlos. Außer Zug, Hotel, Bahn und Bus habe ich dafür nur 50 Cent bezahlt – für eine Flasche Apfelschorle.

Was man von den kaputten Robotern in Wall-E lernen kann

Wall-E ist ein zauberhafter Zeichentrickfilm, der nur einen Oscar gewonnen hat. Das Wort Zeichentrickfilm fühlt sich bei einem computeranimierten Film komisch an, aber er ist und bleibt zauberhaft. Eine halbe Stunde zu Beginn wird gar nicht gesprochen. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein kleiner Roboter namens Wall-E räumt den Müll auf der Erde auf, den die Menschheit, die vor dem Müll ins All geflüchtet ist, dort hinterlassen hat. 700 Jahre, nachdem die Menschheit die Raumschiffe bestiegen hat.

Eines Tages kommt eine andere Robotersonde zurück auf die Erde, um dort nachzuschauen, ob wieder auf der Erde Leben möglich ist. Er verliebt sich in sie und reist mit ihr aufs Raumschiff, wo die letzten Menschen wohnen.

Auf diesem Raumschiff treffen die beiden auf kaputte Roboter in einer Roboter-Werkstatt. Diese befreit Wall-E aus Versehen.

Auch Wall-E könnte man für einen kaputten Roboter halten, denn er hält sich auch nicht nicht an Vorschriften. Die meisten Roboter an Bord halten sich an Befehle, egal, wie alt sie sind. Dabei verselbstständigen diese sich und erheben sich über die Menschen. Wall-E und die kaputten Roboter machen das, was ihnen in den Kopf kommt – aber immer, um der Sache, der Menschheit zu dienen. Einer von ihnen malt singend Streifen aufs Raumschiff, wo sie nicht hingehören, die dem steril wirkenden Raumgleiter aber eine menschlichere Note geben.

Das Gesamtbild im Kopf haben, das Gesamtwesen optimieren wollen – das ist eine ganz wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg: Machen, und dann um Vergebung bitten. Im Startup-Umfeld hat das längst den Charakter eines Glaubenssatzes:

Don’t ask for permission, ask for forgiveness.

(Die Ur-Quelle für dieses Zitat konnte ich nicht finden, es könnte Grace Hopper gewesen sein.) Diese sehr amerikanische Form der Regelverletzung, um ein neues Maximum oder auch einfach weit entferntes Ziel zu erreichen, ist sehr inspirierend. Altucher hält zu ihr an, Thiel, Branson und Musk auch. In einem Konzern oder einem klassischen Unternehmen ist das oft nicht möglich. Und Deutsch scheint die auch gar nicht zu sein.

Zu viele Kommittees, zu viele Hierarch(i)en stellen Entscheidungen in Frage, sodass am Ende gar nicht entschieden wird. Warum bewegen sich etwa klassische Automobilhersteller so langsam im Vergleich zu Tesla? Warum werden in Lebensmittelkonzernen Entscheidungen so langsam getroffen? Etwa verglichen mit Red Bull?

Das ist einer der Gründe, warum ich im letzten Jahr ausgestiegen bin aus dem Konzern. Als Teamleiter kann man sich nur in sehr engen Bahnen frei bewegen. In meinem jetzigen Startup ist das einfacher. Da wird ausprobiert, und ich kann Schritte in neuen Bereichen machen. Die sind wacklig, die Muskeln für sowas sind in den letzten Jahren auch eingeschlafen. Wie bei einem Patienten, der ins Bett gefesselt war. Rennen kann ich noch nicht, und oft genug frage ich nach Erlaubnis. Das tun die Roboter nicht. Die haben einen festen Kompass. Bei Wall-E ist es die Liebe, die ihn antreibt. Letztlich ist es die bei mir auch. Meine Familie gibt mir die Kraft. Auch sehr amerikanisch – aber dieses eine Jahr vor über 20 Jahren hat mich stark geprägt.

Excel liefert ein tolles Beispiel für Feature Creep

Nein zu sagen, liegt nicht in der Natur des Menschen.

Nein zu sagen, ist die wichtigste Aufgabe eines Produktmanagers. Wenn er nicht nein sagt, droht ein verwildertes Produkt, das Ergebnis von Feature Creep oder Featuritis. Dazu gibt es lange Abhandlungen. Dieser Ausschnitt hier gefällt mir am besten:

If you’re building a product, you have to be great at saying no. Not “maybe” or “later”. The only word is no.

Warum ist das so schwer? Weil man am nächsten mit allen Beteiligten noch weiter zusammenarbeiten muss. Und das muss gehen.

Was macht ein Produktmanager? Er gestaltet in meiner Branche ein Stück Software.

A good PM is a rare jack-of-all-trades. He or she knows how to innovate through minimalism, possesses strong communications skills, can influence without authority, and is just absolutely ruthless at prioritizing what tasks should make it into the next sprint or release.

Aus: Why Most Productmanagers Suck.

Der Einfachheit halber benutzen wir die Begriffe Produktentwickler, Product Owner, Produktmanager mal austauschbar. In kleinen Unternehmen wie Startups ist dieser Bereich eben noch sehr groß und nicht so ausdifferenziert.

Und bei der Priorisierung scheitern viele. Ich auch. In meinem letzten Job habe ich ein großes Stück Software aus der Form geraten lassen. Die Linie ging so verloren, dass ich nach vier Jahren zu einem extremen Feature-Schnitt und Heckenschnitt ansetzen musste. Der gefürchtete Relaunch.

Microsoft-Produkte sind die Könige des verpassten Nein-Sagens. Wer einen Brief schreiben will, benutzt Word. Und nutzt damit nur gefühlte drei Prozent der vorhandenen Funktionen. Oder schlechte Funktionen wie Word Art werden missbraucht. Es gab auch mal eine Studie, bei der Microsoft selbst verkündet hat, dass nur zehn Prozent der Funktionen von Excel von normalen Nutzern genutzt werden. Ich habe bis zu meinem Gebrauch von

=verketten(A2;" und ";"B2)

und

=SUMMENPRODUKT(A2:A18;B2:B18)

auch einige Jahre gebraucht.

Mein Feature Creep der Woche

Deswegen habe ich erst gelacht, dann geseufzt und dritten angefangen, diesen Blogpost zu schreiben, als ich sah, dass die neue Version von Excel für Mac auch Screenshots machen kann.

Neues_in_Excel_und_Microsoft_Excel_und_Vorbefüllung

Warum? Weil es geht. Und weil irgendwer nicht Nein gesagt hat, irgendwo in Redmond oder sonstwo, wo Microsoft die Office-Software programmieren lässt.