0,9x oder die Zukunft ist schon da

Wir haben bei der Arbeit einen aktiven Slack-Einsatz. Wir teilen Dinge mit den Kolleg*innen, die wir für wertvoll halten. (Und verabreden uns fürs Kino, Mittagessen, Rauchen…)

Mein Weihnachtsgeschenk eines lieben Kollegen in Slack war das Video „10 Year Futures“ von Benedict Evans, der bei a16z arbeitet. (Der hat auch die epochale Präsentation Mobile is Eating the World gehalten.) Ich glaube, aus dem nur 65.000x bis heute angesehenen Video kann ich noch beliebig viele Blogposts schnitzen.

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Das iPhone hat das Podcasting populär gemacht. Foto: Unsplash/Alvaro Serrano

Huffduffer – Oder warum Audio im Netz so schwierig ist und was man dagegen tun könnte

Auf dem Indie Web Camp 2016 in Nürnberg habe ich Jeremy Keith das erste Mal getroffen. Keith hat eine Digitalagentur in Brighton mitbegründet und ist einer der bekanntesten Mitwirkenden der Indie-Web-Bewegung. Wofür steht die? Kurz gesagt glaubt die, dass jeder Mensch, der am Internet mitwirkt, dies eben nicht nur in den herrlichen Silos der großen Firmen (Facebook, Twitter, Google usw.) machen sollte, sondern mit seiner eigenen Webseite und damit mit seiner eigenen Stimme.

Keith ist ein Mann mit vielen Talenten, und eins davon ist: Er ist ein Bastler. Wenn er ein Problem hat, ist in der Lage, die Lösung dazu zu programmieren, anders als ich. Eines seiner Projekte ist Huffduffer.

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Die Sonne geht auf über einem Silo. Foto: Timothy Eberly / Unsplash

The Sun always shines on the Silo

Ein Datenpunkt ist ein Zufall, zwei machen einen Trend. Diesem uralten journalistischen Ritual folge ich mit diesem Post. Immer mehr (=2) Podcasts, die neu gestartet werden, und die ich entdecke, starten auf SoundCloud. Das finde ich schlimm, weil man sich damit an die Erfolgschancen eines Startups, wenn auch eines großen, kettet. Niemand würde ja auch nur bei Facebook bloggen, oder? Moment, da gibt es schon einige bekannte Menschen. Der Grund ist klar, also eigentlich gibt es zwei Gründe:

  • Man muss nur konfigurieren, jemand Anderes hat sich schon die ganzen schweren Gedanken gemacht
  • Und die Distribution, bei allen neuen Dingen im Internet das Schwierigste, wird durch den Netzwerkeffekt auf der Plattform bereits umgesetzt.

Umso mehr ärgert es mich, dass dies auch ein neuer Podcast aus dem Haus Databox gemacht hat. Einer, in dem es um die schweren Dinge geht, laut super spannender Beschreibung des Vorhabens:

Databox is Launching A Podcast | Databox Blog: „Advice is reduced to its lowest form, oversimplification, in order to achieve volume, (hopefully) generate traffic, and avoid the really hard stuff–vulnerability.

Writing about best practices and ‘simple’ tips is safe. It helps brands further the narrative that ‘we’ve got this all figured out.’

The truth is that it’s really hard and very few have it all figured out. But it’s that pursuit of figuring it out where the really good stuff happens.“

When we set out to create a podcast, we wanted to focus on the substance behind the success stories you often read about.

The sweat, failures, conflicts, broken egos. The ugly stuff.

Schade, dass sie für den Launch des Podcasts den kurzen Weg gewählt haben. Den ins strahlende Silo (Photo by Timothy Eberly on Unsplash). Aber MVP und so, verstehe schon.

Da ich will gleich abonnieren: mehrere Podcast-Buttons

Podcasts-Hörer gibt es nicht nur bei iTunes, das hat dieser Unternehmer erkannt. Keine Ahnung, was sein Podcast taugt, aber die Art und Weise, mit der auf Nutzer verschiedener Podcast-Clients hinweist, finde ich super. Klar bin ich auch schlau genug, seinen Podcast bei Pocketcasts einzugeben. (Ich nutze Pocketcasts, weil das auf mehreren Plattformen, derzeit sind Web und Android für mich wichtig, verfügbar ist.) Aber ein Button ist so viel komfortabler. Diese Button-Armada macht mich froh. Auch wenn die Größe des iTunes-Symbols zeigt, wie wichtig iTunes für die Podcast-Szene ist.

Mehrere Podcast Buttons auch Pocketcasts

Podcast: Unleash Your Blog from John Meese and Danny Coleman: „“

(Via.)

Podcasts – die Session beim Vocer Innovation Day 2016

Wenn es um journalistische Innovation geht, sind derzeit Podcasts nicht weit. Was sind Podcasts? Für uns Oldtimer sind das RSS-Feeds mit langen Wortbeiträgen (meistens Wort, manchmal auch mit Musik versehen). Oder anders: ein kostenloses Spotify für längere Wortbeiträge.

Längere – das steht für alles über zehn Minuten. Wie die Besucher des Workshops „Podcasts“ auf dem Vocer Innovation Day 2016 in Hamburg festgestellt haben, sind Podcasts in Deutschland in großen Teilen Zweitverwertungen von langen Hörfunkproduktionen aus den Rundfunkanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Warum ist das so? Der Rundfunkstaatsvertrag steht dagegen (PDF). Vereinfacht gesagt: Sendungsbegleitende Downloads sind machbar, alles andere ist schwieriger, weil es der ausdrücklichen Genehmigung bedarf – funk fällt etwa unter diese Regeln:

„Ist ein neues Angebot oder die Veränderung eines bestehenden Angebots nach Absatz 1 geplant, hat die Rundfunkanstalt gegenüber ihrem zuständigen Gremium darzulegen, dass das geplante, neue oder veränderte, Angebot vom Auftrag umfasst ist. Es sind Aussagen darüber zu treffen,

1. inwieweit das Angebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht,
2. in welchem Umfang durch das Angebot in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beigetragen wird und
3. welcher finanzielle Aufwand für das Angebot erforderlich ist. Dabei sind Quantität und Qualität der vorhandenen frei zugänglichen Angebote, die marktlichen Auswirkungendes geplanten Angebots sowie dessen meinungsbildende Funktion angesichts bereits vorhandener
vergleichbarer Angebote, auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zu berücksichtigen. Darzulegen ist der voraussichtliche Zeitraum, innerhalb dessen das Angebot stattfinden soll.“

Es gibt aber auch eine Nähe bei den handelnden Personen im Podcast. Podcastmacher kommen oft aus dem öffentlich-rechtlichen System. Einfach deshalb, weil dort viele der Wortmacher zum Hören arbeiten. Im Privatradio wachsen eher Moderatoren heran, nicht so sehr Beitragsgestalter und Menschen, die vom Inhalt her kommen. Behaupte ich mal.

Das sah man auch bei den Podcastern, die die Vocer-Konferenzmacher für den Workshop gewinnen konnten:

  • Lilly Wagner ist Reporterin beim ZDF und bei RTL, hat ein Konzept für funk eingereicht und auch grünes Licht für die Umsetzung bekommen. Und sie hat ein Volontariat beim SWR gemacht. Und sie hat dieses wundervolle Selfie von der Session gemacht!
  • Holger Klein moderiert alle zwei Woche die Nachmittagsschiene bei Radio Eins. Früher war er eine Ewigkeit Radiomacher bei Radio Fritz. Und dieses Radio-Urgestein macht auch Podcasts. Einige als Hobby, andere als Corporate-Produktionen.

Was meint Klein damit? Was sind Corporate Produktionen? Er macht formal ähnliche Podcasts wie seine eigene, macht diese auch als lange Interviews – aber bei Resonator etwa für die Helmholtz-Forschungsgemeinschaft. Das ist PR für eine wissenschaftsinteressierte Zielgruppe. Die ist etwa 20-50.000 Downloads pro Folge groß. Das lohnt sich also nur dann, wenn eine finanzkräftige Institution dahinter steht. In den USA ist das ein Content Marketing-Trend, den etwa General Electric erkannt hat.

In Deutschland kann man mit Podcasts noch nicht richtig Geld verdienen, meint Klein. Beziehungsweise: Darauf sollte man es nicht anlegen. Ich finde das eine Frechheit, auch wenn er das charmant verpackt hat. Denn: Die Einstiegshürden sind beim Podcasting nur wenig höher als beim Bloggen, wie er auch selbst beschreibt. Mit ein paar hundert Euro kann man beinahe in den Radios sendefertiges Material erzeugen, das war früher viel teurer. Und um sein eigenes Format zu finden, reichen auch die Aufnahmemöglichkeiten des iPhones völlig aus. Und etwas anzufangen, ohne zu wissen, dass man damit irgendwann mal die Miete zahlen kann, ist irgendwie nicht besonders erwachsen.

Wie man aus der Reaktion der Teilnehmer des Workshops Podcast merkt, fehlt aber vielen Neulingen der Zugang – zum System, weniger zum Thema. Radio ist eine schwer einnehmbare Festung, wenn man nicht über ein Netzwerk in die Anstalten verfügt. Und wer nicht über diese Beziehungen Rundfunktechnik einatmet, wird ein bisschen abgeschreckt beim Einstieg in die Szene. Klein gibt auch zu, dass das Fachsimpeln bei der Aufnahmetechnik schlimme Züge annehmen kann und preislich beim Equipment eines Radiomachers /Podcasters keine Grenzen nach oben gesetzt sind.

Als Podcasthörer muss ich sagen, dass ich empfindlich bin, was die Aufnahmequalität angeht. Wenn ich im Auto einen Podcast höre und die Lautstärke auf das Maximum anheben muss, sowohl am Signal auf dem Smartphone als auch auf dem Aux-In-Signal im Autoradio, aber die Sprache eines des Sprechers dennoch dem Windgeräusch auf der Autobahn nicht gewachsen ist, ist der Griff zum Skip-Button schnell gemacht. Ein Aufruf an alle Podcastmacher in eigener Sache: Hört euch eure Produktion mal unter ungünstigen akustischen Bedingungen an. Nicht im abgehängten Studio und auch nicht im Schrank, sondern in der U-Bahn, im Bad in der Nähe der Dusche und vor allem im Auto. Ein anderes vermeidbares Artefakt aus sehr einfachen Audioproduktionen sind Ploppgeräusche des Sprechers, wenn er zu hastig in Mikrofonnähe artikuliert. Ich bin da auch gefährdet, man kann da über die richtige Mikrofonhaltung viel lernen

Und weil ich möchte, dass mehr Einsteiger in die Podcastszene kommen, hier ein paar Tipps:

Was sind denn die Geschäftsmodelle für Podcasts? Da wurde ich in der Session nicht schlauer. Darüber wurde nicht so richtig gesprochen, sieht man von Gesamtfinanzierungen für Produktionen durch die Rundfunkanstalten oder Corporate Sponsors ab. Die scheinen aber wichtig zu sein, siehe Resonator oder die General-Electric-Produktionen.

In den USA haben darüberhinaus Direktvertriebler Podcasts für sich entdeckt. Casper, das sind die mit den Matratzen, die man online kaufen und 100 Tage testen kann, wirbt viel. In This Week in Google, einem meiner Lieblings-Podcasts, kommen auch andere Onlinevertriebler als Kunden vor – Domainverkäufer Hover, Projektmanagementtoolhersteller Basecamp und Essenslieferant Blue Apron.

Wer in der US-Szene ein bisschen herumhört, wird diese und vor allem das Geschäftsmodell des Direktvertriebs über das Internet immer wieder antreffen. Über Promocodes wird die Zuweisung der Vertriebserfolge (Attribution) geregelt, und vielleicht auch ein bisschen über Spikes an Veröffentlichungstagen. Hier sind die gleichen Ungenauigkeiten in der Zählung ein Problem wie bei Fernsehwerbung – wie viel des Traffics kann man einer bestimmten Marketingmaßnahme zuschreiben und wie viel entspricht dem eigentlichen Grundrauschen auf meiner Landingpage.

In Deutschland ist Viertausendhertz der Vorzeige-Vermarkter und Publisher für Podcasts. Sponsor-Ansagen werden hier auch von den Presentern vorgelesen und sind etwa eine Minute lang. Aber es gibt auch andere Werbeformen, wie Banner-Werbung auf den Detailseiten der einzelnen Podcast-Folgen. Wie gesagt: Das muss man sich als Neu-Podcaster zusammensuchen. Wie so oft bei Konferenzen mit Inhaltemachern – die Geschäftsmodelle werden nicht immer mitgedacht.

Podcasts, die ich höre (2): This Week in Google

Die erste Liebe bleibt immer in Erinnerung. Ob sie im Sandkasten war oder in iTunes. Seit Folge 20 oder 30 höre ich This Week in Google. Das ist eine aufwändige Studio-Podcast-Produktion von Twit.tv, dem Podcast-Studio von Leo Laporte. Der hat früher Radio gemacht (macht er immer noch, aber nur noch nebenbei) und war Personality bei Tech TV, wo er das Internet einem Massenphänomen erklärt hat.

Inzwischen geht er auf die 60 zu und überzeugt mit einer väterlichen Art als vorderster Erklärbar und Interview all der US-amerikanischen Technikjournalisten, die einen geraden Satz formulieren können, auch wenn sie reden. Mittlerweile ist die Produktion bei weit über Folge 300 angekommen. Wenn man überlegt, dass der Podcast wöchentlich kommt, ist das eine stattliche Anzahl.

Immer noch mit dabei ist Journalismus-Professor Jeff Jarvis, für den ich eh seit langem eine Art Mancrush hege. Gründungsmitglied war auch Lifehacker-Gründerin Gina Trapani, die sich irgendwann wieder mehr ihrer Entwicklerkarriere widmen musste. Der immer sarkastische Professor, die ausgleichende Vorzeige-Frau der Branche (tolle Story übrigens neulich auch im Offscreen-Magazin gelesen), der Erklärbär, der auch den Advocatus Diaboli gut geben kann – das ist der perfekte Mix, an den auch immer wieder Experten andocken.

Häufig ist etwa der Brite mit US-Pass Kevin Marks zu Gast. Der war bei BT, Apple und ist die Entwicklerreferenz für neue Technologien. Außerdem ist er zwar nicht Mitgründer, aber einer der wichtigsten Vorturner der Indie Web-Bewegung, die ich sehr sympathisch finde.

Als Ersatz für Gina Trapani kam jetzt Stacey Higginbotham an Bord, eine sehr willkommene Ergänzung, weil sie als eine der wenigen Frauen gegen die wortgewaltigen Männer, die sich auch mal zu gerne reden hören, ankommt.

Was macht den Podcast aus? Anderthalb Stunden Material über Google jede Woche? Das ist hart. Wer so viel Google erwartet, wird auch enttäuscht und wäre wohl besser bei Material oder All about Android aufgehoben. Es geht ums Ganze: alle Cloud-Konzerne wie Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, den Journalismus, die Politik. Diese freie Art lässt Laporte auch ganz bewusst zu – er geht mit ihr ins Podcaster-Wochenende. Donnerstag und Freitag hat er immer frei und am Mittwochmittag macht er diese Show. Wie das so ist, mit ersten Lieben, sie legen die Latte hoch: Die hohe Produktionsqualität der Show macht es mir schwer (und natürlich meine Vergangenheit als Radiomacher), dass ich schlecht oder einfach nur günstig mit Skype produzierte Shows genießen kann.

SoundCloud ist kein Podcast, und Spotify auch nicht

Podcast-Hörer kennen das: „Unseren Podcast gibt es bei iTunes.“ 

Amerikanische Podcaster sagen gern „and also you can find us at Stitcher.“ 

Ich nutze beides nicht, ich möchte einfach eine App wie Pocketcasts oder (früher, auf iOS) Overcast.fm nutzen und dort meine Podcast hören. ICH möchte festlegen, wie ich Podcasts höre. Podcasts benutzen ja bekannterweise eine Variante von RSS, um die Audiodateien zu verteilen. 

Ja, für „Fest & Flauschig“ mache ich auch eine Spotify-Ausnahme. Aber nur, weil ich eh Premium-Spotify-Kunde bin. Und weil ich das für die beste Sendung halte, die man auf Deutsch so hören kann. Sendung, nicht Podcast. Auch wenn Jan Böhmermann und Olli Schulz es immer ihren Podcast nennen, und Spotify nennt es auch so in der App.

So wird Podcasting bei Wikipedia definiert:

Podcasting bezeichnet das Anbieten abonnierbarer Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich zusammen aus der englischen Rundfunkbezeichnung Broadcasting und der Bezeichnung für bestimmte tragbare MP3-Spieler, iPod, mit deren Erfolg Podcasts direkt verbunden sind und die heute stellvertretend für jegliche tragbare MP3-Spieler stehen. Ein einzelner Podcast besteht aus einer Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Web-Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können. Alternativ sind Podcasts auch unter dem markenneutralen Begriff Netcast bekannt.

Ein Podcast hat durch den Feed seriellen Charakter. Oft erscheinen wöchentlich neue Folgen. Viele Podcaster sind technisch nicht so bewandert, dass sie einen einwandfreien Feed herstellen können. Viele nutzen dafür auch SoundCloud. Das ist wie YouTube für Audiodateien, man kann an der Community andocken, und die Discovery des Contents funktioniert dort auch gut. Das spricht alles für SoundCloud. Und wenn ich ein Podcaster wäre, würde ich meinen Inhalt dort auch zur Verfügung stellen. Ausschließlich geht es halt nicht.

Einen Podcast, den es nur bei SoundCloud gibt, wollte ich jetzt mit der SoundCloud-URL bei Pocketcasts hinzufügen. Das klappte nicht. Also habe ich den Support mit der URL angeschrieben. Und was schrieben mir die:

That’s not a podcast feed sorry. Try using this tool to get the podcast feed that you can paste into search: http://getrssfeed.com/ 🙂

Damit habe ich es jetzt schriftlich: SoundCloud ist kein Podcast. Wohl doch ein Fall für den HuffDuffer.

Innovationen im Journalismus: Es ist der Prozess, nicht das Produkt

Dass ich Podcasts höre, ist bekannt.

Manchmal freue ich mich auf einen besonders. Donnerstagmorgens steht etwa immer eine neue Folge „This Week in Google“ zur Verfügung, der erste Podcast, den ich regelmäßig gehört habe.

Am Freitag habe ich sogar getwittert/getweeted, dass ich mich auf das Digiday-Gespräch mit Buzzfeed-Publisher Dao Nguyen ganz besonders freue.

Warum? Weil ich glaube, dass deutsche Medien von den Arbeitsweisen US-amerikanischer digital-only publisher viel lernen können.

Dao glaubt auch, dass viele Medien sich einiges von Buzzfeed abschauen, aber meist nur das journalistische Produkt am Ende, nicht, wie Buzzfeed dahin kam. Das liegt ja nahe, aus der Außensicht ist das leichter verständlich: Der Prozess findet ja hinter verschlossenen Türen statt, das Ergebnis liegt im Schaufenster, sodass es jeder sehen kann

Jeder beobachtet seine Konkurrenz, mit Spike und anderen Tools sind auch überall ähnliche Discovery-Tools für die Trendschau im Einsatz.

Upworthys Editorial Director Amy O’Leary bezieht sich nicht direkt auf Buzzfeed, aber auch sie hält data-driven journalism für geboten:

One of the things that we do at Upworthy is we look at the data from our past stories and we use it to engineer better new stories.

Manchmal baut man sich damit sein eigenes „House of Cards“, einen phänomenalen Erfolg. Manchmal ein Kartenhaus. Upworthys Traffic ist lange nicht so stabil wie der von Buzzfeed. Für mich ist einer der Gründe, dass Upworthy eben nicht so viele unterschiedliche redaktionelle Strategien hat wie Buzzfeed.

Im deutschen Medienjournalismus kommt meines Wissens der Blick auf die Prozesse zu kurz. Focus.de feiert sich selbst und wird für die Reichweitenrekorde gefeiert. Geschichten, die den Erfolg zu ergründen versuchen, suche ich noch. Wahrscheinlich auch, weil die erfolgreichsten Player keine Einsichten in ihre Küche erlauben wollen. Und im Moment wird überall gekocht, Tasty sei dank.

(Wer Beispiele kennt, die ohne Häme auf Focus.de auskommen, reiche sie mir bitte in den Kommentaren nach.)

Auch aus der eigenen Arbeit beim Startup Target Video kann ich das nicht bestätigen: Da, wo wir redaktionell besondere Erfolge feiern konnten, lag das an der genauen Beobachtung unserer Nutzerzahlen und der Nutzung unserer Inhalte. So konnten wir Erfolgsmuster identifizieren und auf andere Bereiche übertragen.

Das ist dann auch ein bisschen MVP aus Lean Startup: Nutzerinteressen vermuten, Hypothese bauen und testen und darauf iterieren. Das Ergebnis Das bisherige Produkt dieses Prozesses ist bettgefluester.tv.

In eigener Sache Target Video

Wer Lust hat, an diesem Prozess mit uns mitzuwirken: Wir suchen wieder Praktikanten/innen für unser Team, in der Textredaktion, im Videoteam und bei mir im Produktmanagement. Alle Jobs gibt es auf der Firmen-Website, target-video.com.

Podcasts, die ich höre (1): Zur Lage der Medien

Wenn Sascha Lobo sagt, es sei erst sein vierter Podcast, dann sagt er das (glaube ich) ernst gemeint. Er ist dann aber nicht unsicher, und schon lange nicht nicht gut, wenn er etwas Neues macht, sondern wie immer brillant und nachdenklich an Stellen, wo andere ihre Selbstgewissheit bis in die Haarspitzen festgetackert haben. Und selbst wo er sich sehr sicher ist, will er die Kritik, die Skepsis offen halten – für den Diskurs. Wenn ich mal groß bin, möchte ich auch so schlau sein wie Sascha Lobo. Ja gut, ich habe gerade einen irren mancrush. (Ich habe Lobo vor vier Jahren oder so das letzte Mal live gesehen (bei einer internen ProSiebenSat.1-Veranstaltung), und meine letzte re:publica, wo er so etwas wie der König ist, war die in letzte in Kalkscheune und Friedrichstadtpalast.)

Podcast „Zur Lage der Medien“

Lobo hat jetzt also auch einen Podcast „Zur Lage der Medien“, gemeinsam mit Stefan Niggemeier, einem der Gründer von Übermedien, und meiner Meinung nach Deutschlands bester Medienjournalist. (Der gesteht, dass er Podcasts nicht hört, womit ihm Digiday für den Blick über den großen Teich entgeht, und das ist sträflich.)

Erst mal der Podcast selbst: Es gibt erst zwei Folgen, die zweite ist in dieser Woche (1.5.) erschienen, und sie war erst einmal nicht verfügbar. Offenbar kämpfen die Macher noch mit technischen Problemchen. In der ersten Folge gab es akustisch-technische Probleme: Offenbar haben die beiden mit ihren Laptops das Gespräch aufgezeichnet, und allzu deutlich waren Gestikulieren oder Klappern im Hintergrund zu hören. Das ist bei Podcasts nicht unüblich, viele sind so schlecht aufgenommen worden, dass ich sie beim Autofahren nicht hören kann. In meinem Kompaktwagen überlagern die Wind- und Abrollgeräusche und das Motorbrummen die tiefen Männerstimmen von Sprechern oft.

Die zweite Folge haben sie im Studio von Viertausendhertz aufgenommen, und das professionelle Studio kann man hören. Für mich, ich habe mal Radio gemacht, ist das reine akustische Entspannung. Ich höre nicht mehr, wo man einen neuen Take machen müsste, und möchte nicht mit Audacity die Tonspuren selbst aufräumen. In einem anderen Leben möchte ich Toningenieur werden, glaube ich.

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Sascha Lobo auf der re:publica 2010 im Friedrichstadtpalast. (Foto: Flickr/re:publica)

Der Anspruch des Podcasts ist hoch, er drückt sich im Namen aus. „Zur Lage der Medien“. Wenn Lobo spricht, hat das immer etwas Pastorales, darauf hat mich jetzt erst wieder ein Post von Felix Schwenzel im wohl für mich lesenswertesten Blog auf Deutsch hingewiesen – abgesehen davon, dass da Webmentions implementiert sind und ich die Typografie sehr mag.

andererseits funktionieren die meisten seiner gags eben nur mit einer klaren trennung des lobo-ichs und des publikum-ihrs, weshalb der vorsatz der selbstbeschimpfung im laufe der vierstündigen predigt der andertalbstündigen grundsatzrede (natürlich) versandete. rhetorisch war das alles ziemlich brilliant und geschliffen und ich mag den leicht pastoralen ton, den sacha lobo auf seinen republica-reden anschlägt.

Offenbar gibt es da noch jemanden, der Lobo wertschätzt und das besser in Worte zu kleiden vermag, als ich das tue. Ich glaube, Lobo ist einer der Gründe, warum ich in dieser Woche dann doch ein bisschen daran zu knabbern zu habe, dass ich mich gegen einen Besuch der re:publica entschieden habe. Das war eine ganz bewusste Entscheidung — die Messe klaut in einer Brückentagswoche alle verfügbaren Arbeitstage, und das ist in einem kleinen Startup einfach nicht machbar. 2 Tage, das wär’s. Aber das Vorglühen gehört bei der Klassenfahrt der Digitalszene dazu.

Inhaltlich den Podcast nachzuerzählen ist nicht so sinnvoll, aber Lobo äußert sich wie immer so druckreif, dass es wahrscheinlich für einen Sponsor eine schöne Idee wäre, die Transkription des Podcasts zu bezahlen. Einer meiner anderen Lieblingspodcast, Responsive Webdesign, tut das – und wird damit zu einer Ressource und sorgt für mehr Auffindbarkeit. Das kann nicht mehr als 100 Euro pro Ausgabe kosten, also – Übermedien ran an den Vertrieb dieses Sponsoringpakets. Win-Win für alle. Und eine kleine Sponsornennung schadet nicht. (Da ist natürlich das Ding, dass Übermedien bisher nur von Nutzern über Blendle finanziert wird, wozu ich zähle. Gründer Niggemeier schätze ich ebenfalls sehr, sodass ich die 3,99 Euro pro Monat gern zahle. Dafür spare ich mir ja die FAS und wenn ich mal was von ihm lesen möchte, gibt es auch hier Blendle.)

Es ist wichtig, dass sich Medienkritik verbreitet. Dass sie Teil der Debatte wird, welche Art von Journalismus wir wollen. Und brauchen. Deshalb werden einige Beiträge kostenlos sein; sie können geteilt und weitergeleitet werden. Um unserem Publikum aber einen weiteren Anreiz zu geben, uns zu unterstützen, können Abonnenten exklusive Beiträge vor allen anderen lesen.

Warum ist der Podcast also toll? Weil er mich zum Nachdenken über meine bisherigen Gewissheiten angeregt habe. Das empfinde ich als den höchsten Reiz eines Medienproduktes. Daher stürze ich mich auf Essays bei The Atlantic oder sammle Stücke aus dem New Yorker bei Pocket, die ich unbedingt lesen möchte. Leider kommt das Lesen im Moment zu kurz – die Augen eines fast Vierzigjährigen brauchen abends eine Pause vom Bildschirm. Auch der Kindle Fire HD ist eben ein Screen, und es gibt keine Apps zum Lesen auf dem Kindle Paperwhite. Soweit ich weiß. (Dieser Weg ist NICHT akzeptabel.)

Man müsse sich verhalten, das ist Eindruck, den die beiden haben. Die sozialen und redaktionellen Medien schaukelten sich auf. Jeder, der an den Empörungsstürmen mit teilnehme, sei drin – neben dem Sturm stehen gäbe es nicht. Shit-Partikelchen ist auch gefallen, ein allerliebster Ausdruck. Aber man kann auch einfach schweigen, situative Äußerungen täten ihm nicht gut, hat Lobo an sich selbst festgestellt. Alles sehr dicht und wahr. Das Reflexgewitter in sich selbst zum Schweigen bringen, das war seine Entscheidung. Absolute Hörempfehlung für alle, die Geschütze der Demokratie oder sogar ihr Sturmgeschütz beladen. Auch den beiden Neu-Podcastern beim Verfertigen ihrer Gedanken beim Reden zuzuhören, ist unfassbar belebend. Ich für meinen Teil benutze etwa in diesem Post Worte, die ich schon lange nicht mehr benutzt habe. (Da ist wieder meine Sprachempathie.)

4,5 von 5 Ohren. (Sowas muss doch sein bei einer Medienkritik, oder?)

Das neue Format Podcasts, die ich höre

Ich möchte auf dem Blog das mit der Welt teilen, was ich denke und was ich gut finde. Du bist, was du likest, hat Shakespeare 2.0 schon gesagt. Oder so. Deswegen wurde es Zeit für dieses neue Format. Podcasts sind für mich ein wichtiger Weg, um mir die langen Autofahrten zur und von der Arbeit heim zu vertreiben. Außerdem regen sie meine Gedanken an. Manchmal habe ich dabei die klügsten Gedanken. Google sei dank für die Sprachfunktionen bei Android. Schon viele Aufgaben habe ich in Wunderlist festgehalten, oder auch Ideen für kommende Blogposts. Die ich dann wieder verwerfe, weil ich sie nicht so brillant formulieren kann wie Sascha Lobo oder einer der anderen Podcast-Macher und -Gäste.