Produkte, die ich nutze: Bragi Headphone

 „Ach, du hast dir jetzt Bragis gekauft?“ 

Der Kollege in meinem Münchener Startup meinte das anerkennend. Offenbar sind die Kopfhörer bekannt, oder zumindest im Startup-Umfeld ist ihre Startup-Geschichte (Kickstarter-Kampagne) weltbekannt.

Fast 100 Euro waren die weißen Ohrstöpsel günstiger als Listenpreis, für mich eine Gelegenheit, bei Amazon zuzuschlagen. 

Die Verpackung kommt an Apple-Maßstäbe heran. Ich habe schon lange kein Produkt nicht mehr gekauft, bei dem so viel Liebe und Sorgfalt in den Karton gesteckt wurde. Die Quick-Guide-Anleitung ist Teil des Kartons. So besteht die Außenhülle aus mehreren dicken Schichten Karton, die mit Hinweisen zum neuen Gerät bedruckt sind. Da kann man wenig falsch machen, die FAQs auf der Website der Münchener braucht man kaum.

Habe ich gedacht. Ich habe mir nämlich einen Ersatz für die Erstlieferung bestellt, und auch mit dem habe ich die Bragi The Dash In-Ear Phones nicht mit einem der Smartphone in meinem Haushalt verbinden können.

Schritte, die ich versucht habe:

  1. Update des Bragi Updaters und der neuen Softwareversion auf dem Gerät.
  2. Kopplung mit meinem normalen Smartphone
  3. Kopplung mit Testgerät
  4. Kopplung mit Gerät meiner Frau (Samsung S7)
  5. Kopplung mit Tablet
  6. Zurücksetzen meines Smartphones (Nexus 6P) auf Werkszustand
  7. neue Kopplung

Es ging immer noch nicht. Was war mein Fehler? Ich habe die Rezension der Kategorie bei Wirecutter nicht genau genug lesen:

Bragi The Dash: So cool looking, so many neat features, and so frustrating to use. Connection-issue nightmares: The left earbud kept disconnecting and refusing to re-pair. And the signal dropped after I spent only 15 minutes on a treadmill with the phone sitting 1 foot in front of me at eye level.

Und ich habe auch nicht die Reviews im Play Store ernst genommen. Hier ein aktueller:

nicht einen Euro wert. seit 8 Stunden versuche ich pairing, update … nicht mal primitiv telefonieren geht über Bluetooth. geht Montag zurück. app ist wertlos. Desktop app eine farce. 2 stunden update und reset ohne erfolg. reine Zeitverschwendung. nun auch mit iphone das gleiche resultat. schrott. keine Verbindung möglich.

Bevor ihr fragt: Mein Gerät steht auf der Liste der unterstützten Smartphones.

Als ich mir dann im zweiten Versuch direkt bei Bragi selbst „The Headphone“ gekauft habe, klappt alles wie geplant. Die Inbetriebnahme gelingt in sechs Schritten:

  1. Auspacken
  2. Aufladen
  3. per Bluetooth verfügbar machen
  4. Bluetooth-Menü am Smartphone öffnen
  5. Verbinden
  6. Musik starten

Jetzt kann ich auch die ersten Erfahrungen sammeln. Ich höre jetzt mal ein bisschen Musik.

Opernkritik „Hänsel und Gretel“, Kinderoper in München

Die erste Reaktion meines Sohnes auf die Geschichte von „Hänsel und Gretel“ war eigentlich richtig: „WAS?“

Seine zweite war folgerichtig: „Und essen die dann auch die Hexe?“

So kenne ich die Geschichte nicht so ganz, aber ich kannte bis zum Opernbesuch auch nur die Grimm’sche Fassung. Die geht so:

Da gab ihr Gretel einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen.

(Behutsam an neue Rechtschreibung angepasst, d. Red.)

Over the top, into the oven

In München geht sie in Flammen auf, in bunten, klopft gegen die Tür, macht Grimassen. Mich schaudert es eh, schon von der Musik. Die Inszenierung von Richard Jones sparte nicht an Drastik. Aber der Reihe nach.

Bei der Kinderoper im Nationaltheater in München, wo wir zum ersten Mal bei einer Familienvorstellung waren, sahen wir das bekannteste Werk von Engelbert Humperdinck – also dem ersten Musiker diesen Namens. Der war romantischer Komponist, nicht Romantikschmusesänger. Humperdinck war ein Nachgänger von Wagner, hat sogar zeitweise als sein Assistent gearbeitet, und Richard Strauss hat „Hänsel und Gretel“ uraufgeführt. Die beiden, Strauss und Humperdinck, waren in den Premierenvorbereitungen in sehr enger Korrespondenz.

Das alles weiß ich nicht so, sondern ich habe es in der Pause und auf der Heimfahrt dem sehr, sehr guten Programmbuch entnommen. Nach Weihnachten kommt man sofort darauf, was für ein Material die Opernmacher für den Bucheinschlag hergenommen haben: Es ist Backpapier. Passt ganz gut zur Knusperhexe. Die hat nämlich die perfekte Küche für eine Backaktion. Wenn sie nicht so gern Kinder in den Ofen stecken würde.

Hänsel und Gretel wären heute auf Hartz IV

Ich versuche die Geschichte mal auf eine zeitgemäße Art und Weise zu erzählen. Hänsel und Gretel gehören zum vorindustriellen Proletariat. Sie müssen eigentlich Besen binden für Mama und Papa. Der verkauft als Vertreter auf den Märkten der Gegend verschiedene Sorten Besen, und das läuft mal besser und mal schlechter, Handgestricktes ist auch dabei.

Als die Kinder mal einen Tag lieber gespielt als Besen geknüpft und Socken gestrickt haben, kommt die Mama heim und schimpft. Die Milch haben sie auch noch leer getrunken, also ab in den Wald. Der Wald ist die stille Treppe dieser Kinder, dort sollen sie Erdbeeren sammeln, also wohl wilde Erdbeeren. Kaum ist der Papa heim, angetrunken und auch berauscht vom Verkaufserfolg des Tages, kehrt die Einsicht ein: Oh, die beiden Kinder sind in der Dämmerung allein im Wald, der zu der Knusperhexe führt. Die Sorge wird größer, die Eltern machen sich auf den Weg. Doch die Kinder sind nicht zu finden, erst am nächsten Morgen, als sie die Hexe in den Ofen geschoben haben. Da ist viel Ertüchtigung dabei, aber Echos von Natascha Kampusch gibt es bei mir im Kopf auch.

Die gruseligen Details der Geschichte erinnern an einen Splatterfilm, und so wird das auch in München im großen Haus inszeniert. Die Hexe hat ja eine Vorgeschichte als Kindermörderin, und so finden im großen Finale auch die Lebkuchenkinder aus der Vorratskammer, dem Kühlschrank und den Küchenschränken wieder zurück den Weg ins Leben.

Kinder verkraften ja viel mehr, als man denkt. Allein die Zwischenvorhänge, alle großflächig bemalt, hätten zarte Gemüter durchaus schädigen können. Sehr nah ist die Bildsprache an den Motiven, die man aus dem Horrorgenre im Kino kennt. Viel davon lässt sich szenisch auf der Bühne nicht darstellen, da greift man auch im Theater zu Tricks. Etwa, wenn aus den Lebkuchenkindern echte Kinder des Münchner Opernchors werden – Vorhang und Schnitt. Oder die Baummenschen, die den Wald im Traum von Hänsel und Gretel darstellen sollen – eindeutig ein Fantasiewesen, oder auch die 14 Köche in Gummimasken. Alles sehr gruselig, und manche Kinder weinten oder bevorzugten den elterlichen Schoß gegenüber der Sitzerhöhung, die es gegen Pfand auch gibt, und von der man auch in der ersten Reihe in den Rängen und Balkonen mehr als eine bräuchte.

Manche Momente sind auch Schock gebürstet, andere ausgesprochen bieder. So richtig aus einem Tortenguss ist die Inszenierung nicht. Eher viel Standard, mit ein paar Tupfern aus der Inszenierungs-Tube. Beim Backen ist das wohl eher die Spritztüte mit dem Blutzuckerguss, um im Bild zu bleiben. Das ist aber glücklicherweise den Kindern egal, die sich vielleicht fragen, warum das Orchester gar so laut ist. Das hat schon Strauss kritisiert, und es muss wohl in der Urfassung noch mehr so gewesen sein.

Konzertkritik: Bosse / Tonhalle München

Das Konzert von Bosse in der Tonhalle München war toll, und ich habe schon auf dem Heimweg spontan entschieden, dass ich darüber etwas schreiben möchte. Ich bin kein ausgebildeter Musikjournalist, und mir ist es auch etwas peinlich, über Musik zu schreiben, weil mir das kritische Instrumentarium fehlt. Aber ich will es trotzdem versuchen, weil mir das emotionale Sensorium sagt: Das war toll. Und nach dem Seminar Kulturberichterstattung vor gefühlt 100 Jahren müsste ich dafür auch fachlich in der Lage sein. Über Filme, Bücher und Produkte schreibe ich ja auch in diesem Blog. Da habe ich keine Kastagnetten, äh, Manschetten.

Wenn ich auf ein Konzert gehe, bereite ich mich mit einer Online-Recherche vor.

  1. Wie ist die Setlist? Spielt der Künstler immer die gleichen Lieder in der gleichen Reihenfolge? Dafür ist ein Angebot wie Setlist.fm hervorragend. Ich hoffe, dieses Wiki für Setlists wird nie geschlossen. Ich habe jedenfalls gerade eine Pause vom Bloggen gemacht und die Setlist eingetragen. Denn Bosse hat die gleiche Setlist gespielt wie bei seinem Gig in Offenbach. Das habe ich während des Konzerts kontrolliert und wollte ich jetzt für die Nachwelt dokumentieren. Das ist eine der Schwächen des aktuellen Internets: Alle Welt filmt mit, aber an die Handyvideos und andere Metadaten kommt man nicht geordnet heran, obwohl so viele Daten vorliegen.
  2. Wann beginnt das Konzert? Das ewige Rumstehen, Anhören der uninteressanten Vorband – dafür habe ich die Karte nicht gekauft. Dafür lasse ich mir gern Snobismus vorwerfen. Es hat auch mit meinem Alter und den beginnenden Rückenschmerzen zu tun, die dann auftreten, wenn ich stundenlang herumstehe. Leider steht das in den meisten Rezensionen nicht drin. Um 21 Uhr ging es los – bis zum München-üblichen pünktlichen Schluss um 23 Uhr.

Bosse turnt auf der Bühne herum wie Chris Martin von Coldplay, ohne dessen Athletik oder Sehnigkeit zu haben. Nach zwei Liedern kündigt er schon an – ich bin jetzt komplett fertig. Bosse ist ein Unterhalter, und das findet man deutschsprachigen Künstlern meiner Meinung nach sehr selten. Nach eigenen Angaben hat Bosse bei dem Konzert in der drückend warmen Tonhalle seinen eigenen Schwitzrekord für das Jahr aufgestellt. Sein schwarzes T-Shirt war nach zwei Dritteln des Konzert komplett mit Schweiß vollgesogen. Wenn jemand Goldfische dabei habe, könne er die ihm geben, sagte Bosse. In seinem Shirt könnten die problemlos überleben.

Was mir an Bosse gefällt, ist sein Bekenntnis zu gefühlvollen Texten. Er ist irgendwie post-ironisch, würde wohl auch ein Harald Schmidt sagen. Er singt, was er denkt. Er berichtet von seinen Erlebnissen. Man könnte auch sagen, er ist zu politisch korrekt. Als er für einen Gang durchs Publikum von der Bühne geht, endet dieser Gang bei der Studentin, die für die Hilfsorganisation Viva Con Aqua die Fahne schwenkt. Damit sind wir auch wieder bei Coldplay und Chris Martin. Auf Konzerten der Briten sieht man solche Kooperationen zwischen Musiker und Charities auch. Coldplay ist zum Beispiel eines der Testimonials für Oxfam, gefühlt seit Ewigkeiten. Das kann man abtun als ein Feigenblatt, mit dem man zeigen will, dass man zu den Guten gehört. Aber auf seine authentische Art glaubt man Bosse das an diesem Abend sofort, dass ihm die Sache etwas bedeutet. Er hat auch schon Projekte der Organisation besucht, so wichtig ist ihm das.

Er unterhält die Menschen, weil er selbst so gut gelaunt ist. Als er den Song „Nachttischlampe“ einführt, erzählt er davon, wie schwer es für ihn geworden ist, wirklich von Einsamkeit zu erzählen in seinen Texten. Mit einem zehnjährigen Kind ist ihm die abhanden gekommen.

Bosse unterhält in Tonhalle München

Was mir auch gefällt, ist seine Koketterie mit dem Alter. Einer der Bandkollegen ist über 40, und der bekommt sein Fett dafür weg. Er plaudert von seiner HNO-Ärztin, die ihm für gesangliche Notsituationen einen Cortison-Spray verschrieben hat. Und einen Song muss er gar abbrechen, weil er in der bekanntermaßen schlecht klimatisierten Tonhalle keine Luft mehr bekommt. Und das Gleiche macht er dann noch einmal für einen Zuschauer, der in Reihe 5 oder 10 blass geworden ist. Der/die kriegt Wasser, ein Snickers und darf sich etwas am Merchandising-Stand aussuchen.

Wie ist die Musik jetzt eigentlich gewesen? Um die habe ich mich ein bisschen gedrückt. Der Ton in der Tonhalle ist immer tendenziell schlecht. Der ein oder andere Toningenieur kriegt das besser hin, der andere nicht. Besonders wenn die Mitten fehlen, kann ein Konzert Spaß machen. In der Mitte wird es gern mal breiig und die Stimme des Sängers säuft ab. Frauen haben da nicht so das Problem. Sparsame Instrumentierung wird jedenfalls von der Halle in der Regel belohnt. Also von der Akustik der Halle.

Bosse war fabelhaft gut zu verstehen, auch für Menschen, die nicht alle Texte aus seinem Oeuvre kennen. Also Menschen wie mich. Man muss auch dazu sagen, dass ich zu Konzerten immer Ohrenschützer trage, so richtig semiprofessionelle für Hobbymusiker. Mein erster Hörsturz war mit nicht einmal 20, und das muss ich nicht noch einmal erleben. Vor einem Tinnitus graut es mir.

TL;DR

Bosse ist ein Netter, den will man beinahe knuddeln – wäre er nicht so verschwitzt. Als Live-Act ist er ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.

SoundCloud ist kein Podcast, und Spotify auch nicht

Podcast-Hörer kennen das: „Unseren Podcast gibt es bei iTunes.“ 

Amerikanische Podcaster sagen gern „and also you can find us at Stitcher.“ 

Ich nutze beides nicht, ich möchte einfach eine App wie Pocketcasts oder (früher, auf iOS) Overcast.fm nutzen und dort meine Podcast hören. ICH möchte festlegen, wie ich Podcasts höre. Podcasts benutzen ja bekannterweise eine Variante von RSS, um die Audiodateien zu verteilen. 

Ja, für „Fest & Flauschig“ mache ich auch eine Spotify-Ausnahme. Aber nur, weil ich eh Premium-Spotify-Kunde bin. Und weil ich das für die beste Sendung halte, die man auf Deutsch so hören kann. Sendung, nicht Podcast. Auch wenn Jan Böhmermann und Olli Schulz es immer ihren Podcast nennen, und Spotify nennt es auch so in der App.

So wird Podcasting bei Wikipedia definiert:

Podcasting bezeichnet das Anbieten abonnierbarer Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich zusammen aus der englischen Rundfunkbezeichnung Broadcasting und der Bezeichnung für bestimmte tragbare MP3-Spieler, iPod, mit deren Erfolg Podcasts direkt verbunden sind und die heute stellvertretend für jegliche tragbare MP3-Spieler stehen. Ein einzelner Podcast besteht aus einer Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Web-Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können. Alternativ sind Podcasts auch unter dem markenneutralen Begriff Netcast bekannt.

Ein Podcast hat durch den Feed seriellen Charakter. Oft erscheinen wöchentlich neue Folgen. Viele Podcaster sind technisch nicht so bewandert, dass sie einen einwandfreien Feed herstellen können. Viele nutzen dafür auch SoundCloud. Das ist wie YouTube für Audiodateien, man kann an der Community andocken, und die Discovery des Contents funktioniert dort auch gut. Das spricht alles für SoundCloud. Und wenn ich ein Podcaster wäre, würde ich meinen Inhalt dort auch zur Verfügung stellen. Ausschließlich geht es halt nicht.

Einen Podcast, den es nur bei SoundCloud gibt, wollte ich jetzt mit der SoundCloud-URL bei Pocketcasts hinzufügen. Das klappte nicht. Also habe ich den Support mit der URL angeschrieben. Und was schrieben mir die:

That’s not a podcast feed sorry. Try using this tool to get the podcast feed that you can paste into search: http://getrssfeed.com/ 🙂

Damit habe ich es jetzt schriftlich: SoundCloud ist kein Podcast. Wohl doch ein Fall für den HuffDuffer.

Ich bin ein Riesenfan – von Various Artists

Die Empfehlungen bei Spotify sind legendär. Auf der IA Konferenz, auf der ich im Juni war, wurden die wieder als sehr treffend gelobt. Ich glaube, von Hias Wrba, einem Münchener Konzepter. Das liegt an der Größe des Pools an vorhandenem Content. Oder anders: Wenn du nur einen Film von Paul Thomas Anderson hast, kannst du mir schlecht einen weiteren empfehlen, liebes Netflix. Aber Spotify hat viele Alben von Aimee Mann, daher kannst du mir auch andere Aimee Mann-Alben empfehlen.

Jetzt ist mir bei Spotify nach einer ähnlichen Logik etwas von dem Künstler von einem wunderbaren Album empfohlen worden. Sie kennen ihn alle, würde Jürgen von der Lippe jetzt in einer seiner Umbaupausen-überbrückenden Moderationen sagen.

Die Rede ist von…

Various Artists.

Wenn man bei der FreeDB nach Various Artists sucht, findet man mehr als eine halbe Million Einträge zu dem Stichwort. Diese 

Es ist klar, was ich sagen will. Spotify hat da einen Bug. Den melde ich hiermit. Ich habe ja keinen Zugang zum Jira bei Spotify.

Die User Story lautet:

Der Künstler Various Artists / Verschiedene Künstler / weitere Sprachen hier einfügen darf nicht mit weiteren Alben von diesem Künstler verlinkt werden. Das ist keine echte Entität, sondern nur ein Überbegriff (umbrella) für verschiedene Einzelkünstler.

Spotify-mehr-von-Various-Artists

Die Platte mit den Zombie-Coverversionen. ‚Tschuldigung, Jochen Distelmeyer

ARRRRR!

Das ist ein guter Einstieg, aber ich habe mich einfach so aufgeregt.

Drei Schritte zurück.

Ich hatte ja gelesen, dass der Sänger von Blumfeld jetzt allein Musik macht unter seinem wunderbar eingängigen Namen Jochen Distelmeyer. Sein neues Album „Jetzt zersägt er auch noch englische Pop-Hits mit seinem dünnen Stimmchen“ ist jetzt erschienen. Ich habe es gestern bei Spotify heruntergeladen, im Skip-Modus durchgehört und bin jetzt bereit, es zu verreißen. Von meinen Downloads entfernt habe ich es schon.

Ich war gewarnt. Jan Böhmermann und Olli Schutz hatten das Album in ihrer Radiosendung „Sanft und Sorgfältig“ bereits reichlich gedisst.

Dabei – für diese Art von Musik habe ich eine Schwäche. Meine Frau kann davon ein Lied singen. (Ich habe gerade einen Witz gemacht, toll was?) Wenn wir in Rosenheim frühstücken gehen, tun wir das bei Aran, und da läuft starbuckifizierte Musik, so nenne ich das. Spotify nennt das Kaffeehausmusik und es gibt sogar eine Playliste dazu, die ich gern höre.

Was ist das? Das sind ruhige, mellow Titel oder die akustischen Coverversionen von bekannten Titeln. Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Version von XOXO von John Mayer. Das bringt an dem Queen-Bee-Titel neue Facetten hervor.

Das ist auch mein Kriterium für eine gute Bewertung. Wird dem ursprünglichen Material etwas abgerungen, was vorher verschüttet war, oder wo vor lauter Komprimierung die Ohren vorher nicht darauf stoßen konnten?

Ein anderes sehr gelungenes Beispiel ist das gesamte Oeuvre von Postmodern Jukebox, die ich auch bei Patreon schon unterstützt habe. Das ist eine Band mit einem Spiritus Rector am Piano und wechselnden Sängern, die tolle Cover produzieren. Das Umbrella-Cover habe ich vor kurzem bei Facebook geteilt.

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Es ist Sonntagmorgen, Valentinstag noch dazu. Zeit für ein paar musikalische Sonnenstrahlen. Trotz des Titels zaubert…

Posted by Dominic Grzbielok on Samstag, 13. Februar 2016

Jetzt aber zu dir, Jochen Distelmeyer. Er blumfeldifiziert die Titel. Das ist so etwas wie das Schächten der Pop-Hymnen. Aus Bittersweet Symphonies von The Verve treibt er sowohl den Schmackes als auch die Verachtung eines Richard Ashcroft heraus. Es ist, als würde ein Zombie dieses Lied singen. Das Lied selbst wirkt todesgeküsst, es hat keinen Lebenswillen mehr. Sein größter Freund ist die Pause-Taste auf dem Smartphone-Display. Meine Frau hat das Majestätsbeleidigung genannt, aber es geht noch weiter. Distelmeyer macht sich die Lieder zu eigen, damit verlieren sie aber alles, was sie ausmacht.

Es gibt eine Ausnahme, das ist Toxic, der Britney-Spears-Titel. Da gibt es noch einen irren Kontrast zwischen dem Intellektuellen, der sich mit einem Stoff schmückt, der platter und hochglänzender nicht sein könnte. Das ist gesungene Ironie. Für einen Auftritt in einer Late-Night-Show wäre das großartig. Drei Minuten mit dem Kopfhörer sind nicht der richtige Rezeptionsrahmen für die Musik. 40 Minuten am Stück sind nachgerade der Tod.

Es gibt eine Welt, in der ich mir diese Distelmeyer-Destruktionen gut anhören könnte. Das ist, wenn er bei Jimmy Fallon zu Gast wäre. Die beiden jammen hinter der Bühne mit den Roots, und auch sein komisches, deutsch gefärbtes Englisch würde zur ironischen Diskussion mit beitragen. Die beiden probieren Lieder durch, die zu ihnen passen, und Fallon bringt die Inbrunst mit, die die Lieder brauchen, wenn man sie sich zu eigen macht. Je schräger die Zusammenstellung, umso besser. Ohne Inbrunst sind sie anämisch, werden wie schon angedeutet leblos. Ein charmant dahingeleiertes Lied wie Video Games bekommt von Distelmeyer den Todeskuss. Er führt das Lied durch seine Interpretation nicht auf eine neue Ebene, sondern richtet es zugrunde.

TL;DR

Das neue Album mit akustischen Coverversionen von Jochen Distelmeyer ist schlimm. Furchterregend schlimm.

Ja, lebt denn das alte Dampfradio noch?

Eher nicht. Die alte Denke lebt aber noch:

Der UKW-Werbemarkt wies laut ZAW-Statistik zuletzt rund 740 Millionen Euro Nettoerlöse auf. Streaming-Dienste und andere nicht-lineare Angebote kommen zurzeit noch nicht annähernd auf solche Summen.

Quelle: Radiowerbung: Fünf Schritte zur Automatisierung

Der Artikel geht zwar weiter mit einer Einschränkung, aber er geht am Nutzungsverhalten vorbei:

Wie kann ein Mediamarkt wie das klassische Radio sich fit machen für die Zukunft und sogar von den technologischen Errungenschaften der voranschreitenden Digitalisierung der Werbung profitieren?

Das hat mich sehr irritiert. Es kann es nicht. Akustische Informationsvermittlung hat eine Chance, aber auf Bedarf. Das eine Signal zu füllen, nur weil es technisch möglich ist, ist überholt.

Du bist dein eigener Programmchef, das ist die Realität für Digital Natives. Was YouTube fürs Sehen ist, gibt es auch fürs Hören. Radio setzt mir vor, was angeblich vielen gefällt. Aber mit den Charts kann ich auch nix anfangen. Das Unbundling, was die Fernsehsender erleben, und die Zeitungen hinter sich haben, gibt es auch beim Radio. Die Knappheit – Verfügbarkeit der Verbreitungswege war begrenzt -, die Radio ausmacht, ist zu Ende. Jeder kann Radio machen. Über Internet. Dieses Jahr (2015) dazu gekommen: Apple Radio. Ist auch falsch gedacht, ein Sender für alle, aber es ist einer, der ohne UKW auskommt.

Jetzt muss ich wieder ausholen. Ich habe eine Schwäche fürs Radio. Bis vor zehn Jahren habe ich noch fürs Radio gearbeitet, Nachrichten und Beiträge für den WDR geschrieben. Das habe ich beim Campusradio in Dortmund gelernt, das ich mit aufgebaut habe. In NRW bin ich nur noch manchmal zu Gast, aber Eins Live (oder wie auch immer man das schreibt) höre ich immer noch gern.

UKW-Radio in Bayern ist eine Katastrophe. Middle of the Road ist dafür noch übertrieben. Man fühlt sich wie ein Tierkadaver, wenn man morgens eine halbe Stunde Formatradio-Frühstücksprogramm gehört hat. Platt ist gar kein Ausdruck. Benutzt, bei so viel guter Laune. Aber Stopp, das Wortspiel passt nicht ganz: Eindruck hinterlässt das Programm nicht. Und es ist unhörbar.

Ich glaube, so geht es vielen Menschen in meinem Alter. Und noch mehr Menschen, die jünger sind. Ein bisschen unverschämt schiele ich oft auf Smartphone-Displays, was da so läuft. Meist ist es irgendein Player-Programm, oft genug auch Spotify.

Den Umsatz von CDs haben Streamingdienste noch nicht erreicht, aber das ist auch egal. Die neue Welt ist billiger, weil gestreamt wird und nur Bits übergeben werden, keine Atome.

Die Macht stark im Marketing ist

Ich habe die Schnauze voll. Den Film habe ich noch nicht gesehen, die letzten Trailer auch nicht. Aber Star Wars 7 kann man nicht ausweichen, egal, wo man hingeht. Mein Kind 1 bringt jeden Tag neue Ideen aus dem Kindergarten mit, weil die anderen Kinder alles zu Laserschwertern machen.

Kooperation Spotify und Star Wars

Spotify schießt jetzt den Vogel ab. Es gibt ein Tool, das deine Präferenzen mit den fiktiven musikalischen Präferenzen einer Figur aus der Saga vergleich. Ich bin angeblich R2-D2 am ähnlichsten.

Spotify Star Wars

Die vorgeschlagene Musik gefiel mir übrigens nicht.

Stickiness, die: Wie Produkte uns gefangen nehmen (AKA Lock-in)

Wer einen Service im Web oder als App baut, der braucht Argumente, damit die Nutzer bei diesem Service bleiben und nicht zu einem anderen wechseln. In meinem Job tagsüber habe ich im letzten Jahr das Konzept für 7TV.de gemacht, eine senderübergreifende Mediathek der ProSiebenSat.1 Media SE. Die mobile App gab es schon, und vom Mobile-Team gab es einen Stapel iPad-Scribbles als Startschuss. Bei Gelegenheit werde ich die auch veröffentlichen, wenn mein Kollege nix dagegen hat.

Dieses Produkt ist von Anfang an als Multiscreen-Anwendung von uns gedacht worden: Mobile App, Web App, Smart TV App usw. Mittlerweile ist die Mediathek auch für Kindle Fire Stick und TV verfügbar, auch für Android TV.

Was ist da der Lock-in? Das ist natürlich der Sendercontent der TV-Programme. Da es den aber auch anderswo gibt (zum Beispiel auf den Marken-Webseiten der Sender, für die ich auch in der Produktentwicklung verantwortlich bin), reicht das nicht aus. Wir haben den Livestream und die Convenience-Funktionen der Personalisierung dafür gebaut.

Andere Produkte, gerade solche mit einem monatlichen Preisschild für den Nutzer, müssen mehr tun, um weiter die Mitgliedschaft zu rechtfertigen. Ich bin zum Beispiel wie Millionen andere zahlender Spotify-Kunde. Warum bin ich das? Weil ich dort Ordnung in meine Sammlung von Musik gebracht habe. Diese Ordnung ist das, was ich in dieser Grafik auszudrücken versucht habe. imageDer Eigentumsbegriff bei Musik ist egal geworden, solange die Musik bei meinem Streaming-Dienst zur Verfügung steht, die ich hören möchte. Die Aufregung um Taylor Swift und ihre Musik, die es nicht bei Spotify gibt, wirft ein Schlaglicht auf den nicht unerheblichen Katalog an Musik, der nicht bei Spotify dabei ist. Für deutsche Hörer ist da etwa Herbert Grönemeyer, der fehlt.

„Das ist, wie wenn du einmal zehn Euro zahlst und dafür in allen Hamburger Restaurants essen darfst. Das ist völlig verrückt!“ – See more at: http://www.tonspion.de/neues/neueste/4966962#sthash.KWh3IDbA.dpuf

Herbert Grönemeyer

Was meine ich mit Ordnung? Ich habe meine Lieblingsmusiker gespeichert, außerdem Playlisten für verschiedene Zwecke angelegt (eine mit deutscher Popmusik etwa, eine für meine Kinder mit Liedern, die sie mögen). Das sind in etwa 30 Listen. Oder anders: strukturierte Informationen über meine Musikvorlieben. Spotify nutzt das, weil sie mir damit neue Musik empfehlen können. Mir nutzt das, weil ich die Musik auf allen Geräten, auf denen ich mich anmelde, zur Verfügung habe. In Kombination mit meinem Sonos-Ensemble daheim ist Musik nur ein paar Klicks in der ganzen Wohnung entfernt. Kein Schleppen von CDs, es streamt einfach sofort.

Meine eigene Arbeit hält mich jetzt bei Spotify gefangen. Zwar sind die Streaming-Anbieter mittlerweile alle einigermaßen featuregleich, aber es sind Silos. Es gibt kein einheitliches Format, um eine Playliste zu exportieren und woanders hin zu importieren. Die Anbieter sind sogar stark dagegen incentiviert. Sie würden ja damit Gefahr laufen, einen Kunden zu verlieren. Das ist für mich ärgerlich, weil ich nicht den niedrigeren Preis von Google Play ausnutzen konnte. Naja, wollte. Das Umziehen der Listen hätte eine Server-Installation auf meinem Rechner gebraucht. Die Alternative: Die Listen neu von Hand anlegen. Wahrscheinlich zwei Stunden Arbeit, aber das war es mir nicht wert.

Es ist eine idiotische Arbeit. Wahrscheinlich könnte ich günstig die Listen von Mechanical Turk-Arbeitern kopieren lassen, aber will ich auch nicht wegen Passworten und so.

iTunes hatte einst eine ähnliche Funktion für mich. Dort war mein Musikgeschmack dokumentiert. Aber weil Apple keine Services kann, hat das Unternehmen nix damit angefangen. Schon da war die Saat für einen Streaming-Dienst gelegt. Und wieser scheint Apple mit Music keine gute Software as a Service gelungen zu sein.

This is Europe Calling. Gedanken zum #ESC2015

Irland für die Homo-Ehe. Conchita eröffnet eine Dauer-Call-in-Sendung. Nach drei Minuten ist auch der größte Schmarrn zu Ende.

Und da sind auch schon die Briten. 

Wer als Nicht-Europäer an einem Samstag Ende Mai den Fernseher einschaltet, hält uns sicher für bekloppt. Und läge richtig. Der Eurovision Song Contest, den ich mal als französisch betitelt kennengelernt habe, verschiebt die Diskussion in Europa. Zwei Stunden wird nicht mehr über Schulden und Subventionen gestritten, und welche Finger man in der Öffentlichkeit gezeigt hat.

Sondern Menschen wählen sich die Finger wund, um ihrem Favoriten oder ihrem Heimatland, in dem sie nicht mehr leben, die Stimme zu geben. (Das läuft doch so, oder? Ich mache das nicht. Ich bin bei Twitter.)

Öffentlich-rechtlich Rundfunkanstalten geben sich alle Mühe, einen Abend und eine Woche auf ganz dicke Hose und ganz große Show zu machen. Die Stunde Panaschieren und Kumulieren, was schon bei hiesigen Wahlen nervt und mich ins Bett treibt, ist für echte Fans (bin also keiner) ein Muss.

Es ist große Gala, schlechter Geschmack, darauf schielen, was anderen gefallen könnte. Und am Ende gewinnt der, der sich selbst am treuesten bleibt. 

Ich bin auf die Twitter-Zahlen gespannt, ob wir die europäischen Rekorde aus der Fußball-Weltmeisterschaft knacken. Ich habe mir Mühe gegeben. 

Fremdschämen ist auch noch was, was den Abend prägt. Bis zur Halbzeit der Songs ging es noch erstaunlich ohne ab.

Blogidee absolut bestätigt: das Musical Venn. Ich habe darüber schon mal gebloggt – bei den Editors. Der Zypriot etwa, sieht aus wie Elvis Costello und singt wie Mr. Big. Epigonal. Nicht revolutionär wie Conchite. Gute Nacht.

Anfängerfrage zum Schluss: Wenn Australien gewinnt, findet der nächste #ESC2016 dann in Sydney statt?