WordPress bildet eine große Blase. Aber auch sie sollte anderen begegnen. Foto: Clem Onojeghuo / Unsplash
Dominic Grzbielok

Tag 1 beim WordCamp Europe 2017 in Paris: Thema Diversität

Design-Guru John Maeda (jetzt ein Manager bei Automattic) hat das Bild in meinen Kopf gepflanzt, das mein Verständnis von WordPress gut zusammenfasst: Die WordPress-Welt ist eine Blase, und damit diese wachsen kann (CMS-Marktanteil an Webseiten, Teilnehmer*innen in der Community), muss sie sich auch mit anderen Blasen reiben. Er hat diese nicht mit Namen genannt, aber in seinem Talk beim WordCamp Europe 2017 in Paris forderte er mehr Diversität in der Designarbeit. Wer für China designen will, muss Chinesen*innen im Team haben und am besten auch in China sein. Einfacher geht es nicht mehr. Und Maeda wies zurecht darauf hin, dass Design nicht nur das Anmalen einer Anwendung ist, sondern viel integrativer gedacht werden muss, wenn man eine gute, erfolgreiche Anwendung bauen will.

Maeda ist ein Suchender, einer, der Brücken bauen will. Sein Titel bei Automattic, der Firma hinter WordPress.com, Jetpack und WooCommerce: Global Head of Computational Design and Inclusion. Maeda ist in der Design-Welt und bei Startups ein Weltstar, anders kann man das nicht sagen. Von ihm stammt der Design-in-Tech-Report, den er seit ein paar Jahren veröffentlicht.

Caspar Hübinger (Twitter-Handle @glueckpress) sprach vor ihm, und auch ihm war mehr Inklusion wichtig: Sein Fokus liegt dabei auf mehr Rücksicht in der Sprache. Die generisch maskulinen Begriffe sind ihm dabei vor allem ein Dorn im Auge. So hat er schon vor einem Jahr Versuche gestartet, aus der Differenz von europäischen Sprachen, vor allem seiner Muttersprache Deutsch, Änderungen am Core von WordPress anzustoßen. Er selbst gab offen zu, dass er dabei ein bisschen kurzsichtig unterwegs war: Die Spracherfahrung von anderen Kulturen fehlte ihm einfach, und er hätte eine größere Diskussion gebraucht, um auf alle Anforderungen zu kommen. Das ist wohl im Gange.

Die Community lebt diese Ansprüche für mehr Teilhabe, das ist auf dem Kongress zu spüren. Anders als auf anderen Auch-Entwickler-Konferenzen ist der Frauenanteil relativ hoch, und der Code of Conduct, der für WordCamps entwickelt wurde, gilt auch hier, und er zielt auf eine angstfreie und respektvolle Umgebung ab. In den Begrüßungen wurde darauf ausdrücklich mehrfach hingewiesen.

Alle Freiwilligen, die einen so großen Event wie das WordCamp Europe 2017 in Paris erst möglich machen, können Teilnehmer*innen ansprechen, wenn sie sich schlecht behandelt fühlen. Auch Kinderbetreuung wird angeboten, für die Teilnehmer*innen, die mit Kindern anreisen. Die WordPress-Community mag einander, und man tut viel dafür, dass es so bleibt – ein Giveaway nach dem anderen.

Für mich sind das Besondere die Gespräche mit anderen Teilnehmern – was ist ihre Perspektive auf WordPress? Die ist oft ganz anders als die eigene. Im letzten Jahr habe ich auf einem WordCamp dazu den Vortrag „Die WordPress 1%“ gehalten. Wir sind alle die ein Prozent, weil wir alle unterschiedliche Wege gehen. Wir schillern. Wie Seifenblasen. 

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IndieWebCamp-Gründer Aaron Parecki bei der Session-Planung beim Indie Web Camp Nürnberg 2017, 20.5.17 (Foto: Dominic Grzbielok)

Mein IndieWebCamp 2.0

Manchmal muss man Metaphern benutzen, die man selbst eigentlich nicht mag. Alles, was Versionsnummer hochzählt, mag ich nicht. Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber ProSiebenSat.1 gab es für den Trend zum nicht-linearen TV-Konsum den Begriff TV 3.0. (Was 2.0 war, wurde meines Wissens nach nicht definiert.) In der Fachpresse der Businesskasper und Anzugträger gibt es den Begriff Industrie 4.0. Es meint letztlich die Digitalisierung der Industrienation Deutschland. Denn Deutschland hat den Trend zu mehr Software statt Hardware ein bisschen verschlafen und ist dort sicher nicht mehr Weltmeister.

Ich war jetzt also auf meinem zweiten IndieWebCamp in Nürnberg, weil das erste so gut war. Beim ersten Besuch, über den ich hier auch geschrieben habe, habe ich mir das PRogrammieren an meiner eigenen Webseite noch gespart. Die Sehnsucht nach der Familie war groß, sodass ich den Besuch in Nürnberg damals abgekürzt habe. Diesmal wollte ich aber rund um das Buch, an dem ich schreibe, mir auch eine zeitgemäße Autorseite erstellen. Dominic Grzbielok, Blogger, Journalist (Ironie, Freunde!), Produktmanager, Teamlead, Projektmanager, Buchautor. 

All das wollte ich mit Jekyll, einem Webseitengenerator für technisch affine Digitalmenschen, erstellen. Das habe ich nach einem halben Tag Problemen auch geschafft, die Seite ist auch inzwischen online. Schon, um mich unter Druck zu setzen, auch weiter an ihr zu arbeiten: http://dominic.grzbielok.de/

Mit das Beste daran: Damit sind in meinem Hosting-Paket wieder mal 200 MB frei geworden, weil ich die WordPress-Seite, die ich mal auf einen blauen Dunst in 2014 angefangen habe, gleich gelöscht habe. 200 MB für vier Artikel erschien mir etwas übertrieben. (Wenn ich noch ein paar weitere alte Projekte lösche, kann ich vielleicht das Paket auch downgraden, das ich bei dem Anbieter habe. Das ist ein eher mittelfristiges Ziel.)

Was habe ich also geschafft an diesem Code-Wochenende?

Damit bin ich nicht zufrieden. Aber ich bin auch kein Entwickler. Vielleicht habe ich mal irgendwann Zeit für ein richtiges Bootcamp. Lust hätte ich ja schon. Meine etwas weniger ambitionierte Jekyll-Seite zum Buch habe ich ja auch hinbekommen: http://www.relaunch-buch.de/ 

Ich habe bisher noch gar nichts über das Camp geschrieben. Aber wie immer war die Atmosphäre außerordentlich entspannt und kollegial, auch dank eines Code of Conducts, wirklich senioriger IndieWebCamp-Vordenker (Gründer Aaron Parecki; Gastgeber Joschi Kuphal; Agenturgründer Jeremy Keith). Aber gemeinsam allein haben wir alle an unterschiedlichen Projekten gearbeitet, daher ist ein direkter Vergleich kaum möglich.

 

 

 

 

 

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Mikrofon für Sprachaufnahmen, etwa für Podcasts

Podcasts – die Session beim Vocer Innovation Day 2016

Wenn es um journalistische Innovation geht, sind derzeit Podcasts nicht weit. Was sind Podcasts? Für uns Oldtimer sind das RSS-Feeds mit langen Wortbeiträgen (meistens Wort, manchmal auch mit Musik versehen). Oder anders: ein kostenloses Spotify für längere Wortbeiträge.

Längere – das steht für alles über zehn Minuten. Wie die Besucher des Workshops „Podcasts“ auf dem Vocer Innovation Day 2016 in Hamburg festgestellt haben, sind Podcasts in Deutschland in großen Teilen Zweitverwertungen von langen Hörfunkproduktionen aus den Rundfunkanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Warum ist das so? Der Rundfunkstaatsvertrag steht dagegen (PDF). Vereinfacht gesagt: Sendungsbegleitende Downloads sind machbar, alles andere ist schwieriger, weil es der ausdrücklichen Genehmigung bedarf – funk fällt etwa unter diese Regeln:

„Ist ein neues Angebot oder die Veränderung eines bestehenden Angebots nach Absatz 1 geplant, hat die Rundfunkanstalt gegenüber ihrem zuständigen Gremium darzulegen, dass das geplante, neue oder veränderte, Angebot vom Auftrag umfasst ist. Es sind Aussagen darüber zu treffen,

1. inwieweit das Angebot den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht,
2. in welchem Umfang durch das Angebot in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beigetragen wird und
3. welcher finanzielle Aufwand für das Angebot erforderlich ist. Dabei sind Quantität und Qualität der vorhandenen frei zugänglichen Angebote, die marktlichen Auswirkungendes geplanten Angebots sowie dessen meinungsbildende Funktion angesichts bereits vorhandener
vergleichbarer Angebote, auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zu berücksichtigen. Darzulegen ist der voraussichtliche Zeitraum, innerhalb dessen das Angebot stattfinden soll.“

Es gibt aber auch eine Nähe bei den handelnden Personen im Podcast. Podcastmacher kommen oft aus dem öffentlich-rechtlichen System. Einfach deshalb, weil dort viele der Wortmacher zum Hören arbeiten. Im Privatradio wachsen eher Moderatoren heran, nicht so sehr Beitragsgestalter und Menschen, die vom Inhalt her kommen. Behaupte ich mal.

Das sah man auch bei den Podcastern, die die Vocer-Konferenzmacher für den Workshop gewinnen konnten:

Was meint Klein damit? Was sind Corporate Produktionen? Er macht formal ähnliche Podcasts wie seine eigene, macht diese auch als lange Interviews – aber bei Resonator etwa für die Helmholtz-Forschungsgemeinschaft. Das ist PR für eine wissenschaftsinteressierte Zielgruppe. Die ist etwa 20-50.000 Downloads pro Folge groß. Das lohnt sich also nur dann, wenn eine finanzkräftige Institution dahinter steht. In den USA ist das ein Content Marketing-Trend, den etwa General Electric erkannt hat.

In Deutschland kann man mit Podcasts noch nicht richtig Geld verdienen, meint Klein. Beziehungsweise: Darauf sollte man es nicht anlegen. Ich finde das eine Frechheit, auch wenn er das charmant verpackt hat. Denn: Die Einstiegshürden sind beim Podcasting nur wenig höher als beim Bloggen, wie er auch selbst beschreibt. Mit ein paar hundert Euro kann man beinahe in den Radios sendefertiges Material erzeugen, das war früher viel teurer. Und um sein eigenes Format zu finden, reichen auch die Aufnahmemöglichkeiten des iPhones völlig aus. Und etwas anzufangen, ohne zu wissen, dass man damit irgendwann mal die Miete zahlen kann, ist irgendwie nicht besonders erwachsen.

Wie man aus der Reaktion der Teilnehmer des Workshops Podcast merkt, fehlt aber vielen Neulingen der Zugang – zum System, weniger zum Thema. Radio ist eine schwer einnehmbare Festung, wenn man nicht über ein Netzwerk in die Anstalten verfügt. Und wer nicht über diese Beziehungen Rundfunktechnik einatmet, wird ein bisschen abgeschreckt beim Einstieg in die Szene. Klein gibt auch zu, dass das Fachsimpeln bei der Aufnahmetechnik schlimme Züge annehmen kann und preislich beim Equipment eines Radiomachers /Podcasters keine Grenzen nach oben gesetzt sind.

Als Podcasthörer muss ich sagen, dass ich empfindlich bin, was die Aufnahmequalität angeht. Wenn ich im Auto einen Podcast höre und die Lautstärke auf das Maximum anheben muss, sowohl am Signal auf dem Smartphone als auch auf dem Aux-In-Signal im Autoradio, aber die Sprache eines des Sprechers dennoch dem Windgeräusch auf der Autobahn nicht gewachsen ist, ist der Griff zum Skip-Button schnell gemacht. Ein Aufruf an alle Podcastmacher in eigener Sache: Hört euch eure Produktion mal unter ungünstigen akustischen Bedingungen an. Nicht im abgehängten Studio und auch nicht im Schrank, sondern in der U-Bahn, im Bad in der Nähe der Dusche und vor allem im Auto. Ein anderes vermeidbares Artefakt aus sehr einfachen Audioproduktionen sind Ploppgeräusche des Sprechers, wenn er zu hastig in Mikrofonnähe artikuliert. Ich bin da auch gefährdet, man kann da über die richtige Mikrofonhaltung viel lernen

Und weil ich möchte, dass mehr Einsteiger in die Podcastszene kommen, hier ein paar Tipps:

Was sind denn die Geschäftsmodelle für Podcasts? Da wurde ich in der Session nicht schlauer. Darüber wurde nicht so richtig gesprochen, sieht man von Gesamtfinanzierungen für Produktionen durch die Rundfunkanstalten oder Corporate Sponsors ab. Die scheinen aber wichtig zu sein, siehe Resonator oder die General-Electric-Produktionen.

In den USA haben darüberhinaus Direktvertriebler Podcasts für sich entdeckt. Casper, das sind die mit den Matratzen, die man online kaufen und 100 Tage testen kann, wirbt viel. In This Week in Google, einem meiner Lieblings-Podcasts, kommen auch andere Onlinevertriebler als Kunden vor – Domainverkäufer Hover, Projektmanagementtoolhersteller Basecamp und Essenslieferant Blue Apron.

Wer in der US-Szene ein bisschen herumhört, wird diese und vor allem das Geschäftsmodell des Direktvertriebs über das Internet immer wieder antreffen. Über Promocodes wird die Zuweisung der Vertriebserfolge (Attribution) geregelt, und vielleicht auch ein bisschen über Spikes an Veröffentlichungstagen. Hier sind die gleichen Ungenauigkeiten in der Zählung ein Problem wie bei Fernsehwerbung – wie viel des Traffics kann man einer bestimmten Marketingmaßnahme zuschreiben und wie viel entspricht dem eigentlichen Grundrauschen auf meiner Landingpage.

In Deutschland ist Viertausendhertz der Vorzeige-Vermarkter und Publisher für Podcasts. Sponsor-Ansagen werden hier auch von den Presentern vorgelesen und sind etwa eine Minute lang. Aber es gibt auch andere Werbeformen, wie Banner-Werbung auf den Detailseiten der einzelnen Podcast-Folgen. Wie gesagt: Das muss man sich als Neu-Podcaster zusammensuchen. Wie so oft bei Konferenzen mit Inhaltemachern – die Geschäftsmodelle werden nicht immer mitgedacht.

Dortmunder U bei Nacht

Klassentreffen, die zweite

Niemand misst die Unterhaltungsqualität von universitären Veranstaltungen an professionellen Maßstäben. Insofern finde ich, muss ich mich rechtfertigen, warum ich das bei der 40-Jahr-Feier des Uni-Instituts, an dem ich studiert habe, tue.

Wenn Journalisten-Ausbilder angehende Journalisten unter dem Applaus von amtierenden Journalisten in die Praxis entlassen, sieht das anders aus. Dann sollten die Ansprüche an den Rahmen höher sein. Finde ich.

Als ich vor mehr als zehn Jahren mein Diplom erhalten habe, war das eine eher schmucklose Veranstaltung auf dem Campus, in einer Verköstigungseinrichtung des Studentenwerks. Getragen wurde der feierliche Spirit vor allem von den stolzen Blicken der Absolventen-Eltern, die zum letzten Mal ein solches Event besuchen durften – wer promoviert schon?

Diesmal wurden die Absolventen des Jahrgangs 2016 im View im Dortmunder U verabschiedet, dem markanten Ziegelturm neben dem Dortmunder Hauptbahnhof, der früher einmal Teil einer Brauerei war – wie es sich für Dortmund so gehört.

Nicht im Elfenbeinturm Campus, sondern mitten in der Stadt. Sogar hinter den Kulissen. Am U befinden sich nämlich weithin sichtbare Flachbildschirme, die Kunstinstallation zeigen. Dahinter, genau hinter den beweglichen Augen des Turmes, fand die Übergabe der Diplome und die Feierstunde zum Institutsgeburtststag statt. Trefflicher hätte man eine Location nicht auswählen können, finde ich. Die Journalisten treffen sich hinter laufenden Bildern, man kann ihnen dabei zusehen, wie sie neue Inhalte kreieren. Eigentlich müsste man die Party-Location für ein hippes Neue-Medien-Ding kaufen, die Metaphern in der Gründerberichterstattung würden Ringelreihe tanzen.

Was hat mich also gestört? Studierende bzw. AbsolventInnen moderierten die Fachpodien, die man im Kolloquiumsstil auf die Bühne gebracht hatte. Leider war dabei aber bei einem Podium die Aufgabenstellung so derart breit („Pressefreiheit – was nun?“), dass es eines erfahreneren Moderators bedurft hätte, um das Gespräch zu einem Erfolg hätten werden lassen. Das bestimmte den Ton für den Tag, leider.

Die Qualität der Gäste war hoch. Welches Institut kann schon einen Institutsprofessor mit der Moderationserfahrung eines Michael Steinbrecher aufbieten? Oder auch Jochen Wegner, den Chefredakteur von Zeit Online. Frank Plasberg kennt man wohl auch. Und der Intendant des WDR, Tom Buhrow, hielt eine launige Keynote. Sein Videogeschenk war eins der Highlights – so gibt es aus der Gründungszeit des Instituts für Journalistik einen Beitrag des WDR über die Einrichtung. Ich sage mal so – die Protagonisten sind nicht in Würde gealtert.

Für mich war das 40-jährige Jubiläum ein echtes Fest: den Trauzeugen gesehen, Lieblingskommilitonen und -dozenten, außerdem mit zwei ehemaligen Chefs gut verstanden. Besser kann so ein Tag an der alten Hochschule ja nicht verlaufen. Sogar für die Arbeit habe ich noch einen Anknüpfungspunkt mitgenommen, die Abschlussarbeit eines der Absolventen, die toll in der verteilten Broschüre aufgearbeitet wurden.

Warum Klassentreffen?

Warum diese Überschrift? Mein erster Post zu einem Klassentreffen hat gut funktioniert. Ich hoffe, ich kannibalisiere jetzt nicht meine Rankings zum Thema. Und es war ein Klassentreffen, auch wenn es nichts mit der Schule zu tun hatte.

Begrüßung beim WordCamp Cologne

Rückblick: Wie war das WordCamp Cologne?

Ich habe vor kurzem darüber geschrieben, dass ich selbst überrascht war, dass ich mich für den Besuch des WordCamp Cologne entschieden habe. Aber irgendwas an der Erfahrung in Wien und meiner kurzen (1 Jahr) intensiven Beschäftigung mit WordPress hat mich veranlasst, noch mal 20 Euro für ein Ticket und viel mehr für die Reisekosten auszugeben. Und ich bin glücklich, dass ich das getan habe.

Gehen wir einen Schritt zurück. Meines Wissens gab es in München noch nie ein WordCamp, und das nächstgelegene in Nürnberg habe ich 2016 nicht besucht, weil ich lieber zum gleichzeitig stattfindenden Indie Web Camp gefahren bin (war auch richtig so, ich habe über das Camp geschrieben). So war das bisher größte WordCamp überhaupt, das 2016er WordCamp Europe in Wien, mein erstes WordCamp. Und das ist kein typisches. Es ist eine Erfahrung, die eher an eine Konferenz grenzt – mit vollem Community-Anschluss. 2000 Leute.

In Köln waren es um die 100, da konnte man als guter Netzwerker mit einem Großteil sprechen. Die Qualität der Teilnehmer war wirklich beeindruckend. In einer Kaffeepause stellte ich auf einmal fest, dass ich mit Bernhard Kau rede, dessen Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Integration von Elasticsearch auf Heroku mit ElasticPress ich jetzt schon zwei mal befolgt habe. Anderen Teilnehmern konnte ich Tipps aus meiner Praxis geben. Dafür sind doch Community-Treffen da. Deine Helden/Vorbilder zum Anfassen, und du gibst etwas zurück.

Ich bin kein guter Netzwerker, Partys sind für mich der Horror. Daher finde ich Veranstaltungen wie die in Köln, wo die Anzahl der Teilnehmer noch unter der Dunbar-Zahl bleibt, sehr angenehm. Und bei einem Bar-Camp mit immer vier Paralleltracks bietet sich die Gelegenheit zum Austausch in den Sessions (7 hintereinander, sehr viel Futter), in den engen Gängen in der Kölner Co-Working- und Startup-Location Startplatz in den Kaffeepausen und beim leckeren Essen.

Bei vier Tracks ist es immer schwer, über „DAS“ WordCamp Cologne oder die Konferenz zu schreiben, weil jeder eins/eine andere erlebt habt. Für mich hat sich Köln sehr gelohnt. Ich habe einen guten Überblick über die Szene bekommen, von WordPressdesignern bis hin zu Plugin-Autoren.

Ich bin vor allem froh über einige neue Kontakte, die sich bereits per Mail, Twitter oder sonst vertiefen ließen. Und darüber, dass ich mich dazu habe hinreißen lassen, eine Session beim WordCamp Cologne zu leiten. Ganz spontan. Ohne Vorbereitung. Darauf bin ich stolz.

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Eingangsbereich der IBC 2016 in Amsterdam. Foto: eigene Aufnahme

Konferenzbesuche, erste Male: IBC, 2016

Dass ich Tulpen mitbringen werde, ist nicht so klar. Jeder Redakteur, der sein Geld wert ist, hätte mir diesen Satz gestrichen. (Wo sich Blogger und Journalisten unterscheiden. Blogger sind die ohne redigierenden Redakteur.) IBC ist für die TV-Branche und das Radiogeschäft das, was die IAA oder der Genfer Salon für die Autowelt sind: Nabel der Welt für die Zeit, in der sie stattfindet.

Prospekte werden auch aus Tulpen gemacht, oder? Dann bringe ich verwandelte und für die Ewigkeit wie Ikea-Pakete flach gefaltete Tulpen mit. Und viele gute Gespräche. Denn darum geht es bei Messebesuchen doch: eine persönliche Verbindung zu einem aktuellen oder einem künftigen Lieferanten oder Partner herstellen, dem Kontakt vom Telefon oder vom E-Mail-Verkehr mal ein Gesicht verpassen können. 

So habe ich tatsächlich dem CTO für das Produkt, das wir bei TargetVideo für die Verwaltung unserer Video-Assets mal die Hand schütteln können und dem Account Manager unsere Featurewünsche nennen können. Eine schöne, direkte Erfahrung, die hoffentlich viele Kunden mit ihren Vendoren auf der Messe haben machen können.

VR

Wer sich die Trends der Messe ansieht, wie man das auch als guter Messeberichterstatter macht, sieht, dass die meisten Prognosen etwa dieses Anbieters vom Anfang des Jahres eintreffen.

VR will take off for real. 2016 will not be the year of VR, but hype or not, VR is here to stay in one form or another.

Mir wird immer noch speiübel von dem Zeug, egal, ob es Oculus Rift oder Ozo oder sonst noch etwas ist. Ich bin der Edge Case. Außerdem war ich von der Pixeligkeit der Darstellung nicht besonders begeistert. Meine Brille beschlug in der Kombination von Transpiration, Konzentration und engem VR-Helm. Auch scheint mein Kopf (65er Umfang, nein, kein Wasserkopf) ein bisschen zu groß zu sein für die klassischen Maße der Hardwarehersteller. 

Ich will es gut finden, diese Virtual Reality, schon seit meinem Besuch in einem Fraunhofer(?)-Labor im Studium, Ende der neunziger Jahre. Aber so ganz den Durchbruch habe ich da noch nicht geschafft. Es wird aber passieren.

Drohnen

Wahrscheinlich viel praktischer, und auch für den Journalismus besser monetarisierbar: der Einsatz von Drohnen für Dreharbeiten. Ich glaube, Drohnen sind die neuen Webcams. Ohne sie wird in Zukunft kein Unternehmensvideo, keine Tourismusverband mehr auskommen. Transparenz herstellen kann man damit wunderbar – und sie kosten nicht viel. Spannende Ankündigungen wie die von DJI oder GoPro kamen erst nach der Messe, aber wer hier auf dem Laufenden bleibt, hat sicher volle Auftragsbücher.

Kino kämpft

3D kam und normalisierte sich. Jetzt ist mit Dolby Atmos, 120 Bildern pro Sekunde und Laserprojektion ein neues Technikrennen im Gang, um Kino noch großartiger zu machen, als es ist. Eine Sondervorführung von „The Revenant“ hat mir gezeigt, wie toll Kino sein kann. Leider ist das Lichtjahre und mehrere Stufen in der Projektorhelligkeit in real existierenden Multiplexkinos entfernt. 

In eigener Sache

Ich hätte damals doch zu den Pfadfindern gehen sollen. Auf ein paar Tischen im Meetingbereich wird das WLAN-Passwort verraten. Leider habe ich die aber trotz mehrerer Runden über die Messe erst eine Stunde vor der Abreise gefunden. Meine Kollegen haben daher die Mails erst abends bekommen. Und mein Smartphone hielt, anders als auf den meisten anderen Messen oder Konferenz, akkumäßig den ganzen Tag durch. Kein WLAN, kein Roaming. Hach.

Also on:
Twitter-CEO Jack Dorsey im Interview auf der dmexco 2016, per Live-Chat

Wenn deine App nix taugt, wie glaubwürdig bist du dann als Digitalmesse, dmexco?

Don’t judge a book by its cover
Englisches Sprichwort, entstanden etwa 1860

Natürlich sollte man das nicht tun, aber hässliche Cover haben es bei mir zumindest schwer. Sollte man digitale Veranstaltungen nach ihren digitalen Produkten beurteilen? Ich finde, man kann sie zumindest daran messen. Im September war ich also auf der dmexco in Köln, der Leitmesse der Digitalbranche in Deutschland und den mit Deutschland am meisten handelnden Ländern. Es wurde viel Holländisch gesprochen, aber noch mehr Englisch. Google, Facebook, Microsoft, YouPorn – all diese und noch viele mehr waren in der Kölnmesse Mitte September, um Geschäfte zu machen und Kontakte zu pflegen.

Und wie sich das für eine Messe gehört, die ein gewisses Größenmaß überschreitet, hat die dmexco auch eine App. Die war aber so fehleranfällig, dass ich mehrere Gespräche beim Vorbeigehen belauscht habe, die sich darum drehen, wie schlecht die App ist. Was kritisiere ich genau?

Wenn ich eine Digitalagentur hätte, würde ich nach der Messe einfach mal blind ein neues Konzept pitchen – und ich hätte auf der Messe Gespräche mit potenziellen Nutzern geführt. Leider hat das die Befragung durch die Messe selbst nicht abgedeckt. Die habe ich ausgefüllt, und da war ich auch so kritisch wie ich das hier zusammengeschrieben habe. Von daher sagt mir nicht: Warum hast du uns das nicht direkt gesagt? Habe ich, aber auf den Tablets konnte man längere Texte wie diesen hier auch unheimlich schlecht tippen.

Foto: Cristian Ungureanu, WordCamp Europe 2016 Wien, eigene Montage

Satire: Diese Konferenzteilnehmer hasse ich, #WordCamp-Edition #wceu

Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind natürlich nicht beabsichtigt. Eine kleine Satire. Oder Rant, wie du magst.

Mehr als Copy & Paste ist schwer. Ich fange auch oft so an, ich nenne mich aber auch nicht Entwickler. Erste Schritte beginnen jenseits von Copy and Paste, etwa so.

Das größte WordCamp kostet 40 Euro. Die größte Typo3-Konferenz 590 Euro

Und zwar allein für das Ticket. Die Reisekosten sollten bei beiden Städten (Wien, München) etwa gleich hoch sein. Hier gibt es die Tickets: t3con.

Das ist kein besonders hoher Preis für eine Konferenz, Google IO oder WWDC sind teurer, aber dennoch ein weiteres Indiz für die Beliebtheit von WordPress. Bei beiden Ticketpreisen kommen ja noch die Reisekosten hinzu. Die kann man staffeln – von Couchsurfing bis zum 5-Sterne-Hotel ist alles dabei.

Aber eine Reise für annähernd 1000 Euro – die muss man als Mitarbeiter erst einmal gegenüber dem Chef / der Reisekostenverantwortlichen verantworten. Das ist mir in meiner Karriere nur bei sehr wichtigen Events gelungen. Etwa bei DER Messe zu einem Thema, wo man mit einem Stand vertreten war. Für eine Entwicklerkonferenz in Deutschland ist das eher schwierig, zumal in kleinen Unternehmen.

Tassen sind meine Brotkrumen, meine T-Shirts

Vor einiger Zeit habe ich schon darüber geschrieben, dass ich in einer Hinsicht meiner Mutter gleiche. Das ist natürlich nicht die einzige. Auch ich trinke Kaffee, in Stresszeiten auch mal den ein oder anderen Kaffee zu viel. Und andere Eigenschaften habe ich auch geerbt/übernommen. Anlage/Umwelt ist da eigentlich egal, das Ergebnis kommt auf das gleiche heraus. Heute soll die Rede von Tassen sein. Tee, Kaffee, egal. Ich trinke beides. Meist aus großen Kaffeetassen, Haferl nennen das die Bayern, Mugs die englischen Muttersprachler.

Tassen sind ein beliebtes Mitbringsel, nicht nur allgemein für Touristen, sondern auch für mich als Reisenden im Speziellen. Aus Las Vegas habe ich meiner Mutter einen Kaffeepott mitbringen wollen, auf der das bekannte Ortsschild abgebildet ist. Das war gar nicht so leicht. Aber es hat funktioniert. Und ich bringe mir auch Tassen aus Shops mit, die mir besonders gut gefallen. Aus Museumsshops etwa.

So gibt es in unserem Küchenschrank eine Art Brotkrumenpfad durch die Orte und Städte, wo ich schon einmal war. Auch wenn der Transport meist schwierig war (viele Shops haben weder Seidenpapier noch Luftpolsterfolie zum Einpacken): Eine Tasse habe ich mir von vielen Orten mitgebracht. Irgendwann wurden es aber zu viele Tassen, und die Tassen meiner Frau zu bunt. Normalerweise nutzen wir nämlich weiße Vivo-Tassen. Meinen Kaffee trinke ich auch am liebsten aus einem Bol-artigen Gefäß. All die bunten Merchandising-Tassen mit Logos sind dann zweite Wahl.

Deshalb habe ich angefangen, meinen Tassen-Brotkrumenpfad auf meine Arbeitgeber auszuweiten. Mein alter Arbeitgeber hatte in einem frisch renovierten einen Tassenvernichtungsbefehl ausgegeben – es sollten idealerweise nur noch die weißen, vom Arbeitgeber gestellten Tassen benutzt wurden. Mit der Zeit wurde das aufgeweicht. Tassenliebhaber gibt es überall, und auch so etwas wie Monogramme auf den Tassen sind beliebte Giveaway-Tassen geworden.

Auf der letzten Konferenz, auf der ich war (dem WordCamp Europe 2016), waren die Tassen fast so beliebt wie T-Shirts. Eine Plesk-Tasse findet sich jetzt auch bei TargetVideo im Schrank, und ich habe ein paar Tassen weniger im Schrank. Daheim.

Aber bei meinem jetzigen Arbeitgeber TargetVideo hat sie ein gutes Heim gefunden! Genauso wie die ran-Tasse, die ich mitgebracht habe – perfekt für Tee. Oder den Typografie-Mug von Hoefler Fonts mit ihren unzähligen Ampersands – kaufmännischen Und-Zeichen.

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