Ich hasse Klatschen

Für mich hat der Umstieg vom Herz auf die klatschende Hand bei Medium genauso viel Verdruss gebracht wie denjenigen, die das Herz bei Twitter kritisiert haben. So habe ich bei Medium eine Geschichte gelesen, die ich unterstützen wollte:

I built a chatbot in 2 hours and this is what I learned: „Clapping shows how much you appreciated Shival Gupta’s story.“

(Via.)

Aber Klatschen für eine Geschichte, die eher beruflich relevant ist?

Das passt nicht zu mir. Ich klatsche nicht bei Schlagern mit und auch nicht bei einer Polonaise. Aber ohne das Feedback kann ich mich nicht bedanken.

Können wir nicht bitte zurück zum Herz gehen, Medium?

Mein IndieWebCamp 2.0

Manchmal muss man Metaphern benutzen, die man selbst eigentlich nicht mag. Alles, was Versionsnummer hochzählt, mag ich nicht. Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber ProSiebenSat.1 gab es für den Trend zum nicht-linearen TV-Konsum den Begriff TV 3.0. (Was 2.0 war, wurde meines Wissens nach nicht definiert.) In der Fachpresse der Businesskasper und Anzugträger gibt es den Begriff Industrie 4.0. Es meint letztlich die Digitalisierung der Industrienation Deutschland. Denn Deutschland hat den Trend zu mehr Software statt Hardware ein bisschen verschlafen und ist dort sicher nicht mehr Weltmeister.

Ich war jetzt also auf meinem zweiten IndieWebCamp in Nürnberg, weil das erste so gut war. Beim ersten Besuch, über den ich hier auch geschrieben habe, habe ich mir das PRogrammieren an meiner eigenen Webseite noch gespart. Die Sehnsucht nach der Familie war groß, sodass ich den Besuch in Nürnberg damals abgekürzt habe. Diesmal wollte ich aber rund um das Buch, an dem ich schreibe, mir auch eine zeitgemäße Autorseite erstellen. Dominic Grzbielok, Blogger, Journalist (Ironie, Freunde!), Produktmanager, Teamlead, Projektmanager, Buchautor. 

All das wollte ich mit Jekyll, einem Webseitengenerator für technisch affine Digitalmenschen, erstellen. Das habe ich nach einem halben Tag Problemen auch geschafft, die Seite ist auch inzwischen online. Schon, um mich unter Druck zu setzen, auch weiter an ihr zu arbeiten: http://dominic.grzbielok.de/

Mit das Beste daran: Damit sind in meinem Hosting-Paket wieder mal 200 MB frei geworden, weil ich die WordPress-Seite, die ich mal auf einen blauen Dunst in 2014 angefangen habe, gleich gelöscht habe. 200 MB für vier Artikel erschien mir etwas übertrieben. (Wenn ich noch ein paar weitere alte Projekte lösche, kann ich vielleicht das Paket auch downgraden, das ich bei dem Anbieter habe. Das ist ein eher mittelfristiges Ziel.)

Was habe ich also geschafft an diesem Code-Wochenende?

  • Informationsarchitektur für die Seite und auch die Homepage erstellt
    • Am meisten gleicht das einer Webseite, die ein Autor für sich erstellen würde – zum Start will ich in etwa die Informationsdichte eines Onepagers haben. Also einer Website, auf der man mit Scrollen allein navigieren kann und einen Überblick bekommt.
  • Trello-Board mit To-Dos angelegt und befüllt
  • Jekyll-Seite geklont, Theme lief nicht
  • wieder, nach Anpassungen gelöscht (Rinse and Repeat, 3x)
  • wieder, neues Theme ausprobiert
  • Gem für Push zu S3 installiert
  • S3-Bucket angelegt
  • CloudFront-Distribution angelegt
  • Begonnen, an Jekyll-Collections zu arbeiten

Damit bin ich nicht zufrieden. Aber ich bin auch kein Entwickler. Vielleicht habe ich mal irgendwann Zeit für ein richtiges Bootcamp. Lust hätte ich ja schon. Meine etwas weniger ambitionierte Jekyll-Seite zum Buch habe ich ja auch hinbekommen: http://www.relaunch-buch.de/ 

Ich habe bisher noch gar nichts über das Camp geschrieben. Aber wie immer war die Atmosphäre außerordentlich entspannt und kollegial, auch dank eines Code of Conducts, wirklich senioriger IndieWebCamp-Vordenker (Gründer Aaron Parecki; Gastgeber Joschi Kuphal; Agenturgründer Jeremy Keith). Aber gemeinsam allein haben wir alle an unterschiedlichen Projekten gearbeitet, daher ist ein direkter Vergleich kaum möglich.

 

 

 

 

 

The WordPress 1%: Lektionen aus dem Scaling auf 1 Million Nutzer

Der Aufruf war unmissverständlich: Wenn du zum ersten Mal auf einem WordCamp bist, mache eine Session. Ich habe das nicht geplant, und ich wollte es auch nicht tun. Aber dann kam der Moment der Sessionplanung beim WordCamp Cologne 2016 und da war noch eine Lücke – also habe ich meine Session gepitcht.

Seit einem Jahr beschäftige ich mich intensiver mit WordPress. Und zwar als CMS für Magazinseiten. Das ist schon mehr als WordPress von Haus aus eigentlich kann. Das Besondere an Magazinseiten ist nämlich, wenn man mit menschlichen Redakteuren zusammenarbeitet, dass diese die Magazinseiten auch händisch bestücken wollen mit Teasern. Im alten Zeitschriftensprech hieß das Komponieren. Etwas Ähnliches tun auch Onlineredaktionen noch. Die Mischung muss auch hier stimmen. Henri Nannen wäre froh, wenn er das noch mit erleben könnte.

Und so haben wir uns in der Anfangszeit des Verticalbetriebs bei TargetVideo für den Site Builder Visual Composer entschieden. Der stellte sich dann bald als eher ein Problem denn als eine Lösung heraus. Deshalb sind wir dabei, den aus unseren Verticals wieder zu entfernen. Das war eins der wichtigsten Learnings.

Aber auch andere betreiben große WordPress-Installationen, von denen kann man lernen. So etwa von zwei Artikeln, die haarklein schildern, wie man auf AWS WordPress zum richtigen Laufen bringt. Das ist nämlich nicht trivial. WordPress ist nicht dafür gedacht, auf einem verteilten Stack zu laufen. Dafür muss man einiges tun.

Anstatt sich meinen Vortrag anzusehen, kann man auch einfach zwei Blogposts folgen, die ich aus vollem Herze empfehlen kann: beim Cloudonauten (https://cloudonaut.io/wordpress-on-aws-you-are-holding-it-wrong/) und bei Big Bite Creative (https://bigbitecreative.com/scalable-wordpress-with-aws-elastic-beanstalk/)

Mir ging es bei dem Vortrag nicht um Kundengewinnung oder Kudos von der Community. Mir ging es um Feedback: Ist der Weg mit Elasticache der richtig? Kann man mit Advanced Custom Fields Visual Composer ablösen? Oder kommt man dann bloß in eine andere div-Hölle?

Hier sind meine Folien. Außerdem habe ich sie bei Slideshare zur Verfügung gestellt, damit ich dort von der besseren Auffindbarkeit profitieren kann.

Sobald die Videos online sind, füge ich im folgenden Absatz noch den Link ein:

Und hier ist mein Vortrag, bei dem es sich lohnt, zur Diskussion zu skippen – ich hoffe, die wurde auch aufgenommen. Für die Diskussion habe ich den Vortrag nämlich gehalten. Das Feedback, das ich da bekommen habe, hätte ich in so kurzer Zeit im Netz in der Community nie zusammenbekommen.

Rückblick: Wie war das WordCamp Cologne?

Ich habe vor kurzem darüber geschrieben, dass ich selbst überrascht war, dass ich mich für den Besuch des WordCamp Cologne entschieden habe. Aber irgendwas an der Erfahrung in Wien und meiner kurzen (1 Jahr) intensiven Beschäftigung mit WordPress hat mich veranlasst, noch mal 20 Euro für ein Ticket und viel mehr für die Reisekosten auszugeben. Und ich bin glücklich, dass ich das getan habe.

Gehen wir einen Schritt zurück. Meines Wissens gab es in München noch nie ein WordCamp, und das nächstgelegene in Nürnberg habe ich 2016 nicht besucht, weil ich lieber zum gleichzeitig stattfindenden Indie Web Camp gefahren bin (war auch richtig so, ich habe über das Camp geschrieben). So war das bisher größte WordCamp überhaupt, das 2016er WordCamp Europe in Wien, mein erstes WordCamp. Und das ist kein typisches. Es ist eine Erfahrung, die eher an eine Konferenz grenzt – mit vollem Community-Anschluss. 2000 Leute.

In Köln waren es um die 100, da konnte man als guter Netzwerker mit einem Großteil sprechen. Die Qualität der Teilnehmer war wirklich beeindruckend. In einer Kaffeepause stellte ich auf einmal fest, dass ich mit Bernhard Kau rede, dessen Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Integration von Elasticsearch auf Heroku mit ElasticPress ich jetzt schon zwei mal befolgt habe. Anderen Teilnehmern konnte ich Tipps aus meiner Praxis geben. Dafür sind doch Community-Treffen da. Deine Helden/Vorbilder zum Anfassen, und du gibst etwas zurück.

Ich bin kein guter Netzwerker, Partys sind für mich der Horror. Daher finde ich Veranstaltungen wie die in Köln, wo die Anzahl der Teilnehmer noch unter der Dunbar-Zahl bleibt, sehr angenehm. Und bei einem Bar-Camp mit immer vier Paralleltracks bietet sich die Gelegenheit zum Austausch in den Sessions (7 hintereinander, sehr viel Futter), in den engen Gängen in der Kölner Co-Working- und Startup-Location Startplatz in den Kaffeepausen und beim leckeren Essen.

Bei vier Tracks ist es immer schwer, über „DAS“ WordCamp Cologne oder die Konferenz zu schreiben, weil jeder eins/eine andere erlebt habt. Für mich hat sich Köln sehr gelohnt. Ich habe einen guten Überblick über die Szene bekommen, von WordPressdesignern bis hin zu Plugin-Autoren.

Ich bin vor allem froh über einige neue Kontakte, die sich bereits per Mail, Twitter oder sonst vertiefen ließen. Und darüber, dass ich mich dazu habe hinreißen lassen, eine Session beim WordCamp Cologne zu leiten. Ganz spontan. Ohne Vorbereitung. Darauf bin ich stolz.

Alle guten Namen, Domains, Marken sind weg

Dass ich Podcasts höre, ist bekannt. Im Sommer und Herbst 2016 ist Automatic ein recht umtriebiger Podcast-Sponsor. Das Technologieunternehmen vertreibt direkt ein Modul, das man auf den ODB2-Port im Auto aufstecken kann.

Ein anderes Thema, das mich beschäftigt, ist WordPress. Über meine Faszination für das Blog-CMS, das als CMS verstanden wird und auch genutzt wird, denke ich den lieben langen Arbeitstag nach, und hier tue ich das oft genug auch. Die Firma, die Matt Mullenweg für WordPress gegründet hat, heißt Automattic – so wie alles rund um Mullenweg nach seinem Vornamen heißt. Sein Blog ist ma.tt. Wahrscheinlich die coolste exotische Domain, die ich kenne.

Wie soll man also als Technik-Fan, der ich bin, die beiden Produkte auseinander halten? Beim Hören geht das nicht. Automatic. Automattic. Klingt gleich. Zwar sind die in sehr unterschiedlichen Segmenten unterwegs, diese ganz unterschiedlichen Firmen. Aber Automatic tut mir leid. Gegen 25% des CMS-Marktes kommst du in meinem Kopf nicht an.

Das größte WordCamp kostet 40 Euro. Die größte Typo3-Konferenz 590 Euro

Und zwar allein für das Ticket. Die Reisekosten sollten bei beiden Städten (Wien, München) etwa gleich hoch sein. Hier gibt es die Tickets: t3con.

Das ist kein besonders hoher Preis für eine Konferenz, Google IO oder WWDC sind teurer, aber dennoch ein weiteres Indiz für die Beliebtheit von WordPress. Bei beiden Ticketpreisen kommen ja noch die Reisekosten hinzu. Die kann man staffeln – von Couchsurfing bis zum 5-Sterne-Hotel ist alles dabei.

Aber eine Reise für annähernd 1000 Euro – die muss man als Mitarbeiter erst einmal gegenüber dem Chef / der Reisekostenverantwortlichen verantworten. Das ist mir in meiner Karriere nur bei sehr wichtigen Events gelungen. Etwa bei DER Messe zu einem Thema, wo man mit einem Stand vertreten war. Für eine Entwicklerkonferenz in Deutschland ist das eher schwierig, zumal in kleinen Unternehmen.

AMP bei WordPress: zu empfehlen oder nicht?

Als Konkurrent zu Facebook kopiert Google oft Initiativen des Social-Media-Giganten. (Das geht übrigens in jede Richtung zwischen Apple, Facebook, Google und Amazon, und Microsoft auch.) Eines dieser Projekte ist AMP, die Accelerated Mobile Pages. Diese sind anders als bei Facebook nicht nur in einer App verfügbar, sondern stellen eine besondere Form des HTMLs dar, das zu schnelleren Seitenaufbauten führen soll.

Wir können uns an dieser Stelle darüber streiten, ob das wirklich ein Subset von HTML ist oder etwas Anderes. (Ich bin der Meinung, es ist eine nicht standardkonforme Abweichung, die Chrome dennoch interpretieren kann.) Aber das ist Haarespalten. Wichtig ist es, dass AMP Vorteile bringt.

Wie schwierig ist es, das zu implementieren? Die Antwort: Wenn man auf Beitragsbilder verzichten kann und auch auf den Visual Composer, dann ist es ganz einfach. Einfach das AMP-Plugin von Automattic nehmen und installieren, dazu noch Glue von Yoast installieren – damit kann man Farben ändern. Umrühren, Cache leeren – fertig.

Ein paar mehr Schritte werden aber notwendig sein, wenn man das mit dem Visual Composer kompatibel machen will.

Für den Nutzer und auch das Google-Ranking ist eh auf alle Fälle zu empfehlen. Die Washington Post setzt es etwa flächendeckend ein. Die ge-AMP-te Version ist auf alle Fälle schneller, wie ein Blick mit GTmetrix zeigt:

www_washingtonpost_com__www_washingtonpost_com___GTmetrix-AMP-Vergleich

Bei einer normalen Site sollten definitiv Vorteile zu erzielen sein, auch weil die Abhängigkeit von anderen Plugins relativ gering ist. Ein WordPress mit AMP sollte schneller sein als eins mit vielen Plugins. Und das ist dann das eine Plugin mehr wert, finde ich.

Ob Google dann die AMP-Seiten belohnt, und diese Aktion nicht nur für große Verlage und Publisher gilt, muss sich erst noch zeigen. Auch bei diesem Blog habe ich das jetzt eingerichtet. Die Ladezeitvorteile sind auch hier enorm:

krautsource-info-waterfall-amp-nonamp

Matt Mullenweg und Medium #wceu

Natürlich ist Matt Mullenweg auch bei Medium. Aber mich hat es dennoch überrascht, wie deutlich er sich bei seinem Interview vor vollem Haus beim WordCamp Eurpe 2016 in Wien gegen Medium positioniert hat.

Medium ist der Liebling der Medienszene, vor zwei, drei Jahren in den USA und jetzt auch in Deutschland.

(Exkurs: Ich habe einen Ordner für Lesezeichen in meinem Browser, in dem ich gelungene CMS-Erfahrungen sammle. Neos fand ich toll, mit Frontend-Editierfunktionen, oder Known. Medium habe ich auch bei ProSieben als radikal vereinfachtes Interface mal in ein Konzept geschmuggelt.)

Warum? Es hat ein radikal einfaches Interface, das jedem das Publizieren leicht macht. Man muss sich bloß mit seinem Twitter-Account authentifizieren, und dann kann man schreiben. (Ich hatte gehofft, dass Samuel Hulick für sein wunderbares Anatomie einer guten User Experience-Projekt einen Teardown gemacht hätte. Hat er aber nicht.) Für WordPress.com ist das etwas schwieriger, und bis man sein eigenes Blog als WordPress.org-Instanz laufen hat, braucht man schon jemanden, der sich mit Servern und so auskennt.

Medium ist also Konkurrenz um Nutzer für den Automattic-CEO und daher ist all das, was er über den Konkurrenten sagt, mit etwas Vorsicht zu genießen. Google sagt ja auch nix Tolles über Facebook. Aber Mullenweg haut in die verbalen Tasten, „ich beschäftige mehrere Anwälte“. So offen redet er noch.

Er findet die Publishing-Erfahrung bei Medium nicht der von WordPress überlegen. „Alles bei Medium sieht so generisch und gleich aus, man kann etwa Ringer, auf dem Smartphone nur am R als Logo oben links erkennen.“

Mullenweg findet auch, dass wir Medium tendenziell überschätzen. Tumblr sei etwa 80-100 mal größer. Offenbar hat der Fokus auf Multiplikatoren gefruchtet. Medium ist ja von Ev Williams gegründet worden, dem Ex-CEO von Twitter. Twitter ist auch ein Medienphänomen, in dem Medienschaffende überrepräsentiert sind.

Hinweis: Sobald die Videos für den WordCamp Europe 2016-Kongress sind online. sind, Bei Gelegenheit verlinke ich auch noch auf die entsprechenden Stellen. Es gab noch ein paar knackige Zitate mehr, die ich aber nicht mehr alle im Kopf habe.

Netflix zu Gast im Responsive Web Design Podcast: der perfekte Bildausschnitt

Für mich ist der Podcast Responsive Web Design von Ethan Marcotte und Karen McGrane aus einigen Gründen einer von denen, die man hören MUSS, wenn man an Webprodukten arbeitet: Sie archivieren das, was in den Podcasts gesprochen wird. Der gesamte Podcast wird transkribiert, aufgeräumt und ins Netz gestellt. Etwa dieser mit Netflix-Mitarbeitern über die Sign-Up-Erfahrung auf Netflix-Properties.

Ich habe eine Menge auszusetzen. Etwa:

  • Sie führen die Interviews nur sehr mechanisch. Viel ist ein Abhaken ihres Fragebogens. Wenn eine Frage mal eine faszinierende Antwort aufwirft, die weitere Fragen nach sich ziehen würde, nehmen sie sich nicht die Zeit eines Leo Laportes oder John Grubers, auch mal zwei bis drei Stunden für einen Gast einzuplanen.
  • Die weiteren Punkte hebe ich mir für einen weiteren Post auf, sonst schreibe ich meinen ersten großen Bildzuschnittsroman.

Aber.

Das Zuhören lohnt sich allermeistens.

Heute komme ich noch weniger zur Sache als sonst, merke ich gerade.

Eine Idee kam mir bei der Folge mit Netflix-Designern.

Netflix — Responsive Web Design:

„We had this template that was prototyped, where we had a focus area that we knew would appear on any screen size, and then negative area surrounding that, so that was more imagery that wasn’t necessary to be on screen no matter what. „

(Via.)

Für relativ statische Seiten wie eine Landingpage zur Leadgenerierung, und das ist die Netflix-Anmeldestrecke nun mal, kann das funktionieren. Ein Shooting, vielleicht zwei. Die Menge an produziertem Content, den man mit dem Template abgleichen muss, ist überschaubar. Aber wie kann man das für Webprojekte mit dynamischem Content operationalisieren? Darüber zerbreche ich mir seit ein paar Stunden den Kopf. Vor allem auf Seiten, die mit einem CMS produziert werden – auch wenn es den Trend zu headless CMS gibt.

Viele CMS haben das Problem, das an den einzelnen Inhalten unterschiedliche Bildformate hängen. Weil man die für das Frontend braucht. Von der angeblichen Trennung von Form und Inhalt sind wir noch weit weg in der Medienwelt, wenn ihr mich fragt. Aber wie könnte man das automatisieren?

Bleiben wir beim Beispiel Streaming-Service: Netflix benutzt etwa in seiner Software, gerade auf der Webseite, ganz oft die Poster zu einem Film. Die haben aber immer das richtige Seitenverhältnis. Da muss man nix an den Seiten abschneiden. Die Realität des Onlinejournalismus ist aber eine andere. Da kommen viele unterschiedliche Motive, Porträts, Buchcover, Landschaften, Menschen.

Ich habe in vielen CMS schon mit dem Problem gekämpft, und die programmatischen Wege, etwa mit Image Magick einen automatisch perfekten Ausschnitt zu finden, sind alle gescheitert fehlerhaft.

  • Der einfachste: von oben links den Nullpunkt setzen, dann so viel vom Bild zeigen, wie man Pixel braucht. Den Rest einfach abschneiden. Nehmen wir an, das Ausgangsmaterial ist 1500×1000 Pixel groß, das Zielformat ist 160×90 Pixel groß. Das Ergebnis ist Quatsch.

1500x1000 links oben

  • Ein besserer Weg: Aus der Mitte heraus das größte Motiv wählen, das man mit dem Ziel-Seitenverhältnis aus dem Bild herausschneiden kann.

1500x1000 aus der Mitte

Bei einem Querformat geht das gut bis perfekt auf. Bei einem Hochformat als Zielbild oder einem quadratischen Zielmotiv wird das schwieriger. Dann hat man etwas mehr Verschnitt, wie bei einem nicht perfekt passenden Schnittmuster.

Ein paar schlaue Köpfe haben aus den Aussagen der Netflix-Designer jetzt ein Konzept für Responsive Images entwickelt. Das kommt aus dem Printbereich und hat viele Linien, aber am Ende geht es um Safe Zones und Linien.

Noch einmal die Frage: Wie macht man dieses Wissen um das Bildverhalten den Redakteuren in einem Redaktionssystem zugänglich? Meine Idee ist es, dies als Schablone bei den verschiedenen Bildformaten zur Verfügung zu stellen oder etwa in der Bilddatenbank des CMS zu hinterlegen. Bei WordPress wäre das in der Medienbibliothek, wenn man Bilder aussucht, als Custom Reiter:

Dort klinken sich Plugins, die sich um die Anbindung von Video-Software (JW Player) oder Digital Asset Management-Systeme kümmern, auch ein. Der Ort erscheint mir auch vom Workflow für Redakteure sinnvoll.

Aber letztlich greift das auch zusätzlich noch einen Schritt zu spät ein. In vielen Redaktionen wird auf Stock-Material von Bildagenturen zurückgegriffen. Wenn das schon heruntergeladen ist, ist es zu spät. Weil zu teuer – das Bild kostet schon. Nur das Comp herunterzuladen und dann in Photoshop das Template darüber zulegen, ist aufwändig.

Das ist alles zu umständlich.

Ich habe ja gesagt, ich habe noch keine reife Idee, wie man das handhaben kann, damit es den Workflow in einem dynamischen Contentprojekt nicht sprengt. Das Beste wäre auch eine mentale Maske im Kopf des Bildredakteurs oder des Onlineredakteurs, der die Bildrecherche macht. Das muss man wohl über viele Tage hin einüben, und dann hängt es immer noch von der visuellen Auffassungsgabe eines Redakteurs ab.