Erfahrungen mit einem Projekt mit WordPress auf Amazon Lightsail

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Auswahl an WordPress-Merchandise von einem Event, vermutlich WordCamp Europe 2014. Foto: Caspar Hübinger/Flickr
Amazon Lightsail ist einfaches Hosting für WordPress und andere Standardsoftware im Netz. Jetzt auch noch Amazon?! Der Hosting-Markt für WordPress ist schwer umkämpft. Woher ich das weiß? Meine Datenpunkte:

  • Viele Anbieter machen mit Content Marketing auf ihre Leistungen aufmerksam, indem sie Tipps für die WordPress-(Admin-)Nutzer geben.
  • Auf Veranstaltungen der WordPress-Community stehen sie mit kleinen oder auch großen Ständen und verschenken jede Menge Giveaways (T-Shirt, Taschen etc.)
  • 4 Anzeigen beim Suchbegriff „WordPress Hosting“ oberhalb der Google-Suchergebnisse.
  • Amazon mischt seit anderthalb Jahren auch mit

Ok, keine besonders harten Indizien, aber es sind welche. WordPress ist das beliebteste CMS der Welt, 23 25 30 Prozent der Webseiten in aller Welt laufen darauf.

WordPress wird immer beliebter. Folie aus einer internen Präsentation. Eigene Illustration

WordPress wird immer beliebter. Folie aus einer internen Präsentation. Eigene Illustration

Als Amazon Web Services mit dem Produkt Lightsail 2017 den Markt des „einfachen“ Webseiten-Hostings betreten hat, habe ich mich mal kurz damit beschäftigt. Und festgestellt, dass der Techriese vieles anders macht als die Hoster, die ich kenne. Mir fehlte aber die Zeit und auch der Grund, tiefer einzusteigen. „Nicht in Frankfurt verfügbar“ galt für Amazon Lightsail damals, und das ist für mich ein Non-Starter. Die Rechenzentren in USA sind für uns nicht einsetzbar. Jetzt hatte ich aber die Gelegenheit, mich mal wieder mit dem Thema zu beschäftigen, und hier sind meine Gedanken dazu.

;tl;dr: Was ist Amazon Lightsail?

Besser als Rolf Mistelbacher kann ich es auch nicht sagen:

Lightsail targets a less tech savvy audience than the typical Amazon cloud customer and offers a fixed priced product.

Projekt: Migration einer alten WordPress-Umgebung auf Lightsail

Beschäftigen bedeutet in dem Sinne: Ich habe zwei alte Bitnami-WordPress-Instanzen gehabt, die ich auf ein kleineres Server-Setup plus CDN (CloudFront) umziehen wollte – auch um monatliche Kosten zu sparen. Als ich die ursprüngliche Instanz aufgesetzt hatte, gab es zum Beispiel noch nicht die ganz kleinen Instanzgrößen in Frankfurt. (Ich meine Nano und Micro.) (Heise.de hat so einen Alt-Artikel noch online, für Geld. Tipp: nicht kaufen, ist überholt.)

Was an Amazon Lightsail überrascht, weil es wirklich stimmt: Und in wenigen Minuten hat man sich WordPress konfiguriert und eine statische IP erstellt, die man auch mit seinem herkömmlichen Hoster verbinden kann.

(Exkurs: Warum ist das so wichtig? Normalerweise muss man, wenn man keine Lambda-Funktion dafür geschrieben hat, AWS-Instanzen immer wieder neu in Route 53 mit ihrer neuen öffentlichen IP-Adresse anmelden, damit der Traffic redirected wird. In der AWS-Console ist das Hinzufügen einer statischen IP ein anderer Service, und daher nicht unbedingt naheliegend.)

Offenbar hat man sich bei Amazon Web Services sehr gründlich mit der Anbieterstruktur und den Features beschäftigt hat, und auch um die Schwächen der AWS-Welt für Neueinsteiger wusste. Ich versuche mal, das aufzudröseln, was ich an Überlegungen fühle (sicher wissen tue ich das nicht, es ist auch nicht Teil einer Pressemitteilung von AWS gewesen).

(Warum ist die Pressemitteilung relevant? Weil die Presseerklärung bei Amazon bei neuen Produkten immer gleich mitgedacht wird, das ist der Amazon-Weg:

Amazon’s internal customs are deeply idiosyncratic. PowerPoint decks or slide presentations are never used in meetings. Instead, employees are required to write six-page narratives laying out their points in prose, because Bezos believes doing so fosters critical thinking. For each new product, they craft their documents in the style of a press release. The goal is to frame a proposed initiative in the way a customer might hear about it for the first time. Each meeting begins with everyone silently reading the document, and discussions commences afterward…

Brad Stone, The Everything Store. Jeff Bezos and the Age of Amazon, S. 10

Light Sail nennt man auch die ganz dünnen Solarpaneele, die etwa Satelliten und andere Dinge, die im Weltraum Sonnenlicht in Strom umwandeln sollen – der gängige Weg, Geräten, die die Erde umkreisen, Strom zu verschaffen. Der Reaktor-Weg ist nur etwas für entfernte Planeten (siehe Mars-Reaktor-Versuche der NASA).

Was soll die Metapher? Ein Light Sail ist ziemlich mächtig im Vergleich zu seinem Gewicht, vermute ich.

Ich habe weiter oben geschrieben: „in wenigen Minuten konfiguriert man“ zu einem Amazon-Web-Services-Produkt, eben diesem Lightsail. Das ist eine Revolution im Vergleich zu den anderen AWS-Services. Warum? AWS ist in der Cloud ein Lego-Baukasten.

(Wieso Baukasten? So würden die Cloud-Praktiker von den Cloudonauten die Architektur einer WordPress-Anwendung machen, als Best Practice haben sie das auch als Vorlage – bei AWS heißt das Cloud Formation – zur Verfügung gestellt:

Einfachste skalierende, ausfallsichere WordPress-Anwendung auf AWS. Foto: cloudoaut.io

Sehr technisch, und Lightsail durchaus aus Redundanz- und Skalierungsgründen überlegen. Aber ziemlich genau das, was ich mit meinem Team bei TargetVideo entwickelt habe.)

Wie ist das jetzt bei Lightsail?

Alles ist auf die Verwendung durch IT-/Technik-Experten ausgelegt. Die machen sich erst einen Plan (Architektur), und dann wird konfiguriert und zusammengesteckt. In der Regel sind AWS-Funktionen die Verbindung zwischen den Diensten (Lambda!) oder eigene Software. All das ist bei Lightsail nicht notwendig. Nach den paar Klicks hat man eine funktionsfähige Software in der Cloud laufen, für einen festen monatlichen Tarif. So, wie man das von anderen Hostern auch kennt (x Kerne, y GB RAM, z GB Transfervolumen). Hier die Preismodelle von Amazon Lightsail:

(Inzwischen ist das alles auch in Frankfurt verfügbar, was für eine .de-Domain der richtige Ort sein sollte.)

  • Vorhersehbare Kosten: Das ist ein ganz wesentliches Argument für den Marketingverantwortlichen in einem KMU. Die Preisstruktur bei den „großen“ Diensten von AWS ist oft unvorhersehbar. Neben die Ausgaben für die Serverleistung treten dann noch Ausgaben für die Datenbank, für die Verbindung zu einem anderen Dienst (CDN), Transferausgaben zwischen unterschiedlichen Regionen und eventuell Domainkosten und Storage-Kosten für Bilder etwa.
  • Einfaches Backend: Für Lightsail hat Amazon eine komplett neue Bedienoberfläche geschaffen. Man kommt auch nicht aus der normalen AWS-Console dahin, sondern hat eine eigene Dashboard-Ansicht geschaffen: https://lightsail.aws.amazon.com/. Für mich, der jeden Tag in der AWS-Console unterwegs, eine große Umstellung. Aber logisch aufgebaut für die, die andere Hoster kennen.
  • SSH im Browser: Mit einem Klick hat man eine SSH-Verbindung zum Server aufgebaut. Das habe ich so bei anderen Hostern noch nicht gesehen, da wird man meist ins Terminal oder zu Putty geschickt (auch in der Doku von Bitnami, dem Riesen unter den WordPress-auf-AWS-Anbietern).
  • Standardmäßige Übersetzung: Stop / Terminate Instance sucht man als Befehle/Buttons vergeblich. Alles ist auf Deutsch übersetzt, und die Begriffe ergeben für mich auch Sinn. Das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung. (Nicht vergessen, eine Instanz löschen heißt bei AWS sie zu terminieren – terminate).
  • Umgang mit Zertifikaten: Es ist nicht möglich, mit FTP Dinge auf den Server zu laden. Dafür braucht man immer ein Zertifikat, das auch im Onboarding-Prozess erstellt wird. Das finde ich vorbildlich, und bei anderen Hostern ist das immer noch nicht selbstverständlich.
  • Migration: Für die WordPress-Admins, die sich schon lange mit dem Gedanken getragen haben, ihre Installation von WordPress auf einen anderen Hoster umgezogen zu haben (aus meiner Sicht der nächste Gedanke nach „Brauche ich eigentlich eine Webseite?), könnte die Migration kaum einfacher sein. Ich habe sie gemacht, das waren die Schritte:
    • All-in-one WP Migration: Plugin auf Ziel-Lightsail aktivieren
    • All-in-one WP Migration: Plugin auf Quell-WordPress-System installieren und aktivieren
    • Export starten
    • als Datei speichern
    • Import starten
    • erster Import schlägt fehlt
    • Import noch einmal starten
    • zweiter Import läuft durch, samt Nutzern (und damit ist auch der Standard-Nutzer user weg, nicht erschrecken)
    • Themes umstellen
    • Permalink-Settings speichern
    • fertig
    • Das finde ich ziemlich ideal. Ich wüsste nicht, wie man das noch einfacher machen könnte.

Was ist nicht mag an Amazon Lightsail, aus Nutzersicht

Lightsail packt die vermaledeite Bitnami-Installation, die wir AWS-Nutzer schon aus dem AWS-Marktplatz kennen, in eine neue Form. Damit erlebt auch das Banner von Bitnami, das man nur mit einem sudo-Befehl in der Shell ausschalten kann, eine Neuauflage. Das ist der Punkt, an dem der normale Nutzer schon überfordert sein dürfte.

tl;dr

Neu-Webseitenbetreiber sollten sich Amazon Lightsail als Alternative zu klassischen Hostern ansehen. Damit kann man sich gleichermaßen professionell wie günstig einen eigenen Webspace erstellen. Und wenn man mal Appetit auf mehr bekommt, nimmt man einfach AWS-Services hinzu aus dem großen Angebot.

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