Opernrezension: „Die Feenkönigin für Kinder“ bei den Salzburger Festspielen

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Familie
Seit einigen Jahren, Jahrzehnten bei den größeren Institutionen wie der Oper Köln, geben sich die Macher im Musiktheater Mühe, das Durchschnittsalter der Musikliebhaber zu senken. Sehr weiß oder sehr kahl sind die Häupter derer, die Musik lieben. Sagt der Volksmund. Ich habe mir mal die Statistiken angesehen. Das heißt, das wollte ich.

Über die Sozialstruktur der deutschen Opernbesucher gibt es aber nur wenige empirische Untersuchungen. Eine Zuschauerbefragung des Soziologen Karl-Heinz Reuband in Köln und Düsseldorf (sehr punktuell, eher eine Stichprobe, der Blogger) ergab wenig überraschend, dass ein hohes Bildungsniveau viel stärker mit der Häufigkeit von Opernbesuchen zusammenhängt als ein hohes Einkommen – mit starken Abweichungen schon zwischen diesen beiden Städten.

In Deutschland gibt es sehr viele Opernhäuser, erklärt die FAZ:

 An 84 Häusern in 81 Städten treten hierzulande regelmäßig festengagierte Opernensembles auf – mehr als in jedem anderen Land auf der Welt.

Da wird es Zeit für eine Erneuerungsinitiative. Schule und Eltern versagen großteils. Aber es gibt natürlich noch Eltern, etwa im klassischen Großbürgertum, die die Kinder mit in die Oper nehmen. (Irgendwie gehören wir auch dazu, auch wenn ich sicher nicht bürgerlich aufgewachsen bin.) Die zweitnächste Oper für uns ist die bei den Festspielen in Salzburg, der Stadt der absoluten Mozartvermarktung. Mozarthaus, Geburtshaus, Mozartkugel – alles voller Touristen. Purcell geht aber auch im Programm ganz gut. Ein voller Saal an einem heißen Samstagnachmittag in der großen Aula der Universität. Klimatisiert, mit toller Sicht und auch hochgelobter Akustik (kann ich jetzt nicht so bestätigen).

Die Feenkönigin für Kinder bedarf einer Einführung, und das macht die Musikpädagogin Monika Sigl-Radauer auch wirklich gut. Die fünf Euro pro Eintrittskarte sind beinahe besser investiert als die für die vollständige Aufführung. (Schade bloß, dass das Festival nicht auf der Website hinweist, dass man die Karten für die Einführung auch noch bezahlen muss. Das ist zwar für einen derartigen Kinder-Workshop preislich vollkommen angebracht. es ist schlicht ein Kommunikationsversagen auf der Seite, die man immer noch nicht responsive auf dem Smartphone bedienen kann. Im Jahr 2016. Aber die Agentur, die sie gebaut hat, baut ihre eigene Site noch mit Tables. Egal, ich schweife ab.)

Salzburger Festspiele 2016:  Kinderworkshops „Spiel und Spaß mit Henry Purcell" Foto: Andreas Kolarik, 27..07.16 (Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik)

Salzburger Festspiele 2016: Kinderworkshops „Spiel und Spaß mit Henry Purcell“ Foto: Andreas Kolarik, 27.07.16 (Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik)

Bei der Einführung spielt ein Pianist ein paar Motive selbst auf dem Klavier oder von der CD ein, und die Kinder werden teilweise verkleidet und dürfen Textzeilen deklamieren, durch den ganzen Saal laufen und auch tanzen. Das war bezaubernd, und uns hätte das auch fast gereicht.

Jetzt aber zur Hauptsache, der einstündigen, extrem reduzierten Version von Purcells Feenkönigin, die auf Deutsch vorgetragen wird. Das ist toll, scheitert nur manchmal daran, dass Deutsch als Fremdsprache für Opernsänger auch nicht die Sache leichter macht. Es soll zwar phonetisch Deutsch sein, aber mein Sohn hat nicht viel verstanden. Übertitel hätten auch nix gebracht, er kann noch nicht lesen.

Die Geschichte von Oberon und Titania dürfte vielen Kindern bekannt vorkommen. Mama und Papa lieben sich zwar, streiten sich aber auch. Und ihr Diener muss es ausbaden. Manservant Puck kriegt erst den Auftrag, Titania zu verzaubern und dann muss er sie wieder vom Zauber befreien. Oberon bereut seine erste Aussage, muss eine widersprüchliche zweite machen. Hü-hott, wie bei vielen Eltern im Familienhotel.

Ich finde ja eine Titania gut, wenn man versteht, welche Anziehungskraft sie auf ihren Mann im Allgemeinen und Zettel im Besonderen hat. Das hat Nika Goric im Überfluss – die bildschöne und spielfreudige Sopranistin trägt die Vorstellung beinahe alleine. Wie so oft bleibt der ebenfalls gut aussehende Oberon-Darsteller dagegen blass. Die Identifikation findet mit den beiden Handwerkern statt.

Eine Stunde Spieldauer ist für die kleinen Opernbesucher perfekt – sie müssen nicht einmal so lange ruhig sitzen bleiben wie im Kino. Ein toller Nachmittag, den wir gern nächsten Sommer noch einmal mit einem anderen Stück wiederholen. Schön ist es auch, dass man die Busse und anderen Verkehrsmittel im Salzburger ÖPNV auch nutzen kann. Gemeinsam mit dem Bayernticket ist das dann günstiger als ein Ausflug über die volle A8 und das Parken in der Mönchsberggarage.

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