Was man von den kaputten Robotern in Wall-E lernen kann

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Film / Softwareentwicklung / Startups
Wall-E ist ein zauberhafter Zeichentrickfilm, der nur einen Oscar gewonnen hat. Das Wort Zeichentrickfilm fühlt sich bei einem computeranimierten Film komisch an, aber er ist und bleibt zauberhaft. Eine halbe Stunde zu Beginn wird gar nicht gesprochen. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein kleiner Roboter namens Wall-E räumt den Müll auf der Erde auf, den die Menschheit, die vor dem Müll ins All geflüchtet ist, dort hinterlassen hat. 700 Jahre, nachdem die Menschheit die Raumschiffe bestiegen hat.

Eines Tages kommt eine andere Robotersonde zurück auf die Erde, um dort nachzuschauen, ob wieder auf der Erde Leben möglich ist. Er verliebt sich in sie und reist mit ihr aufs Raumschiff, wo die letzten Menschen wohnen.

Auf diesem Raumschiff treffen die beiden auf kaputte Roboter in einer Roboter-Werkstatt. Diese befreit Wall-E aus Versehen.

Auch Wall-E könnte man für einen kaputten Roboter halten, denn er hält sich auch nicht nicht an Vorschriften. Die meisten Roboter an Bord halten sich an Befehle, egal, wie alt sie sind. Dabei verselbstständigen diese sich und erheben sich über die Menschen. Wall-E und die kaputten Roboter machen das, was ihnen in den Kopf kommt – aber immer, um der Sache, der Menschheit zu dienen. Einer von ihnen malt singend Streifen aufs Raumschiff, wo sie nicht hingehören, die dem steril wirkenden Raumgleiter aber eine menschlichere Note geben.

Das Gesamtbild im Kopf haben, das Gesamtwesen optimieren wollen – das ist eine ganz wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg: Machen, und dann um Vergebung bitten. Im Startup-Umfeld hat das längst den Charakter eines Glaubenssatzes:

Don’t ask for permission, ask for forgiveness.

(Die Ur-Quelle für dieses Zitat konnte ich nicht finden, es könnte Grace Hopper gewesen sein.) Diese sehr amerikanische Form der Regelverletzung, um ein neues Maximum oder auch einfach weit entferntes Ziel zu erreichen, ist sehr inspirierend. Altucher hält zu ihr an, Thiel, Branson und Musk auch. In einem Konzern oder einem klassischen Unternehmen ist das oft nicht möglich. Und Deutsch scheint die auch gar nicht zu sein.

Zu viele Kommittees, zu viele Hierarch(i)en stellen Entscheidungen in Frage, sodass am Ende gar nicht entschieden wird. Warum bewegen sich etwa klassische Automobilhersteller so langsam im Vergleich zu Tesla? Warum werden in Lebensmittelkonzernen Entscheidungen so langsam getroffen? Etwa verglichen mit Red Bull?

Das ist einer der Gründe, warum ich im letzten Jahr ausgestiegen bin aus dem Konzern. Als Teamleiter kann man sich nur in sehr engen Bahnen frei bewegen. In meinem jetzigen Startup ist das einfacher. Da wird ausprobiert, und ich kann Schritte in neuen Bereichen machen. Die sind wacklig, die Muskeln für sowas sind in den letzten Jahren auch eingeschlafen. Wie bei einem Patienten, der ins Bett gefesselt war. Rennen kann ich noch nicht, und oft genug frage ich nach Erlaubnis. Das tun die Roboter nicht. Die haben einen festen Kompass. Bei Wall-E ist es die Liebe, die ihn antreibt. Letztlich ist es die bei mir auch. Meine Familie gibt mir die Kraft. Auch sehr amerikanisch – aber dieses eine Jahr vor über 20 Jahren hat mich stark geprägt.

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