I like me some Nexus: Pixel C

Schreibe einen Kommentar
Android / App / Apple / Software / User Experience

Seit meinem ersten Besuch auf Google I/O bin ich fest im Android-Lager. (Es gibt natürlich keinen Kampf zwischen iOS und Android, aber iOS hat genug Fans. Ich bin immer naturellbedingt für den Außenseiter. Bei allem.) Damals haben alle Besucher des Kongresses ein Nexus One geschenkt bekommen – auch um dafür Anwendungen zu entwickeln. Damals begann auch die unselige Tradition von Google, Geräte auf der Konferenz Google I/O zu verschenken. Damit wurden Freeloader ermutigt, auf die Konferenz zu gehen. Erst in jüngeren Jahren hat Google diese Praxis eingeschränkt. Und seit dieser Konferenz gehört meistens auch ein Nexus-Modell zu meiner technischen Ausstattung, die ich mit mir herumtrage.

Das Nexus One war wahrscheinlich das erste Android-Telefon, das man empfehlen konnte. Von meinem iPhone 3GS war es ein deutlicher Sprung nach vorne, in eine industriellere Materialsprache. Der weiche Babyspeck wich einer kühlen, maschinellen Linie – in charakteristischen Steel Gray. Damals bin ich sogar bei einem Stadionkonzert in Mailand auf die Kamera angesprochen worden. Die war damals ziemlich gut, verglichen mit dem gefühlten VGA-Shooter im zeitgenössischen iPhone.

Seitdem sind viele Chips den Innovationsfluss heruntergeschwommen, und gerade bei der Kamera hatte das iPhone zeitweise einen uneinholbaren Vorsprung, auch dank der Praxis des größten Android-Telefonherstellers Samsung, Apple das jeweils beste Kamera-Zeug und auch Display zu verkaufen. Erst die jüngsten Geräte von Samsung (S6, S7) brechen mit dieser Tradition. Offenbar ist Corporate Politik bei Samsung kompliziert und braucht ein paar Jahre. In meinem letzten Job in einem Konzern hatte ich alle zwei Jahre Anrecht auf das Neueste aus der mobilen Apple-Produktion. Und die meisten Kinderfotos in dieser Zeit sind mit dem iPhone entstanden. Warum sollte ich auf Bildqualität verzichten?

Aber neben dem Diensthandy hatte ich immer ein Android-Telefon. Auf dem Schreibtisch kuschelten zwei unterschiedlichen Betriebssystem, wo bei Kollegen iPhones wie Toastscheiben aufeinander gestapelt wurden (vor allem die beiden Kantigkeiten iPhone4 und 5). Hier die Reihenfolge der benutzen Geräte, in chronologischer aufsteigender Reihung

  1. Nexus One
  2. Galaxy Nexus
  3. Nexus 4
  4. Nexus 5
  5. OnePlus One
  6. Nexus 6P

Der größte Reinfall war dabei das Galaxy Nexus. Seitdem habe ich nie wieder ein Samsung-Gerät gekauft. (Meine Frau hat jetzt ein S7 bekommen, und das macht einen guten Eindruck.) Das Ding wurde immer wieder heiß und sorgte für drastisch verkürzte Erreichbarkeit an besonders wichtigen Tagen. Gerade bei Messebesuchen in Zeiten weniger Steckdosen war das unbenutzbar. Auf meiner Zugfahrt heim konnte ich mehr als einmal auch keine Musik mehr hören. Wer trägt schon einen iPod als Fallback-Gerät mit sich herum? Macht ja keiner. Also bis auf den Alt-Zivi mit dem Körpergeruchsproblem in Wagen zwei, der auch noch einen Nokia-Knochen aus der Hose operiert. Immerhin ein 4C (nicht K!)-Display, nicht bloß bernsteinfarben.

Jetzt habe ich endlich auch ein Nexus-Tablet, wie ich es nennen möchte: Direkt im Google Store gekauft, ein Pixel C. Dieses Tablet fühlt sich genauso gut wie ein iPad an. Zusammen mit der magnetischen Tastatur, die unterschiedliche Winkel zulässt, ist die Haptik sicher das Beste, was ich diesseits von Apple-Produkten erlebt habe. Es fühlt sich unkaputtbar an. Das Steel Gray meines ersten Nexus-Gerätes ist zurück. Ich hoffe, es ist ähnlich kratzunempfindlich.

Nur die Apps machen nicht überall das, was man erwartet. Ich mache gerade die ersten Schritte mit dem Gerät, alle Apps sind noch nicht mit Passwort und Accountdaten ausgestattet und in Betrieb genommen. Aber wenn Facebook mich bei Instant Articles mit angedockter Tastatur in den Porträt-Modus schickt, ist das für mich ein Zeichen. Ein Zeichen für

  • die Vernachlässigung des Formfaktors durch das Android-Betriebssystem
  • die Vernachlässigung des Formfaktors durch die Android-Entwickler

Ich kenne die Trafficzahlen nur von einer Handvoll Webseiten, aber das iPad ist das wichtigste Tablet. Das zeigen interne Zahlen genau wie Schätzungen von Gartner und Co. Der Tabletmarkt stagniert, da ist also keine Änderung in Sicht. Also würde ich als App-Entwickler auch als erstes für die iOS-Welt eine dedizierte App-Erfahrung programmieren.

Und dann kann man irgendwann an die Android-Tablets denken. Auch wenn sie überall sind, bei MediaMarkt, bei Amazon und im Aldi-Prospekt – Android-Tablets sind wie Schmuddelkinder. Sie sind Kompromisse. Wie meine ich das, wenn ich mir selbst doch auch ein Android-Tablet gekauft habe? Das iPad Pro war und ist mir einfach zu teuer. Die einzige App, die ich gern iOS abluchsen würde und zu Android transportieren möchte, ich Paper by 53. Dafür habe ich mir sogar einen passenden Stift gekauft. Mein ältester Sohn liebt das Malen mit dem Stift auf dem Display. (Ich glaube, weil er filzstiftartig malen kann damit, ohne die bei echten Farben unvermeidlichen Farbflecken an den Fingern.)

Das Pixel-Gerät hat sich mittlerweile nicht als das bisher letzte Nexus-Gerät entpuppt, sondern als erstes Pixel. Nexus gibt es nicht mehr. Google hat seinen Twitter-Account mit dem Namen Nexus eingemottet. Fortan soll es die Marke nicht mehr geben. Nexus ist tot, es lebe Pixel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.