Filmkritik „Star Trek: Into Darkness“

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Film
Als ich als Austauschschüler in den USA war, habe ich mich nach den Hausaufgaben mit einer Folge „Star Trek: The Next Generation“ belohnt. Die liefen am Vorabend eines jeden Werktages auf einem Sender, dessen Name mir entfallen ist. Patrick Stewart hat mich also schon in meiner Jugend begleitet, und die Sternenflotte auch.

Wenn also ein neuer Film aus der Star-Trek-Welt ins Kino kommt, kommt der automatisch auf meine Watchliste. Seit die Kinder auf der Welt sind, komme ich nicht mehr so viel ins Kino wie früher. Früher habe ich es auch übertrieben, würde ich rückblickend sagen. 250, 300 Filme im Jahr. Im Kino. Das schafft man nur, wenn man ein paar Filmfestivals besucht. Sechs Filme am Tag. Disziplin, vor allem beim Notizenmachen. Sonst verschwimmen irgendwann die Filme in einem Genre zu einem Superfilm. Ich bin immer noch Ausweis tragendes Mitglied im Verband der deutschen Filmkritik, in dem viele Kritiker des Landes zusammenginden.

Star Trek hat einen imposanten Franchise-Neustart hingelegt. Die Neubesetzung von Kirk und Spock mit den Jungstars Chris Pine und Zachary Pinto ist grandios. Aus der Gegenüberstellung und auch den Spielereien im Team mit Pille/Bones wird viel Humorkapital geschlagen. Die Neuauflage von Star Trek als The Next Generation hat den Teamgedanken in den Vordergrund gestellt, Demokratie und Werte. Das war mitunter bierernst. Die James T. Kirk-Truppe ist anders, lockerer und rebellischer. Oberste Direktive? Da pfeif ich doch drauf.

Ihnen fehlt noch mehr der moralische Kompass. Das ist auch genau die Schwäche des Films. Der suchenden Crew wird ein Bösewicht gegenübergestellt, der erst als Bösewicht behauptet wird, dann softer wird und dann seinen Wahnsinn gegen Ende richtig übertreiben muss. Wo ist oben, unten, gut und böse? Ich habe Benedict Cumberbatch noch nie chargieren gesehen. Wer das sehen will, ist bei „Star Trek: Into Darkness“ gut aufgehoben. Ich fand das letzte Drittel ganz, ganz schlimm. Da knirscht der Plot, da freut sich der Verschwörungstheoretiker.

Auch die Schlachten, wichtige Set Pieces für Science-Fiction-Produktionen im Kino, sind konfus und physikalisch zweifelhafter als ich das Popcornkino zugestehe. Tom Cruise hängt an Felsen, Autos fliegen fast furios durch die Luft – akzeptiere ich alles, wenn es im Film im Stil passt. Hier: achtlos hininszeniert. Wenn die Enterprise auf die Erde stürzt, glüht sie zwar, aber dann werden ein paar Luftschichten tiefer wieder alle gerettet. Da stimmt der Spannungsbogen nicht. Und die Physik auch nicht.

Also: Ich habe den dritten Teil aus dem Franchise-Neustart jetzt mal auf die Liste gepackt. Die Schauspieler sind toll. Und J.J. Abrams ist auch raus. Erstaunlich, was für Mist der auch gemacht hat.

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