Aufkleber und die fiese Klebe

Schreibe einen Kommentar
User Experience

Seit es Karstadt gibt, rege ich mich über Aufkleber auf gekauften Haushaltsutensilien auf. In der Küchenabteilung des ehemals großen Konzerns habe ich das Thema zum ersten Mal wahrgenommen. Da hat meine Mutter immer geschimpft, wenn auf dem neuen Löffel, den sie brauchte, das Etikett fett auf der Biegung des Löffels prangte. Allen entgegenläufigen Beteuerungen der Verkäufer zum Trotz: Sie wusste, das würde nie rückstandsfrei abgehen.

Ich verstehe ja das Bedürfnis des Einzelhandels, die Ware bis zum Übergang zum neuen Besitzer so auszuzeichnen. Aber die wenigsten Verkäufer würden sich ja auch den Namen ihres Geschäfts tätowieren lassen – auch wenn sie wahrscheinlich länger in dessen Diensten stehen werden als die Ware bei ihm im Regal.

Customer-Centric wäre es, wenn das immer mehr Einzelhändler entdecken würden. Wenn ich bei Amazon bestelle, gebe ich manchmal 30, 40 Cent mehr für die frustfreie Verpackung aus. Das ist eine Pappkiste, in der man Kabel auch verpacken kann. Die Blisterverpackungen zum Aufhängen haben im Onlinegeschäft nämlich gar keinen Sinn mehr. Es gibt kein Display am Point of Sale, wo man die aufhängen müsste. Der einzige Sinn der Blisterverpackungen besteht eh da drin, ihren Käufer Schmerzen beim nie unfallfreien Öffnen hinzuzufügen. Die Verpackung ist ja gar nicht dafür gedacht, leicht zu öffnen zu sein. Das sollte sie aber spätestens in dem Moment, wo ich als Käufer die vollen Eigentumsrechte daran erworben habe. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, ein besonders störrisches Exemplar nach dem Öffnungsversuch auf mehrere Arten und Weisen einfach zu entsorgen. So wütend hat sie mich gemacht.

Aber auch bei Amazon ist man vor Frust nicht gefeit. (Schönes Wort, viel zu selten benutzt. Ja, ich benutze das auch in der mündlichen Sprache. Ich lebe in Bayern.) Da habe ich mir zuletzt einen Fallminenbleistift gekauft. Das sind diese professionellen grünen Stifte, wo man die richtig dicke Mine wechseln kann. Nach ungefähr 100 Minen hat man auch die höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu herkömmlichen Bleistiften drin.

Und auf dem Fallminenbleistift war ein dicker Aufkleber drin. Naja, es war ein ganz schlanker, der um ein Drittel des Stiftes sich wickelte. Aber zum Befestigen hat der Hersteller wohl Material aus der Raumfahrt benutzt. Ich musste mehrere dutzend Male mit Papier und Hilfsmitteln darüber rubbeln, bis der Stift nicht mehr in meiner Hand klebte.

Warum hängen die Hersteller und Händler an dieser Art Aufkleber?

Warum tun das die Hersteller? Wieso müssen sie ihre Eigentumsrechte so deutlich darstellen? Kann man nicht ein Etikett an den Haken machen, der sogar ein scanbares Barcode-Element hätte? Mit dem kleinen Barcode kommen doch die wenigsten Registrierkassen zurecht, machen wir uns nix vor. Ich glaube, dass es vor allem mangelnde Achtung für den Kunden ist. Sie reden zwar vom König Kunden, aber ihre eigenen Bedürfnisse zählen mehr. Das merkt man immer dann, wenn man bei wahrlich kundenorientierten Unternehmen kauft, wo es dann auf einmal überraschend angenehme Auspackerfahrungen gibt. Apple dürfte dafür das beste Beispiel sein.

Warum beschäftige ich mich mit so etwas Abseitigem wie Aufklebern auf Waren? Ich halte das nicht für abseitig. Ich halte das für einen zentralen Punkt der User Experience in der Beziehung zwischen Kunde und Produkt. Es ist eine der ersten Interaktionen. Und auf die kann man auch bei günstigen Produkten wert legen. Wenn man das als Unternehmen will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.