Postmodern Jukebox in München

Über Musik zu schreiben ist schwer, finde ich. Meistens ist es mir zu schwer. Ich möchte es aber als eine Art Fingerübung doch noch einmal probieren. Anlass ist der Konzertbesuch von Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox. Der Name der Band ist Programm: Bekannte Hits werden in einem Swing-Sound oder mit viel Jazz komplett gegen den Strich gebürstet. Ich habe eine Schwäche für ungewöhnliche Coverversionen. Marilyn Manson mit „Spin me Round“ fand ich großartig. Auf diese Art habe ich auch die Version des Rihanna-Hits „Umbrella“ von Postmodern Jukebox entdeckt.

Die haben sie bei ihrem Auftritt in der Muffathalle in München nicht gespielt. Wie überhaupt gar nicht auf der Europa-Tour, in der die „Band“ gerade ist. Wahrscheinlich haben sie die Liverechte dafür nicht bekommen.

Warum setze ich den Begriff Band in Anführungszeichen? Postmodern Jukebox ist ein Ensembleprojekt, mit sehr austauschbaren Performern. Von Lied zu Lied wechseln die Leadsänger auf der Bühne. Elf Musiker und Sänger gestalten den Abend, alle sind technisch toll, aber keiner hat wirklich eine magnetische Ausstrahlung. Scott Bradlee schickte durch den Manbun des musikalischen Direktors seine Grüße nach München. Er konnte nicht da sein. Wahrscheinlich war er gerade auf dem Auftritt in Marseille, den mir Spotify am Auftrittstag in der App angezeigt hat.

Denn die Gruppe scheint zweigleisig zu fahren. Zwei Teams bedeuten doppelte Tourumsätze. Warum schreibe ich mit so angenervtem Ton? Weil mir eine halbe Stunde lang das Konzert unfassbar auf die Nerven ging. Jedes Lied wird mit vollem Einsatz auf Speed gebracht. Hier eine Phrasierung mehr, da ein Träller, da noch ein paar Tempoverschleppungen. Was ich an Coverversionen mag, ist, wenn sie dem Lied neue Seiten abgewinnen. Wenn man zu viele von den Arrangements von PMJ hört, ist das, wie wenn man 30 Pralinen essen müsste. 3 gehen vielleicht noch, aber danach ist einem mehr nach Übergeben zumute als man lieb hat.

Glücklicherweise hat der Abend dann von der Instrumentierung her auch noch mal die Dynamik verändert. Mit der sehr, sehr reduzierten Version von „Halo“ haben sie mich dann wieder einfangen. Da konnte man wirklich Gefühle hören.

Viele Nummern bekommen durch die showerfahrenen Musiker und Sänger schnell einen affektierten Duktus. Alles so glatt, so gespreizt hier. Und im sehr hipsteresken Publikum (alle Manbuns und alle Hosenträgerträger Münchens, gefühlt) kommt nicht so richtig die Tanzstimmung auf, obwohl die Band wirklich musikalisch toll ist. Das erinnert mich an den technisch begabten Klaviervirtuosen in meiner Musikschule, der die Tastatur bearbeitete wie ein kleiner Tastengott, aber keine Gefühle außer Bewunderung damit zu hervorrufen imstande war.

Eine interessante Konzerterfahrung, auch mit dem Bogen von sehr genervt zu fasziniert. Aber keine, die ich jetzt wiederholen würde. Lustigerweise hätte ich meinem Spotify-Verhalten mehr trauen sollen. Von Zeit zu Zeit höre ich die Musik ganz gern, aber dann ganz gezielt, ein, zwei Lieder. Mehr nicht. Dann droht der Süßkram-Ohr-Infarkt.

Wertung: 3 von 5 Kostümwechseln.

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