Oh Graus! Klassische Musik hören bei Spotify

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App / Musik
So sieht Musikhören heute bei uns aus. Symbolfoto. Foto: Charles Deluvio/Unsplash

Von Zeit zu Zeit höre ich die Alten gern, wie sie sangen. „Weia!“ (Gerade erst wieder bei Wagner gehört.)

Die Rede ist von klassischer Musik, Hort der Bürgerlichkeit, der silbernen Haare und Musik, die ach! so laut ist. (Finden meine Kinder, auch ohne Verstärker können die 60-70 Menschen, die in einem Orchestergraben sitzen können, ganz schönen (mit Betonung auf schönen) Krach machen.)

Wie das Bild schon zeigt: Ich kann keine CDs mehr daheim hören. Alle CD-Spieler sind aus unserer Wohnung verschwunden. Wir haben, als wir zusammengezogen sind, alle unsere CDs, die wir noch verkaufen konnte, verkauft. Wir hören nur mehr über unsere Sonos-Boxen Musik, direkt aus der App oder per Sprachsteuerung.

Vor allem die Kinder gewöhnen sich immer mehr an die Sprachsteuerung.

Wenn ich Musik für mich hören möchte, mache ich das aber meist über meine Kopfhörer. Das sind die Pendler-Klassiker von Bose, deren Kauf ich bis heute nicht bereue. Und meist ist der Musikträger das Smartphone, und dort mein Familien-Spotify-Account.

Die meisten dürften es nicht wissen, aber klassische Musik hat es schwer bei Spotifiy, oder umgekehrt: Spotify hat es schwer mit klassischer Musik. Denn die fällt nicht in das übliche Metadatenschema. Was heißt das? Versuchen wir mal ein normales Popalbum mit hierarchischen Angaben darzustellen. Dann sind mehrere Tracks auf einem Album darauf. Auch nach vielen Jahren iTunes denken Musiker noch so.

  • Artist – Album
    • Artist – Track 1 (Teil von Album)
    • Artist – Track 2 (Teil von Album)
    • usw.

Bei Compilations (Soundtracks, Festival-Sampler, Kuschelrock usw.) wird es etwas komplizierter. Aber es bleibt bei einem Überbegriff und zwei Feldern pro Track:

  • Various Artists – Album
    • Artists 1 & 2 – Track 1 (Teil von Album)
    • Artists 2 & 7 – Track 2
    • usw.

Klassische Musik hat aber viel mehr Angaben. Die eine Aufnahme eines Werkes ist eine ganz andere als die andere, daher unterscheidet man meist den Interpreten. Wenn es zu einer Neuinterpretation eines Popsongs kommt, Alex Christensen, ich meine dich, ändern sich nur Künstler und Titel. Die zwei Felder bleiben gleich.

Klassische Musik hat noch viel mehr Felder:

  • Komponist – Werktitel; Nummer in Komponistenverzeichnis, Various Artists, die singen, Dirigent, Orchester, Jahr der Aufnahme
    • Stück oder Satz oder Titel 1
    • usw

Weil klassische Musik anderen Logiken also folgt, ist die Suche danach ein schweres Problem, zumindest für Spotify. Nur ein sehr kleiner Teil der Spotify-Hörer hört überhaupt Klassik, wenn man diese Statistik (nur 3 Millionen Deutsche hören überhaupt Klassik) mal hochrechnet.

Klingt nach einer Marktlücke. Fanden andere auch, Auftritt Primephonic und IDAGIO:

IDAGIO is the streaming service for classical music. Users already attest that IDAGIO has the best search for classical music.

Und noch eine Nutzerstimme von der Webseite:

“Das Stöbern nach neuer Musik funktioniert hier um Klassen besser als bei der Konkurrenz.”

Ich muss ja als E- und U-Musikhörer sagen: Noch einen Dienst abonnieren? Ne, das passt nicht zu meinen Gewohnheiten, auch wenn ich das bewundere, dass es Leute gibt, die das stemmen wollen.

Ich bleibe also bei Spotify, und hier sind meine Tipps:

  • Herunterladen.
  • Auf höchster Qualität
  • nahtlose Wiedergabe aktivieren

Spotify screenshot nahtlose wiedergabe

Was macht nahtlose Wiedergabe? Es gibt keine Aussetzer zwischen den Tracks. Tracks bei Opern etwa gehen direkt von einer Szene in die andere über. Die Pausen ergeben da keinen Sinn, genauso wie bei Konzeptalben oder großen Mix-Compilations.

Ach ja, und diese Funktion gibt es am Desktop nicht. Arie, Spratzer, Rezitativ, Spratzer und so weiter. Also, Spotify, macht was! (Und diese Verachtung. Warum ist noch mal eine CD 74 Minuten lang gewesen? Vielleicht wegen Beethoven.)

Photo by Charles Deluvio on Unsplash

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