Ihr seid die besten! Wissen schon die Wände. Graffiti mit Motto "The Best Gift is You". Foto: Dakota Corbin/Unsplash

Warum ich jetzt ein Buchprojekt starte, und zwar in der Öffentlichkeit

Für meine Arbeit lese ich viele Sachbücher. Und bei vielen denke ich mir: Naja, das hättest du auch gekonnt. (Damit meine ich nicht die, die ich hier im Blog bespreche. An denen finde ich meistens etwas.)

Das ist natürlich ein sehr narzisstischer Gedanke, denn mit allen Büchern ist natürlich unheimlich viel Arbeit verbunden. Bei meiner Diplomarbeit habe ich darunter sehr gelitten, mein Co-Autor kann davon ein Lied singen. Es ist nicht so sehr das Sammeln des Materials, aus dem ein Buch entsteht, sondern das Redigieren und Reduzieren. Ein gutes Buch wird eingedampft auf das Wesentliche. Aus 300 Seiten mach 200.

Aber nach ein paar Jahren Berufserfahrung merkt man, dass die Fragen, die man an ein Thema hat, immer mehr von dem abweichen, was man im Netz zu einem Thema findet. Aus mehreren Gründen: Es geht tiefer, es ist aktueller und auch viel spezieller. Und sogar Fachbücher sind oft nicht besonders gute Quellen, was das Verhältnis „neues Wissen“ zu bekanntem Zeug angeht. Da muss ich als „alter Mann“ noch ganz schön verlernen.

In meiner alten Welt als Tageszeitungsjournalist gab es das Sprichwort: „Ein Bild ist schnell geschrieben.“ Gemeint war die Möglichkeit, nach einem nachrichtenarmen Tag auch mal die Leser der Ausgabe des nächsten Tages mit dem Bild einer untergehenden oder aufgehenden Sonne über Kirche/Feld/irgendetwas Pittoreskem zu beglücken.

Im Technikbuchumfeld lautet das entsprechende Sprichwort, das ich aus der Lektüre ableite: Ein Tutorial ist schnell für das Buch umformuliert. (Ja, manchmal findet sich Tutorial-Quelltext aus dem Readme einer Software nur leicht abgeändert in einem Fachbuch.) Und ein bisschen Standard-Code aus der offiziellen Dokumentation des Anbieters oder aus einem eigenen Projekt ist auch schnell auf die Buchbelange angepasst.

Mein Buchprojekt erfüllt mehrere Dinge, die ich tun möchte:

  • Ich möchte mein Wissen mit der Community teilen. Das ist tatsächlich der wichtigste Grund für das Buch
  • Ich möchte mich als Experte für solche Projekte auf dem Markt zeigen, gerade als Qualifikation für weitere Aufgaben. In meiner Karriere habe ich mich viel zu oft zurückgehalten und habe dem Team gedankt, das ist hier jetzt mal anders.
  • Ich will einfach ein Buch schreiben. Und als Typ für den Bestsellerroman sehe ich mich einfach nicht. Wer mich kennt, weiß, wie sachlich ich bin.

Mein Buchprojekt ist mein persönliches Gegengift zu all den Gedanken im Sinne von „Was kannst du eigentlich?“.

Ach so, im Buch geht es um Relaunches von Webseiten. (Unter Relaunch-Buch.de kann man mehr darüber erfahren.) Wie macht man die Relaunches am besten? All das verrate ich. 40.000 Wörter habe ich schon geschrieben. Gerade redigiere ich den ersten Entwurf, mit dem ich von der Struktur her zufrieden bin. Und dann werde ich Stoff umstellen, Erklärungen von Fachbegriffen. Dann sind Fotos dran und dann geht das PDF an die ersten Testleser. Vielleicht noch im Sommer. Ich freue mich auf den erhöhten Druck von euch!

Photo by Dakota Corbin on Unsplash

Pathfinder auf dem Mars. Foto: Nasa

Filmkritik „The Martian“

Das Buch zu „The Martian“ fand ich sehr, sehr gut, und natürlich kann der Film nicht an die existenzielle Verzweiflung, die man im Buch fühlt, herankommen. Zu sicher, zu souverän steuert Astronaut Mark Watney (gespielt von Matt Damon, hallo Meme!) durch die Krisen auf dem roten Planeten.

Jetzt war der Film bei Amazon Video im Angebot (zum Leihen), in der gleichen Woche, in der auch das neue Buch von Andy Weir („Artemis“) erschienen ist. (Eine Enttäuschung, aber dazu wird es einen eigenen Post geben.) Das Leben hat so seine Art, Querbezüge herzustellen. (Ist natürlich nur mein Kopf, alles Zufall, aber wir sind so toll darin, Muster zu erkennen, wo keine sind, dass es mich immer wieder begeistert.)

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Fragen und Antworten | Dürfen Kinder WhatsApp …:

Warum fehlt im Titel dieser Seite ein Verb? Erwischt! Dürfen ist tatsächlich „nur“ ein Hilfsverb (Modalverb) und bräuchte noch ein richtiges Verb (ein Vollverb). Es müsste also heißen „Dürfen Kinder WhatsApp benutzen?“ oder „Dürfen Kinder WhatsApp verwenden?“. Allerdings ist gerade unter Kindern die Frageform „Darf ich ein Eis/eine Süßigkeit?“ (ohne ergänzendes Verb wie „haben“, „essen“ sehr beliebt. Deswegen finden wir das lustig.

Colosseum in Rom. Foto: Willian West/Unsplash

TIL: Man unterscheidet nicht mehr so richtig zwischen großem und kleinen Latinum

Gespräch in der Mittagspause: Es gibt kein kleines Latinum mehr.

Das ist nicht ganz richtig. Siehe Wikipedia:

Latinum – Wikipedia:

Seit 1979 ist in einigen deutschen Ländern das Latinum („KMK-Latinum“, eine Vereinbarung der deutschen Kultusministerkonferenz) an Stelle des früher üblichen „großen“ oder „kleinen“ Latinums getreten. Dabei gibt es in vielen Bundesländern die Möglichkeit, neben dem Latinum weiterhin das kleine oder große Latinum zu erwerben; das Latinum selbst wird dabei aus Unterscheidungsgründen im Schülerjargon als „normales“, „mittleres“, oder, falls es neben dem großen Latinum geführt wird, als „einfaches Latinum“ bezeichnet.

Ich habe mal gegoogelt und daraus ist diese Visualisierung entstanden:

Latinum dataviz

Beitragsbild: Photo by Willian West on Unsplash

Lesezeichen für Verkehrsmeldungen gelöscht

Heute war es so weit. Ich habe das Lesezeichen für die Stauschau gelöscht. Wahrscheinlich verrate ich damit mal wieder, wie alt ich wirklich bin. Die Verkehrsmeldungen des regionalen öffentlich-rechtlichen Hot-AC-Senders waren jahrelang mein Begleiter. Erst im Ohr, als ich im Auto noch Radio gehört habe. Als das immer unhörbarer wurde (3-Element-Break, geheimnisvolles Geräusch, kurze Playlist, viel Hot Hot Rotation usw.), habe ich immer mal wieder auf der Webseite der Verkehrsredaktion nachgesehen, wie die Verkehrslage ist.

Ab jetzt nicht mehr. Tatsächlich ist der Löschvorgang schon einige Zeit her, ich komme jetzt erst zum Aufschreiben meiner Motivation.

(Noch eben zu den Lesezeichen: Die sind für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Art und Weise, wie ich Dinge, die ich vielleicht nachschlagen muss, organisiere. Mein Chrome-Browser ist eine Chronik meiner Beschäftigungen und Passionen. Aber Lesezeichen sind auch etwas für alte Menschen, I get it.)

Warum habe ich das Lesezeichen entfernt? Weil mir der Prozess, wie Verkehrsnachrichten gemacht werden, nicht mehr gut genug ist. Aus den Messdaten von Schleifen auf der Autobahn und den Beobachtungen von Polizisten werden Berichte generiert, die dann eine halbe Stunde später verlesen werden.

Google zeigt mir in seiner Karten-App Google Maps aber in Echtzeit an, wo es gerade besonders dicht auf den Straßen zugeht, und stellt mit seiner Rechenpower sogar mit künstlicher Intelligenz Berechnungen darüber an, wie sich die Verkehrslage in den nächsten Stunden verändern wird. Meine ganz persönliche Erfahrung ist es, dass man sich darauf verlassen kann.

(Und wie gut Google Maps geworden ist, hat gerade erst wieder ein Essay im Vergleich mit allen anderen Karten-Programmen gezeigt.)

Mit einer kleinen Ausnahme: Nach einem der jüngsten kleineren Updates der App auf dem Smartphone will mich Google Maps immer eine Ausfahrt zu früh auf die Staatsstraße locken. Dabei wäre das ein Umweg von zehn Minuten gewesen. Aber das ist nur ein kleiner Bug, mit dem ich auf Sicht leben kann.

Im CMS der New York Times kann man ein Bitcoin-Kurs-Widget einfügen

Bitcoin finde ich ja faszinierend,  und da ist mir etwas an dem aufgefallen, was die großen Medien so alles für Möglichkeiten haben (anders als ich mit meinem winzigen Entwicklerteam, cue the Empörung…): In einem Artikel über die seit „The Social Network“ übel beleumundeten Winklevoss-Brüder (und Zwillinge) konnte der Redakteur oder der Web Producer einfach den Bitcoin-Kurs als ein Widget einfügen:

How the Winklevoss Twins Found Vindication in a Bitcoin Fortune – The New York Times:

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TV, retail, advertising and cascading collapses — Benedict Evans:

Suppose I put a bunch of HD cameras in the right parts of Berlin and Brooklyn and track what people are wearing, entirely automatically, and then see what of that shows up in middle America in a year, and then apply that pattern matching to what people are wearing in Berlin now? Again, no longer science fiction.

Und das ist eins der saftigen Stücke, nicht das Beste. Happy Hunting!

0,9x oder die Zukunft ist schon da

Wir haben bei der Arbeit einen aktiven Slack-Einsatz. Wir teilen Dinge mit den Kolleg*innen, die wir für wertvoll halten. (Und verabreden uns fürs Kino, Mittagessen, Rauchen…)

Mein Weihnachtsgeschenk eines lieben Kollegen in Slack war das Video „10 Year Futures“ von Benedict Evans, der bei a16z arbeitet. (Der hat auch die epochale Präsentation Mobile is Eating the World gehalten.) Ich glaube, aus dem nur 65.000x bis heute angesehenen Video kann ich noch beliebig viele Blogposts schnitzen.

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