Serienkritik „Berlin Station“, Staffel 1

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In einer US-Serie wird die U-Bahn gezeigt! Foto: Unsplash/Soroush Karimi
Meine Frau hat mir die Serie „Berlin Station“ empfohlen, und ich habe sie noch während der ersten Staffel (zehn Folgen) überholt, so gut hat mir die Serie gefallen. Die Serie erzählt von dem Kampf der Berliner Niederlassung der CIA gegen Terroristen, gegen interne Intrigen und gegen einen Wiedergänger von Edward Snowden. Eigentlich erzählt die Serie auch davon, wie wenig verantwortbar das Treiben der Geheimdienste ist, aus demokratisch-ethischer Hinsicht. Aber offenbar merkt man das bei Epix nicht, die die Serie gemacht haben. Eine zweite Staffel steht schon bei Netflix zum Download und Streaming bereit.

Thomas Shaw ist der Namen des Geheimnisverräters/Patrioten etc, wie auch immer man zu jemandem steht, der Geheimnisse aus dem geheimnisvoll-militärischen Komplex an die Presse verrät. Ihn aufzuspüren, ist die Aufgabe der CIA-Agenten in dieser Serie, und sie brauchen alle ihre Tricks, um ihn zu finden. Gerade gegen Ende der Staffel ist es dabei reichlich hektisch, wie gut einige Fäden aufgehen – weil sie schnell aufgehen müssen. Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass ich Expositionen lieber mag, aber das erklärt die Wertungen bei der IMDb von um 7-8 Punkten für die einzelnen Folgen.

Warum hat mir die Serie „Berlin Station“ dennoch so gut gefallen?

Man spürt anders als bei vielen Berlin-Produktionen von US-Sendern (und überhaupt Auslandsproduktionen) eine Kenntnis vom Drehort und den oft gelungenen Versuch, einiges richtig darzustellen. Ein paar Momente, die bei mir hängen geblieben sind, ohne etwas Wesentliches zu verraten:

  1. So kommen kleine Reisebüros vor, wie man sie von den Ausfallstraßen in Kreuzberg oder Wedding kennt, im Wedding spielt eine Folge, und es werden mal andere Sehenswürdigkeiten in den Vordergrund gerückt als die üblichen Verdächtigen.
  2. Wenn sich in „Berlin Station“ befreundete Geheimagenten im höheren Dienst treffen, tun sie das im Einstein, so wie die bundesdeutsche Politik. Als die Agenten mal ein Fluchtfahrzeug brauchen, schließen sie ein Auto kurz, bei dem das noch geht – eine S-Klasse aus meiner Jugend.
  3. Die Unterwelt Berlins sah selten so echt aus: Boys Want to Be Girls, Jungs küssen Jungs und machen mehr auf dem Klo, als sie in ihren Heimatländern dürften (Saudi-Arabien!).
  4. Rhys Ifans spielt den abgefuckten Institutionsmitarbeiter, den wir alle aus Konzernen kennen: schon zu lange dabei, um zu glauben, dass man etwas ändern kann.
  5. Rhys Ifans spielt den Clubgänger, der unkaputtbar ist und cooler als all die anderen Amateure. Party Hard, triff dein Gesicht!
  6. Rhys Ifans spielt den Mann, der für eine Sache einsteht.
  7. Überhaupt: Rhys Ifans – das ist seine Serie. Er hat für „Berlin Station“ die Rolle, wie sie James Spader für „The Blacklist“ hat – aus durchschnittlichem Material zaubert er eine magnetische Gestalt, von der man nicht die Augen nehmen kann.
  8. Es wird Deutsch gesprochen in Interaktionen zwischen Deutschen und Amerikanern, wenn auch meist nur phonetisch (sad!).

Wertung: dreieinhalb von fünf Kiezen.

Photo by Soroush Karimi on Unsplash

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