Filmkritik: Avengers – Infinity War

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Film
Chris Hemsworth und Tom Hiddleston. Foto: Gage Skidmore/Flickr
Wenn ich ins Kino komme, dann für Kinderfilme – oder für Superhelden. (Beim zweiten Teil unterscheide ich mich nicht von all den Teenagern, die die wichtigste Zielgruppe der Filmbranche geworden sind.)

Superhelden wachsen gefühlt auf Bäumen, und man kann sie drei Mal im Jahr ernten. Wie im Gewächshaus unter spanischer Sonne oder niederländischer Höhensonne. Das kommt mir nicht nur so vor, sondern es gibt einen richtigen Masterplan für die Marvel-Superhelden. Der kommt von Marvel-Chef Kevin Feige, einem der Produzenten auch des aktuellen Avengers-Titels, „Avengers – Infinity War“. Und er reicht bis 2028, mindestens, wenn man einem Bericht im Guardian glauben darf.

Auch meine Kinder werden also noch im Kino eine Welle an Superheldenfilmen sehen dürfen.

Diesmal kommen alle Marvel-Helden vor. Naja, vielleicht nicht wirklich alle 8000, aber es sind schon einige. Die Originalgeschichte zu Feige und den 8000 Helden findet sich in Vanity Fair.

Mein Lieblingsheld ist dabei, der arrogante Kotzbrocken Iron Man, der gar keine Superkräfte hat und sich mit seinem Verstand die Superkräfte selbst basteln muss, und auch einer, der mir im Laufe der Filme immer sympathischer geworden ist: Thor. Und die ganzen Guardian-of-the-Galaxy-Gruppe auch. Das ist kein Spoiler, das sieht man schon auf dem Poster.

Worum geht es in „Avengers – Infinity War“?

Worum geht es? Mal wieder um alles. Das Universum ist in Gefahr, weil sich der Riese Thanos (Josh Brolin) alle sechs Infinity Stones besorgen könnte. Mit denen kann er das gesamte Leben in allen Welten auslöschen. Das will der aber gar nicht, sondern nur die Hälfte. Das ist nämlich seine Weltformel: Wenn er die Hälfte der Bevölkerung auf einem eroberten Planeten töte, habe der Planet eine Überlebungschance. Agent Smith aus Matrix, der die Menschheit für einen Virus hielt, und er würden sich gut verstehen. (Thanos hat schon viele Planeten besucht und Bevölkerungen mit herkömmlichen Weltraumwaffen, also Blastern, Lasern und Pupskanonen, umgebracht. Warum die Hälfte überall das richtige Maß sein soll, ist mir nicht klar. Aber Logik ist in solchen Filmen auch egal, solange die Löcher nicht allzu groß werden in der Logik. Einer aufmerksamen Zuschauerin ist sogar ein sachlicher Fehler aufgefallen, bei all dem Spektakel.)

Als ich den ersten Trailer mehrfach gesehen hatte, dachte ich mir, dass kann ja nicht gut gehen. Thanos ist nämlich ein computeraugmentierter Josh Brolin, keine reine Performance. Normalerweise bucht man dafür Andy Serkis, den wir als Gollum/Smeagol und auch „Der Planet der Affen“ kennen. Aber Brolin gibt dem großen Fleischberg, der sogar Hulk alt aussehen lässt, eine Tiefe und Gebrochenheit, die man in der Marvel-Welt sonst nur von Iron Man kennt. Fast würde ich sagen, Menschlichkeit, aber das würden beide weit von sich weisen. Vielleicht gerade deshalb, weil sie sich für mehr als das halten, was sie eigentlich sind. Den Trailer fand ich unerträglich, auch das pseudomoralische Gelaber von Thanos.

Aber trotz seines offensichtlichen Wahnsinns und der Selbstüberschätzung versteht man ihn und was ihn antreibt. Das lädt den Kampf auch sehr emotional auf, das Geballer, Gerenne, Gehaue und Trickgewitter, das den Film immer wieder ausmacht. Anders als im letzten Avengers-Film, wo man ein sehr konstruiertes Setup hatte, das die Avengers gegeneinander ausspielte, gibt es diesmal genug zum Identifizieren – ein würdiger Kampf, eine hehre Sache.

Manche sehen im neuesten Avengers den Film, der die Filmgeschichte begräbt. Das ist natürlich übertrieben. Er ist einer der besseren in der langen Reihe der Superheldenfilme. Und das ist ja schon mal was.

Und ich wünschte, ich könnte so cheeky und so fluffig-leicht formulieren wie mein Lieblingsfilmkritiker, Anthony Lane, im New Yorker:

“Avengers: Infinity War” and “Let the Sunshine In,” Reviewed | The New Yorker:

There are six Infinity Stones, scattered about the cosmos, or yours for just $19.99 if you buy direct from QVC.

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