Designer? Developer? Ich doch nicht

Schreibe einen Kommentar
Konzeption
Ich bin kein Designer. Ich bin kein Entwickler.

Eigentlich kann ich also nix.*

Diese zwei Rollen gibt es im klassischen Startup. Der mythische Entwickler-Gründer, schwer mit technischen Skills beschlagen, gemeinsam mit einem krassen Frontend-Entwickler-Designer-Hybriden. Und Business hat vielleicht noch ein Dritter drauf. (Den lasse ich mal als Querschnittsschicht aus der Grafik heraus.) Ganz schematisch stelle ich mir das so vor:

Silicon Valley Softwareentwicklung

Die Wirklichkeit gerade in den Enterprises dieser Welt der Web Apps und Webseiten sieht anders aus. Da gibt es eine hochspezialisierte Technikwelt, mit standardisierten Prozessen, 99,9 Prozent Betriebssicherheit und Auslieferung über diverse Cache-Schichten. Auf der anderen Seite (wenn man im Bild der Dichotomie bleiben will) steht da nicht das Design, sondern die Business-Seite, die grobe Ideen und Meinungen über den Zaun wirft.

„So wie Pinterest, aber direkt mit Kaufen“.

„So schnell wie Google, aber ganz viele Bilder“

„Amazon kann das doch auch.“

(Diese Beispiele sind erfunden. Wir Produktmenschen würden sie niemals Grobkonzept nennen, aber ich habe Ähnliches schon erlebt.) Diese zwei Pole reichen natürlich nicht aus, da gibt es immer auch noch Marketing, Produktmanagement und noch viel mehr Fachbereiche.

Ich will die Business-Seite gar nicht kritisieren. Das ist gar nicht meine Absicht, im Gegenteil. Viel zu oft wird nämlich bei am Anfang tollen Ideen das klare Businessmodell vergessen. Noch vor fünf Jahren wurden in unserer Branche Budgets ausgegeben für Projekte, die diese nie amortisieren konnten. Heute wird Zeit investiert, wo der CPM am Ende vielleicht 2 Euro hergibt.

Noch mal zu meiner Einleitung: Ich bin kein Designer. In München gibt es ein recht reges Forum von Designern, das sich in der IXDA Munich zusammengetan hat. Einmal im Monat treffen die sich, reden über Designprobleme. Die habe ich auch, aber irgendwie fühle ich mich in diesen Runden immer fehl am Platze. Cool, weltgewandt, schwer am Networken – alles, was ich nicht bin. So als ob gleich herauskommt, dass ich die Latein-Vokabeln nicht gelernt habe. Dabei mache ich das doch auch. Also designen.

Wie hat das Matt D. Smith gesagt, der mich zu diesem Post animiert hat:

What Do You Call Yourself?
„So, what do you do?“ is the age old question that everyone seems to face on a regular basis.

*Erklärung: Bei der ProSiebenSat.1 Digital GmbH arbeite ich als Head of Platform Development. Was heißt das? Ich bin Product Owner für die großen TV-Sender-Video-Seiten wie prosieben.de und sat1.de. Ein professioneller Designer bin ich nicht. Habe das nie studiert oder gelernt.

Aber ich designe Wireframes, basierend auf dem Research, das ich mit den Business Analysts zusammentrage – aus Usability-Studien, Nutzerbefragungen, Zahlenkolonnen aus der Datenerhebung. Die Wireframes diskutiere ich mit Stakeholdern und gebe sie einem professionellen Designer zur Ausarbeitung. Die Maße bleiben weitgehend gleich, bei ihm werden auf Medium Fidelity Wireframes dann glossy High Fidelity Comps. An Stunden bin ich wahrscheinlich genauso lange mit Designen bechäftigt wie er für seinen ersten Wurf. Danach arbeite ich mit Scrum Master und einigen Entwicklern daran. Das Modell sieht eher so aus:

Verteilte Softwareentwicklung

Gern auch remote, wenn man die Teams aus verschiedenen Einheiten oder Dienstleistern zusammenstellt. Scrum als Fiktion – darüber werde ich wohl auch noch mal etwas schreiben müssen. (Warum so viele Fonts in einer Grafik? Weil die jeweiligen Rollen ganz unterschiedliche Sprachen sprechen. Die, die sich besser verstehen, stehen auf einer Seite der Grafik.)

Also. Ab sofort werde ich mich auch Designer nennen. Das ist ja auch kein geschützter Beruf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.