Bewerber-Software, oder Bewerbungs-Verhinderungs-Software

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User Experience / Web
Mein aktueller Arbeitgeber setzt so etwas nicht ein wie die im Titel gemeinte Bewerber-Software. So muss man die nämlich nennen, dann nimmt man die Kundenperspektive ein. Irgendwas Unmenschliches muss nämlich in HR- und IT-Verantwortliche in großen Konzernen gefahren sein, dass sie das Bewerben beim eigenen Unternehmen so schwer machen. Nach dem Klick auf den Bereich „Job & Karriere“ muss man mindestens

Keine Angst, lieber Arbeitgeber. Ich suche nix Neues. Vor einem Jahr sah das aber anders aus, und jedes dieser Tools war furchtbar. Am angenehmsten waren die kleinen Unternehmen, bei denen man sich einfach mit einer gut formatierten Arbeitsmappe und einem Lebenslauf (beides als PDF) bewerben konnte. Nach den endlosen Klicks muss man sich einen Account bei einem Unternehmen anlegen, von dem beide nix haben – das Unternehmen darf mich nicht einfach so auf diesen Kontaktdaten kontaktieren, und die Wahrscheinlichkeit, dass es in meinem oder deinem speziellen Arbeitsteilmarkt noch einmal eine offene Stelle bei GENAU dieser Firma gibt, dürfte auch sehr klein sein.. Bei Google und Amazon mag das anders sein, weil die so groß sind. Aber ein Mittelständler mit eigenem Onlineshop? Da dürfte das Team, das gerade aufgebaut wird, ein paar Jahre das gleiche bleiben. 

Manchmal gab es einen Gast-Checkout (erst einmal keinen Account anlegen), wie bei den professionellen Shops auch. Aber das war eher die Ausnahme. Meist war es Software, die nach SAP roch, auch wenn sie es nach den Angaben von Built with nicht war. User Experience oder gar Customer Experience? Hier jaulen tausende ehemalige Jobbewerber auf. Haha, und dann war die Bewerbung weg – abgestürzt in schlecht programmierten Javascript-Dateien, die offenbar nie auf mobilen Geräten oder einem Mac getestet wurden.

Das Gute ist, dass sich viele Arbeitsmärkte drehen. Diese Silos zur Verwaltung von maximal 1,25 MB großen Zeugniskopien (warum? ich muss meine Bewerbung winzig klein komprimieren, dass man von Zeugnissen nix mehr lesen kann. Das System hat gewonnen, das Ergebnis ist für beide Seiten mehr Aufwand. Und es ist Mist – da wird Zeit verbrannt beim Kopieren zu SmallPDF und beim Entziffern von Herunterskalierten Dokumentenscans.) Da bewerben sich Unternehmen um Kandidaten, nicht mehr Bewerber bei Unternehmen. Damit wird diese Software wertlos. Viele US-Startups haben bereits 1-Klick-LinkedIn-Bewerbungen, mit denen sie Profile einsammeln. Wir sind dazu übergegangen, interessante Talente direkt im Netzwerk anzusprechen. Da, wo sie aktiv sind. Xing, LinkedIn, auf ihrem Blog, bei GitHub (so suchen Konzerne wie Google und Facebook, vor allem nach interessanten Committern bei Open-Source-Projekten).

Wir sind klein, wir suchen dann gezielt nach den Vorerfahrungen, die wir uns vorstellen. Sehr personalintensiv, aber auch sehr zielgenau. Talentesuche ist eine Führungsaufgabe, auch wenn viele C-Level-Executives das noch nicht wahr haben wollen.

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