Mein Senf zu Funk

Wut ist ein schlechter Ratgeber beim Bloggen. Zu scharf angesichts der Sache werde ich dann leicht, zu krass im Ton. Aggro. Ich mag mich dann meist später selbst nicht. Aber sei’s drum. Das Thema „Funk“ lässt mich nicht kalt. Aber ich bin nicht dagegen, dass die Rundfunkanstalten zu YouTube gehen. Sie müssen sich auch in Zukunft legitimieren. Über das live-lineare-Fernsehen geht das nicht mehr bei Zuschauern unter 30. Und so sage ich:

Prinzipiell finde ich es super, was die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten da machen.

Die tun sich zusammen, ARD und ZDF, und gehen mit ihrem Inhalteangebot dorthin, wo die gewünschte Zielgruppe ist: zu YouTube. 32% der 14- bis 29-Jährigen nutzt täglich Seiten wie YouTube, haben ARD-Forscher herausgefunden (PDF-Dokument). Wenn ich keine Monetarisierungsbedarfe hätte, würde ich da auch hingehen. (Sind wir mit TargetVideo aus guten Gründen nicht, weil Videowerbung bei YouTube weniger Geld bringt als wenn man alles selbst macht.)

Mich stören in der üppigen Berichterstattung über Funk, ein lobenswertes Projekt, die Dinge, die geschrieben werden und die, die nicht geschrieben werden. Ich dürfte als ehemaliger Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 natürlich das mit den Zwangsgebühren finanzierte Projekt gut finden. Aber ich denke, man hat da viel richtig gemacht.)

Und vor allem die Dinge, die ich nicht gelesen habe, funken fuchsen mich:

ARD und ZDF statten eigenes Multi-Channel-Network mit fast 40 Millionen Euro pro Jahr aus.

So hätte meine Headline gelautet. Stattdessen lese ich überall

„Content-Netzwerk“

Es ist ein Multi-Channel-Network. Content-Netzwerk steht in der Pressemitteilung von Ende September 2016

Was noch?

Die Twitter-Strategie von Funk verstehe ich noch nicht. Offenbar ist das der echte Account, das ZDF folgt ihm. Aber warum wurde er nicht verifiziert? Das hätte das deutsche Twitter-Team bestimmt gern gemacht. (Hättet ihr doch, oder?) Was heißt das für Twitter? Und warum ist da noch Ei? War da wirklich keine Zeit für eine Winkekatze oder Grumpy Cat?

Konferenzbesuche, erste Male: IBC, 2016

Dass ich Tulpen mitbringen werde, ist nicht so klar. Jeder Redakteur, der sein Geld wert ist, hätte mir diesen Satz gestrichen. (Wo sich Blogger und Journalisten unterscheiden. Blogger sind die ohne redigierenden Redakteur.) IBC ist für die TV-Branche und das Radiogeschäft das, was die IAA oder der Genfer Salon für die Autowelt sind: Nabel der Welt für die Zeit, in der sie stattfindet.

Prospekte werden auch aus Tulpen gemacht, oder? Dann bringe ich verwandelte und für die Ewigkeit wie Ikea-Pakete flach gefaltete Tulpen mit. Und viele gute Gespräche. Denn darum geht es bei Messebesuchen doch: eine persönliche Verbindung zu einem aktuellen oder einem künftigen Lieferanten oder Partner herstellen, dem Kontakt vom Telefon oder vom E-Mail-Verkehr mal ein Gesicht verpassen können. 

So habe ich tatsächlich dem CTO für das Produkt, das wir bei TargetVideo für die Verwaltung unserer Video-Assets mal die Hand schütteln können und dem Account Manager unsere Featurewünsche nennen können. Eine schöne, direkte Erfahrung, die hoffentlich viele Kunden mit ihren Vendoren auf der Messe haben machen können.

VR

Wer sich die Trends der Messe ansieht, wie man das auch als guter Messeberichterstatter macht, sieht, dass die meisten Prognosen etwa dieses Anbieters vom Anfang des Jahres eintreffen.

VR will take off for real. 2016 will not be the year of VR, but hype or not, VR is here to stay in one form or another.

Mir wird immer noch speiübel von dem Zeug, egal, ob es Oculus Rift oder Ozo oder sonst noch etwas ist. Ich bin der Edge Case. Außerdem war ich von der Pixeligkeit der Darstellung nicht besonders begeistert. Meine Brille beschlug in der Kombination von Transpiration, Konzentration und engem VR-Helm. Auch scheint mein Kopf (65er Umfang, nein, kein Wasserkopf) ein bisschen zu groß zu sein für die klassischen Maße der Hardwarehersteller. 

Ich will es gut finden, diese Virtual Reality, schon seit meinem Besuch in einem Fraunhofer(?)-Labor im Studium, Ende der neunziger Jahre. Aber so ganz den Durchbruch habe ich da noch nicht geschafft. Es wird aber passieren.

Drohnen

Wahrscheinlich viel praktischer, und auch für den Journalismus besser monetarisierbar: der Einsatz von Drohnen für Dreharbeiten. Ich glaube, Drohnen sind die neuen Webcams. Ohne sie wird in Zukunft kein Unternehmensvideo, keine Tourismusverband mehr auskommen. Transparenz herstellen kann man damit wunderbar – und sie kosten nicht viel. Spannende Ankündigungen wie die von DJI oder GoPro kamen erst nach der Messe, aber wer hier auf dem Laufenden bleibt, hat sicher volle Auftragsbücher.

Kino kämpft

3D kam und normalisierte sich. Jetzt ist mit Dolby Atmos, 120 Bildern pro Sekunde und Laserprojektion ein neues Technikrennen im Gang, um Kino noch großartiger zu machen, als es ist. Eine Sondervorführung von „The Revenant“ hat mir gezeigt, wie toll Kino sein kann. Leider ist das Lichtjahre und mehrere Stufen in der Projektorhelligkeit in real existierenden Multiplexkinos entfernt. 

In eigener Sache

Ich hätte damals doch zu den Pfadfindern gehen sollen. Auf ein paar Tischen im Meetingbereich wird das WLAN-Passwort verraten. Leider habe ich die aber trotz mehrerer Runden über die Messe erst eine Stunde vor der Abreise gefunden. Meine Kollegen haben daher die Mails erst abends bekommen. Und mein Smartphone hielt, anders als auf den meisten anderen Messen oder Konferenz, akkumäßig den ganzen Tag durch. Kein WLAN, kein Roaming. Hach.

Filmkritik: Big Buck Bunny #dam

Ich hasse diesen Hasen aus „Big Buck Bunny“. (Bin ich ein Hasenhasser? Nein, den in Donnie Darko fand ich erträglich.) Obwohl ich den Film „Big Buck Bunny“ bis heute noch nie gesehen hatte. Warum? Offenbar ist er der einzige Creative Commons-lizensierte Film im ganzen Internet. Leider stellt die NASA keine Full-HD-Videos mehr ins Netz, sodass diese Quelle versiegt ist. 

Ein etwas unförmiger Hase lebt in einem Baum. Schon kurz nach dem Aufstehen wird er von anderen Bewohnern des Waldes geärgert. Er wird beworfen, immer auf den Kopf – mit Waldfrüchten. Dann betreiben diese Tiere auch noch den größten Waldfrevel: Sie schänden einen Schmetterling, nur um sich Feenflügel zu machen.

Der Film penetriert die Vorurteile, die wir seit Walt Disney haben: Schöne Tiere können nicht verschlagen sein, hässliche hingegen schon. Seltsam aussehende Tiere sind im Zweifelsfall die guten. Und Rache ist in US-amerikanisch geprägten Erzählstrukturen immer ok. Selbst wenn sie den Tod des Gegners einkalkuliert.

No animals were harmed in the making of this movie

Och, was ist das alles flauschig, und es kopiert die Welt, die wir von anderen Animationsfilmen kennen. Die Animation wirkt streckenweise sehr professionell und überrascht mit großer Tiefe. Und dann gibt es wieder Bereiche im Rendering, die aussehen wie die Previz – als wäre etwas nicht rechtzeitig fertig geworden. Semiprofessionell wäre das höchste Kompliment, aber halt Creative Commons. Ansehen muss sich das niemand, da gibt es keinen einzigen eigenen Gedanken zu entdecken. Es ist durch und durch abgekupfert und zusammengestümpert.

DAM, der Fiöm

Warum habe ich diese Filmkritik endlich geschrieben? Weil sogar Pay-Anbieter wie JW Player, bei dem TargetVideo die Videostreamings machen lässt, den Film bzw. dessen Trailer, um genau zu sein, auf ihrer Dokumentation nutzen. Und als ich in 2015 die Landschaft der DAM-Anbieter gesichtet habe, habe ich den Film in jedem Projekt gesehen, sogar in so hochpreisigen Komplettsystemen wie ThePlatform.

Selbstverständlichkeiten

Wir sehen uns auf der dmexco? Sollen wir schon mal einen Termin machen?

So ähnlich beginnt die Mail, die ich im August oft bekam und auch verschickt habe. Das ist also ein Glashaus-Beitrag. (Was das Beitragsbild erklärt.) Natürlich fahre ich zur dmexco. Die ist für Onlinebranche das, was für die Automobilindustrie die IAA in Frankfurt und für die Buchbranche die Buchmesse in Frankfurt. Mit dem Unterschied, dass außer den Teilnehmern und den Industrieangehörigen noch niemand von der dmexco gehört hat. Vielleicht noch die Kölner Taxifahrer, die an dem Tag das Geschäft ihres Lebens machen. Und die Kölner, die sich über den irren Stau an dem Tag wundern.

Und natürlich fahre ich auch zur IBC, der europäischen Leitmesse der Video- und TV-Industrie mit einem technischen Schwerpunkt. Content kauft man in Cannes, in Amsterdam kauft man Technik. 

Oft nehmen wir einfach an, dass unsere Gesprächspartner genau die gleichen Pläne haben wie wir selbst. Diese Pläne sind oft Gepflogenheiten der Branche oder Industrie, in der man tätig ist. Dazu gehören die Visitenkarten, die immer noch die Faxnummer enthalten, obwohl die höchtens Anwälte brauchen. Oder auch Zeitschriften-Abonnements für die Abteilung, die dann ungelesen in einem Wartebereich im Empfang herumliegen. Exchange-Server, weil man eben Outlook hat – oder wie im Startup-Bereich, mit Gmail bewusst dagegen setzt: Beides ist eine Selbstverständlichkeit, die gelernt ist. Und nur selten überprüft wird.

Im Urlaub habe ich wieder mehr angefangen, über diese Selbstverständlichkeiten, Gewohnheiten nachzudenken. Sie behindern uns mehr als wir denken. Erst dann, wenn wir sie uns bewusst machen, können wir wirklich freie Entscheidungen treffen.

Auch dann, wenn es nur in der Produktentwicklung für eine unterhaltende Website-Familie ist.

VerDAMmt schwer, die Suche nach einem Digital Asset Management-System

Einleitung: Die besten Impulse zum Bloggen kommen durch das Lesen von anderen Blogs. Manchmal sind es persönliche Erlebnisse. Heute soll es mal um einen Post des wohl bekanntesten deutschen DAM-Bloggers gehen. DAM: Das bedeutet Digital Asset Management System. (Wen das Thema nicht interessiert, muss jetzt nicht weiter lesen.)

Tim Strehle sprach mir aus der Seele, als er vermutete, wie schwer die Auswahl eines DAM-Systems sein müsse. Er selbst muss ja nicht auswählen, er arbeitet für einen Hamburger Anbieter, der etwa öffentlich-rechtliche Sender mit den Systemen versorgt.

It must be terrible to shop for a Digital Asset Management system. While the Web empowers cheap smartphone, fashion or book buyers – with independent coverage from press and bloggers, and customer reviews on Amazon – it’s not very helpful when you’re planning to spend tens (or hundreds) of thousands on DAM software and need to compare products. 

Warum ist das so schwer? Alle Verkäufer finden ihr Produkt am besten. Oder haben Sie schon einmal einen BMW-Verkäufer gesehen, der ernsthaft einen VW empfiehlt? Früher mag das der Fall gewesen sein, als es keine Vans von BMW gab. Aber die gibt es mittlerweile, und für einen Lastwagen gehen Sie ja auch nicht zum BMW-Händler. Und die andere Seite ist nicht besser – die Käufer können selbst keine Autos bauen und hinter die Spezifikationen, Whitepapers und Firmenvideos schauen. Vor allem nicht bei Softwareprodukten, die auf Servern auf dem Firmengelände, also on-premise, installiert werden müssen. 

Die richtig guten Verkäufer/Account Manager der DAM-Anbieter kennen ihr Produkt sehr gut. Sie fragen den Interessenten erst einmal sehr viele Dinge, die der vielleicht noch gar nicht weiß. Die wenigsten DAM-Interessenten dürften an einem Produkt als Ersatz für ihr altes Produkt interessiert sein, sondern eher an einem Einstieg ins Thema der besseren Verwaltung ihrer Daten. (Bei meinem alten Arbeitgeber ProSieben war das etwas anders, aber das ist auch ein Medienunternehmen, das seit Menschengedenken mit Videodat(ei)en arbeitet.)

Marktübersicht ist ein aufwändiges, aber auch lukratives Thema

Tim Strehle zählt 148 Anbieter auf seiner Liste Planet DAM. Anbieter wie Capterra oder CMS Wire habe ich auch genutzt, um diese Liste kleiner, handhabbarer zu kriegen. An die 80 Systeme habe ich mir zumindest angesehen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich sowas gemacht. Das dürfte den meisten so gehen, die ein DAM brauchen. Oft sind das ja Marketer.

In meinem Team haben wir zwei Evaluationsrunden gedreht. Einmal habe ich die am Anfang gemacht, als ich noch wenig wusste. Und dann habe ich das einen Mitarbeiter machen lassen, als wir die Requirements angepasst hatten, weil wir besser wussten, was wir brauchen.

An einer ungewöhnlich scharfen Kritik (von Ralph Windsor) im Bereich DAM bin ich hängen geblieben, weil hier eine Pressemitteilung zerrupft wurde. Und sie schlug eine Saite in mir an, die ich hier versuche zu beleuchten.

Es gibt Anbieter, die einem den Markt transparent machen wollen. Sie verdienen mit dem Verkauf von Reports, die den Marktüberblick herstellen wollen, Geld. So ein Bericht zu einem Marktsegment kostet eine vierstellige Summe. Wahrscheinlich ist das der auch wert, weil er viel Recherche erspart. Aber für mich ist Recherche so etwas wie die Anamnese eines Arztes. Der Mediziner traut seinen Standeskollegen auch nur bedingt, er erhebt selbst noch einmal die Symptome, auch wenn die Überweisung vom Fachkollegen kommt. Für mich als IT-Manager ist es daher wichtig, dem Anbieter zu trauen. Und manchmal stolpert man dann über Copy & Paste-Fehler auf der Website eines solchen Vergleichsbericht-Anbieters, die Zweifel säen. 

„I have heard reports about other DAM system review sites where the operators (while less obviously biased) are sometimes partial to weighting the prominence afforded to certain products over and above the others.“ 

Wenn mein Produkt etwas ist, was den Verkauf eines anderen Produktes befördert, dann bin ich automatisch incentiviert, das margenstärkste Produkt zu empfehlen. Das ist bei Versicherungsmaklern so, die selbstverständlich Lebensversicherungen empfohlen haben, weil da die Kopfprämien so gut sind. Und das ist auch bei Google so, weil da die Meistzahler bevorzugt werden. 

Wie hat es also Google geschafft, dass wir den Anzeigen vertrauen? Die Fallzahl der Klicks ist hoch zu jedem Keyword. Es herrscht ein reger Wettbewerb. Und es ist ja nur ein Klick. Was kann für den Nutzer schon schief gehen.

Bei DAMs ist das anders. Wahrscheinlich gibt es im deutschen Markt pro Jahr nur ein paar hundert, vielleicht einige tausend Interessenten. Der Markt ist klein, wenig transparent. Und die falsche Kaufentscheidung für ein nicht geeignetes Digital Asset Management System dürfte eine Karriere bei einem Unternehmen torpedieren. Fünf- bis sechsstellige Summen sind eine Leichtigkeit, große Installationen kosten auch siebenstellige Euro-Beträge. Daher habe ich das sehr ernst genommen.

Wissen, was man braucht

Bei der Evaluation hat es mir geholfen, dass ich mich mit Content Management Systemen (CMS) sehr gut auskenne. Die haben meist rudimentäre DAM-Funktionalitäten ( WordPress – ich meine deine Medienbibliothek). Außerdem bin ich ein erfahrener Product Owner. Aufschreiben, was meine Stakeholder brauchen, und mit dem Business Owner priorisieren: Check.

Und dann habe ich die 80 Systeme so gut es geht überprüft: mit Online-Demos und wo möglich, Testläufen mit einer cloudbasierten Variante des Systems. Ralph Windsor liegt mit seiner Schätzung, dass man pro System sicher einen Tag braucht, um das beurteilen zu können, gar nicht so falsch.

So kam über eine Zeit von drei Monaten ich auf eine Shortlist von vier Systemen, letztlich zwei, bei denen wir Angebote verhandelt haben. Gerade rollen wir bei Target Video Cantemo aus, ein System, für das sich im letzten Jahr auch der Guardian und AOL entschieden haben.

Zweite Meinung einholen ist schwer

Ich wollte natürlich die Kaufempfehlung absichern. So haben wir auch eine IT-Beratung ins Projekt mit einbezogen. Wir haben uns trotz einer gegenseitigen Wertschätzung dann dagegen entschieden, mit ihnen das Projekt umzusetzen. Im Wesentlichen aus zwei Gründen:

  1. Die Software ist teuer genug, da können wir uns nicht auch die Beratung leisten.
  2. Die Berater hatten eher Erfahrung mit großen Unternehmen, nicht mit kleinen Startups.
Wie holt man sich als Branchenfremder dann dennoch Input zu der eigenen Kaufentscheidung, die man natürlich selbst treffen muss und die einem auch keiner abnehmen kann? Man redet mit Leuten aus dem Netzwerk. Mir haben da vor allem die geholfen, die gesagt haben: gutes System, aber für uns war das aus den und den Gründen nix. Oder die gesagt haben: Ihr kennt eure Anforderungen am besten. Mir hat auch ein Entwickler geholfen, der mit verschiedenen Systemen Erfahrungen als Integrator hatte. Aber das war ein Sechser im Lotto, und dafür habe ich irgendwann zum Essen eingeladen.
 
Und warum hört man jetzt also nie Kritik an DAMs? Erstens will ich es mir mit dem Anbieter nicht verscherzen. Ich brauche den ja noch für Änderungen am Code. Cantemo war etwa sehr zuvorkommend, was das angeht. (Merken Sie, was ich hier tue?) Ralph Windsor fasst das so:

On the LinkedIn discussion “I’ve outgrown my DAM” (asking for honest feedback from DAM administrators), expert Ralph Windsor of Daydream comments:

“I know I can’t say ‚x provider is great, y are not‘ in a forum like this (even though I might think it) as that would generate all kinds of complex political problems when/if I have to deal with them elsewhere.

Und zweitens will ich ja meine Produktempfehlung im Nachhinein nicht in Frage stellen. Es war natürlich alles Gold, was ich empfohlen habe.

Microsoft Stream: der neue Albtraum für DAM-Anbieter

DAM-Anbieter sollten Angst bekommen. Bisher ist der klare Usecase für ein DAM-System: Wir (Unternehmensnamen oder Marketingabteilung hier einfügen) wollen andere unsere digitalen, vor allem die visuellen Assets an einer Stelle im Unternehmen zentralisieren. Das Marketingteam will zum Beispiel bei der Anschaffung eines DAMs sicher stellen, dass immer die aktuellsten Assets benutzt werden, wenn die Creatives neue Werbemittel für eine Kampagne erstellen. Die Synchronisierung eines Unternehmens passiert auf diese Art und Weise oftmals an der hauseigenen IT vorbei, mit einer standardisierten Lösung. Und jetzt gibt es die Preview von Microsoft Stream.

Der Markt für diese Systeme ist groß, er beginnt ernsthafterweise bei etwa 500 Euro monatlich für eine gehostete Version. Das hat zumindest meine Untersuchung des Marktes im Herbst/Winter 2015/2016 ergeben, die ich für TargetVideo gemacht habe.

10 Features muss jedes DAM haben, damit es von der Szene ernst genommen wird als ein echtes DAM.

  1. Unique ID codes
  2. Workflow capacity
  3. Version control
  4. The ability to create metadata fields/categories in addition to the metadata standards (IPTC, EXIF, XMP etc).
  5. A Robust and extensive taxonomy built on metadata fields/categories described above.
  6. Advanced search where metadata/keywords can be searched for.
  7. Methods by which assets can be shared and/or linked.
  8. Ability to perform actions on ‘batches’ of assets, such as upload, download, add to gallery, add metadata etc.
  9. Can handle several different file types; most commonly images, documents and audiovisual files.
  10. Administrative capabilities and the ability to have different user types.

Warum sollten sie Angst bekommen? Microsoft hat diesen Markt jetzt betreten. Und das entstandene Produkt ist derzeit in einer Beta-Version verfügbar, Microsoft nennt es selbst Preview. Microsoft ist für mich einer der ernsthaften Endgegner, die man in der Softwareentwicklung haben kann. Das Team derer, die man nicht als Konkurrent haben will, besteht für mich derzeit aus: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft. Microsoft hat sich diesen Platz in den letzten Jahren mit überraschenden, aber logischen Entscheidungen (Office für iPad und Android-Tablet FTW) zurückerobert.

Introducing Microsoft Stream: the secure destination to manage and share videos for businesses of all sizes – The Official Microsoft Blog: „Today we are announcing the free preview of Microsoft Stream, a new business video service that democratizes access to and discovery of video at work. Starting today, anyone with a business email address can sign up for the preview in seconds and begin uploading, sharing and tagging videos in their organization. „

(Via.)

Und es erfüllt gleich die Punkte 1, 6, 7, 8 und 10. Finde ich für eine Beta durchaus überzeugend. Ja, wenn man eine echte Bedarfsanalyse macht, wird man feststellen, dass das Produkt vieles von dem nicht kann, was man in einem Unternehmen braucht. Besonders das Fehlen einer Versionierung (man kann in Stream nur löschen) und des Workflow-Management sind für mich schmerzlich. Microsoft-typisch ist das Ganze derzeit nur vorstellbar, wenn man auf Exchange oder eine andere Microsoft-Account-Technologie denkt. Und das Rechtemanagement hat einen starken Binnenbezug in einen Konzern hinein. Aber wenn man jemandem die Absicherung von Inhalten gegen externe, nicht-befugte Nutzer zutraut, dann wohl dem DRM-erfahrenen Microsoft.

Aber wenn die Anforderung „firmeninternes YouTube“ lautet, ist es für mich einen Blick oder mehr wert. (Und seien wir ehrlich, manchmal ist das die konzeptionelle Idee, die man von einem C-Level zugeworfen bekommt.) Es macht das Transcoding, das Management der Videos, und auch in einem Nicht-Microsoft-Browser funktioniert es mehr als nur leidlich. Ich hatte auf meinem Mac überhaupt keine Probleme in Chrome. Das Backend ist modern, sieht aufgeräumt aus.

Editing-Video-Microsoft-Stream

Screenshot: Microsoft

Manche Ansichten sehen noch aus wie ein interaktiver Klickdummy, aber es funktioniert halt:

Screenshot: Microsoft

Screenshot: Microsoft

Ein neuer Nutzer für unsere derzeitige Lösung kostet uns etwa 40-50 Euro pro Monat. Wenn das gleich als Bundle mit Office 365 dabei ist, ist das eine spannende Lösung. Derzeit erfüllt Microsoft Stream nicht alle Anforderungen, die ich als Head of Product bei einem Videolizenzanbieter habe. Aber als normaler Marketer? Der reine Video-Fokus nimmt es noch etwas aus dem Rennen, weil die meisten DAMs viele verschiedene Dateitypen behandeln können. Man muss schon sehr sauber argumentieren können, warum Microsoft Stream derzeit und mit einem angenommen Launch-Featureset in 2016 noch eine Nummer zu klein ist. Aber sauber argumentieren ist eh eine gute Sache, nicht nur für DAM-Investitionsentscheidungen.

Zeit für die DAM-Anbieter, wirklich mal sich mit User Experience in einem Kernprodukt zu beschäftigen und der Erweiterbarkeit ihres Systems auf viele unterschiedliche Distributionswege und Ausspielkanäle zu beschäftigen. Und ja, Microsoft Stream kam wirklich überraschend. Die Domain wurde erst im Mai 2016 registriert.

DAM: Die zweite Welle ist dezentral

Die Begrifflichkeit der Welle finde ich ein bisschen schwierig, weil ich dabei immer an Terrorismus denken muss. Aber dennoch stimme ich all dem zu, was in diesem etwas nischigen Post geschrieben wird:

DAM’s Next Wave Anticipates Our Connected Future: „DAM’s first wave was comprised of the management practices and technology designed to enhance the inventory, control and distribution of digital assets (rich media such as photographs, videos, graphics, logos, marketing collateral). „

(Via.)

Erst muss man alle seine digitalen Besitztümer, weil das sind Assets nämlich, sammeln, bevor man sie verteilen kann. Viele eher regionale Verlage sind etwa derzeit in dieser Phase – sie schaffen sich Videoteams an, und die stellen ihre Inhalte in ein Mediacenter auf ihrer Website.

In der zweiten Welle, die die digital-only Player wie Buzzfeed reiten, verteilen die Medienunternehmen ihre Inhalte überall hin. Distribution schlägt Produktion, so ähnlich hat das mein Ökonomieprofessor schon zu Unizeiten formuliert. Facebook Instant Articles und Google AMP, Apple News, Snapchat, all das sind Worte und Kanäle für diese Dezentralisierung.

Ein gutes DAM muss eigentlich die Kontrolle darüber gewährleisten, wo die Inhalte sind. Die meisten Systeme lassen aber einfache Feedbackschleifen, über die ich Ausspielorte am Datenspeicher nachtragen kann, vermissen.

Erst in einem Datensee kann man das alles wieder einigermaßen einfangen. Deswegen haben ja Big Data und die Datenanalyse ja gerade solche Konjunktur. Hadoop ist niemand aus GoT, keine Angst, der tut keinem weh.

Wenn ich also heute Produktmanager für ein DAM würde, würde ich hier mit der Bedarfsanalyse anfangen – sind das Anforderungen, die auch Mittelständler haben (vermutlich ja, viele Systeme können jetzt schon YouTube)? Und dann mal einen Prototypen bauen, auf Basis der hoffentlich längst vorhandenen API. Wenn du keine API hast, bist du eh weg vom Markt. Dann solltest du, lieber DAM-Hersteller, mal schnell mit einem Rewrite anfangen.