Amazon tötet nicht nur Buchhandlungen, sondern eröffnet auch welche

In den Urlaub fahre ich mit einem Kindle, und der Kindle-App fürs Smartphone und dem iPad. Ja, es wäre schön, wenn es auch einen vertikal integrierten, Usability-optimierten deutschen Buchhändler gäbe, aber irgendwie ist das Thalia-Telekom-Konstrukt und der Tolino Shine auch nicht wirklich weniger kartellrechtlich bedenklich als Amazons Angebot.

Dennoch liebe ich Buchläden – zumindest in meiner Erinnerung und als Idee. Ich meine nicht diese Buchhandlungen, wo jede Kettenfiliale gleich aussieht, man auch mit dem Europaletten-Hubwagen durchfahren kann und gleich hinter den Bestsellern die „Freche Frauen“-Abteilung auf eine wartet. (Buchkäufer sind mehrheitlich Frauen, und Leser sowieso, daher Fokus auf eine Geschlechterbezeichung. Ist nicht als Herabwürdigung anderer Geschlechter gemeint.)

Foyles in London war eine Offenbarung, und Shakespeare & Co in Paris auch. Wenn Buchhändler Nr. 1, Amazon, jetzt auch Buchläden eröffnet, finde ich das erst einmal sehr interessant, und würde am liebsten mal einen sehen. (Sobald komme ich nicht in die USA, und daher lese ich darüber. Auch Zusammenfassung von Ladenbeschreibungen.)

Amazon’s data-driven bookstores: „There are signs for books rated ‘4.8 Stars & Above’, a shelf of ‘Books Kindle Readers Finish in 3 Days or Less’, a section of ‘If You Like [this book], You’ll Love [these other books]’“

(Via.)

In deutschen Buchhandlungen kennt man diese Lesezeichen, die Mitarbeiter geschrieben haben. Ich finde den Verzicht auf Persönlichkeit bei Amazon und den Ersatz von Subjektivität durch den Geschmack der Masse gleichermaßen faszinierend wie verstörend. Aber es untermauert den Wert von Ratingsystemen mit vielen Teilnehmern. Klar, es werden auch viele „Shades of Grey“ mögen. Aber in Summe dürfte das Buch nicht hoch abschneiden.

Ratings sind gerade ein Lieblingsthema von mir, weil ich den Whuffie-Aspekt von „Daemon“ von Daniel Suarez sehr gelungen finde.

Wo kann man sie schon sehen, die Zukunft im Journalismus?

In vielen Verlagshäusern, den Bastionen der freien Demokratie, der Öffentlichkeit, der Willensbildung, zweistelliger Rendite und gediegener Ledersofas, wird an der Zukunft im Journalismus gearbeitet. Oft in kleinen Skunkworks-Teams, mit Wissen der Chefs, aber ohne die Bereitschaft derer, auch wirklich etwas am Status Quo zu ändern. Digitale Transformation ist ein blödes Wort, aber eigentlich wäre das ein vernünftiges Ziel für diese Häuser.

Viel zu klein sind diese Teams, viel zu isoliert, viel zu jung, um wirklich etwas am schleichenden Verfall zu ändern. Schleichend? Verfall? Ja, wenn man sich die Auflage der Zeitungen ansieht. Die Auflage der Tageszeitungen in Deutschland, und mit Tageszeitungen verdienen Verlage noch Geld:

Zukunft im Journalismus? Nicht lokal und in Print

Aber es ist natürlich abzusehen, dass die Auflage irgendwann Null sein wird:

Wahrscheinlicher ist es, dass die Auflage schneller abstürzt.

Auch wenn man das mit der ständig steigenden Lebenserwartung der Leser und Abonnenten in Bezug setzt – es wird nicht gut ausgehen.
Das Problem der Verlagshäuser ist ihr Häuser-Charakter. Die Häuser sind ganz schön groß, da gibt es viele Zimmer und viele Parteien, die darin wohnen – sprich arbeiten und Geld verdienen wollen. Gehen wir sie mal der Reihe nach durch: die Vertriebsabteilung, die dafür sorgt, dass die gedruckte Zeitung zum Kunden kommt. Den Vertrieb macht das Internet billiger. Distribution ersetzt Produktion, sagen die Netzwerkökonomen schon lange.

Die Produktion: Eine Website ist billiger als eine Druckmaschine. Vier Farben kann das Internet schon lange, und brillant gemischt sind sie auch noch. RGB 1, CMYK 0. Druckmaschinen können die Verlagshäuser, Internet eben nicht.

Bleiben die Content-Produzenten. Auch die braucht man künftig, aber eben nicht mehr all ihre Aufgaben. Chronistenpflicht? Dafür gibt es (leider?) keine ökonomische Begründung. Die Zukunft im Journalismus hängt am Mehrwert, den die Praktiker kreieren. Nein, die Journalisten werden auch nicht für die Geschichten gebraucht, sondern für eine funktionierende Gemeinschaft. Seien wir ehrlich, in vielen Ein-Zeitungs-Kreisen findet das schon lange nicht mehr über die Medien statt, sondern über Super-Konnektoren in Vereinen, Parteien und auch Unternehmen. Die wissen oft besser über ihre Gemeinde Bescheid als irgendwer in den Redaktionsräumen.

Als ich Journalismus gelernt habe, war das noch anders. Da gab es in vielen Lokalredaktionen die Frauen und Männer, die wussten, was in den Hinterzimmern und an den Werkbänken gesprochen wurde – weil sie Teil ihrer Community waren.

Wenn man mich nach dem Erfolgsfaktor von hyperlokalen Journalismus-Projekten fragt, ist es nicht die Qualität des Journalismus‘, der dort betrieben wird. Sondern: Drücken diese Projekte, egal ob Prenzlauer Berg Nachrichten oder Tegernseer Stimme, das aus, was ihre Community braucht und bewegt? Sind sie im Einklang mit ihrer Community? Dann sind auch Einnahmen über eine neue Abo-Finanzierung möglich. Journalismus-Professor Jeff Jarvis hat das schon in seinem einflussreichen Buch „What Would Google Do“ geschrieben:

Look at your constitutents, customers, community, audience – even your competitors – and ask how you can bring them elegant organization, especially now, as the internet disrupts everything.

Das kostet dann vielleicht nicht mehr 30 Euro im Monat, sondern eher fünf. Die Zahlungsbereitschaft der Menschen, die wir mal Publikum oder Zielgruppe genannt haben, ist drastisch gesunken. Wenn Netflix keine zehn Euro kostet, warum soll denn die Zeitung oder das, was früher mal Lokalzeitung war, mehr kosten? Die Kostenstruktur der Häuser (Steine, Maschinen, Menschen) ist den Nutzern egal. Sie zahlen für den Mehrwert. Da, wo viele Städte inzwischen selbst Lokalnachrichten produzieren, ist die Unabhängigkeit der Berichterstattung wenig wert. Und damit sind auch die alten Apparate nicht finanzierbar. Ich träume von einer Welt, in der die alten Verlagshäuser mit ihren Resopal-Oberflächen und Büro-Auslegeware zu Begegnungsstätten einer neuen interessierten Bürgerschaft werden. So etwas wie ein immerwährender Zeit-Leser-Kongress.

Und damit wären wir bei den Beispielen, die mir Mut machen: Es gibt Häuser, auch von Verlagen, die den Weg in die Zukunft im Journalisms nicht scheuen. Weil sie wissen, dass die alte Welt irgendwann alte Welt ist und revolutionär abgeräumt wird.

Die Zeit haben wir schon erwähnt. Von meinem Mancrush auf Jochen Wegner, den Online-Chefredakteur von Zeit.de habe ich auch erzählt. Aus seinem Team kommen mit den Leser-Events, die man wohl besser Kristallisationen der Zeit.de-Community nennen sollte, tolle Ideen, wie Zukunft organisiert werden kann. Community muss man leben, sich investieren, ohne direkt daraus Profit schlagen zu wollen.

Update: Jochen Wegner hat in einem langen Beitrag für das Magazin Journalist, den er auch bei Medium online gestellt hat, mehr über diese Community-Bemühungen und das Versammeln eine Gegenöffentlichkeit(?) geschrieben. Geschätzte Lesezeit: 14 Minuten.

Print ist noch lange nicht tot, es muss auch in die Nische gehen: Aus Australien macht Kai Brach sein Indie-Internet-App-Digital-Natives-Magazin Offscreen. Und der Name ist Programm. In hochwertiger Aufmachung und minimalistischem Design stellt er Gedanken von Digital-Vordenkern vor, und auch Denker, die man noch nicht kannte. Es gibt eine locker vernetzte Internet-Boheme, die das Magazin kennt und schätzt. Trotz eines Heftpreises von 20 Dollar. Jede Ausgabe ist die Einladung zum Innehalten, zum achtsamen Hinterfragen der Hektik. Nicht alles an dem Heft ist perfekt, mich stören etwa die Fotostrecken aus den Startup-Hochglanz-Großraumbüros, die auch internationaler einander immer ähnlicher werden. (Und was man auch online bei Gründerszene oder Deutsche Startups finden könnte.) Unbearbeitetes Holz oder geöltes Holz, Kicker, Thinktanks haben Resopal abgelöst, aber es ist von der gleichen Austauschbarkeit.

Und als Drittes kommen wir zu T3N. (Eigentlich sollte dieser Post nur über dieses Unternehmen gehen, aber ich muss ja immer einbetten und Kontext herstellen. Nennt es Erklärbär oder Mansplaining.) Das war mal ein Magazin für die Softwareszene rund um das Content Management System Typo3. Das erklärt den Namen. Inzwischen ist es aber viel mehr als das, es ist für mich das neue heise.de mit einem Fokus. Es kommt auch Hannover, ich habe es gedanklich schon oft genug mit dem Heise-Verlag (der macht die Computerzeitschrift) verwechselt. Aber es kommt von Yeebase, einer Neugründung aus dem Jahr 2005. Längst ist die Zeitschrift, die vier Mal im Jahr erscheint, nur Teil der Bemühungen. Die Webseite ist täglich aktuell, 15 Redakteure arbeiten dran.

Ich weiß das, weil ich auf einer Abendveranstaltung des unglaublich rührigen Media Labs Bayern war, wo CTO Martin Brüggemann T3N vorgestellt hat. Für einen Hackathon Anfang Juni hat T3N seine interne Content API, über die alle Inhalte, die im Haus je hergestellt wurden, erreichbar sind, auch extern verfügbar gemacht. Ohne Zugangsbeschränkungen.

Nichts Besonderes, wenn man aus der Softwarewelt kommt. Aber für Verlage ist das eine Revolution. Wie viele Verlage verdienen Geld mit Klagen gegen KMUs, die Presseberichte einfach so scannen und auf ihre Homepage stellen? Wie viele Verlage wollten die Ausschüttung aus der VG Wort an die Urheber anfechten? Wie viele Verlage verdienen Geld mit Pressespiegeln? All das sind Abwehrkämpfe, die zwar kurzfristig Früchte bringen, aber langfristig zum Scheitern verurteilt sind.
Ob sich der Aufwand für T3N lohnt, mit einem Hackathon zu wirklich neuen Ideen für die Zukunft im Journalismus zu kommen, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch. Zu konventionell waren die Ideen, die wir alle in einem Design-Thinking-Workshop auf dieser Abendveranstaltung entwickelt haben. 18 Monate in die Zukunft denken – ja. Aber mehr als zehn Jahre? Puh. Ich drücke aber alle Daumen, die ich habe!

Filmkritik „Die Schöne und das Biest“ (2017)

Hach, was ist Emma Watson schön!

Longbottomen ist ja mittlerweile ein Wort – für Jungs aus der Besetzung der Harry-Potter-Filme, die Männer wurden, und was für hübsche.

Alle, die mehr als Platitüden erwarten von diesem Text, sind jetzt hoffentlich weg. Ich fühle mich bei Musicals wie diesem eh etwas seltsam, wenn ich wirklich belastbar die Qualität des Filmes beurteilen soll. Das ist bei Komödien auch ähnlich, da steht und fällt die Wirkung des Films mit der Synchronfassung. Belle (Emma Watson) singt auf Deutsch ganz nett, das Biest hingegen nicht so. 

Vor einigen Wochen bewarb Netflix auf seiner Startseite (die natürlich in den HÖCHSTEN Tönen und BUNTESTEN Farben personalisiert ist) die Zeichentrickversion von „Die Schöne und das Biest“, den ersten aus der Reihe der großen Erfolge von klassischen Disney-Filmen in den neunziger Jahren. Alle Kolleginnen, die auch bei Netflix sind, haben das auch angezeigt bekommen.

Mein Favorit war während dieser Disney-Renaissance in den 90ern übrigens nicht „Der König der Löwen“, sondern „Aladin“ – wohl auch wegen der Stimme von Robin Williams (er sprach den Geist aus der Flasche). Die Lieder kann ich heute noch mitsummen, obwohl ich den Film mindestens ein Jahrzehnt nicht gesehen habe.

Und der alte Film „Die Schöne und das Biest“ ist dramaturgisch erstaunlich ruppig. Einige Längen, einiges ging mir zu schnell. Da ist das Real-Life-Action-Remake in 3D schon etwas ganz Anderes. In einer verlässlichen Geschwindigkeit bewegt sich der Film, wirklich auf handwerklich herausragendem Niveau. Aber irgendwie wollte bei mir der Funke nicht überspringen. Viele Details sind wirklich bezaubernd:

  • Etwa wenn Belle durch den Garten des verwunschenen Schlosses geht und als gelber Fleck in der Ferne verschwindet – da verlässt sich Regisseur Bill Condon („Gods and Monsters“, zwei Twilight-Filme/-Teile) allein auf die Kraft des Bildes. Warum ist das kein inniger Moment? Weil die Continuity gepennt hat: Die Entfernung zwischen der Schönen und dem Biest verändert sich mehrfach in dieser Szene. Das ist kein Jumpcut, sondern Schlamperei, die sich in einem so teuren Film einfach lieblos anfühlt.
  • Im Original-Zeichentrick ist das Highlight die 3D-animierte Tanzszene von Belle und dem Biest – im großen Saal des Schlosses. Da schimmert alles, die Lichtstimmung passt, wie bei einem Krönungsparteitag einer Demokratie. Es ist der Moment, in dem sich der letzte Rest von Spannung zwischen den beiden löst. Die andere Art der Animation in dieser Szene bleibt aber auch eine Art Fremdkörper, weil es so anders aussieht. Im Remake arbeitet die Musik stark auf diese Auflösung hin, aber filmisch wird keine andere Ebene betreten: Alles bleibt glatt und geht seinen Gang.
  • Im Original sind die Figuren Karikaturen, vor allem die Bösen – Gaston und sein Buddy/Mitläufer Le Fou. Erstaunlicherweise gewinnt Gaston ein wenig Charakter. Er ist immer noch ein frauenverachtender Macho, der am liebsten mit seinem Spiegelbild Kinder haben würde, das sei klar gestellt. Aber Luke Evans schafft es, der Figur trotz aller Überzeichnung noch einen menschlichen Charakter zu geben.

Ich freue mich nach dem handwerklich tollen Film jetzt auf das Remake von „Aladin“ und vor allem auf „Untitled Disney Fairy Tale (Live Action)“ (Variety-Bericht zur Filmstartsankündigung). Der kommt 3x 2019 ins Kino, und einmal im Jahr 2020. Mindestens.

Das war Ironie.

Wertung: 3,5 von 5 computeranimierten Haushaltsgegenständen

P.S. 3D ist natürlich auch bei diesem Film absolut überflüssig. Immerhin hatte ich mal ausnahmsweise eine Brille, die ich über meinen großen, bebrillten Kopf bekommen habe – und fast gar nicht beschlug. Im Abspann finden die Macher eine schöne Idee, Schrift gemeinsam mit kleinen Vignetten der Figuren zu kombinierten. Wenn man endlich seine 3D-Brille loswerden will, gibt es hier noch mal was zum Staunen. (Bis dahin war mir vor allem der Star-Wars-Schriftzug aus dem Trailerblock im Kopf geblieben. Und Schiff/Speere/toter Vogel aus dem „Fluch der Karibik“-100-Trailer.)

Lesetipp: Gedanken über Management

Für alle, die wie ich im Bereich Technik Manager sind oder auch nur sein wollen: unbedingt lesen!

The Engineer/Manager Pendulum – charity.wtf: „Management is not a promotion, management is a change of profession. And you will be bad at it for a long time after you start doing it.  If you don’t think you’re bad at it, you aren’t doing your job.“

(Via.)

Stimmt. Bei mir waren es mindestens fünf Jahre.

Mein IndieWebCamp 2.0

Manchmal muss man Metaphern benutzen, die man selbst eigentlich nicht mag. Alles, was Versionsnummer hochzählt, mag ich nicht. Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber ProSiebenSat.1 gab es für den Trend zum nicht-linearen TV-Konsum den Begriff TV 3.0. (Was 2.0 war, wurde meines Wissens nach nicht definiert.) In der Fachpresse der Businesskasper und Anzugträger gibt es den Begriff Industrie 4.0. Es meint letztlich die Digitalisierung der Industrienation Deutschland. Denn Deutschland hat den Trend zu mehr Software statt Hardware ein bisschen verschlafen und ist dort sicher nicht mehr Weltmeister.

Ich war jetzt also auf meinem zweiten IndieWebCamp in Nürnberg, weil das erste so gut war. Beim ersten Besuch, über den ich hier auch geschrieben habe, habe ich mir das PRogrammieren an meiner eigenen Webseite noch gespart. Die Sehnsucht nach der Familie war groß, sodass ich den Besuch in Nürnberg damals abgekürzt habe. Diesmal wollte ich aber rund um das Buch, an dem ich schreibe, mir auch eine zeitgemäße Autorseite erstellen. Dominic Grzbielok, Blogger, Journalist (Ironie, Freunde!), Produktmanager, Teamlead, Projektmanager, Buchautor. 

All das wollte ich mit Jekyll, einem Webseitengenerator für technisch affine Digitalmenschen, erstellen. Das habe ich nach einem halben Tag Problemen auch geschafft, die Seite ist auch inzwischen online. Schon, um mich unter Druck zu setzen, auch weiter an ihr zu arbeiten: http://dominic.grzbielok.de/

Mit das Beste daran: Damit sind in meinem Hosting-Paket wieder mal 200 MB frei geworden, weil ich die WordPress-Seite, die ich mal auf einen blauen Dunst in 2014 angefangen habe, gleich gelöscht habe. 200 MB für vier Artikel erschien mir etwas übertrieben. (Wenn ich noch ein paar weitere alte Projekte lösche, kann ich vielleicht das Paket auch downgraden, das ich bei dem Anbieter habe. Das ist ein eher mittelfristiges Ziel.)

Was habe ich also geschafft an diesem Code-Wochenende?

  • Informationsarchitektur für die Seite und auch die Homepage erstellt
    • Am meisten gleicht das einer Webseite, die ein Autor für sich erstellen würde – zum Start will ich in etwa die Informationsdichte eines Onepagers haben. Also einer Website, auf der man mit Scrollen allein navigieren kann und einen Überblick bekommt.
  • Trello-Board mit To-Dos angelegt und befüllt
  • Jekyll-Seite geklont, Theme lief nicht
  • wieder, nach Anpassungen gelöscht (Rinse and Repeat, 3x)
  • wieder, neues Theme ausprobiert
  • Gem für Push zu S3 installiert
  • S3-Bucket angelegt
  • CloudFront-Distribution angelegt
  • Begonnen, an Jekyll-Collections zu arbeiten

Damit bin ich nicht zufrieden. Aber ich bin auch kein Entwickler. Vielleicht habe ich mal irgendwann Zeit für ein richtiges Bootcamp. Lust hätte ich ja schon. Meine etwas weniger ambitionierte Jekyll-Seite zum Buch habe ich ja auch hinbekommen: http://www.relaunch-buch.de/ 

Ich habe bisher noch gar nichts über das Camp geschrieben. Aber wie immer war die Atmosphäre außerordentlich entspannt und kollegial, auch dank eines Code of Conducts, wirklich senioriger IndieWebCamp-Vordenker (Gründer Aaron Parecki; Gastgeber Joschi Kuphal; Agenturgründer Jeremy Keith). Aber gemeinsam allein haben wir alle an unterschiedlichen Projekten gearbeitet, daher ist ein direkter Vergleich kaum möglich.

 

 

 

 

 

Kämpfe von gestern: Journalist

In den letzten Jahren ist mir das Journalismus-Magazin „Journalist“ sympathischer geworden, oder zumindest wieder wichtiger geworden. Warum? Weil auch aktuelle Themen den Eingang ins Heft gefunden haben. 

So wird in der aktuellen Mai-Ausgabe 2017 auch groß über die erneuten Personalrochaden und Stellenkürzungen beim Focus-Heft berichtet. Das sollte mir nicht egal sein, weil ich in München arbeite und in Bayern lebe. (Diese Unterscheidung ist wichtig, glaubt mir.) In Bayern hat der Focus in gewissen Kreisen nämlich immer noch einen gewissen Rang. Er ist sozusagen das Symbol des bürgerlichen Widerstands gegen den und Unbehagen gegenüber dem Zeigefingerjournalismus des Spiegel. Ich sage nicht, dass das gut ist, ich sage einfach, dass es verbreitet so ist.

Sicher ist es also interessant, dass man als Gewerkschaftsmitglied etwas über andere Schicksale von anderen Gewerkschaftsmitgliedern erfährt. Aber letztlich gibt es eine ganze neue Generation an Nutzern und Journalisten, nennen wir sie mal die Millennials, für die der Focus völlig irrelevant ist. Für sie ist es wichtig, von der Personalie Daniel Drepper bei Buzzfeed zu erfahren. Die wird aber in einer dürren Einspalter-Meldung abgehandelt.

Dabei ist Drepper für Buzzfeed ein Coup, und umgekehrt auch: Buzzfeed sagt damit auch für Deutschland den Kampf um investigative Themen an. So wie das Buzzfeed-Chefredakteur Ben Smith sich schon für die USA und auch für Großbritannien mit seinem Reporter-Team erarbeitet hat. Das wäre mehr Tinte wert gewesen, die Geschichte von „Buzzfeed ist mehr als Listicles“ noch einmal zu erzählen, anstatt Abwehrkämpfe wie beim Focus zu erzählen.

Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben, weil sich ja vieles zum Guten gewandt hat beim Journalist, aber wenn das, warum auch immer, die Webseite des Heftes ist, läuft etwas falsch im Jahr 2017:

https://www.djv.de/startseite/info/journalist/das-magazin.html

Ja, das hat auch mit den internen Querelen zwischen Herausgeber, Alt-Verlag und Neu-Verlag zu tun. Aber das ist mir egal. In ein paar Wochen kann man zumindest eine Not-Internetpräsenz erstellen. Und eine Seite tief im Bauch der Gewerkschaftswebseite ist für mich nicht ganz adäquat.

Wenn ich mit dem Finger auf etwas zeigen soll, was besser wäre, sind das Poynter und Nieman Lab. Diese US-amerikanischen Institutionen und Publikationen sind viel mehr auf der Höhe der Zeit, was den Journalismus angeht.

Und das Pikante in ebendieser Woche: auch beim deutschen Onlinejournalismus. Wenn ich wissen will, was Springer plant, lese ich das in aller Regel dort zu erst. Oder konkret: Zwei Geschichten über die Ambitionen von Zeit Online. Die sind zwar auch recht kommod am Rande einer wichtigen Konferenz abgefischt, aber sie bieten einen Nachrichtenwert. Den finde ich nur bei journalismusethischen Themen im Journalist. Die bereitet er wirklich gut auf (Colditz und rechte Gewalt, vergessene Themen, Kolumne für Floskelwolke). Aber mir fehlt das Aktuelle. Wie kann man das machen? Wahrscheinlich geht es mit der aktuellen Personalausstattung nicht. Aber rechnet doch mal, vielleicht findet sich ja dafür eine Blendle-Finanzierung wie für Übermedien, das ich trotz aller Übertreibung an manchen Orten (Kampf gegen die immergleichen Windmühlen) gern unterstütze.