Wenn deine App nix taugt, wie glaubwürdig bist du dann als Digitalmesse, dmexco?

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Konferenz

Don’t judge a book by its cover
Englisches Sprichwort, entstanden etwa 1860

Natürlich sollte man das nicht tun, aber hässliche Cover haben es bei mir zumindest schwer. Sollte man digitale Veranstaltungen nach ihren digitalen Produkten beurteilen? Ich finde, man kann sie zumindest daran messen. Im September war ich also auf der dmexco in Köln, der Leitmesse der Digitalbranche in Deutschland und den mit Deutschland am meisten handelnden Ländern. Es wurde viel Holländisch gesprochen, aber noch mehr Englisch. Google, Facebook, Microsoft, YouPorn – all diese und noch viele mehr waren in der Kölnmesse Mitte September, um Geschäfte zu machen und Kontakte zu pflegen.

Und wie sich das für eine Messe gehört, die ein gewisses Größenmaß überschreitet, hat die dmexco auch eine App. Die war aber so fehleranfällig, dass ich mehrere Gespräche beim Vorbeigehen belauscht habe, die sich darum drehen, wie schlecht die App ist. Was kritisiere ich genau?

  • Die App ist am ersten Messetag 15 mal bei mir abgestürzt, auf einem ganz modernen Smartphone (Nexus 6P mit der aktuellsten Android-Version).
  • Die App bekam am zweiten Messetag ein Update, zumindest auf Android. Ehrlich? Das Netz ist so schlecht in der Messe, dafür haben die meisten kaum die richtige Verbindung gehabt – höchstens die, die an einem Stand arbeiten.
  • Als ich die App das erste Mal aufgerufen habe, auf dem Messegelände, musste ich ein Datenpaket von 37 MB herunterladen. Das hat bis mittags gedauert, bis sich das aufs Gerät geschlichen hatte. Da war ein Viertel der Messe schon vorbei.
    • Und nicht jeder Besuche will so ein heftiges Datenpaket mit dem Roaming-Vertrag herunterladen, gerade ausländische, jüngere Besucher. Das halte ich für unsensibel.
    • Vorschlag: Warum ist das Datenpaket nicht gleich im Installer enthalten? Das sprengt nicht die Größenvorgaben in den App Stores. Und wenn sich noch Aktualisierungen ergeben, dann lädt man die Differenz einfach als JSON oder ein anderes geeignetes, leichtgewichtiges Format nach. Das kann dann nicht größer sein als ein paar 100 KB. Dazu wäre ich bereit.
    • Wenn man schon so ein Datenpaket laden muss, sorge als Messebetreiber dafür, dass ich ein robustes WLAN habe, für den ganzen Tag. Ich habe nicht einmal die SSID in meinen Netzeinstellungen gefunden, die die Messeveranstalter haben plakatieren lassen. Ja, es ist schwierig, neben den ganzen Standbetreiber ein flächendeckendes WLAN zu betreiben. Aber andere Konferenzen haben das auch geschafft. Einfach mal Confconf besuchen und Best Practices abstauben.
  • Informationsarchitektur: Ich habe das Gefühl, dass sich die Macher der App nicht wirklich mit den Bedürfnissen von Messebesuchern beschäftigt haben.
    • Die Kategorien sind nicht hilfreich. Gerade die Videokategorie steckt sehr, sehr unterschiedliche Anbieter in eine Schublade. Damit konnte ich meinen Messebesuch nicht wirklich gut vorbereiten.
  • Suche: Auch die Suche war eine Katastrophe, sogar auf dem Desktop. Ich weiß nicht, ob die dahinterliegende Datenbank zu langsam war, aber es war nicht zu benutzen. Schaut euch mal die App-Suche für die Amsterdamer IBC an – da konnte ich zumindest vernünftig nach Ausstellern suchen, auch offline.
  • Offline: Testet eure App offline, ohne gute oder ohne überhaupt eine Netzverbindung. Viele Messebesucher werden das so tun, einfach weil das Mobilfunknetz auch überlastet sein wird. Funktioniert alles? Kann man nicht noch Funktionen in den App-Cache verlagern statt sie dynamisch nachzuladen? Da kann man konzeptionell noch einiges tun.

Wenn ich eine Digitalagentur hätte, würde ich nach der Messe einfach mal blind ein neues Konzept pitchen – und ich hätte auf der Messe Gespräche mit potenziellen Nutzern geführt. Leider hat das die Befragung durch die Messe selbst nicht abgedeckt. Die habe ich ausgefüllt, und da war ich auch so kritisch wie ich das hier zusammengeschrieben habe. Von daher sagt mir nicht: Warum hast du uns das nicht direkt gesagt? Habe ich, aber auf den Tablets konnte man längere Texte wie diesen hier auch unheimlich schlecht tippen.

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