Konferenz-Impressionen: IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz

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Konzeption
Es ist ein Familientreffen, meint der, der mich zum Konferenzbesuch angestiftet hat. Man kennt sich. Zwar hat die Familie der IA Konferenz 2013 in Berlin etwa 300 Mitglieder, also etwas das Doppelte von Dunbars Zahl. Aber ich habe trotzdem beim Mittagessen an Tag zwei das Gefühl, einige Gesichter schon wiederzukennen. Und zwar Gesichter, die ich definitiv von der IA Konferenz nicht kannte.

  1. (Einschub: Ich will die ganze Zeit iA Konferenz schreiben, in Anlehnung an das Tokioter/Schweizer Büro der Informationsarchitekten, die auch den famosen iA Writer gemacht haben, das beste Tool, was zum fokussierten Schreiben im Mac App Store ist.)
  2. (Einschub 2: Über die Schreibweise einer Konferenz sollte man so lange nicht nachdenken müssen. Oder anders, angemessener formuliert: Als Besucher einer Konferenz möchte ich nicht über die Schreibweise eines Namens nachdenken, um mehr Zeit für das Verdauen der Inhalte zur Verfügung zu haben.)

Die IA Konferenz wird seit Jahren vom beinahe gleichen Team gemacht, allerdings mit wechselnden Locations. Das schadet aber bemerkenswerterweise nicht dem Maße ihrer Organisiertheit. Die Bemerkungen zum Organisatorischen, die Jan Jursa am ersten Konferenztag in seiner Begrüßung charmant absolviert, sind das beste Prozess-Pflichtprogramm, das ich je gehört habe. Die Folien sollte sich jeder Organisator eines größeren Events für Knowledge Yorker besorgen. Auch damit ab zu Slideshare, bitte!

Warum ich zum ersten Mal bei der IA Konferenz war? Weil ein Kollege von seinen bisherigen Besuchen mir stets vorgeschwärmt hat. (Carsten, dir steht eigentlich eine Ticket-Provision zu.) Warum ich erst zum ersten Mal bei der IA Konferenz? Das kann ich wirklich nicht entschuldigen. Äh, sorry, ne?

Die IA Konferenz ist für die Konzepter-Szene (Menschen, die mit Ideen für Websites und die Feinkonzepte davon Geld verdienen) so etwas wie die re:publica für die Blogsphäre. Ein Klassentreffen, wo jeder jeden kennt. Nina erzählt mir beim abendlichen Bier, dass man sich gegenseitig Jobs gönnt und auch beschafft, wenn man selbst als Freelancer ausgelastet ist. Glaubwürdig. Und zwar bundesweit.

In den Vorträgen werden Fallstudien ausgebreitet, sehr ehrlich, sogar von einem Agenturmenschen wie Martin Weber-Schaeuffelen von Ogilvy, der im Umfeld etwa einer DMEXCO normalerweise nie konkret von seinen Kunden erzählen würde. Ob diese Vorträge es zu Slideshare schaffen? Da bin ich skeptisch, freue mich aber über jeden, der meine Befürchtung widerlegt.

Die Konferenz stand unter dem etwas sperrigen Motto „Prozess. Dialog. Qualität.“ In jedem Vortrag ging es irgendwie um agiles Entwickeln. Wer nicht an Agil glaubt, sollte nicht in die Agentur-Konzepter-Szene gehen. Festes Budget, fester Release-Termin, flexible Kunden und flexibler Scope- dann geht Scrum. Interessanterweise ging es fast immer um das Abliefern eines Releases, und dann ist Schluss mit Scrum. Die weiteren Vorteile von Scrum, etwa das Schätzbarmachen von Teamfähigkeiten über einen längeren Zeitraum, bleiben in den meisten Kunden-Projekten, von denen die Rede war, ungenutzt.

Vertrauen ist der Anfang von allem. Nicht nur ein kitschiger Spruch aus der Werbung der Deutschen Bank. Auch im agilen Arbeiten der Konzepterszene. Jutta Eckstein, Autorin zu Agilen Konzepten, war der Begriff Vertrauen ein Thema. Auch wenn ihr der Begriff Zutrauen lieber war.

Ich könnte hier nachbeten, was in den Vorträgen war und was dazwischen war. Dachte auch erst, dass ich das machen wollen würde. Aber eigentlich geht es um mein Staunen. So viele nette Menschen, die im Wesentlichen das Gleiche machen wie ich – auch wenn sie UX Ninja oder Usability Expert auf ihren Visitenkarten stehen haben – oder eben Information Architect, was der klassische Begriff wäre. Sie haben Probleme wie ich in einem großen Unternehmen, auch wenn sie in einer hippen Agentur arbeiten oder im Bankenumfeld oder in der Werbung. Und hier sagen sie laut heraus, dass sie auch nur mit Wasser kochen.

Schluss.

Mit dem gelben Lanyard bin ich jetzt auch total offiziell als Information Architect ausgewiesen. Liebe neue Familie, danke für die herzliche Aufnahme. In noch keiner anderen Berufsgruppe habe ich mich so wohl und verstanden gefühlt. Gruppenumarmung!

Hier eine Auswahl der besten Tweets: http://storify.com/krautsource/die-besten-tweets-zur-iak13

Andere waren mit ihren Einsichten schneller:
http://querweb.wordpress.com/2013/05/05/iak13-in-berlin-meine-eindrucke/ – danke Sabine für deinen Vortrag!
http://wilmalendle.wordpress.com/2013/05/05/ia-goes-agile-die-ia-konferenz-2013/
http://freyheyt.de/berlin-sonne-wasserfall-iak13/

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