Symbolbild Yoga: Frau am Strand. Foto: Simon Rae/Unsplash

Nischen-SEO für Themes schön und gut, aber das geht zu weit

Eigentlich habe ich mir gedacht, ich brauche keine Pointe. Aber eine kleine Vorbemerkung schon. WordPress ist das beliebteste CMS der Welt. 25 27 Prozent aller Websites laufen darauf. Jeder kann das einrichten, und das führt auch dazu, dass jeder mitreden kann. Und das jeder Kunde werden kann.

Für kein anderes CMS gibt es so viele Designs für das Frontend wie für WordPress. Das technische Konstrukt, wie man WordPress-Frontends designt, nennt sich Themes. Um sich die Arbeit zu ersparen, so ein Theme selbst zu designen und zu programmieren, kann man Themes auch in Onlineshops kaufen. Bei vielen davon habe ich den Feed mit ihren Neuvorstellungen abonniert, damit ich auf dem Laufenden in der WordPress-Welt bleibe. Ein paar besondere Perlen habe ich heute mal aus dem Feedreader gezogen:

Die 33 besten Themen für Versicherungsagenturen
http://wplift.com/insurance-wordpress-themes

Die 25 besten Themes für Yoga
http://wplift.com/best-yoga-wordpress-themes

Die 50 besten, femininen Themes
https://themefurnace.com/blog/feminine-wordpress-themes/

Die 20+ besten Themes für Knowledge Bases
https://themefurnace.com/blog/knowledge-base-wordpress-themes/

Die besten Themes für Sportvereine
http://wplift.com/best-sports-themes

Die besten Themes für Nachtclubs
https://athemes.com/collections/nightclub-wordpress-themes/

Diese Liste könnte man endlos weiterführen. Vielleicht werde ich sie noch mal um besonders absurde Themes erweitern. Ich warte noch auf Bestatter und Aromatherapie.

Photo by Simon Rae on Unsplash

Ein et für ein u vormachen, oder: das hässlichste, weil unleserlichste Logo des Monats

Was sehen meine müden Augen in der U-Bahn? Das hier:

Mcrud logo

Es ist das Logo des Veranstalters des Werbefernsehens, das in Münchener U-Bahnen läuft. Ok, so nennen die das nicht, sondern:

Fahrgast-TV

Dort werden Wetterhinweise eingeblendet, Hinweise zum Umsteigen, aktuelle Nachrichten und manchmal auch Jobangebote beim Fenster-Programm (Berliner Fenster, Münchner Fenster). Diese Anzeige wurde auch mit dem Logo geschmückt.

Ich konnte es erst beim dritten Versuch entziffern. Da steht et und man liest es als u.

Latinum FTW.

Aber wenn dein Firmenname so kryptisch ist, ist ein Logo auch sauschwer.

Über uns:

Doch nicht Quantität steht bei der mcR&D im Vordergrund, sondern Qualität.

Wie viele Zeichen sind 65? Eigene Illustration

Wie lang darf eine Zeile sein? Beispiel AWS-Blog

Die Länge einer Zeile entscheidet mit über den Leseerfolg. Vor allem, wenn die Zeile zu lang wird, wird es für den Leser schwierig, den Inhalt einfach und vollständig zu erfassen. (Auch wenn das eh eine Wunschvorstellung ist.) Designer wissen das.

Too wide – if a line of text is too long the reader’s eyes will have a hard time focusing on the text. (https://baymard.com/blog/line-length-readability)

In der Typographie gelten Werte zwischen 60 und 75 Zeichen pro Zeile als gut lesbar. Einige empfinden auch 50 Zeichen als annehmbar. Zu schmale Zeilen erhöhen den Aufwand für die Augen ebenfalls, das sollte auch vermieden werden.

(Wird es nicht immer: Ich sehe euch an, Bild-Top-Flop-Ranking und Wired-Magazin.)

In die andere Richtung, also bei längeren Zeilen, gilt ein Wert um 100-105 als das Maximum: https://www.viget.com/articles/the-line-length-misconception

In einem gänzlich designerfernen Bereich, nämlich in der technischen Dokumentation von Neuerungen bei Amazon Web Services, finden sich die längen Textzeilen, die ich in jüngster Zeit gesehen habe. Um sie zu einfach messen, habe ich mir sogar eine Chrome Extension installiert, mit der man Zeichen in einer Markierung schnell zählen lassen kann. Den Namen und den Link verrate ich hier nicht, davon gibt es viele – die eine, die ich hatte, hat mir nicht besonders gut gefallen.

Und? Tipps gefällig?

Ich verrate es: 185 Zeichen hat eine solche Monsterzeile. Für mich ist das  unlesbar. Mein erster Klick geht dann entweder zurück in den Feedreader, oder auf den Mercury Reader von Postlight, einen Nachfolger von Readability.

(Beim Programmieren sind mehr Zeichen je nach Umfeld hilfreich, aber auch da gibt es Diskussionen über die ideale Zeichenzahl: https://news.ycombinator.com/item?id=7289967)

Das ist natürlich alles am Desktop, wo ich aber glaube, dass der Inhalt von vielen gelesen wird. Bei B2B-Veröffentlichungen wie diesen gehe ich von einem höheren Desktop-Anteil als beim sonstigen Web aus. (Die genauen Zahlen von AWS wären natürlich interessant.)

Aber: Weißt du, ob deine Webseite gut zu lesen ist?

P.S. Wenn jemand bei Amazon mir sagt, dass der Desktop-Anteil unter 10 Prozent ist und die meisten Leser die Inhalte eh im Reader konsumieren, dann ist meine Argumentation natürlich auch widerlegt. Und ich bin einfach ein hoffnungsloser Dinosaurier, dass er nicht alles am Smartphone macht.

Amazon nimmt es sehr genau mit der Zeitzone

Ich habe mich für ein Trainingsprogramm von Amazon Web Services angemeldet. Dabei ist mir dieses kleine Nugget Formular-Gold über den Weg gelaufen, also ich habe dann Berlin angeklickt:

Hintergrund sind die besonderen Steuerbedingungen der einzigen deutschen Exklave Büsingen. Die führen dazu, dass man in Büsingen mit Schweizer Franken bezahlt. Also behandelt Amazon auch die Zeitzone, die die gleiche ist, dort anders.

Medium, Plagiate sind das größte Lob

Es war einmal eine Webseite, auf der die lesbaren und auf jeder Deviceklasse gut gestalteten Texte das Alleinstellungsmerkmal waren. Sie hieß Medium.com und hatte kein Geschäftsmodell. Dann kamen die, die das auch sahen, und die alles kopierten, was sie sahen: Looks (https://code.tutsplus.com/tutorials/wordpressium-creating-a-medium-like-experience–cms-22669) und Funktionen (https://premium.wpmudev.org/blog/select-text-and-tweet/).

Also sieht jetzt Medium wieder anders aus, und ich habe immer noch Phantom-Optik-Erlebnisse. Etwa wenn ich diese Follow-Aufrufe sehe, und mein erster Gedanke ist: „Das ist doch die falsche Schrift!“ (Ist sie nicht, das ist bloß meine Erinnerung, die da spricht.)

Photo by Aaron Burden on Unsplash

Herbstputz

Du hast drei Webseiten, die du auf dem gleichen Framework basieren. Und doch haben sich Unterschiede eingeschlichen. Wie kannst du die Unterschiede wieder angleichen? Indem du erst mal herausfindest, wie der Ist-Zustand ist.

Interface Inventory | Brad Frost: „Enter the interface inventory.

An interface inventory is similar to a content inventory, only instead of sifting through and categorizing content, you’re taking stock and categorizing the components making up your website“

(Via.)

Warum mache ich das alles? Weil ich die nächste Version unseres Frontends für das Webseiten-Plattform-Produkt plane, das ich bei TargetVideo verantworte. Das wird ein Decoupled Frontend sein, erstens, weil man das heute so macht, zweitens, um die Arbeit für die Redakteure sicherer zu machen. Bei besonders großen Lastspitzen geht nämlich unsere skalierende WordPress-Umgebung dann doch mal in die Knie – etwa wenn viele Seiten neu aufgerufen werden (hallo, Google-Crawler).

Und jetzt bin ich wieder in Keynote. Tschüss!

Die Bahn: Die 2-Cent-User-Experience bei einem 2000-Euro-Stück Papier

Dass ich zur Arbeit pendle, ist bekannt. Meist mit dem Zug, manchmal mit dem Auto, wenn die Verspätungen die Anschlüsse zu einer Frechheit machen. Mein Chef hat mir sogar schon ein Buch übers Pendeln geschenkt. Montags wie heute ziehe ich aber den Zug vor. Da sind die ganzen Wochenpendler auch noch zusätzlich auf den Straßen und machen München noch mehr zu einem Nadelöhr.

Das erste Jahr im Startup ist vorbei, und jetzt stand auch die Verlängerung meiner Monatskarte für den Bahnverkehr an. Die kostet weit über 200 Euro im Monat und wird zentral in den Ländern von einer Fahrkartenstelle verschickt. Wenn man so viel Geld ausgibt, erhält man automatisch einen BahnCard 25 dazu, und weil ich mit der Monatskarte so hoch einsteige, hat die gleich Silberstatus. Der nennt sich natürlich Comfort. Das ist ganz gut, weil man damit auch in die Bahnhofslounges könnte. Könnte sage ich, weil es am Ostbahnhof in München keine gibt, sondern nur am Hauptbahnhof. Und der liegt in den allermeisten Fällen nicht auf meiner Strecke. Bringt mir also nix. Da ich nicht mit Zügen der Deutschen Bahn fahre, sondern nur mit dem privaten Anbieter Meridian. Der hat auch ein Stammkundenprogramm, aber das nimmt keiner ernst. Eine andere Geschichte.

Dass die Deutsche Bahn User Experience nicht kann, wissen wir. Wer einmal mit der ÖBB Railjet gefahren ist oder dort bloß ein Ticket gebucht hat, weiß, dass es auch mit einem deutschen Wording besser geht. Die Website der ÖBB ist wirklich spektakulär gut geworden. In Deutschland fällt mir zum Vergleich nur der lokale öffentliche Nahverkehr in München der MVG auf, die eine wirklich durchdachte Antwort gegeben haben auf die Probleme der Nutzer. Auch wenn die so anders ist, dass man sich erst einmal orientieren muss.

Was stört mich jetzt konkret an der User Experience? Wenn ich eine Fahrkarte kündige, muss ich das Stück Papier als Einschreiben an die Bahn zurückschicken, damit die sich nicht herausreden kann, das Ding nie erhalten zu haben. Das empfiehlt die Bahn selbst in ihren FAQs.

Wenn sie selbst aber eine Fahrkarte im Wert von mehr als 2500 Euro verschickt, macht sie das mit einem einfachen DIN-lang-Brief. Dann wird der Träger einfach zwei mal geknickt. Nun gut, die Fahrkarte würde ja auf ein Drittel des Papierformates passen. Aber es gibt einen Versatz von vier Millimetern, so dass ich das ganze Jahr mit einer hässlichen Knickkante in der  Plastikeinschubhülle leben muss. Das muss man im Foto sehen:

Meine Schülerfahrkarte vor 30 Jahren war genauso verknickt, jeden Monat. Aber da trug einen Gutteil der Kosten die öffentliche Hand, da war mir die Sorgfalt egal. Bahn, ich bin ein Premiumkunde und nur ein paar hundert Euro von der schwarzen BahnCard entfernt. Deren Kunden erfahren die Behandlung, die sie verdienen.

Bei jedem Autovermieter erhalte ich nach der ersten Buchung ein Stück Plastik, das professioneller und markensicherer ist. Daher habe ich mich mal daran gemacht, das zu redesignen. Wohlgemerkt, ich bin kein Designer. Aber das kriege sogar ich besser hin, Bahn.

Hier ist mein Vorschlag.

Redesign-Frequent-Traveller

Ich bin kein Designer. (Habe das mit Sketch, OpenSans als Schriftart und einem Foto von Unsplash entworfen.)

Man könnte sogar daraus ein echtes Unboxing-Erlebnis machen. Man kann das etwa in sehr günstige Echtlederhüllen stecken, manch ein Shop verschickt so etwas als Giveaway an seine Frequent Einkäufer.

Liebe Bahn, solltest du einige meiner Vorschläge zumindest für Langstreckenpendler wie mich aufnehmen wollen, mein Honorar wäre ein Jahr einer schwarzen BahnCard 100, ok?

TL;DR

Kundenzentriertes Denken findet man bei der Bahn nicht. Hochwertige Güter sollten auch hochwertig verpackt sein. Meine Fahrkarte kostet so viel wie zwei iPhones. Jedes Jahr.