Pia Betton: Magic Moments in der Markenentwicklung (IA Konferenz 2014)

Was ist Magie beim Erleben von Marken? Pia Betton von EdenSpiekermann_ hat in der Agentur herumgefragt. (Sie ist eine von fünf Partnern in der Agentur.) Die Dänin eröffnete den zweiten Tag bei der Berliner IA Konferenz, der Konzepter-Konferenz. Die erstaunlichste Antwort kam ihrer Meinung nach von Mitarbeiterin Luise, Mutter von zwei jungen Töchtern: Ich könnte den Mann von Rewe umarmen, wenn er die Einkäufe von Rewe online bringt.

Pias These sorgt beim ersten Lesen für Stirnrunzeln, beim Sackenlassen für heftiges Nicken, finde ich:

Wenn wir nur noch auf den Kunden hören und ganz customer-zentriert sind, geht das Markenerleben verloren.

Der Interaktion Senior Director Paul Woods hat behauptet, dass die Magie in den kleinen Dingen liegt. Wie etwa das Geräusch zwischen den Tracks bei Spotify, wie das ineinander übergeht. Aber die Skepsis bleibt: Kann man Markenmagie planen? Naja, so ganz fallen diese Erlebnisse ja nicht vom Himmel. Jemand muss die gestaltet haben

Beispiele für gute Markenerlebnisse:

Fontshop: Dort kann man Fonts kaufen. Kurze Geschichte. Aber eigentlich treiben die die Bedeutung von Typographie in der Welt voran. Dieser Kunde kam mit seinem funktionalen Webshop für Schriftlizenzen zu uns. Die Kunden saßen bei uns und wir haben in einem Prozess von 14 Sprints in einem Team von sieben Leuten ein Produkt entwickelt. next.fontshop.com ist vor zwei Wochen als Beta gelauncht.

Vor kurzem hätten sie auch online versucht, das Magazin-Erleben des Zeit Magazins zu übersetzen, erzählt Pia Betton. (Darüber hat auch Meedia berichtet.) Da wird jeden Tag Longform-Content erstellt, für den sie viel Freiheit brauchen, aber das Ergebnis muss auch hohen ästhetischen Ansprüchen genügen. „Natürlich haben wir Personas erstellt“, erklärt Betton. Aber Freude am Lesen haben wir in den Mittelpunkt gestellt. Dabei verhalten sich alle Module responsive, die Redakteure können diese frei benutzen.

Weiteres Beispiel ist Tcho, eine US-Premium-Schokoladenmarke. Da haben wir die Verpackung gestaltet und die Schokolade umgedreht. Das schöne Muster sieht man beim Öffnen der Tafel, nicht erst, wenn man sie umdreht. Eine ganz kleine Sache, aber bezaubernd.

Ganz andere Geschichte in Utrech: Aus den internen Daten, wie ein Zug gefüllt ist, habe man ein Anzeigesystem am Bahnsteig entwickelt. Das zeigt an, welcher Waggon wie voll ist. Das kann man im Service-Design-Ansatz natürlich auch noch online bringen. „He, die nächsten drei Züge sind alle rappelvoll, da arbeite ich mal lieber noch eine Stunde.“

Werte der Agentur:

  1. Wir sind alle Designer
  2. Verringert die Hierarchien
  3. Freiheit vor dem Prozess
  4. Echte Neugier (auch auf Nutzer)

Das Unternehmen legt Wert auf seine eigene Kultur. Betton: „Wir haben uns dafür ein internes Manifest gegeben, das wir auch zu leben versuchen.“

IA Konferenz: Markus Lackner – Collaborative Brand Persona Workshop

Markus Lackner punktet bereits mit seinen ersten Sätzen: „Wir schauen heute mal tief in unsere Küche.“ Tiefer österreichischer Dialekt, sehr warme Stimme. Lackner kommt aus Tirol, arbeitet in Wien bei Kraftwerk. (Die Firma hat die beste Kontakt-E-Mail-Adresse, die ich kenne. feelgood@kraftwerk.co.at.) „Warum nennen wir das Persona, mit einem Wort, das eh schon abgelutscht ist.“ Lackner geht es nicht um eine konzipierte Marke, sondern wie eine Marke gelebt wird. Gerade bei Neukunden sei das entscheidendes Organisationsresearch.

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IA Konferenz: Volker Buchenau – Multiscreen Markenerlebnis: „Deutsche Post“

Der Name nicht auf der ersten Folie, sein Auftreten eher zurückhaltend. Irgendwie finde ich Volker Buchenau von Pixelpark auf Anhieb sympathisch. (Pixelpark Bielefeld, Doppel-Das-gibt’s-wirklich also.)

Die Kunden-Website der Deutschen Post kam aus der mobile-Site-Welt, berichtet Buchenau. Dort wurde lange über Responsive vs. Mobile nachgedacht. 3000 Seiten sollten umziehen in eine neue Heimat. Die Menge des Contents, der versteckt wurde (etwa 90 Prozent), war der entscheidende Grund. Zum Schluss hat sich der Kunde für Responsive entschieden. Der Ansatz von Nielsen, mobil nur den mobilen Kontext anzubieten, wurde über Bord geworfen. (Wie so oft aktuell.)

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Supercharge your front-end with UX best practices / Gercek Karakus (10.5.2014)

Beim Entwickeln fängt man ja nicht mit dem Programmieren an, sondern mit einer Klärung, was man eigentlich bauen soll für seine Nutzer. Was wollen die eigentlich? Gibt es da verschiedene Typen? Gercek Karakus geht auf der Codefront.io in Linz gleich ganz voll rein. Sympathischer Typ, ganz in seinem Element.

User Centered Design beschreibt den gesamten Prozess mit zwölf Schritten. Um Probleme zu identifizieren, sollte man bereits mit dem Prototypen zu den Kunden gehen und diese befragen. Karakus will sich aber auf Prototyping konzentrieren.

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Der Skeumorphismus der Erdbeerbude

Es ist Ende Mai. Ich fahre viel über die Landstraße, da dürfen sie nicht fehlen: Erdbeerbuden. Dort verkaufen Aushilfskräfte Erdbeerkörbchen voller frisch gepflückter Feldfrüchte.

In den Jahreszeiten des Bauernhofs kommt die Erdbeerzeit kurz nach dem Beginn der Spargelzeit (die beiden laufen fast die ganze Zeit parallel), lange nach dem Beginn der Blumenzeit, kurz vor Beginn der Kirschzeit.

In etwa so sieht eine Erdbeerbude aus:

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IA Konferenz 2014: ein kleines Fazit

Angefeaturerter Einstieg

Berlin hat sich von der schönsten Seite gezeigt. Frühsommer, Dachterrasse, Blick auf den Sonnenuntergang. Und das vor pittoresker Kulisse, wenn man das zum Fernsehturm am Alex, der Kunstwelt des Potsdamer-Platz-Ensembles und vielen Baukränen sagen darf. Gendarmenmarkt war auch dabei, der zählt für drei als echt historisch, oder?

 

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IA Konferenz: Rupert Platz – Folgst du noch oder formst du schon?

Rupert Platz
Beim Mittagessen ist erst die Entscheidung für Rupert Platz gefallen. „Wo gehst du hin?“ „Zu Rupert.“ Da weiß die Branche, was sie hat. IA Konferenz ist immer auch Familientreffen, Platz ist einer von den respektierten Familien-Ältesten. Rupert Platz ist Freelancer als UX Berater. Früher war er bei Aperto. Er hat einen guten Ruf und geht heute Marken nach. „Früher fand ich Marken ja bäh“, gibt Platz gleich zu. Damit hat er mich schon mal eingefangen. „Ich bin User Experience Designer und Konzepter“, aber nicht Marketingmanager oder Werber. So beschreibt er sich selbst.

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