Twitter ist doof. Ja, aber die Alternativen sind auch nicht besser

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Social Media / Software
Klares No. Foto Gemma Evans/Unsplash

Es gibt derzeit zwei Diskurse darüber, wie doof Twitter ist. Die einen sagen: Weg von Twitter, lasst uns etwas ganz Neues aufbauen. Auftritt Mastodon: das föderierte soziale Netzwerk, für das beliebig viele Instanzen entstehen können, für die Communities. Im Grunde ist es wie ein Slack-Chat, nur offener.

Die deutschsprachige WordPress-Community ist gerade dabei, ein zwei MastodonInstanzen zu testen. Und Nerds anderswo tun das auch und schreiben darüber

Das ist natürlich Humbug. Groß wird Mastodon nie werden, weil es zu kompliziert ist und weil es auch wieder an etwas Elementarem scheitert.

Foto: Flickr-Nutzer Dennis Jarvis

Was bei Mastodon nicht stimmt:

Reed’s law is the assertion of David P. Reed that the utility of large networks, particularly social networks, can scale exponentially with the size of the network

Auf Deutsch: Je größer ein Netzwerk, nicht nur desto besser, sondern desto viel besser wird es!

  • Wenn ich mich mit meinem Benutzername registrieren muss, will ich mich damit auch anmelden. Das geht aber nicht. Nur Mailadressen werden zum Login akzeptiert.
  • the law of networks im Besonderen: Mit Bridge gibt es zwar eine App, die das Abgleichen mit dem Social Graph bei Twitter erlaubt, aber sie funktioniert nicht immer.

Auftritt zweiter Diskurs, viel kleiner. Argument: Lasst uns zu etwas zurückgehen, was wir früher mal ganz cool fanden, aber auch Gründen nicht geklappt hat. Zu Tumblr. Für die, die es nicht wissen: Tumblr war mal so etwas wie Medium-Blogging, also genau zwischen dem Microblogging von Twitter und dem normalen Blogging angesiedelt.  Und mit Medium hatte es gemein, dass es auch als Plattform funktioniert hat: Man konnte Sachen entdecken, die einem gefallen würde. YouTube für Text, Version 1 – vor Medium.com.

Let’s all go back to Tumblr | The Outline:

On Tumblr, if the same post went viral (or better yet, a well-reasoned essay on why The Dark Knight is a perfectly entertaining, visually arresting action blockbuster with the emotional depth of a puddle), all I’d see would be generic “this post was reblogged” notifications with a smidgen of attached text. The only detailed reactions I’d read would be the ones on blogs I was already following.

Es gibt ja tatsächlich eine Alternative zu neuer Aggregation in einem Vertical, wie das auch wieder Tumblr und sogar Mastodon wollen. (Wieso dürfen nämlich eigentlich die Mastodon-Instanzen-Betreiber eine eröffnen? Was qualifiziert sie dafür? Im WordPress-Fall in Deutschland ist es einer der bekanntesten Community-Organizer, das akzeptiere ich. Aber ansonsten?) Die Indie Web Camp-Macher sagen: Jeder ist eine Stimme. Und ihr Konzept ist es, jedem eine Stimme zu geben, und nicht Chöre/Communities als Ordnungsprinzip zu sehen. Das liegt mir näher. Sie sagen: Dein Blog/deine Webseite ist deine Stimme. Das taugt mir und unterstütze ich. Im Herbst wieder bei einem Camp in Nürnberg.

Photo by Gemma Evans on Unsplash

2 Kommentare

  1. Das Tolle an Open-Source ist, dass man etwas daran ändern kann. Der Login per Username ist schon ein Feature-Request: https://github.com/tootsuite/mastodon/issues/6976

    Du darfst nicht vergessen, dass Mastodon noch sehr frisch ist. Nach einem Jahr hatten weder WordPress noch Twitter die Millionen Benutzer, die sie heute haben. Ich habe aber den Eindruck, dass bei Mastodon jetzt etwas anders ist, als bei den Hypes von Ello, Diaspora & Co. Vielleicht ist einfach auch die Zeit reif.

    Was WordPress angeht, gebe ich Dir Recht. Aber seit ihr weniger twitter, schreibe ich wieder mehr in meinem Blog und das ist auch im Fediverse. Denn Du kannst Dein WordPress-Profil zu einem Account im Fediverse machen: https://kaffeeringe.de/6559/wordpress-aber-als-soziales-netzwerk/

    Mathias Pfefferle arbeitet an einer richtigen Implementierung des ActivityPup-Protokolls für WordPress.

    • Dominic Grzbielok sagt

      Ich fürchte einfach, so einem System blüht außerhalb von Nischen das Schicksal der bisherigen Versuche wie Diaspora und Identica. Da war ich auch, aber sonst “keine”.

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