Gangs of New York, ein paar Notizen

Im Übrigen bin ich immer schon der Meinung gewesen, dass Gangs of New York einer der besseren Scorsese-Filme ist.

  • Cameron Diaz läuft wie durch einen falschen Film.
  • Daniel Day-Lewis macht schon beim Zuschauen richtig Angst.
  • Der Krieg der Feuerwehren ist ein Witz.
  • Offenbar hat Scorsese noch Flashbacks auf Produzentenwunsch einfügen müssen, um es dem Zuschauer einfacher zu machen.

Und dann gingen wir schlafen.

Das Problem mit Retargeting in der Werbung – es hört nie auf

Zugegeben, im Titel dieses Blogeintrags steckt eigentlich schon alles drin. Aber ich möchte trotzdem meine Geschichte erzählen.

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Nie zuvor hat uns die Werbeindustrie besser gekannt. Viele Konsumenten und gerade auch Verbraucherschutzverbände werfen das den großen Korporationen und Marketingmaschinen vor. Wir seien zu gläsernen Konsumenten geworden. Aber so ganz stimmt das nicht. Einige Geschichten aus meiner User-Vergangenheit.

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Auch ich habe bei Zalando nach Schuhen geschaut. Der Service, den das Unternehmen verspricht und bei Zappos abgeschaut hat, sucht in Deutschland seinesgleichen. Da fällt nicht jedem auf, dass das natürlich in die Absatzstrategie eingepreist wird. Es ist gar nicht so schwer, nach dem gleichen Schuh zu googeln und ihn in einem anderen, nicht durch Film, Funk und Fernsehen bekannten Onlineshop um zehn oder 20 Euro günstiger zu werden. Zalando ist richtig gut darin, dem Nutzer dann auch auf unverdächtigen Seiten wie heise.de oder anderen Werbung für die Schuhe zu zeigen, die man sich angeschaut hat. Aber jetzt kommt der Clou: Auch wenn man bei Zalando kauft – die Schuhe bleiben erst einmal ein paar Wochen im Angebotsfenster der Banner.

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Ich finde San Francisco toll. Manchmal habe ich sogar die Möglichkeit, die Stadt zu besuchen – beruflich. Das kommt alle paar Jahre vor. Dann wird die Softshelljacke und der Fleecepulli wieder eingepackt. Vor ein paar Jahren wollte ich mal mehr sehen von der Stadt als BART und Caltrain und Fisherman’s Wharf und suchte nach einer ordentlichen Stadtrundfahrt. Ich war schon fast auf dem Weg zum Flughafen, da schauten mich die nervigen Banner immer noch an. Gebucht hatte ich diesmal keine.

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Der Großteil der Nutzer der Webseiten, an denen ich arbeite, benutzt Windows-Rechner. Da wollte ich nach drei Jahren Mac-in-der-Arbeit-und-auch-daheim mal wieder einen ganz normalen, mit Admin-Rechten ausgestatteten Windows-PC daheim habe. Die Wahl fiel auf einen Medion-Rechner. Der ist längst im Haus, ich habe schon ein bisschen was davon erzählt. Jetzt begrüßen mich auf Technik-Seiten im Netz immer noch rollierende Medion-Banner. Den Kauf haben die nicht mitbekommen.

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Ich bin Besitzer von Nexus 4, Nexus 7 und Nexus 10. Mein Google Play-Konto zeigt einige Käufe. Trotzdem leuchtet dann und wann die Werbung, auch in AdSense, für das Nexus 7 auf. Dass ich das bei Twitter in den doofen Sponsored Tweets immer noch sehe, kann ich ja verstehen. Aber Google? Du müsstest technisch längst weiter sein.

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Im Affiliate-Geschäft wird viel Wert auf die richtige Verbuchung der Kaufentscheidung gelegt. Welche Maßnahme, welches Banner war entscheidend für den Kauf? Leider haben die ganzen Shopbetreiber und Provisionsinteressierten darüber offenbar den Nutzer vergessen. Wenn ich mir das betreffende Produkt gekauft habe, darf auch gern die Werbung wegbleiben. Offenbar senden die Kaufseiten aber keine Signale an die Werbebanner, dass die jetzt nicht mehr laufen müssen. Eigentlich müsste beim Kauf in einem SSL-Vorgang doch an den Cookie, der mein Interesse an Mitropa-Duschhauben im Browser auf alle Zeit speichert, der Hinweis kommen – he, du hast gewonnen! Geh heim, und mach was Schönes aus der Provision. Tatsächlich verfolgen uns Nutzer unsere ehemaligen Interessen ein Leben lang. Das nervt. Da muss es eine bessere Lösung geben. Oder macht Https:// das alles unmöglich? Ich kaufe ja, Freunde. Also lasst mich in Ruhe.

Kolbermoor: der Tag nach dem Jahrhundert-Hochwasser

So war es: http://www.youtube.com/watch?v=X7DVQx7ZA_k

Heute ist es schon viel besser. Die Mangfall hat vielleicht noch 60 Prozent des Wassers, das sie gestern führte. Heute habe ich mir den Damm zum ersten Mal angeschaut. Gestern wollte ich a) nicht im Weg stehen und war b) mit dem Sichern des eigenen Hauses beschäftigt. Der Wasserstand der Mangfall ist um einen Meter auf vier Meter gesunken.

Die Bundeswehrsoldaten räumen wieder die Sandsäcke weg auf Paletten, zwei Bagger fahren sie auf den Parkplatz am Freibad. Kolbermoor kehrt ganz langsam wieder zur Normalität zurück. Teile der Straßen direkt an der Mangfall werden bereits wieder mit Strom versorgt, einige Häuser sind auch am Montagabend noch ohne Strom. Im Fenster stehen Kerzen, die Menschen stehen auf der Straße, rauchen, wollen die letzten lichten Augenblicke des Abends genießen. Der Strom war für heute Abend versprochen, jetzt heißt es, es könnte Morgen werden.

Zwei Rosenheimer Stadtteile stehen noch großteils unter Wasser, Schwaig und Oberwöhr. Die Notquartiere bleiben geöffnet. Viele finden heute Abend noch mal den Weg raus an den Deich, wo heute alles sehr ruhig scheint. Wo am Wochenende dutzende von Radlern entlangfahren, sind es nur ein paar. Keine Autos fahren vorbei. Dieselgestank hängt in der Luft, er kommt von den Pumpen und Aggregaten, die für ein bisschen Strom sorgen. 15 Zentimeter dicke Rohre, nein, es sind Schläuche, laufen über die Straße. Die Feuerwehr hatte am Morgen Anwohnern davon abgeraten, nach Hilfe zu rufen, wenn der Keller nur ein paar Zentimeter unter Wasser stünde. Hier hat es die meisten schlimmer getroffen, ab der Brückenstraße sieht es flussabwärts nicht gut aus. Die Böschung weist einige Lücken auf, hier wird Treibgut den Damm aufgerissen haben.

Dort ist auch die Stelle, wo es in der Nacht von Sonntag auf Montag hieß, der Damm sei gebrochen. Das Wasser war an der niedrigsten Stelle des Deiches tatsächlich über die Ufer getreten. Der Garten der denkmalgeschützten Gebäude, die zum Teil vor kurzem erst restauriert wurde, steht unter Wasser. Die zweite Brücke über die Mangfall, direkt am alten Friedhof, ist immer noch gesperrt. Selbst Fußgänger werden umgeleitet.

Heute Abend kommen dann die Tränen, so eben lassen sie sich noch unterdrücken. Die Soldaten grüßen freundlich, wir grüßen zurück. Auch ein Danke rufen wir ihnen schnell hinterher. Uns ist nix passiert. Für unseren zweijährigen Sohn ist es eh ein großes Abenteuer gewesen. Hubschrauber über dem Haus, die den Wasserstand kontrollieren. Ein Traktor, der Sandsäcke bringt, muss rückwärts aus der Einfahrt ausparken. Ein gutes Dutzend Einsatzfahrzeuge vom Roten Kreuz auf dem Supermarktparkplatz.

Die Bundeswehrsoldaten rücken weiter, ihr StUffz hat gerade das Weiterrücken befohlen. „Materialaufnahme, nächster Abschnitt.“

Normalität beginnt immer einen Meter nach dem anderen. Es werden tausende Sandsäcke sein, die heute und morgen noch weggeräumt werden müssen.

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In eigener Sache

An dieser Stelle möchten wir allen Freunden, Verwandten und Kollegen danken, die an uns gedacht haben. Wir wurden überwältigt von eurem Interesse und eurer Anteilnahme. Uns geht es gut, unserem Haus ist nix passiert, ein bisschen musste die Pumpe im Heizungskeller laufen. Bei meiner Frau in der Arbeit sieht es schlimmer aus. Dort haben wir noch kein ganzes Bild, aber die hunderte von Sandsäcken, die wir dort am Sonntag aufgeschichtet haben, haben ihre Arbeit getan. Jetzt hoffen wir auf die Elementarversicherung.

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