<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de"><generator uri="https://jekyllrb.com/" version="4.4.1">Jekyll</generator><link href="https://www.krautsource.info/feed.xml" rel="self" type="application/atom+xml" /><link href="https://www.krautsource.info/" rel="alternate" type="text/html" hreflang="de" /><updated>2026-10-22T17:58:30+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/feed.xml</id><title type="html">Krautsource</title><subtitle>Gedanken zu digitalen Produkten</subtitle><entry><title type="html">Fury in the Zeltspektakel</title><link href="https://www.krautsource.info/fury-in-the-zeltspektakel/" rel="alternate" type="text/html" title="Fury in the Zeltspektakel" /><published>2026-09-19T12:19:57+00:00</published><updated>2026-09-19T12:19:57+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/fury-in-the-zeltspektakel</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/fury-in-the-zeltspektakel/"><![CDATA[<p>Ich war mal wieder quer durch die halbe Republik unterwegs, auf Konzertreise. Ein netter Gig für den Kick im Augenblick.</p>

<p>Seit fast 30 Jahren habe ich Fury in the Slaughterhouse nicht mehr live gesehen. Damals durfte ich einem komplett desinteressierten Kai Wingenfelder sogar bei einem Meet-and-Greet die Hand schütteln, weil ich die Karten gewonnen hatte. Es war eines meiner ersten Konzerte. Unvorstellbar aus heutiger Sicht: Damals lagen oft Jahre zwischen den einzelnen Events. Es dürfte 1997 gewesen sein, und auch damals waren <em>Won’t Forget These Days</em> und <em>Time to Wonder</em> unter den letzten fünf Songs.</p>

<p>Wir kommen zusammen zu Live-Musik, um uns unserer Vergangenheit gewahr zu werden und sie zu feiern. Dad Bods werden gewackelt, Cool Moms zwischen 50 und 70 parken ihr E-Bike vor dem Gelände. Das machen die Leute im Remstal ganz vorbildlich. Zwar kommt man am besten mit dem Auto zum Zeltspektakel, weil es direkt an der B29 Richtung Aalen liegt, aber mehrere Hundert Drahtesel stehen säuberlich aufgereiht. Der Anteil der E-Bikes dürfte in dem sanft hügeligen Gelände recht hoch sein.</p>

<p>Alle zwei Jahre stemmt der Ort diesen Kraftakt: ein Festival mit viel Musik von früheren A- und B-Listern. Dieses Jahr ist Seal einer der Headliner der neuntägigen Veranstaltung auf dem Betriebsgelände eines Modehändlers. Wie schafft der Ort das? Hunderte Freiwillige helfen an allen Stellen mit. Deshalb kostet das Bier nur vier Euro und die Schorle sogar nur drei Euro. Einen Burger auf dem Gelände gibt es für sieben – Preise wie vor fünf oder zehn Jahren auf dem Tollwood in München. Daran erinnert mich das hier am meisten. Das Zelt ist deutlich kleiner als die große Musik-Arena auf dem Tollwood, und es ist voll und erwartungsfroh. Die örtliche Zeitung hat ein <a href="https://www.zvw.de/lokales/winterbach/liveblog-vom-zeltspektakel-2026-fury-in-the-slaughterhouse-rocken-winterbach_arid-1091945">Liveblog am Start</a>. Das ist die Art von Bratwurstjournalismus, wie es sie früher öfter gab.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2026/09/Fm53xocx-20260724-winterbach-kulturinitiative-getraenkepreise-1024x768.jpg" alt="" /></p>

<p>Los geht es am letzten Freitagabend vor den Sommerferien, an einem übertrieben sommerlich gut gelaunten Abend noch dazu: viel zu warm, die Sonne brennt auf das Biergartengelände vor dem Zelt. Auf der Bühne steht Fury in the Slaughterhouse. Sogar beim Voract Pohlmann sind fast alle im Zelt. Artig hält jeder dem anderen den Platz frei, wenn man zum Bierholen oder Bierwegbringen muss.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2026/09/20260724-konzertbuehne-pohlmann-1-1024x768.jpg" alt="" /></p>

<p>Fury, kurz gesagt, kommen aus Hannover, der Mutterstadt aller deutschen Musiker:innen: Scorpions – mit denen sie sogar das Pfeifen in einem ihrer größten Hits gemein haben –, Sex-Bomb-Macher Mousse T. und Satellite-Verzauberin Lena. Als FITS vor fast 40 Jahren gegründet wurden, gab es weder Spotify noch ein deutschsprachiges MTV. Damals hatte das Radio noch die Aufgabe, neue Musik zu verbreiten – also eine andere Funktion als das Radio in einem ihrer Songs.</p>

<blockquote>
  <p><em>She buys a radio station with her husband’s legacy</em><br />
<em>She does her own show ten hours a day</em><br />
<em>Plays poems and listens, lets feelings run free</em><br />
<em>Helps people talk their pain away</em><br />
<em>So if your world falls down</em><br />
<em>Can’t see the light of day</em><br />
<em>(Call the lady) call the station today, yeah</em><br />
<em>This is radio orchid, listen and cry</em><br />
<em>To all the others that suffer and die</em><br />
<em>Lyrics aus Radio Orchid</em></p>
</blockquote>

<p>Auch wenn die Band nach eigener Aussage ausgerechnet in diesen Tagen ihren ersten Radiohit hatte, kenne ich sie vor allem daher: aus dem Radio. Und von meinem besten Freund aus der Schulzeit. Der war ein riesiger Fan, bevor er sich dem aufkeimenden deutschen Rap widmete. 2023 hatten sie mit <em>Hope</em> ihr erstes Nummer-eins-Album – nur schade, dass das da schon längst keine große Rolle mehr spielte und die Währung eher Plays bei Spotify waren.</p>

<blockquote>
  <p><em>The more we take the less we give</em><br />
<em>That’s the modern way to live</em><br />
<em>Lyrics von Every Generation Got Its Own Disease</em></p>
</blockquote>

<p>Meine Lieblingssendung war damals die <em>Schlagerrallye</em> mit Wolfgang Roth. Dabei stamme ich aus der Samstagnachmittagskohorte: immer vor der Bundesliga-Radiokonferenz. In diesen Hörercharts wurde gespielt, was sich die Anrufer ausgesucht hatten; ganz früher wurde per Postkarte abgestimmt – those were the days. Als ich das Kinderzimmer endlich entrümpelte, rumpelte auch eine Menge bespielter Kassetten in den Müll. Ganz so tief wie ein Freund, der es sogar in Jurysitzungen zur Vorauswahl der Songs geschafft hat, bin ich nicht in den Kaninchenbau gestiegen. Aber die Songs von FITS geben mir ein wohliges Gefühl von Heimat, so wie der Kakao nach dem Bad am Samstag vor der „Wetten, dass..?“-Eurovisionsübertragung. <em>Time to Wonder</em> ist von 1988, <em>Won’t Forget These Days</em> von 1990. Mehr als 1.000 Konzerte haben sie gespielt; gut abgehangene Rocker sind das. Sie wissen, was sie tun, und dann überraschen sie doch: Schon bei Song Nummer drei und Nummer fünf unternimmt Sänger Wingenfelder einen Ausflug ins Publikum. Die Fans sind sehr dankbar, sehr lieb und sehr filmfreudig – Security ist auf der Kamera nicht zu sehen. Seine blauen Augen leuchten in den Momenten sichtlich auf, in denen er den In-Ear-Monitor aus dem Ohr pult, um die Lautstärke der Menge wirklich zu fühlen. Ich fühle es auch, in diesen ziemlich genau zwei Stunden.</p>

<p>Überhaupt scheint die Zeit stillgestanden zu sein hier in einem Vorort von Stuttgart. Die Menschen machen einander noch Platz, wenn jemand anderes den Sitzplatz dringender braucht. Zum Beispiel in der S-Bahn, die sich aus dem Stuttgarter Kessel weit hinaus hierher bewegt, kurz vor der Endhaltestelle und kurz hinter Sommerrain, vor dem man an diesem Abend verschont bleibt. Die Männer tragen noch ihre Muschelkette aus dem Kreta-Urlaub von ’97 auf, und das Kurzarmhemd in Koralle kommt frisch gebügelt an den Leib. Die Tattoos sind ein bisschen faltig geworden, das Publikum geht auf die Rente zu. Der Sänger ist Jahrgang ’59. Er mache einfach weiter, sie könnten nichts anderes, hat er im Interview gesagt. Alkohol wird in großen Mengen getrunken, glasige Augen schon um 20 Uhr.</p>

<p>Aber da halten es die Fans kaum anders als die Heroen auf der Bühne. Christof Stein-Schneider sagt immer wieder „Stößchen“, wenn er einen Schluck aus seinem Hellen nimmt. Sein Mikrofonständer hat eine Halterung für die Pulle. Eine feuchtfröhliche Sache sind die Konzerte immer noch. Bei <em>Milk and Honey</em> und <em>Rain Will Fall</em> muss Kai Wingenfelder mindestens einen Eimer Wasser mit Schwung in die ersten Reihen kippen. Diesmal macht er sich bei einem slapstickartigen Abgang auf der Bühne tüchtig nass – obwohl er wohl eigentlich den Gitarristen, der nicht sein Bruder ist, duschen wollte. Wingenfelder erinnert sich an seine erste Tour überhaupt, in einer Welt vor dem Internet: Die war mit The Pogues. Die kennt man von dem immer schon gelallt wirkenden <em>Fairytale of New York</em>. Und deren Sänger Shane MacGowan konnte wohl saufen und singen. Die toxische Seite der Männlichkeit zeigt sich hier dann doch unter der gutbürgerlichen Oberfläche.</p>

<blockquote>
  <p><em>It was Christmas Eve, babe,</em><br />
<em>In the drunk tank</em><br />
<em>An old man said to me</em><br />
<em>„Won’t see another one“</em><br />
<em>Aus „Fairytale of New York“</em></p>
</blockquote>

<p>Oder hier, in <em>Party Girl</em>:</p>

<blockquote>
  <p><em>I know a girl called Jane</em><br />
<em>She’s got the cutest ass of this planet</em><br />
<em>I don’t know if I could believe her</em><br />
<em>Or what she said was true</em><br />
<em>She’s just a party girl</em></p>
</blockquote>

<p>Den häufiger singenden Wingenfelder muss man sich wie einen gealterten Vin Diesel vorstellen: eine bullige Statur, ohne übertrainiert zu sein. Wie einen Meister-Proper-Darsteller aus der Reinigungsmittelwerbung, der nicht mehr gebucht wird, weil er einfach nicht mehr jung genug ist. Nicht einmal für die weirden Vorabendwerbespots rund um die <em>heute</em>-Nachrichten, mit Mitteln für und gegen Blasenschwäche.</p>

<blockquote>
  <p><em>The last dance won’t last forever</em><br />
<em>No way back, we’re running out of time</em><br />
<em>If we want this world to live forever</em><br />
<em>We need a change to leave this mess behind</em><br />
<em>Aus „Changes“ vom aktuellen Album „Changes“</em></p>
</blockquote>

<p>Was sie spielen würden, wurden die Musiker in zwei Interviews vor dem Konzert gefragt. 8/8/8 war die Antwort. Sie sind so gutherzig, dass das keine rechtsextreme Chiffre sein soll. Gemeint sind acht Songs vom neuen Album – erstaunlich gut, <em>Changes</em> ist mein Favorit –, acht Songs, die alle hören wollen, und acht Songs, auf die die Band Bock hat. Dazu gehört auch <em>Pussycat</em>, was man nicht unbedingt erwartet hätte. Die acht Songs, die alle hören wollen, packt Wingenfelder in Kategorie zwei. Manche Ansage lautet auch nur: „Ein Song aus Kategorie zwei.“ Und diese Songs sind, im Schnelldurchlauf, alphabetisch geordnet:</p>

<ul>
  <li><em>Every Generation Got Its Own Disease</em></li>
  <li><em>Haunted Head and Heart</em> – ist das einer?</li>
  <li>Oder doch eher: <em>Kick It Out</em></li>
  <li><em>Milk and Honey</em></li>
  <li><em>Radio Orchid</em></li>
  <li><em>Time to Wonder</em></li>
  <li><em>Trapped Today, Trapped Tomorrow</em></li>
  <li><em>When I’m Dead and Gone</em></li>
  <li><em>Won’t Forget These Days</em></li>
</ul>

<p>Diesen Impuls nehme ich einem der Hits auch nicht mehr ab. Sie stehen auf der Bühne und saugen die Energie aus dem Publikum, wie Vampire des Herzens:</p>

<blockquote>
  <p><em>Ooh, ooh, ooh, when I’m dead and gone</em><br />
<em>I wanna leave some happy woman living on</em><br />
<em>Ooh, ooh, ooh, when I’m dead and gone</em><br />
<em>Don’t want nobody to mourn</em><br />
<em>Beside my grave, yeah</em><br />
<em>Lyrics aus When I’m Dead and Gone</em></p>
</blockquote>

<p>Kai Wingenfelder ist noch gut bei Stimme. Sie ist nicht so nachgedunkelt, wie man das von anderen in seinem Alter kennt. Gut, er kommt nicht mehr mühelos überall die Tonleiter hoch, aber das kam er auch früher schon nicht. Auch bei seiner Rückkehr von dem Gang durchs Zelt hat er Probleme, die Bühnenleiter hochzukommen.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2026/09/20260724-fury-konzertbesucher-768x1024.jpg" alt="" /></p>

<p>Präsenz hat er noch, also das, was man heute Aura nennen würde. Und doch glaube ich, dass ich ihn mit einer Breuninger-Einkaufstüte und tief ins Gesicht gezogener Kappe auf der Stuttgarter Einkaufsmeile Königstraße nicht erkennen würde. Er ist so der coole Schwager aus dem Vorort, der im Grunde angenehm unpeinlich geblieben ist, aber immer auch ein bisschen doll mit dem Künstlerdasein herumstolziert.</p>

<p>Das zeigt sich auch, wenn er die Titelzeile des Songs zumindest auf Spanisch singt und gegen alles in der Welt anschmettert, was korrupt ist – und auch gegen den Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021:</p>

<blockquote>
  <p><em>The country’s crying out for a change</em><br />
<em>A hunger’s taken over</em><br />
<em>The flow of money has dried up</em><br />
<em>And the air smells of civil war</em><br />
<em>Aus „Viva La Revolucion“</em></p>
</blockquote>

<p>Das Lied über Deutschland heißt <em>Sorrowland</em> und ist so etwas wie der musikalische Versuch einer Brandmauer. Ein ehrenwerter Versuch in Winterbach, wo die AfD bei der jüngsten Landtagswahl 16 Prozent der Zweitstimmen erhielt und der CDU-Kandidat Christian Gehring das Direktmandat gewann. Irgendwie kann man sich den Kanzler vorstellen, wie er dazu zu etwa 15 Prozent euphorisiert am Mineralwasser nippt. Ganz wie seine Altersgenossen in Reihe eins.</p>

<blockquote>
  <p><em>Maybe tomorrow, we’ll leave in sorrowland</em><br />
<em>Tomorrow, this misery should end</em><br />
<em>Maybe tomorrow, we’ll leave in sorrowland</em><br />
<em>Tomorrow, this misery should end</em><br />
<em>Aus „Sorrowland“</em></p>
</blockquote>

<p>Sie sind Musikhandwerker, nicht unbedingt Poeten. Das findet hier Anschluss: sagen, was ist. Auch die Illustrationen der Songs auf der Leinwand folgen diesem Prinzip. Das ist vermutlich das, was sie mir vor 20 Jahren verleidet hat. Diese Band ist ein Teil von mir, einiges schwingt immer noch nach – aber ich habe mich weiterentwickelt. Kann man vom Songwriting der sechs Mannen nicht behaupten.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2026/09/20260724-fury-konzert-1-1024x768.jpg" alt="" /></p>

<blockquote>
  <p><em>When we were young, and everyone</em><br />
<em>Was chasing a dream of having fun</em><br />
<em>Being cool and a handsome son of a gun</em></p>

  <p><em>We wanted all that we couldn′t get</em><br />
<em>And everything that we got instead</em><br />
<em>Was a broken dream of being part of the A team</em><br />
<em>Aus „When We Were Young“</em></p>
</blockquote>

<p>Vielleicht ist es aber genau das, was Fury zu einem ausverkauften Konzert südlich des Weißwurstäquators antreibt. Mehr als vier Millionen verkaufte Alben stehen in deutschen Regalen oder haben ihren Weg in die Müllpresse gefunden. Hier, wo Platin und Gold noch Status bedeuten. Hier, also im Süden, wurden sie früher im Radio nicht so oft gespielt. Sie sind das Pur Norddeutschlands. Das ist keine Beleidigung, echt nicht. Die Musiker sind ähnlich alt, und auch die Bands gibt es fast gleich lange. Ehrlich, vielleicht ein bisschen zu sehr auf die Zwölf.</p>

<blockquote>
  <p><em>In the end, you’re gonna lose your values</em><br />
<em>In the end, you’re gonna lose your life</em><br />
<em>Hey you (Hey you), it’s two minutes to midnight</em><br />
<em>Weitere Zeilen aus „Viva La Revolucion“</em></p>
</blockquote>

<p>Sie hören 45 Minuten vor Mitternacht auf, die Nacht hat sich auf 14 Grad abgekühlt. Beschwingt geht es aufs Rad, ins Auto – heimwärts, höchschde Zeit fürs Wochenende. Wurscht, dass auf der Leinwand <em>loose your values</em> stand. Ihr Englisch ist ja auch beim Singen nicht das Beschde.</p>

<p><a href="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/svg/1f3b8.svg">🎸🎸🎸🎸</a> <strong>4 von 5 Gitarren, rock-solid rock gig.</strong></p>]]></content><author><name></name></author><category term="musik" /><category term="konzertkritik" /><category term="rezension" /><summary type="html"><![CDATA[Ich war mal wieder quer durch die halbe Republik unterwegs, auf Konzertreise. Ein netter Gig für den Kick im Augenblick.]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2026/09/20260724-winterbach-zeltspektakel-zelt-1-scaled.jpg" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2026/09/20260724-winterbach-zeltspektakel-zelt-1-scaled.jpg" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">Splitter vom Journalismus-Festival in Perugia</title><link href="https://www.krautsource.info/journalismus-festival-in-perugia/" rel="alternate" type="text/html" title="Splitter vom Journalismus-Festival in Perugia" /><published>2026-05-16T08:20:38+00:00</published><updated>2026-05-16T08:20:38+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/journalismus-festival-in-perugia</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/journalismus-festival-in-perugia/"><![CDATA[<p>Der Herr auf der Bank im Flughafen neben mir hat schon lange das Rentenalter erreicht. Aber das hält ihn nicht ab, zu seinen Budapestern rote Kniestrümpfe zu tragen. Eine graue Anzughose, ein blaues Hemd und einen grünen Blazer. Willkommen in Italien, du Tedesco. Du hast zwar das Leinensakko eingepackt, aber die Italiener werden dir allemal zeigen, wie man Mode schreibt und lebt. Zeigen, nicht sagen.</p>

<p>Auf Italienisch wirst du jedenfalls in keiner Bar angesprochen. Auch wenn das International Journalism Festival in Perugia eine Konferenz ist, auf der es keine Badges für die Teilnehmenden gibt, sondern nur für Mitarbeitende des Festivals, die Presse und die, die auf dem Panel sitzen. Der Eintritt ist frei.</p>

<p>Für ein kostenfreies Festival ist das alles hervorragend organisiert. Die Technik klappt meistens auf Anhieb, gerade weil die Leute vor Ort auch gleichzeitig mit dem Ton für den YouTube-Livestream verantwortlich sind. Da sei ihnen auch das Vapen am Pult verziehen.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2026/05/DSF8760-1024x609.jpeg" alt="Felicitas Carrique (auf dem großen Screen), Lucy Kueng, Anita Zielina und Michael Jarjour auf dem Panel Bridging the impact gap: how to execute on strategic shifts" /></p>

<p>Felicitas Carrique (auf dem großen Screen), Lucy Kueng, Anita Zielina und Michael Jarjour auf dem Panel Bridging the impact gap: how to execute on strategic shifts</p>

<p>Vor allem der pünktliche Beginn der meisten Panels (&lt;5 Minuten Verspätung bei denen, die ich gesehen habe) hat mich schockiert. So pünktlich war mein Zug zum Flug nicht, und der Flug auch nicht. In Deutschland Streik beim Betreiber des Fluges und in Italien ist alles pünktlich. Die Busse in der Stadt, und die Panels auch. Tempora mutantur.</p>

<p>Nur bei einem Panel, das ich nur per YouTube mir anschaue (Frühstück war zu spät, vielleicht, weil der Abend zu lang war - aber was in Perugia passiert, bleibt in Perugia), habe ich den Eindruck - hm, das hätte ich mir sparen können. Die Kuration der Festivalteams ist wirklich gut. Selbst auf den KI-Panels ist das Wortgeklingel gering, da wird von echten Problemen transparent erzählt. KI ist das bestimmende Thema des Festivals. Das sieht man an der Größe der Cluster, die ich auf dieser Datenvisualisierung mal per Hand eingezeichnet habe.</p>

<p>Überhaupt diese YouTube-Videos. Damit kann man all das teilen, was man an Wissen von diesem Festival mitnimmt. Das machen die Organisatoren und Organisatorinnen clever, denn das Festival macht etwas Anderes aus. Plötzlich sitzt im Bus vom Flughafen jemand, den man von Twitter kennt, oder im schicken Vortragssaal jemand, mit dem man seit längerem Slack-Nachrichten austauscht. Und wer als Gruppe kommt, ist noch mehr im Vorteil - die Kollegen und Kolleginnen können gleich die Vorstellung des Neuzuwachses im eigenen Netzwerk übernehmen.</p>

<p>Mit Claude Code habe ich die Transkripte aller englischsprachigen YouTube-Videos vom Festival nach Konzepten durchsucht und daraus eine Visualisierung der Themen gemacht:</p>

<p> </p>

<p>Vom Merch vom Festival bin ich schwer enttäuscht. Es gibt keines, zumindest habe ich keins gesehen. Ich hätte da Vorschläge:</p>

<ul>
  <li>Halstücher für die, denen der ständige Wind auf der Anhöhe zu schaffen macht</li>
  <li>Kühlschrank-Magnete mit dem Logo des Festivals und einem Kugelschreiber (oder was heute für Reporter steht im AI-Zeitalter).</li>
  <li>Limoncello-Fläschchen mit Logo - dann muss man die nicht erst am Flughafen kaufen.</li>
  <li>Bacis mit Festival-Logo (das ist die bekannteste Süßigkeit der Stadt, geschmacklich so was wie das Vorbild für Ferrero Küsschen - Baci heißt ja Küsse -, und vom Ruf her so etwas wie die Mozartkugeln in Salzburg. )</li>
  <li>Fleece- oder Picknickdecken für das Mittagessen im Park mit Salat aus dem kleinen Supermarkt, wenn man keine Pasta, Pizza oder Pinsa mehr sehen kann.</li>
  <li>Eine Körperwaage für die hinzu gewonnenen Pfunde durch das durchweg gute Essen und viel zu viel Milchschaum beim Cappuccino</li>
</ul>]]></content><author><name></name></author><category term="journalismus" /><category term="konferenz" /><summary type="html"><![CDATA[Der Herr auf der Bank im Flughafen neben mir hat schon lange das Rentenalter erreicht. Aber das hält ihn nicht ab, zu seinen Budapestern rote Kniestrümpfe zu tragen. Eine graue Anzughose, ein blaues Hemd und einen grünen Blazer. Willkommen in Italien, du Tedesco. Du hast zwar das Leinensakko eingepackt, aber die Italiener werden dir allemal zeigen, wie man Mode schreibt und lebt. Zeigen, nicht sagen.]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2026/05/1778825496022-image_generation-google.png" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2026/05/1778825496022-image_generation-google.png" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">Jede*r ist ein*e Kritiker*in</title><link href="https://www.krautsource.info/jeder-ist-eine-kritikerin/" rel="alternate" type="text/html" title="Jede*r ist ein*e Kritiker*in" /><published>2026-02-25T10:48:54+00:00</published><updated>2026-02-25T10:48:54+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/jeder-ist-eine-kritikerin</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/jeder-ist-eine-kritikerin/"><![CDATA[<p>Warum ich heute nicht mehr als Filmkritiker arbeite und arbeiten würde, hat jetzt auch ein gefeuerter Literaturkritiker der Washington Post zusammengefasst (und das meine ich gar nicht sarkastisch, auch wenn es ein bisschen so klingt):</p>

<blockquote>
  <p>Maybe most readers really do feel it’s been satisfactorily replaced by the Tomatometer and Amazon customer reviews and <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2023/07/goodreads-review-bombing-amazon-moderation/674811/">friends on Goodreads</a>. Really, maybe they do.</p>
</blockquote>

<p>Wie er schätze ich es, wenn <a href="https://www.sueddeutsche.de/autoren/claudius-seidl-li.3308411">Claudius Seidl</a> oder <a href="https://www.newyorker.com/contributors/anthony-lane">Anthony Lane</a> etwas über Filme schreiben (tun sie beide fast nicht mehr). Aber es ist nur Genuss, nicht mehr Journalismus, der mir in meinem Leben weiterhilft. Dafür komme ich a) zu selten ins Kino, und b) habe ich zu wenig Zeit zum Lesen (Vollzeitjob, vier Kinder, anderes Hobby). Meine Empfehlfunktion für neue Bücher und Filme kommt aus dem Freundeskreis oder aus der Arbeit. Ganze Analyse hier: <a href="https://www.theatlantic.com/books/2026/02/the-washington-posts-books-section-worked/">https://www.theatlantic.com/books/2026/02/the-washington-posts-books-section-worked/</a> (Paywall)</p>]]></content><author><name></name></author><category term="allgemein" /><summary type="html"><![CDATA[Warum ich heute nicht mehr als Filmkritiker arbeite und arbeiten würde, hat jetzt auch ein gefeuerter Literaturkritiker der Washington Post zusammengefasst (und das meine ich gar nicht sarkastisch, auch wenn es ein bisschen so klingt):]]></summary></entry><entry><title type="html">Generation (Golf?) schaut in den Rückspiegel</title><link href="https://www.krautsource.info/generation-golf-schaut-in-den-rueckspiegel/" rel="alternate" type="text/html" title="Generation (Golf?) schaut in den Rückspiegel" /><published>2025-08-05T18:12:24+00:00</published><updated>2025-08-05T18:12:24+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/generation-golf-schaut-in-den-rueckspiegel</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/generation-golf-schaut-in-den-rueckspiegel/"><![CDATA[<p>In einer <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/oasis-comeback-konzert-cardiff-li.3260873">Besprechung der Oasis-Konzert-Premiere in Cardiff</a> beschreibt der Rezensent, Martin Wittmann, perfekt das, worum es bei Konzerten der Bands meiner Jugend geht: </p>

<blockquote>
  <p>Eine ganze Generation schaut da in den Rückspiegel, es läuft der individuelle und dabei doch kollektive Coming-of-Age-Film, rückwärts. Die Anwesenden mögen nicht Regisseure ihrer Biografien gewesen sein, aber den Soundtrack immerhin haben sie selbst bestimmt. </p>
</blockquote>

<p>Alles in allem auch eine sehr lohnende Rezension. Aber es könnte sein, dass ich befangen bin, ich arbeite da ja.</p>]]></content><author><name></name></author><category term="journalismus" /><category term="musik" /><summary type="html"><![CDATA[In einer Besprechung der Oasis-Konzert-Premiere in Cardiff beschreibt der Rezensent, Martin Wittmann, perfekt das, worum es bei Konzerten der Bands meiner Jugend geht: ]]></summary></entry><entry><title type="html">8103-2</title><link href="https://www.krautsource.info/8103-2/" rel="alternate" type="text/html" title="8103-2" /><published>2024-11-13T18:26:55+00:00</published><updated>2024-11-13T18:26:55+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/8103-2</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/8103-2/"><![CDATA[<p>Kleiner Tipp für alle, die mit dem Mac arbeiten: Mich nervt die Funktion, dass ein Programmfenster automatisch auf fast Vollbild geht, wenn man das Fenster zu nahe an die Taskleiste oben am Mac schiebt. Mich nervte die Funktion, Perplexity hat mir erklärt, wie es ausgeschaltet werden kann:</p>

<blockquote>
  <p>Um das automatische Vergrößern von Fenstern beim Verschieben an den oberen Bildschirmrand in macOS Sequoia zu deaktivieren, können Sie folgende Schritte durchführen:</p>
</blockquote>

<ol>
  <li>
    <blockquote>
      <p>Öffnen Sie die Systemeinstellungen über das Apple-Menü oder das Dock.</p>
    </blockquote>
  </li>
  <li>
    <blockquote>
      <p>Navigieren Sie zu “<del>Desktop</del> (Schreibtisch, d. Red.) &amp; Dock” in der Seitenleiste.</p>
    </blockquote>
  </li>
  <li>
    <blockquote>
      <p>Scrollen Sie nach unten zum Abschnitt “Fenster”.</p>
    </blockquote>
  </li>
  <li>
    <blockquote>
      <p>Suchen Sie nach der Option “Fenster durch Ziehen an Bildschirmränder anordnen”.</p>
    </blockquote>
  </li>
  <li>
    <blockquote>
      <p>Deaktivieren Sie diese Option, indem Sie den Schalter ausschalten.</p>
    </blockquote>
  </li>
</ol>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2024/11/20241113-0728-Fenstereinstellungen.png" alt="" /></p>]]></content><author><name></name></author><category term="apple" /><category term="arbeiten" /><summary type="html"><![CDATA[Kleiner Tipp für alle, die mit dem Mac arbeiten: Mich nervt die Funktion, dass ein Programmfenster automatisch auf fast Vollbild geht, wenn man das Fenster zu nahe an die Taskleiste oben am Mac schiebt. Mich nervte die Funktion, Perplexity hat mir erklärt, wie es ausgeschaltet werden kann:]]></summary></entry><entry><title type="html">Schönwettergeschäftsmodell, LLMs und Business-Modelle - meine re:publica 2024</title><link href="https://www.krautsource.info/schoenwettergeschaeftsmodell-llms-und-business-modelle-meine-republica-2024/" rel="alternate" type="text/html" title="Schönwettergeschäftsmodell, LLMs und Business-Modelle - meine re:publica 2024" /><published>2024-05-30T20:00:48+00:00</published><updated>2024-05-30T20:00:48+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/schoenwettergeschaeftsmodell-llms-und-business-modelle-meine-republica-2024</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/schoenwettergeschaeftsmodell-llms-und-business-modelle-meine-republica-2024/"><![CDATA[<p>Alle paar Jahre sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen. So ähnlich funktioniert die re:publica für die Digitalbranche. Sie ist der Wiederbelebungskurs in Sachen gelebte Demokratie und Diskurskultur. Partizipation, Party und und (Re-)Präsentation, der Dreiklang an der Station. Also 2024 erklang er wieder an der Station, nicht mehr in der Arena. (Da war ich noch nie; aber in der Kalkscheune war ich schon dabei.)</p>

<p>(Das Festivalbändchen der rp24 interpretiere ich mal als das letzte Festivalband, das ich noch so tragen werde. Es sei denn, die Opernfestspiele oder Salzburger führen Bändchen ein - was ich jetzt nicht so kommen sehe. Für Rock im Park/am Ring bin ich zu alt, also nur noch Blog-Rock am Gleisdreieck. Weißte noch, Bloggen? )</p>

<p>Wieder an der Station - die letzten Jahre habe ich ausgelassen, so wie ich immer reichlich Ausgaben auslasse. Es muss mein viertes, vielleicht fünftes Mal gewesen sein. Zwar arbeite ich in der Branche, die natürlich auch nur eine Fiktion ist. Aber ein Dreitages-Event ist eben in einem Bundesland ohne Bildungsurlaub (rate mal) auch immer schwieriger mit den Aufgaben (Office, Home, Selfcare) zu vereinbaren. Und Pfingsten ist in und um München herum ein sehr beliebter Ferientermin für Menschen mit Kindern. Ich habe Kinder.</p>

<p>(Ich war übrigens lange genug nicht mehr da, um auszurufen: Berlin ist aber teuer geworden. Für die Tincon-Besucherin neben mir an Tag 3 waren die Frozen Yogurts für 4,50 Euro ein bitterer Witz. Klar gab es den auch ohne Topping, aber wer macht das denn bitte? Um sie korrekt zu zitieren. Die Preise fürs Essen passten nicht so richtig zum relativ günstigen Konferenzticket, my two cents.)</p>

<p>1500 Einreichungen gab es für Sessions, mehr als 300 haben es ins Programm geschafft, so die Veranstalter im Opening. Zehn oder so habe ich an zwei Tagen gesehen - viel zu wenig für ein Urteil. Aber aus meinen Zeiten als Berichterstatter von Messen weiß ich, dass das den beauftragenden Redakteur im Heimatort auch nicht interessiert. (Wie haben denn die Solinger Klingen in Frankfurt abgeschnitten, verstehste? Wellige Zeiten für Darmstädter; Containern ist nix für Reeder. Und ja, ich habe fünf Euro an den Förderverein Wortspielhölle e.V. gespendet.)</p>

<p>Was war denn das Beste? Das ist eine Quatschfrage, denn natürlich bleibt die eigene Blase auch im Gleisdreieck bestehen. Kein Mensch kann das beantworten. Vielleicht die KI? Aber zu der kommen wir später.</p>

<p>10 aus 300 steht für nix außer die eigenen Vorlieben oder den eigenen Social Graph. Nebenmann und Vorderfrau bestimmen den Kurs beim Diskurs mit. Und manchmal zieht man den Zonk, und manchmal kriegt man die ganze Gilzer-Palette.</p>

<p>Mein Highlight war der unnachahmliche Leonhard Dobusch, BWL-Professor aus Linz/Innsbruck und Fernsehratdisruptor. Er brachte Bam in Benko. Die Pleite-Saga hat er so famos aufgerollt, ich freue mich auf den Podcast zum Thema (bitte Idee nicht klauen). Selten kann ein Vortrag so sehr seinen Pitch einlösen, nicht nur auf der re:publica, sondern auf allen Konferenzen: Komplexe Vorgänge wie in einer BWL-Einführungsvorlesung zugänglich machen, nur lebhafter im rp-Style; Folien, die das Gesagte unterstützen und nicht nur doppeln. Großes Hach. Und Schönwettergeschäftsmodell ist eins meiner neuen deutschen Lieblingsworte.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2024/05/20240530-1753-Schoenwettergeschaeftsmodell-1024x768.jpg" alt="Dobusch auf der Bühne 2 mit seinem Benko-Vortrag" /></p>

<p>Das Trendthema der Stunde, naja seit Herbst 2022, (?, ist platt, aber Hype ist es auch nicht mehr) KI war auch da, aber vielleicht wusste ich schon zu viel zum Thema. Eine Stimme klonen kann ich auch daheim am Computer in weniger Zeit als auf der Session mit Besucherinteraktionen verdaddelt wurde, und klar, dass der DGB über die Mitbestimmung in Betrieben mitreden will, dass dadurch nicht Millionen und Abermillionen von Jobs gestrichen werden.</p>

<p>Spannend war, was sich durch KI beim Urheberrecht alles ändern wird. Und witzig. Habe ich auch nicht kommen sehen.</p>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2024/05/20240530-Vortrag-Joey-Heinrich-1024x768.jpg" alt="" /></p>

<p>Außerdem Creator-Panels, ich war nur bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HaPd4FyjOa8">einem</a>. Interessante Einsicht: Die meisten sehen sich von diesen fünfen als Unternehmer first, Content-Produzent second. Eine spannende Insight, zwischen den Zeilen – die waren voll on message, on brand, eigentlich ein bisschen langweilig.</p>

<p>Der Klimawandel war auch da, oder wie ich gern von Özden Terlin klauen würde: die globale Erhitzung. Die ist nicht linksgrünversifft, sondern pure Physik. Terli war so etwas wie der nüchterne Freund, der der ganzen Clique beim Ausgehen sagt: He, du trinkst zu viel. Schon seit 200 Jahren.</p>

<p>Warnruf, total logisch alles, und ich denke mir nur, TED-versaut: He, du hast hier Stage 1 bekommen (also die größte Bühne), und ich habe dennoch das Gefühl, einen nicht geprobten Vortrag zu sehen mit Längen und nur mitunter pointierten Sätzen. Wer täglich ins Fernsehen geht und dort 2 Minuten füllt, der muss doch besser erzählen können? Die Botschaft war harter Tobak, und sie kam dennoch an, aber von einem Profi erwarte ich halt eben noch ein bisschen mehr - mehr Show, mehr Bums, vielleicht auch ein bisschen mehr Aktivismus. Ok, du hast mich aufgerüttelt, schätze ich, aber was kann ich denn jetzt konkret tun?</p>

<p>Oder auch das <a href="https://www.youtube.com/watch?v=zBtmRc7R_qY">Wir-trauern-um-Twitter-Panel</a> - vielleicht ist die Fragmentierung nach X und Hopp ja auch was Gutes. Wollen wir wirklich wieder einen zentralisierten Public Square installiert bekommen? Da bin ich mir gar nicht mehr so sicher, auch wenn früher war alles besser so richtig wie falsch ist. Twitter war auch Stress, FOMO und nicht ganz so geil für die Selfcare. Es ist 2024, Baby. Für FOMO und Doomscrolling haben wir jetzt Tiktok.</p>

<p>2025 kommt sie wieder, macht wieder (hoffentlich) Station in Berlin. Ich würde ja gern also wieder nach Berlin, weißte, aber die Pfingstferien liegen wieder so gut, dass wir vielleicht unseren Sommerurlaub vorziehen.</p>

<h2 id="konferenzsplitter">Konferenzsplitter</h2>

<p>Was man auf der rp mehr sieht als sonst? Berlin-Stil, Defaultmilch ist Hafer, Defaultzahlungsmethode ist Karte, Club Mate, umfallende Mate-Flaschen, New-Balance-Shoes, eher männlich gelesene Personen mit Nagellack</p>

<p>Was man weniger sieht als sonst? Alte, weiße Männer in Anzügen, Anzugschuhe, Siezer</p>

<p>Was man mehr sehen sollte? Mehr Wasserautomaten zum Auffüllen, mehr Blogger UND Journalisten wie Dirk von Gehlen.</p>]]></content><author><name></name></author><category term="konferenz" /><category term="digital" /><summary type="html"><![CDATA[Alle paar Jahre sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen. So ähnlich funktioniert die re:publica für die Digitalbranche. Sie ist der Wiederbelebungskurs in Sachen gelebte Demokratie und Diskurskultur. Partizipation, Party und und (Re-)Präsentation, der Dreiklang an der Station. Also 2024 erklang er wieder an der Station, nicht mehr in der Arena. (Da war ich noch nie; aber in der Kalkscheune war ich schon dabei.)]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2024/05/20240530-1752-republica24-konferenz-scaled.jpg" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2024/05/20240530-1752-republica24-konferenz-scaled.jpg" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">Gedankenfetzen im ICE</title><link href="https://www.krautsource.info/gedankenfetzen-im-ice/" rel="alternate" type="text/html" title="Gedankenfetzen im ICE" /><published>2023-12-31T16:11:42+00:00</published><updated>2023-12-31T16:11:42+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/gedankenfetzen-im-ice</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/gedankenfetzen-im-ice/"><![CDATA[<p><em>Dieser Post ist im Oktober entstanden, aber ich habe jetzt erst auf Veröffentlichen geklickt. Guten Rutsch! Und gute Reise!</em></p>

<p>Innerdeutsch fliege ich nicht. Lieber nehme ich den Zug. Das Gute an der wechselhaften Internetverbindung: Wenn die Reise auf einen Werktag fällt, muss ich mir den Termin frei von Terminen räumen. Wenn die Reise auf einen Tag am Wochenende fällt, lade ich mir einfach entsprechend Kram von ein bis vier Streaming-Dienstleistern meiner Wahl herunter.</p>

<p>+++</p>

<p>Und die sinnlosen Halte im deutschen Fly-over-Country machen die Absurdität des föderalen Systems deutlich. Da hält der ICE an einem Halt mit vier Bahnsteigen in einer Stadt mit weniger als 50.000 Einwohnern. Montabaur und Limburg fallen da auch ein.</p>

<p>+++</p>

<p>Spannend sind auch die Pufferzeiten bei der Abfahrt. In Erfurt steht der Zug lange rum, im tiefergelegten Berliner Hauptbahnhof eine Viertelstunde. Warum ist das gut? Weil es Verspätungen, die bei der Bahn natürlich nie vorkommen, ausgleichen kann. Niemand hat vor, die Reise von München nach Hamburg über Berlin zu machen - also außer mir natürlich. Kassel-Fulda ist gesperrt, was will man machen.</p>

<p>+++</p>

<p>Die langweiligste Landschaft der Welt hatte ich bisher vor und hinter Hamburg (wenn ohne Meer) ausgemacht, aber die brandenburgische Steppe ist ein harter Herausforderer. Das Borussia Dortmund der langweiligen Landschaften sozusagen. Oder sollte ich besser RB Brandenburg sagen?</p>

<p>+++</p>

<p>Der Bahnhof Potsdamer Platz, den man von Süd nach Nord vor dem Berliner Tief-Hbf durchfährt: Das ist so etwas wie die gebaute Generalprobe für den Hbf, oder? Unmenschlich, zugig, kalt.</p>

<p>+++</p>

<p>Für diese Passage zwischen Nürnberg und Berlin hätte ich gern einen Scrub-Balken, so wie bei allen anderen Wolkenfilmen bei YouTube auch, ok? Oder wenigstens eine Umleitung mit 300 km/h. Geht beim TGV doch auch.</p>

<p>Prompt für Beitragsbild: Long exposure photograph from a train window showing speed and movement along a countryside track. The scene includes meadows, wind power and boring German landscape, rain is hitting the window of the train hard, it’s october. no lush greens visible, just dreary –ar 16:9 –v 5.2</p>]]></content><author><name></name></author><category term="bahn" /><category term="satire" /><summary type="html"><![CDATA[Dieser Post ist im Oktober entstanden, aber ich habe jetzt erst auf Veröffentlichen geklickt. Guten Rutsch! Und gute Reise!]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2023/12/krautsource_Long_exposure_photograph_from_a_train_window_showin_6eb3890c-3c58-4e6b-801d-a37d28a13881.jpg" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2023/12/krautsource_Long_exposure_photograph_from_a_train_window_showin_6eb3890c-3c58-4e6b-801d-a37d28a13881.jpg" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">Klassentreffen in der 2023-Edition</title><link href="https://www.krautsource.info/klassentreffen-in-der-2023-edition/" rel="alternate" type="text/html" title="Klassentreffen in der 2023-Edition" /><published>2023-09-18T08:18:28+00:00</published><updated>2023-09-18T08:18:28+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/klassentreffen-in-der-2023-edition</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/klassentreffen-in-der-2023-edition/"><![CDATA[<p>Selbstreflexion ist wohl eine meiner prägendsten Eigenschaften, glaube ich. #humblebrag</p>

<p>Jetzt war wieder Klassentreffen.</p>

<p>(Ich schreibe gern über Klassentreffen, weil sie so fokussierende Erlebnisse sind. Zeit für die Reise, Zeit fürs Nachdenken.)</p>

<p>Das Klischee will es, dass es so wird wie ein Werbespot der 90er Jahre. Mein Haus, mein Pferd, meine Pferdepflegerin. Heute wäre es ein Meme, damals kannte ich noch nicht das Wort.</p>

<p>Als gefühlter Beinahe-Boomer habe ich im letzten Jahrhundert mein Abi gemacht, das war jetzt also wirklich das wegen Corona nachgeholte, verspätete silberne Abijubiäum. Und ich habe gelernt: So etwas wie Vorhersehbarkeit für die Leben der anderen gibt es nicht.</p>

<p>Das Leben wirft einige Würfel, und manche Würfelbecher liefern auch den Minus-Sechser-Pasch, wenn es so etwas gibt.</p>

<ul>
  <li>Vom einigermaßen frischen Papa bis hin zum mehrfachen Opa ist alles dabei.</li>
  <li>Scheidung ist ein Wegbegleiter und Thema in mehreren Gesprächen, alternative Familienentwürfe auch</li>
  <li>Gesundheit, auch mentale, ist ein zentrales Thema: die eigene, die von anderen - Klassenkameradinnen, die gestorben sind oder Nahtoderfahrungen gemacht haben</li>
  <li>Morddrohungen wegen Pro-Impf-Aktivität in der Corona-Zeit</li>
  <li>Viele Eltern sind mittlerweile gestorben oder haben mit der Rente noch mal ein neues Leben angefangen; bei den Kindern oder bewusst weit weg von den Kindern</li>
  <li>Als besonders sozial geltende Klassenkameraden haben sich nurmehr zweieinhalb Jahrzehnten erheblich verändert und wollen die Rückschau vielleicht nicht</li>
  <li>Nach und zwischen den Kindern kommen Hunde ins Leben. Und gleich bei dreien haben die Hunde den gleichen Namen - Waldi ist es nicht. Fünf Punkte für Gryffindor, wenn du in den Kommentaren den richtigen Namen rätst.</li>
  <li>Schönheit ist haltbar - die Attraktiven sind es immer noch und wirken kaum gealtert</li>
  <li>Die Armut in der Heimatstadt ist so unglaublich stark gestiegen - und auch die Drogensucht.
    <ul>
      <li>Das fällt vor allem auf, wenn die Location in unmittelbarer Nähe des Konsumraums liegt</li>
      <li>Flaschensammler kommen am Hbf alle paar Minuten an den Müllbehältern vorbei</li>
      <li>Aggressives Betteln alle paar Minuten auf der Haupteinkaufsstraße</li>
    </ul>
  </li>
</ul>

<h3 id="es-gibt-auch-vorhersehbares-in-den-lebensläufen">Es gibt auch Vorhersehbares in den Lebensläufen</h3>

<p>Aber auch andere Sachen sind erwartet dabei: Gespräche über Kinder und keine Kinder, Fußball-Eltern finden sich in Geschichten von herum krakeelenden Trainern und toxischer Männlichkeit. Selbstselektion ist auch am Werk - die, die in der Klasse Außenseiter waren, kommen eher nicht, verständlicherweise.</p>

<p>Die Kinder von Ärztinnen, Anwältinnen und Apothekerinnen sind auch Ärztinnen, Anwältinnen und Apothekerinnen geworden.</p>

<p>Und: Wir sind noch nicht 50, also keine Sachen von Camp David gesichtet.</p>

<p><strong>TL;DR:</strong> Der Autor reflektiert über ein kürzlich besuchtes Klassentreffen, welches das silberne Abijubiläum feiert. Er stellt fest, dass das Leben unvorhersehbar ist, mit Themen wie Scheidungen, Gesundheit und sogar Morddrohungen. Der gesellschaftliche Wandel wird durch Beobachtungen wie steigende Armut und Drogensucht hervorgehoben. Einige Dinge sind jedoch vorhersehbar, wie berufliche Entwicklungen in Familien. Einige Klassenkameraden haben sich erheblich verändert, während andere scheinbar nicht gealtert sind. Es gibt Gespräche über Familie, Freizeit und Beruf, und während Außenseiter der Klasse tendenziell fernbleiben, folgen einige Kinder den beruflichen Fußstapfen ihrer Eltern.</p>]]></content><author><name></name></author><category term="in-eigener-sache" /><category term="kinder" /><summary type="html"><![CDATA[Selbstreflexion ist wohl eine meiner prägendsten Eigenschaften, glaube ich. #humblebrag]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2023/09/krautsource_show_a_table_in_a_traditional_german_restaurant_ove_180611e1-dc49-4bff-ae58-b1f8744936f7.jpg" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2023/09/krautsource_show_a_table_in_a_traditional_german_restaurant_ove_180611e1-dc49-4bff-ae58-b1f8744936f7.jpg" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">“Hamilton”: deutschsprachige Inszenierung in Hamburg (Juni 2023)</title><link href="https://www.krautsource.info/hamilton-deutschsprachige-inszenierung-in-hamburg-juni-2023/" rel="alternate" type="text/html" title="“Hamilton”: deutschsprachige Inszenierung in Hamburg (Juni 2023)" /><published>2023-07-01T11:19:03+00:00</published><updated>2023-07-01T11:19:03+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/hamilton-deutschsprachige-inszenierung-in-hamburg-juni-2023</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/hamilton-deutschsprachige-inszenierung-in-hamburg-juni-2023/"><![CDATA[<p>Warum ich unbedingt „Hamilton“ sehen wollte UND gut finden wollte, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich sind die Kinder dafür verantwortlich, sind sie das nicht immer? Die Male, die ich „Vaiana“ („Moana“) mit ihnen gesehen habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Wahrscheinlich müsste ich nur in meine Historie bei Disney+ schauen. Oder noch besser - in die automatischen Spotify-Empfehlungen namens „Dein Mixtape 1”</p>

<h3 id="screenshot-spotify">Screenshot Spotify</h3>

<p><img src="https://media.krautsource.info/b/2023/07/Bildschirmfoto-2023-07-01-um-10.22.00.png" alt="Bildschirmfoto 2023 07 01 um 10 22 00" title="Bildschirmfoto 2023-07-01 um 10.22.00.png" /></p>

<p>Lin-Manuel Miranda hat „You’re Welcome“/„Voll gerne“ Dwayne Johnson auf den Leib geschrieben. Ich glaube, das war das erste Mal, dass mich Mirandas Musik berührt hat.</p>

<p>Danach kam noch „Encanto“, ein weiterer Disney-Film. Auch den haben wir viel gesehen und gehört. Dabei hat er <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ljDdi7oRhJk">kolumbianische Musik und Strömungen der zeitgenössischen Musik gekreuzt</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=YRpvIiz9G8A">einen Hit</a> geschrieben (Billboard-Charts-Platz 1). Einen Ohrwurm noch dazu. Aber Miranda kann auch die lyrischen, gefühligen Stellen gut - poppig, mit viel Schmelz und Schmalz.</p>

<p>Gesehen habe ich „Hamilton” jetzt, und ich fand es sogar noch besser, als ich zu hoffen gewagt hätte. Mehr nach dem Klick.</p>

<p>Richtig legendär wurde Miranda aber mit der gefühlt immer ausverkauften Musical-Produktion „Hamilton“ am Broadway. Die gibt es seit einem Jahr auch auf Deutsch in Hamburg. Aber nur mehr ein paar Wochen. Die Nachfrage ist schwach. So füllen die Veranstalter die Reihen mit Schulklassen und Gewinnspiel-Gewinner*innen, damit das Haus nicht leer bleibt. Das ist eine Schande, wenn es auch keine Überraschung war - auch nicht für die an der Produktion Beteiligten.</p>

<p>Auch die Schauspieler hatten ihre Zweifel, ob das Musical funktionieren kann - so wie König der Löwen seit mehreren hundert Jahren auf der anderen Seite der Elbe. (Was heißt funktionieren? An Werktagen 1000 Karten für einen Durchschnittspreis von 100 Euro verkaufen und am Wochenende zwei Mal 1000. Elsa und Simba schaffen das, aber für Deutschland eher wenig bekannte <strong>IP</strong> - also <em>Intellectual Property</em> - wie Hamilton schafft das eigentlich nicht.)</p>

<p>Gino Emnes, der bei Hamilton als Aaron Burr eine unglaublich magnetische Präsenz hat, sagte dazu der deutschen <a href="https://www.vogue.de/kultur/artikel/hamilton-musical-hamburg-deutscher-cast">Vogue</a>:</p>

<blockquote>
  <p>„Tatsächlich war für mich eher die große Frage – und ist es immer noch ein bisschen –, ob Deutschland ready ist für diese Show.“ „Hamilton“ vor einigen Jahren erstmals in London zu sehen, habe ihn tief berührt. „Als queerer Man of Colour so viel Inklusion und Diversität zu sehen, zu sehen, dass verschiedene Leute auf der Bühne standen, die normalerweise nicht weiße Menschen und weiße Geschichte spielen, war für mich unfassbar emotional.“</p>

  <p>Aus dem Vogue-Text</p>
</blockquote>

<p>Wir waren wohl nicht <em>ready</em>. 😢 An Gino Emnes und seinen Kolleg*innen liegt es jedenfalls nicht. <em>It’s ze Germans.</em></p>

<p>So eine tight produzierte Show wie „Hamilton“ sucht ihresgleichen. Die Sänger und Darsteller können alles: Spielen, Singen UND Tanzen. 21 Leute sind auf der Bühne, keiner fällt ab. Die, die vorrangig tanzen, haben eine tolle und tighte Körperlichkeit. Komödie ist Tragödie plus Timing, sagt man. Hier ist Tragödie da, Komödie - und Versmaß und Musik helfen beim Timing sicher auch.</p>

<p>Nicht mal für den Applaus zwischen den Szenen lässt die Show richtig Zeit. Das Ensemble ist toll eingespielt. Die Übung - sie machen das seit Monaten an fünf Tagen die Wochen - schlägt Stadttheater-Repertoire-Aufführungen leicht aus dem Feld.</p>

<p>Dabei ist der Anspruch hoch: Hamilton ist echt anstrengend, zwei Stunden 40 Minuten wird durchgesungen und durchgerappt. 144 Worte pro Minute haben andere Kritiker gezählt, mehr als 25.000 am ganzen Musical-Abend. Manchmal fühlt sich das Zuhören an wie Trinken aus dem Schlauch. (Bei Disney+ hatte ich definitiv die Untertitel an.) Auch die Form passt da zur Story.</p>

<h2 id="was-ist-die-story-von-hamilton">Was ist die Story von “Hamilton”?</h2>

<p>Ein Einwanderer kommt in die englischen nordamerikanischen Kolonien kurz vor Gründung der USA, mit nix in der Tasche - und trifft die richtigen Leute und schreibt an der Verfassung mit. Er heiratet, wird Minister unter seinem Mentor George Washington, prägt das Finanzsystem, und wird am Ende im Duell von einem seiner Freunde getötet. Klingt nach bisschen viel für ein Leben? Ja, aber es ist großteils so belegt, auch wenn Miranda natürlich auch nicht in allen Zimmern dabei war.</p>

<h3 id="spotify-in-diesem-zimmer">Spotify: In diesem Zimmer</h3>

<p>https://open.spotify.com/intl-de/track/0Ac20J8ZZo7qP0WwjPqlJp?si=d2b7af11e603416c</p>

<p>Bei Disney+ (ja, ich nutze mein Abo) gibt es auch eine Aufzeichnung mit der Original-Broadway-Besetzung, die ich mal angefangen hatte - aber Theaterproduktionen auf dem Fernseher finde ich immer etwas steril. Allein dafür freue ich mich schon auf eine Apple Vision Pro Dolby Atmos-Brille. Und dennoch bleibt man immer dabei, es ist einfach die ganze Zeit Vollgas. Die Schulklasse, in der ich saß, war sichtbar und hörbar theaterunerfahren. Und sie haben doch an den Lippen gehangen, das Handy mit Brawl Stars blieb in der Tasche.</p>

<p>„Der König der Löwen“ ist zwar der Platzhirsch unter den Musical-Produktionen in der deutschen Musical-Hauptstadt - und auch einen Besuch wert. Aber „Hamilton“ ist kein bisschen schlechter, dabei wird sehr zurückhaltend mit dramaturgischen Möglichkeiten umgegangen. So gibt es ein paar geschickt choreographierte Läufe über Stufen und Treppen auf der Bühne, aber es bleibt der New Yorker-Stadtteil-Look mit roten Ziegeln die ganze Zeit. Die kleine Drehbühne wird magisch bespielt,</p>

<h3 id="gibt-es-denn-gar-nichts-zu-kritisieren">Gibt es denn gar nichts zu kritisieren?</h3>

<p>Na, schon, aber auf extrem hohem Niveau. Ein paar der Sänger, leider auch der Titeldarsteller Benét Monteiro, sind keine Muttersprachler. Phonetisch klingt das echt gut, aber es ist so ein bisschen störend, wie amerikanische oder italienische Sänger*innen in „Die Zauberflöte“. Dafür kann er nix, und die Sprache, die im deutschen Hiphop gesprochen wird, ist manchmal auch so.</p>

<p>Getränke sind auch zu teuer für ein kulturfernes Publikum (Wasser 0,2l für 3,80 Euro). Und die Lautstärke sollte man auch vorher einplanen: wer empfindlich ist, sollte sich Ohropax einpacken - habe 93 Dezibel gemessen. Die 100 werden sicher erreicht, auch beim Jubel des Publikums.</p>

<p><em>5 von 5 <del>Sternen</del> Schuss. Dafür wird die Bühne gedreht, gewischt, beleuchtet - gerne wieder.</em></p>]]></content><author><name></name></author><category term="musik" /><category term="kritik" /><category term="musik" /><summary type="html"><![CDATA[Warum ich unbedingt „Hamilton“ sehen wollte UND gut finden wollte, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich sind die Kinder dafür verantwortlich, sind sie das nicht immer? Die Male, die ich „Vaiana“ („Moana“) mit ihnen gesehen habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Wahrscheinlich müsste ich nur in meine Historie bei Disney+ schauen. Oder noch besser - in die automatischen Spotify-Empfehlungen namens „Dein Mixtape 1”]]></summary><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://media.krautsource.info/b/2023/07/krautsource_disney_style_animation_of_king_georgeand_alexander.jpg" /><media:content medium="image" url="https://media.krautsource.info/b/2023/07/krautsource_disney_style_animation_of_king_georgeand_alexander.jpg" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" /></entry><entry><title type="html">User Stories bahn.de</title><link href="https://www.krautsource.info/user-stories-bahn-de/" rel="alternate" type="text/html" title="User Stories bahn.de" /><published>2023-04-03T09:11:34+00:00</published><updated>2023-04-03T09:11:34+00:00</updated><id>https://www.krautsource.info/user-stories-bahn-de</id><content type="html" xml:base="https://www.krautsource.info/user-stories-bahn-de/"><![CDATA[<p>Als regelmäßiger bahn.de-Nutzer <br />
Möchte ich auch auf meiner Übersicht im Web meine anstehenden Fahrkarten sehen können,</p>

<p>Sodass ich diese für die Fahrt ausdrucken kann, </p>

<p>Damit ich nicht Angst haben muss, das mein Handy-Akku leer wird.</p>

<p> </p>

<p> </p>

<p>Hilfsweise</p>

<p>Als regelmäßiger bahn.de-Nutzer <br />
Möchte ich auch bei der Suche nach Fahrkarten (Aufträge genannt),</p>

<p>Dass im Eingabefeld Kleinbuchstaben automatisch zu Großbuchstaben werden,</p>

<p>Damit die Suche etwas findet.</p>]]></content><author><name></name></author><category term="bahn" /><summary type="html"><![CDATA[Als regelmäßiger bahn.de-Nutzer  Möchte ich auch auf meiner Übersicht im Web meine anstehenden Fahrkarten sehen können,]]></summary></entry></feed>