Sätze wie Hammerschläge: “Meine Mutter war mein erster Zuhälter”

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In eigener Sache / Journalismus
Symbolbild Allee. An Alleen wie dieses fand früher die Straßenprostitution statt. Foto: Karsten Wurth/Unsplash

Die Geschichte von mir und dem Straßenstrich ist eigentlich einer der ersten Downer, die ich guten Freunden so erzähle. Keine Sorge, ich musste nie anschaffen und ich habe auch nie als Freier unterstützt, dass Menschen von anderen Menschen ausgebeutet werden. Nein, ich habe auf einer Reportagereise in Tschechien gemeinsam mit einem Fotografen auch Frauen auf dem Straßenstrich getroffen und interviewt. So schwer das vom Handwerk ist, so bedrückend war das auch.

Meine Reportagen sind in einem Sammelband erschienen, 2002 muss das gewesen sein. 2001 war meine Reise. Damals war meine Hoffnung: Die EU-Beitrittsverhandlungen werden das zum Besseren verändern. Heute muss ich feststellen: Diese Hoffnungen waren übertrieben, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

Der Verein, dessen Arbeit ich damals auch vorgestellt habe, ist immer noch aktiv. Seine Mitarbeiter müssen in der Geschichte der Zeit-Redaktion ihre Namen ändern. Es ist ein deutscher Verein, mit Hauptsitz in Plauen (kleine Stadt im Vogtland). Die offizielle tschechische Seite hat immer noch nicht so richtig verstanden, wie man mit der wilden Prostitution umgeht.

Sexarbeit: “Meine Mutter war mein erster Zuhälter” | ZEIT ONLINE:

Die neuen Regeln in Cheb mögen das Stadtbild verbessern, doch an der prekären Situation der Frauen ändern sie wenig. Die Prostitution hat sich zum Teil in Clubs und Pensionen verlagert. “Die Stadt setzt nur auf Restriktion, nicht auf soziale Hilfsangebote”, sagt eine Streetworkerin, die Frauen in der Karo-Beratungsstelle im Ort unterstützt.

Und ich habe in Cheb, das von vielen deutschen Touristen damals immer noch Eger genannt wurde, Dinge gesehen, die unaussprechlich widerwärtig sind. Und ich muss leider bestätigen: Diese Erlebnisse, die zum reißerischen Titel meines Posts und des Artikels führten, sind kein Einzelfall. Kein Wunder, dass so viele der Sexarbeiterinnen drogensüchtig sind.

Photo by Karsten Würth (@inf1783) on Unsplash

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